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India (MSAI-India)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Rebekka, Dresden

Motivation

Der Aufenthalt in Indien war für mich eine sehr gute Gelegenheit dieses Land so kennen zu lernen, wie es wirklich ist, außerhalb der Touristenorte. Ich reise gerne und lerne gerne Menschen aus unterschiedlichen Kulturen kennen. Fremdsprachen zu lernen scheint mir leicht zu fallen.
Das Gesundheitssystem eines anderen Landes kennen zu lernen, war auch eine interessante Erfahrung und hat mir gezeigt, dass wir hier auf hohem Niveau meckern. Außerdem haben andere Länder mit ganz anderen gesundheitsbezogenen Problemen zu kämpfen.

Vorbereitung

Meine Vorbereitung fiel reichlich knapp aus. Unser Sprachenzentrum hat das Angebot an Sprachkursen scheinbar drastisch gekürzt. Ich konnte keinen Anfängerkurs für Hindi finden. Der Reiseführer, den ich mir kurz vor der Abreise gekauft habe, erwies sich als komplett nutzlos. Denn ich war in einer Stadt, wo sich normalerweise keine Touristen hin verirren. Und von dort kam man auch sehr schlecht weg. Die Adapter für die Steckdosen, die ich mitgenommen hatte, passten auch nicht. Aber meine Kontaktperson vor Ort hatte den richtigen für mich besorgt.

Visum

Ein Visum für Indien zu beantragen, war online recht unkompliziert möglich. Es wurden sehr viele Fragen gestellt, aber Deutsche sind im Ausfüllen von Formularen ja geübt. Die Gebühr (fast 80€) musste per Kreditkarte bezahlt werden. Also war ich sehr froh, dass ich mich vorher schon um so eine Karte bemüht hatte.

Gesundheit

Meine Auslandsreisekrankenversicherung musste ich nicht in Anspruch nehmen. Auch die Medikamente, die ich dabei hatte, brauchte ich nicht. Andere Austauschstudierende berichteten von Durchfällen, was entweder auf das ungewöhnliche Essen oder Infektionserkrankungen zurück geführt wurde. Bei mir verursachten die ungewohnten Speisen nur Obstipation, was zwar nicht angenehm war, aber mich nicht daran hinderte zum Praktikum zu gehen. Ich habe mich an die Regel gehalten, nur Flaschenwasser zu trinken.
Zum Schutz vor der Sonne hat meine Kontaktperson mir einen Regenschirm gegeben. Inderinnen tragen scheinbar keine Hüte, aber man geht mit Schirm spazieren. Sonnencreme hatte ich auch reichlich dabei. Irgendwie habe ich es trotzdem mal geschafft, Sonnenbrand auf der Schulter zu bekommen.

Sicherheit

Meine Kontaktperson vor Ort hat sich übermäßig Sorgen um meine Sicherheit gemacht. Jeder Schritt, den ich ohne ihre Erlaubnis gemacht habe, wurde kritisiert. Natürlich ist es richtig, dass weishäutige Mädels besser nicht allein im Dunkeln durch die Stadt spazieren. Das war aber gar nicht möglich, weil wir spätestens 21:00 Uhr im Wohnheim sein mussten. Wer zu spät kam, musste Strafe zahlen, was ich natürlich tunlichst vermieden habe. Normalerweise bin ich nach der Arbeit noch mit anderen Austauschstudentinnen Eis essen oder Kleider shoppen gegangen. Allein unterwegs sein, kam gar nicht vor.

Geld

In Indien zahlt man mit Rupien. Der Wechselkurs lag bei etwas über 70 Rupien für 1 Euro. Ich habe am Flughafen eine kleine Summe umgetauscht, um das Taxi bezahlen zu können und etwas zum Essen zu kaufen. Später habe ich dann mit der Kreditkarte Bargeld abgehoben, da an vielen Stellen Kartenzahlung noch nicht so etabliert ist. Einen Automaten zu finden, der meine Karte akzeptiert, war nicht so einfach. Am Ende funktionierte es an dem, von dem meine Kontaktperson meinte, dass ich den gar nicht erst probieren müsste.

Sprache

Englisch ist eine der offiziellen Sprachen. Das bedeutet aber nicht, dass es überall gesprochen wird. Die Ärzte sprachen alle Englisch. Der Unterricht fand auf Englisch statt. Aber der indische Akzent war manchmal schwer zu verstehen. Die Patienten sprachen of kein Englisch. Es wäre hilfreich gewesen ein paar Wörter Hindi zu sprechen. Viele Menschen sprachen aber nur ihre lokale Sprache. Da Belagavi an der Grenze zweier Bundesländer liegt, gab es auch zwei offizielle lokale Sprachen: Kannada und Marathi. Es fiel mir sehr schwer wichtige Wörter in der lokalen Sprache zu lernen, weil ich das, was unsere Patienten sagten, nicht einer Sprache zuordnen konnte. Da die indischen Sprachen auch ihre eigene Schrift haben, konnte ich auch nichts lesen.

Verkehrsbindungen

Irgendwo hin zu kommen, wo man nicht zu Fuß hin gehen kann, war schwierig. Für die Ausflüge in die Umgebung haben unsere Kontaktpersonen private Fahrer organisiert. Theoretisch muss es in Belagavi auch einen Bahnhof geben. Den habe ich praktisch nie gesehen. Für kurze Strecken nutzte man “autos”. Das sind kleine dreirädrige Fahrzeuge, in denen man bequem zwei Mitfahrer unterbringen kann. Wenn es sein muss, passen aber auch bis zu fünf rein. Die Fahrer sprachen meist kein Englisch, aber sie kannten die Namen der Uni und vieler Cafés und Einkaufmöglichkeiten, sodass sie verstanden, wo wir hin wollten. Den Preis konnten sie auf Englisch sagen.

Kommunikation

Der Umgang untereinander war ein Problem für mich. Man kommunizierte grundsätzlich im Befehlston. Einheimische Studenten wurden angeschrien oder ignoriert. Ich hatte den Ausländerbonus. Mich betrachtete man als Gast und die Assistenzärztinnen wurden beschimpft, wenn die Professorin den Eindruck hatte, das ich es nicht bequem genug hätte. Das führte zu so seltsamen Situationen, dass ich mich zum Beispiel hinsetzen musste um im Sitzen die Ultraschalluntersuchung zu verfolgen, obwohl ich im Stehen viel besser gesehen hätte.
Die Kommunikation mit meiner Kontaktperson lief hauptsächlich über WhatsApp, was gut funktionierte. Probleme entstanden nur dadurch, dass Informationen meist nicht rechtzeitig weitergegeben wurden. Ich stand immer wieder mal vor dem Problem, dass meine Kontaktperson für mich Pläne gemacht hatte, von denen ich erst erfuhr, wenn ich nicht dort auftauchte, wo ich hätte sein sollen.

Unterkunft

Wir waren in einem Mädchenwohnheim mit anderen Medizinstudentinnen und Zahnmedizinstudentinnen untergebracht. Zwei Mädchen teilten sich ein Zimmer mit Bad. Gegessen wurde in der Mensa, wo alle Mahlzeiten serviert wurden. Selbst etwas zuzubereiten, war nicht möglich und in der Kultur auch unpassend. Wohlhabende Leute beschäftigen Köchinnen und Putzfrauen. Medizinerinnen haben es nicht nötig, Hausarbeit zu erledigen. Jeden Mittag kam eine Angestellte, um unser Bad zu putzen, und abends kam eine andere, um den Boden zu kehren. Ich fühlte mich sehr unwohl dabei, zusehen zu müssen, wie andere mein Zimmer putzten. Die Wäsche brachte man in einen Waschsalon.
Ein nerviger Punkt an den Wohnheim war die Anwesenheitsliste. Man musste abends spätestens 21:00 Uhr zurück sein. Sich in die Anwesenheitsliste einzutragen, war aber nur zwischen 21:30 und 22:00 möglich. Es war also unmöglich früher schlafen zu gehen. Ausschlafen war auch nicht möglich, da pünktlich um 5:00 der Muezzin anfing zu singen und Hindus im Wohnheim Räucherwerk anzündeten. Eines von beiden hat mich immer geweckt. Außerdem sprechen Inder ja grundsätzlich laut und sie schreien auch mitten in der Nacht durchs ganze Wohnheim nach einer Putzfrau, wenn sie versehentlich etwas verschüttet haben. Ruhig war es dort nie.

Literatur

Meine Kontaktperson hat für mich ein Gynäkologiebuch auf Engisch ausgeliehen. Das war sehr praktisch, um Fachworte auf Englisch zu lernen. Außerdem fragten die Professorinnen gern nach Definitionen und wollten dann das Lehrbuch wörtlich zitiert haben. Den Satz inhaltlich korrekt wiederzugeben reichte nicht aus. Nur Sheela Ma’am schien mit meiner Art und Weise zu lernen einverstanden zu sein.
Mein Reiseführer war, wie oben erwähnt, nicht hilfreich, da Belagavi nicht erwähnt wurde. Im Internet gab es ein paar Informationen über Sehenswürdigkeiten. Aber da es davon nicht viele gab, gab es auch nicht viel zu lesen.

Mitzunehmen

Da mir vor der Reise gesagt wurde, dass ich traditionelle indische Kleidung tragen müsste, habe ich wenig Kleidung von zuhause mitgenommen. Meine Kontaktperson fand das völlig daneben, was ich nicht verstanden habe. Ich war verpflichtet zum Praktikum indische Kleidung zu tragen. Also habe ich davon sehr viel eingekauft. Und ich habe sie auch in der Freizeit getragen, denn sie passte zum Klima sehr viel besser als zum Beispiel unsere allgegenwärtigen Jeans. Ich fand die indischen Sachen sehr bequem.
Badesachen sind bei einer Reise in so eine warme Gegend natürlich Pflicht, wobei die Inderinnen einfach in ihrer normalen Kleidung baden gingen. Meine Kontaktperson hatte mir vor dem Austausch vorgeschlagen mich jeden Tag zum Schwimmtraining mitzunehmen, was auf dem Campus angeboten wurde. Ich konnte sie nicht einmal davon überzeugen, das tatsächlich zu tun. Bei einem Ausflug in den Regenwald und ans Meer habe ich meinen Badeanzug dann mal benutzt.
Sonnencreme haben wir sehr viel benutzt. Zusätzlich hat meine Kontaktperson mir einen Regenschirm als Sonnenschutz gegeben. Mittags war es nicht möglich ohne Schirm draußen unterwegs zu sein.
Was auch sehr praktisch war, war die Nachfüllpackung Sterillium, die meine Zimmerkollegin dabei hatte. Meine kleine Kitteltaschenflasche war schnell leer, da der Spender an der Wand weggeräumt wurde, als die Schwestern sahen, dass ich den benutze.

Reise und Ankunft

Einen Flug nach Belagavi konnte ich nicht finden, obwohl es da einen Flughafen geben muss. Den habe ich nicht gesehen, aber andere Austauschstudenten sind da hin geflogen. Ich habe einen Flug nach Mumbai gebucht und war glücklich darüber, dass meine Kontaktperson vor Ort anbot, ein Busticket nach Belagavi für mich zu buchen. Dummerweise bin ich mitten in der Nacht in Mumbai gelandet. Der Bus sollte morgens um 4 abfahren. Aber er fuhr nicht vom Flughafen. Ich musste mit einem Taxi quer durch die ganze Stadt fahren und am Ziel angekommen wollte die Taxifahrerin mich nicht allein an der Bushaltestelle absetzen. Sie hat über mein Handy auf meine Kontaktperson eingeschimpft bis mein Guthaben verbraucht war.
Der Bus hatte mehr als eine Stunde Verspätung. Ich habe gelernt, das das in den Augen der Inder nicht zu spät ist. Nur die Taxifahrerin verlangte dann ein sehr reichliches Trinkgeld, weil sie die ganze Zeit mit mir gewartet hat. Die Fahrt in einem semi-sleeper-bus fand ich dann ganz angenehm. Man konnte zeitweise wirklich schlafen. Nur die Filme auf Hindi fand ich nervig. Gegen die helfen noch nicht mal Ohrstöpsel. Bei meiner Ankunft in Belagavi wartete meine Kontaktperson schon seit Stunden auf mich. Ihr als Inderin hätte es ja bekannt sein sollen, das ich nicht pünktlich komme, wenn ich schon mit mehr als einer Stunde Verspätung abgefahren bin.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der Start in mein Praktikum verlief eher holprig, da die Abteilung nichts davon wusste, dass ich kommen würde. Die Professorin fragte mich beim ersten Treffen dann nach meinen Wünschen für das Praktikum und teilte mich entsprechend wochenweise auf die verschiedenen Stationen ein. Das erschien mir im ersten Moment logisch. Erst später habe ich gesehen, dass es absolut nicht dem System entspricht, wie die Gynäkologie dort organisiert ist. Schon meine Anwesenheit sorgte ständig für Verwirrung. Ich gehörte zu keinem Team und viele wussten nicht, was sie mit mir anfangen sollten. Ich war grundsätzlich auf der free-side eingeteilt, wo Patientinnen behandelt wurden, die wenig bis nichts für ihre Behandlung zahlen konnten. Es gab auch immer eine paid-side, wo reichere Patientinnen, die für ihre Behandlung zahlen konnten, auch besser behandelt wurden.
In der ersten Woche war ich bei sehr vielen Vorsorgeuntersuchungen und Ultraschalluntersuchungen dabei. Auf der präpartalen Station konnte ich im Weg rum stehen oder versuchen Patientenakten zu lesen. Da dort alles von Hand geschrieben wird, war das meistens schwierig. Mit manchen Patientinnen konnte ich sprechen, viele sprachen aber kein Englisch.
In der zweiten Woche war ich im Kreissaal eingeteilt. Am ersten Tag führte vermutlich die Kombination aus viel stehen, Gestank und Verwirrung in dem Chaos dazu, dass ich kollabiert bin. An den folgenden Tagen ging es besser und ich habe sehr schnell gelernt, in dem großen Durcheinander einfach irgendwo mit anzupacken. Bis zu 6 Frauen konnten gleichzeitig in einem Kreissaal liegen. Es gab immer irgendwo eine Frau, die gerade ein CTG kriegen sollte, deren Blutdruck viertelstündlich gemessen werden sollte (von Hand natürlich), oder deren Baby gerade zur Welt kam. Auch Blasenkatherter, Oxytocingaben, vaginale Untersuchung des Geburtsfortschritts, Hautnaht nach Episiotomie, Blutabnahmen … machen die Studentinnen dort unter Aufsicht. Die indischen Studentinnen waren nicht gewohnt, dass sie mit zupacken müssen. Üblicherweise dürfen sie nur zusehen. Entsprechend ungeschickt stellten sie sich an, und eine meiner Lieblingsbeschäftigungen wurde der praktische Unterricht für Studentinnen und teilweise auch Schwesternschülerinnen. Ich habe ihnen erklärt, wie man Ampullen aufbricht und das Medikament in eine Spritze aufzieht, wie man Blut abnimmt oder wie man das Herz auskultiert, usw.
In der dritten Woche war ich im OP eingeteilt. Dort war immer viel los. Ich war meist nur eine von 10 Studierenden, die versuchten zu erkennen, was die Operateurin gerade tut. Mein Vorteil war die geringe Körpergröße vieler Inder. Ich konnte ihnen über die Schulter gucken und so auch in der dritten Reihe noch etwas erkennen.
In der vierten Woche konnte ich hin gehen, wo ich wollte. Da im OP nicht viel los war, habe ich die meiste Zeit im Kreissaal verbracht. Einmal wurde ich auch aufgefordert bei einer Sectio cesarea die zweite Assistentin zu machen. Oberarztvisiten auf den Stationen waren dann interessant, wenn man nah genug an den Arzt ran kam. Üblicherweise waren zwanzig Personen bei der Visite dabei und die Umgebung nur für indische Ohren ruhig. Die Visiten wurden dazu genutzt, die Studierenden zu unterrichten. Es wurde also wirklich viel erklärt.

Land und Leute

Da ich zwischen der letzten Prüfung des vorherigen Semesters und dem vorgezogenen Beginn des nächsten Semesters nicht so viel Zeit hatte, blieb mir keine Zeit zum Reisen. Ich habe also von anderen Gegenden in Indien nichts gesehen. In Indien arbeitet man auch 9 Stunden täglich an 6 Tagen in der Woche. In der Gynäkologie wurde auf Arbeitszeiten auch großer Wert gelgt und niemand durfte eine Minute vor 5 gehen. Für Ausflüge blieb also eher wenig Zeit. Trotzdem haben unsere Kontaktpersonen für uns ausländische Studierenden kurze Ausflüge organisiert. Wobei die Organisation, je nach dem wer zuständig war, mehr oder weniger chaotisch ausfiel.
Zusätzlich wurde man ständig gezwungen zu essen. Das macht bei Obstipation besonders viel Spaß. Indisches Essen ist aber super lecker. Indische Restaurants hier in Deutschland bieten nur einen winzigen Ausschnitt der unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, die mir dort begegnet sind. Und das indische Essen in Deutschland ist nicht scharf. In Indien war es entweder zu scharf oder zu süß. Etwas dazwischen schien es nicht zu geben.
Die Leute in Indien sind noch abwechslungsreicher als das Essen. Unterschiedliche Religionen existieren nebeneinander, wobei das Miteinander nicht immer friedlich ist. Meine Kontaktperson hat es zum Beispiel boykottiert, als eine Krankenschwester mich in die Kirche eingeladen hat und ich der Einladung folgen wollte. Sie war Hindu und hat zwar kein negatives Wort über Christen verloren, aber ohne ihre Zustimmung konnte ich das Gelände ja nicht verlassen.
Es gibt auch extreme Unterschiede im Lebensstil der einzelnen Leute. Wer Geld hat kann es sich leisten andere für sich arbeiten zu lassen. Andere liegen auf der Straße rum und man weiß nicht, ob sie noch lebendig sind. Ich fand es erschreckend, wie der Wert eines Menschen von seinem Geldbeutel abhängt. Auch das eigentlich als überholt geltende Kastendenken scheint noch sehr in der Köpfen verankert zu sein. Bestimmte Tatigkeiten werden von bestimmten Personen erledigt. Ich als Medizinstudentin wurde offenbar recht weit oben in der Hirarchie eingeordnet. Entsprechend durfte ich nichts tun, das irgendwie mit putzen zu tun hatte. Gerade bei der Arbeit im Kreissaal war das sehr störend. Ich konnte nicht einfach mal den Müll weg räumen oder etwas aufwischen. Ich musste die Putzfrau rufen und warten, bis sie es erledigt hat, unabhängig davon, ob sie gerade viel zu tun hatte oder nicht.
Was mir geholfen hat, die indische Kultur etwas besser zu verstehen, waren Gespräche mit anderen Studentinnen, die auch auf die Anwesenheitsliste warteten. Die Zeit zwischen 21:00 Uhr (zurück sein) und 22:00 Uhr (Beginn der Eintragungen in die Anwesenheitsliste) haben wir genutzt, um uns in den Hof zwischen den Wohnheimen zu setzen und über kulturelle Unterschied und Besonderheiten der unterschiedlichen Gesundheits- und Bildungssysteme auszutauschen.

Fazit

Jetzt weiß ich, was ein Kulturschock ist. Ich habe schon unterschiedliche Kulturen kennen gelernt, aber keine hat auf mich bisher so verwirrend gewirkt. Ich habe mich auch selten so darüber aufgeregt, wie Menschen einander behandeln.
Trotz mancher Kritikpunkte war dieser Austausch eine gute Erfahrung. Ich habe sowohl medizinisch-inhaltliches gelernt als auch mein Wissen über fremde Kulturen erweitert. Ich habe Dinge gesehen, die man in Deutschland nicht zu sehen bekommt, im positiven wie im negativen Sinn. Z.B. sind bei uns Medizinstudenten im Kreissaal unerwünscht. In Belagavi habe ich den Ärztinnen asssitiert, die die Geburten geleitet haben. Ich habe aber auch erlebt, wie hässlich Armut ist und wie ignorant reiche Menschen damit umgehen. Es ist jedem Medizinstudierenden zu empfehlen, so ein Praktikum zu machen, um zu sehen, wie gut es uns hier in Deutschland geht.

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