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Thailand (IFMSA-Thailand)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Da ich ohnehin ein reisefreudiger Mensch bin, war es für mich selbstverständlich im Rahmen des Medizinstudiums die Möglichkeit einer Auslandsfamulatur wahrzunehmen.

Vorbereitung

Im Prinzip waren die Vorbereitung relativ einfach, da der Prozess von der BVMD ziemlich gut begleitet wird. Das Aufwendigste ist wahrscheinlich der Bewerbungsprozess, da man zahlreiche Motivationsschreiben (je eines für jede potenzielle Fachrichtung) anfertigen muss. Nur ein Tipp: versucht euch schnellstmöglich zum Fristbeginn für den Fahrtkostenzuschuss zu bewerben, ich war da ein paar Wochen zu spät dran und wurde dann leider nicht mehr berücksichtigt.

Visum

Für Thailand gibt es die Möglichkeit ein Visa-on-arrival zu bekommen, dafür muss man überhaupt keine Vorbereitungen treffen: man füllt einfach bei Ankunft am Flughafen ein paar Formulare aus und kann sich dann 30 Tage lang im Land aufhalten. Das reicht für die Famulatur gerade so. Da man in der Regel aber davor oder danach noch ein bisschen Reisen möchte, sollte man sich um ein längeres Visum kümmern. Entweder reist man innerhalb des Monats einmal aus dem Land aus (z.B. Wochenendtrip nach Kambodscha) und bekommt bei Wiedereinreise ein neues ein 1-monatiges Visum ausgestellt. Oder man macht es so wie ich und kümmert sich bereits vor der Reise um ein 60-Tage-Touristenvisum. Die benötigten Unterlagen dafür sind alle auf der Website der Botschaft bzw. des Konsulats zu finden. Das Ganze kostet um die 30 Euro, wenn ich mich recht entsinne und dauert i.d.R. nur wenige Tage zum Ausstellen. Ihr braucht auf jeden Fall kein Arbeits- oder Studentenvisum, das Touristenvisum reicht für Praktika aus.

Gesundheit

Eine gute Reiseapotheke sollte man immer dabei haben. Für Bangkok im Speziellen braucht man aber keine besondere Ausstattung. Thailand ist ein Niedrig-Risiko-Malariagebiet, also reicht es Malarone als Stand-By-Medikation mit sich zu führen. Für die Famulatur an sich musste ich keine speziellen Impfungen oder Untersuchungen nachweisen.

Sicherheit

Bangkok hat hinsichtlich der Sicherheit wahrscheinlich keinen besonders guten Ruf (siehe z.B. Hangover 2). Das stimmt meinen Erfahrungen nach aber überhaupt nicht. Es gibt wenig Kleinkriminalität in Bangkok, man kann nachts unbesorgt auf den (meisten) Straßen unterwegs sein, wenn man das Ganze mit gesundem Menschenverstand angeht.
Einziger Nachteil: in Thailand gibt es ca. alle 5-10 Jahre einen Militärputsch mit den dazugehörigen Unruhen. Also mit ein bisschen Pech kommt ihr vielleicht gerade in so einer Zeit in das Land. Momentan ist die politische Lage aber relativ stabil.

Geld

In Thailand wird mit Baht bezahlt. ATMs sind überall verfügbar, ihr braucht also nichts außer einer Kreditkarte. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland um einiges billiger. Ich habe zum Beispiel kein einziges Mal gekocht und war den ganzen Monat über auswärtig essen ohne den Geldbeutel dabei zu sehr zu belasten.

Sprache

Also im Alltag kommt man mit Englisch relativ gut zurecht. Die meisten Thais (vor allem diejenigen in der Tourismus- und Gastronomie-Branche) sprechen gut genug, um sich verständigen zu können.
Im Krankenhaus sieht es etwas anders aus: die Patienten sprechen i.d.R. überhaupt kein Englisch, was dazu führt, dass der Patientenkontakt gegen null geht. Bei den Ärzten kommt es darauf an. Die Oberärzte und Professoren waren meistens einige Jahre im Ausland, deshalb sprechen sie relativ gutes Englisch. Bei den Assistenzärzten variiert das Niveau von gut verständlich bis bis kaum existentes Englisch. Auf jeden Fall braucht man einige Zeit, um sich an die "besondere" Aussprache der Thais zu gewöhnen ;)
Noch ein Tipp: legt auch die englischen Wörter für die wichtigsten Krankheitsbilder zurecht. Die Lehre in Thailand findet größtenteils auf Englisch statt (die Lehrbücher sind z.B. fast alle englischsprachig). Mit den lateinischen oder griechischen Begriffen kann dort niemand etwas anfangen!

Verkehrsbindungen

In Thailand kommt man immer von A nach B! Für die Stadt kann ich euch die App "Grab" empfehlen. Das ist die wahrscheinlich bequemste Art und Weise auf dem Mofa oder im Auto mitgenommen zu werden. Zwischen den Städten fahren Züge, Minivans und Busse. In den kleineren Städten würde ich mir auf jeden Fall selber ein Mofa mieten, um damit die Gegend zu erkunden.
Und in Bangkok kommt man auch sehr gut mit der Metro oder dem Skytrain herum.

Kommunikation

Man bekommt zu Beginn des Aufenthalts einen WLAN-Zugangscode, damit hat man auf dem ganzen Campus (Klinikum + Dormitories) Internetzugang. Ansonsten würde ich mir bei der Ankunft gleich am Flughafen eine SIM-Karte mit Prepaid-Internet zulegen.

Unterkunft

Man bekommt von der Uni einen Schlafplatz in den Dormitories bereitgestellt. Dort wohnen auch die normalen Thai-Medizinstudenten aus den höheren Semestern, sowie zahlreiche ausländische Studenten. Man wird in Schlafsäalen untergebracht (2-4 Bettzimmer). Ich hatte sogar ein ganzes 4-Bett-Zimmer für mich alleine. Pro Stockwerk gibt es zwei Gemeinschaftsbäder. Außerdem gibt es einen 7-11 im Erdgeschoss, also muss man zum Einkaufen nicht besonders weit laufen ;)

Literatur

Ich lerne auch in Deutschland fast ausschließlich mit Amboss. Für die Zeit in Thailand lohnt es sich wahrscheinlich die englischsprachige Version zu kaufen, damit man die Krankheitsbilder immer gleich in der passenden Sprache parat hat. Es gibt auf dem Klinikgelände auch eine Bibliothek mit hauptsächlich englischer Literatur.

Mitzunehmen

Das King Chulalongkorn Memorial Hospital legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres, deshalb braucht ihr: ausreichend weiße Hemden (tendenziell lieber kurzärmlig -> es wird sehr heiß in Thailand, auch wenn das Klinikum innen klimatisiert ist), schwarze Hosen (keine Jeans! ich habe mich für Chinos entschieden) und schwarze Lederschuhe. Außerdem müsst ihr einen eigenen weißen Kittel sowie die anderen medizinischen Utensilien (Stethoskop, Reflexhammer, etc.) selber mitbringen.
Tipp: es gibt zahlreiche private Wäschereien auf dem Klinikgelände. Ihr könnt am ersten Tag per Handschlag einen Deal mit den sehr freundlichen Damen ausmachen. Für knapp 20 Euro könnt ihr den ganzen Monat so oft ihr wollt eure Wäsche waschen lassen.

Reise und Ankunft

Meine Ansprechpartner (Thai-Medizinstudenten) haben mir im Voraus eine detaillierte Wegbeschreibung geschickt, mit der man problemlos vom Flughafen zum Klinikgelände kommt. Soweit ich das mitbekommen habe, bekommen alle Austauschstudenten dieses PDF-Dokument zugeschickt. Am ersten Tag habe ich mich dann mit meinen Ansprechpartnern getroffen, sie haben mir das Klinikgelände gezeigt, mich auf Station vorgestellt und auch sonst um alles weitere gekümmert (z.B. die Anmeldung beim International Student's Office). Also keine Sorgen machen, man wird sich um euch kümmern ;)

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Also, praktisch habe ich im Prinzip nichts gemacht! Damit hatte ich aber fast ein bisschen gerechnet, deshalb war das für mich nicht weiter schlimm.
Ein Problem ist die Sprachbarriere. Da die wenigsten Patienten Englisch sprechen, ist es fast unmöglich eine vernünftige Anamnese oder klinische Untersuchung durchzuführen. Deswegen war die Famulatur eher theoretischer Natur. Dafür habe ich eine fantastische Lehre und eine exzellente Betreuung bekommen!
Ihr bekommt anfangs einen Stundenplan, nach dem richtet sich der Tagesablauf zum größten Teil. Am morgen geht es mit der Morgenvisite los. Dabei ist der Professor, sowie meistens 2-5 Assistenz- bzw. Fachärzte (in Thailand orientiert man sich am anglo-amerikanischen System: Residents & Fellows). Dabei wird aber natürlich Thai gesprochen! Ich hatte das Glück, dass ich der einzige Student in der Onkologie war und dass ich mit wirklich wahnsinnig freundlichen Ärzten zu tun hatte. Im Normalfall hat ein Arzt immer die komplette Visite für mich simultan übersetzt. Danach kann man zusammen mit den anderen Ärzten zu verschiedenen Konferenzen und Journalclubs gehen. Da das Chulalongkorn ein Universitätsklinikum ist, wird großer Wert auf Forschung und Lehre gelegt, deshalb werden mehrmals pro Woche Paper vorgestellt und die aktuelle Literatur diskutiert. Wieder alles sehr theoretisch, aber hier habe ich wirklich viel gelernt! Am Nachmittag gibt es noch eine weitere Visite, die eher von konsiliarischer Natur ist, da man zusammen mit einer Gruppe von 10-20 Ärzten quer durch das (riesige!) Krankenhaus läuft, um onkologische Patienten auf anderen Stationen mitzubetreuen. Den direkten Patientenkontakt, also Aufnahme, Untersuchungen und Versorgung erledigen die Ärzte meist ganz in der Früh oder spätabends, also außerhalb des für euch vorgesehenen Stundenplans. Ist aber auch kein Problem da mit dabei zu sein, solange ihr kein Problem damit habt Überstunden zu machen.
Der Dienstag läuft immer ein bisschen anders ab. Die Onkologen machen da ihre ambulante Sprechstunde, zu der Patienten aus ganz Thailand extra dafür anreisen. Hier hat man auch mal die Möglichkeit Patienten selber unter Aufsicht der Ärzte zu untersuchen. In der Regel saß ich dabei immer neben dem Chefarzt. Ich schätze, das waren die Tage an denen ich am meisten gelernt habe, da er sehr viel erklärt hat, aber auch viel gefragt hat. Das war immer ein kleines mündliches Staatsexamen ;)
Im Vergleich zu Deutschland sind die Abläufe im Krankenhausalltag teilweise schon sehr verschieden. Die Medizin ist aber auf einem sehr hohen Niveau, also erwartet im Chulalongkorn kein Wald-und-Wiesen-Krankenhaus im thailändischen Dschungel, dort wird Medizin nach höchsten internationalen Standards betrieben.

Land und Leute

Ich habe schnell andere Studenten aus Deutschland kennengelernt, mit denen ich die meiste Zeit verbracht habe und auch fast jedes Wochenende Ausflüge unternommen habe. Bei uns ging es nach Kanchanaburi, in den Khao Yai Nationalpark und nach Ko Samet. Es bleibt also an den Wochenenden ausreichend Zeit zum reisen (die Ärzte lassen euch freitags auch gerne früher gehen, die freuen sich besonders, wenn ihr von Thailand noch andere Sachen als das Krankenhaus seht).
Was soll man sonst zu Thailand sagen? Ich war bereits ein paar Jahre vor der Famulatur einmal zum Backpacken da. Es ist mit Sicherheit eines der schönsten Länder der Welt. Besonders die Natur ist der Wahnsinn. Also nehmt euch davor oder danach ein paar Wochen frei und erkundet das Land.
Vergleichbar genial ist das Essen. Und ich rede nicht von Pad Thai oder Curries. Ich habe während meiner Famulatur Gerichte gegessen, die man in Deutschland (leider) in keinem thailändischen Restaurant serviert bekommt. Dabei hatte ich das Glück, dass mich die Ärzte und auch meine Austauschpartner mehrere Mal zum Essen eingeladen haben und mir dabei die thailändische Küche näher gebracht haben. Damit kommen wir zu den Thais. Die Ärzte und Medizinstudenten, die ich getroffen habe, gehören mit zu den freundlichsten und offenherzigsten Menschen, die ich jemals getroffen habe.
Noch ein paar Worte zu Bangkok. Jeder Backpacker, den ihr treffen werdet, wird euch erzählen, dass Bangkok eine laute, dreckige und überfüllte Stadt ist, aus der man so schnell wie möglich rauskommen muss, um die schönen Orte in Thailand zu sehen. Diesen Eindruck werdet auch ihr in den ersten Tagen haben, denn die Stadt ist wirklich laut, dreckig und überfüllt. Aber nach spätestens einer Woche werdet ihr die Stadt zu lieben lernen. Man muss sich erst einmal an den Rhythmus gewöhnen, aber dann gibt es wahnsinnig viel zu entdecken, besonders abseits der üblichen Sehenswürdigkeiten. Und wie gesagt, die grünen Dschungel und idyllischen Wasserfälle sind alle im Rahmen eines Tagesausfluges zu erreichen ;) Außerdem liegt das Chulalongkorn Hospital direkt neben dem Lumphini-Park, dem schönsten Park und grüner Lunge der Stadt. Ein perfekter Ort zum Joggen und Spazieren gehen.

Noch ein paar letzte Tipps:
- Nehmt keine Tuk-Tuks. Setzt lieber auf Mofas oder Taxis und dann gilt: IMMER verhandeln!
- Tipp zum Weiterreisen: Khao Sok Nationalpark zwischen Surat Thani und Phuket
- Wenn ihr Insel-Hopping betreiben wollt: konzentriert euch auf die kleinen Inseln. Ko Samui und Ko Phi Phi waren vielleicht mal vor 30 Jahren idyllisch und schön, heute ist das die thailändische Version vom Ballermann.

Fazit

Die Famulatur in Thailand zähle ich zu den bislang besten Erfahrungen meines Lebens. Ursprünglich wollte ich eigentlich nach Indien, aber ich bin wirklich froh, dass ich diesen Platz nicht bekommen habe!

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