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Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Pädiatrie - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Niels, Leipzig

Motivation

Mein Ziel war es, die Medizin in einem anderen Land kennenzulernen, mich neben der Arbeit im Krankenhaus auch sozial zu engagieren und bestenfalls auf Französisch oder Englisch mit den Leuten kommunizieren zu können. Das Projekt "Eat to Fight Your Disease" in Ruanda schien dafür optimal.

Vorbereitung

Sehr hilfreich war das RVCP, das mir unkompliziert und spontan eine Behausung zugesichert hat. Ansonsten habe ich die meisten Dinge vor Ort organisieren können, ohne vorab Zeit aufwenden zu müssen. Sehr geholfen hat mir vorab der Kontakt zu Studenten, die in der Vergangenheit ein Praktikum in Ruanda absolviert haben. Am Telefon haben sie mir Tipps gegeben, einen ersten Einblick in das Projekt und den aktuellen Stand der Arbeit vor Ort ermöglicht.

Visum

Die Formalitäten wie Visa sind wie von früheren Studenten beschrieben problemlos vor Ort zu erledigen. Es bietet sich immer an, eine Person von vor Ort als Dolmetscher mit zu nehmen. Die Studenten vom RVCP haben mir dahingehend sehr geholfen.

Gesundheit

Des Weiteren habe ich die Standardimpfungen nach Empfehlung (inkl. quadrivalente Meningokokken, da ich auf der Pädiatrie gearbeitet habe) machen lassen und meine Malariaprophylaxe besorgt. Letztere habe ich täglich eingenommen (Malarone 1 Tag vor bis 6 Tage nach der Reise). Darüber hinaus waren keine weiteren Untersuchungen notwendig.

Sicherheit

Ich fühlte mich in Ruanda sicherer als in Deutschland und brauchte keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen treffen. Mein Macbook und die Systemkamera konnte ich guten Gewissens mitnehmen und tagsüber im RVCP lassen.

Geld

Währung sind ruandische Franken (RWF) mit einem aktuellen Umrechnungskurs von etwa 1000RWF = 1€. Andere Währungen werden selten akzeptiert; allen voran US-Dollar. Üblicherweise wird in bar bezahlt. Geldnoten sind an den Bankautomaten vor Ort erhältlich.

Sprache

Französisch und Englisch sind als Sprachen vor Ort sehr von Vorteil; mit B2/C1-Niveau habe ich gut mit allen kommunizieren können. Ich selbst habe bereits längere Zeit im englischen und französischen Ausland verbracht, sodass keine gesonderte Vorbereitung notwendig war.

Verkehrsbindungen

Das Fliegen kostet in etwa 700-1000€ für den Hin- und Rückflug. Früheres Buchen rentiert sich! Vor Ort bietet es sich an, die lokalen Busse zu nehmen. Die Studenten vom RVCP haben mich in Kigali empfangen, mir alles gezeigt und sogar beim Kauf der Bustickets geholfen. Fernbusse verkehren regelmäßig (z.T. sogar halbstündlich) und sind günstig sowie meist sehr pünktlich. Die Sicherheit ist gut, da Autos und Busse generell nicht schneller als 60km/h fahren.
In den Städten bieten sich die Motorräder ("Moto") als Taxis an. Für eine Strecke bezahlt man je nach Strecke zwischen 30-50ct. Den meist weniger gut sitzenden Helm bekommt man immer in die Hand gedrückt und muss diesen auch aufsetzen. Autotaxis kosten etwa das 10fache, was für deutsche Verhältnisse immer noch sehr günstig ist.

Kommunikation

Die Studenten vom RVCP haben mit mir gleich am ersten Wochenende eine SimCard gekauft. Damit hatte ich kostenloses Internet (30Gb für einen Monat). Bezahlt habe ich dafür 10€ und den gesamten Monat mehr als ausreichend Datenvolumen, um selbst über HotSpot täglich Nachrichten auf meinem Computer zu beantworten und im Internet zu recherchieren. Über WhatsApp (die alte Nummer kann man trotz neuer SimCard behalten) konnte ich problemlos nach Hause wie auch mit den Menschen vor Ort kommunizieren, da alle dieses Medium nutzen.

Unterkunft

Untergekommen bin ich im RVCP, einer Art internationalem Studentenwohnheim, deren Einnahmen für gute Zwecke in gemeinnützige Projekte vor Ort investiert werden. Da sie sowohl in Kigali als auch in Huye/ Butare ein Wohnheim haben, konnte ich mit der Miete für einen Monat auch die jeweils andere Stadt problemlos besuchen und dort ohne weitere Bezahlung übernachten. Da sich viele Studenten im RVCP für die verschiedenen Projekte engagieren, habe ich schnell Kontakt zu ihnen aufnehmen können und viele Menschen kennengelernt, die mir unglaublich viel für verschiedene Dinge geholfen haben.

Literatur

Vorab habe ich über das Internet Infos von verschiedensten Websites gelesen. Außerdem empfiehlt sich beispielsweise der Film "Hotel Rwanda" oder das Buch "Small Country" von Gaël Faye, die sehr anschaulich und spannend die Geschichte Ruandas beleuchten.

Mitzunehmen

Nützlich sind die Malariaprophylaxe, Handdesinfektionsmittel, das Stethoskop, eine Powerbank und sicherlich gute Regenbekleidung in der Regenzeit. Ein Reiseadapter wird nicht gebraucht. Medizinstudenten tragen üblicherweise Hemden oder Poloshirts unter dem Kittel sowie schicke Schuhe.

Reise und Ankunft

Die Anreise zuletzt mit dem Bus von Kigali nach Huye/ Butare verlief problemlos dank der Hilfe durch die RVCP-Studenten. Ich bin zunächst einen Tag länger in Kigali geblieben als ursprünglich geplant. Es war kein Problem, spontan einen Tag später mit dem Praktikum zu beginnen. Elias vom Krankenhauspersonal war zuständig für die Organisation des Praktikums und hat mir am ersten Tag eine Einweisung gegeben. Die Organisation vor Ort inkl. Visum und Gebühren für bspw. das Krankenhaus können spontan und kurzfristig getätigt werden.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag habe ich mich 7:30 Uhr bei Elias im Büro vorgestellt, der alle organisatorischen Dinge mit mir durch gegangen ist. Am Nachmittag hatte ich frei. Die weitreichende, abwechslungsreiche und selbstständige Arbeit in der Pädiatrie hat schließlich am zweiten Tag begonnen. Nach einer ersten Morgenbesprechung um 7:30 Uhr der Geschehnisse des letzten Tags und einem Überblick über alle Betten wurden die Patienten visitiert. Studenten bekommen eigene Patienten zugewiesen, die sie anschließend dem Arzt vorstellen. Die Mittagspause ist 12-14 Uhr. Anschließend gab es Weiterbildungen oder Präsentationen von Studenten für Studenten und abschließend eine erneute kurze Visite der Patienten bis 17 Uhr.
Da ich im sechsten Studienjahr mein Praktikum in Ruanda absolviert habe, konnte ich sehr selbstständig arbeiten und dementsprechend viel "learning by doing" erfahren. Außerdem durfte ich die Studenten des dritten Studienjahres anleiten und habe mit ihnen in der freien Zeit verschiedene Patienten und Krankheiten besprochen.
Die Sprachen Französisch und Englisch sind beide von großem Vorteil in der Kommunikation mit den Schwestern und Kollegen. Englisch übernimmt jedoch immer mehr die führende Rolle im Vergleich zu Französisch. Im Kontakt mit den Patienten ist oftmals Kinyuruanda die einzige Sprache für die Verständigung. Deshalb habe ich oft einen anderen Studenten oder die Krankenschwester gebeten, für mich zu übersetzen.
Vorherrschend sind auf der Kinderstation Malaria und Malnutrition. Schwere Komplikationen entstehen häufig durch die fehlenden finanziellen Möglichkeiten für Medikamente oder Untersuchungen, für die in Ruanda trotz Krankenversicherung generell ein Eigenbeitrag von 10% der Gesamtkosten selbst bezahlt werden muss.

Neben meiner Arbeit in der Pädiatrie, die ich mir zeitlich sehr frei einteilen konnte, habe ich mich zunächst daran gesetzt, mir ein aktuelles Bild zum Projekt ETFYD zu machen. Ich habe Informationen, Materialien und viele Eindrücke gesammelt. Schließlich habe ich mit deren Hilfe ein Video für das Bewerben von Spenden erstellt. Dieses findet ihr bald auf der Website von ETFYD und aktuell bereits auf der Youtube-Seite von KU unter:
https://www.youtube.com/watch?v=oHW-uLtW0io

Zur Organisation atmosfair habe ich zwecks einer Optimierung der Bedingungen in der Küche vor Ort zweifach Kontakt aufgenommen, aber bisher noch keine Rückmeldung bekommen. Die Idee ist es, mit Hilfe von speziell in Ruanda gefertigten kleinen Öfen den Verbrauch von Holz um 80% zu reduzieren und so gleichzeitig Kosten zu sparen sowie die Rauchbelastung der Mitarbeiter zu vermindern.

Land und Leute

Die Menschen habe ich generell als sehr herzlich und hilfsbereit wahrgenommen. "Muzungu" (wortwörtlich übersetzt der "Rastlose") ist als häufig verwendete Bezeichnung Weiße lieb gemeint und Kinder freuen sehr sich über ein Zurückwinken oder Antworten. Selten kamen bettelnde oder aufdringliche Menschen auf mich als Muzungu zugelaufen. Armut ist genau wie Mangelernährung noch mehr verbreitet und dementsprechend sind andere Erkrankungen vorherrschend. Die Menschen ernähren sich vor allem von pflanzlichen Produkten wie Bohnen, Kartoffeln, Kochbananen, Maniok, Bananen, Avocados und dergleichen mehr. Essengehen ist für uns Muzungus nicht teuer. Afrikanisches Buffet ist sehr verbreitet und kostet zwischen 500-2000 RFW. Einkaufen ist auf dem Markt günstiger als im Supermarkt, da in letzterem viele Produkte aus dem Ausland importiert sind.
An den Wochenenden bin ich mit anderen Studenten aus Deutschland, den USA und Ruanda in Nationalparks gefahren. Sehr sehenswert ist der Volcanoe NP mit den Berggorillas, die uns glücklicherweise - ohne die 1000 US-Dollar teure Tour gebucht zu haben - über den Weg gelaufen sind. Tatsächlich gebucht haben wir an diesem Tag eine Wanderung zum Mount Bisoke, die durch den Schlamm nach der Regenzeit mit 1000 Höhenmetern auf 5km Wanderstrecke selbst für geübte Wanderer eine echte Herausforderung war! Der Acagera NP ist für diejenigen sehr spannend, die in ihrem Leben noch keine große Safari gemacht haben. Mit etwas Glück sieht man hier Hippos, Rhinos und sogar Giraffen, Elefanten sowie Löwen. Sehenswert und nah bei Butare/ Huye sind auch der Lake Kivo und der Nyungwe NP. Leider habe ich es selbst allerdings nicht mehr geschafft, diese zu sehen.
Ebenfalls ein Erlebnis war Umuganda - der Monatsputz an jedem letzten Samstag im Monat. Staatlich geregelt gibt es diesen Tag, an dem alle das Auto zu Hause stehen lassen und in ihrer Nachbarschaft mit anpacken müssen. Es wird geputzt, gebaut, geholfen ... selbst die Kinder legen mit Hand an, egal wie alt sie sind. Vom RVCP werden teilweise Projekte organisiert, in denen auch wir als Studenten helfen können. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich hier zu engagieren und einmal tiefer in die ruandische Kultur einzutauchen. Umuganda ist nur ein Beispiel für eine staatlich regulierte und auf Gemeinschaft ausgelegte Kommunalpolitik. Auch Nachhaltigkeit wird groß geschrieben und so sind Plastiktüten schon aus dem Land verbannt; Plastikflaschen folgen demnächst!
Ein Highlight war auch die Verabschiedung vor unserer Heimreise auf die traditionell ruandische Art: Es wurde eine Ziege gebracht und geschlachtet und im Kreis von 25 Leuten ein schöner Abend verbracht.

Fazit

Meine Erwartungen wurden übertroffen und ich war überrascht und begeistert von Ruanda! Eine solche Erfahrung wünsche ich allen und kann dieses Praktikum nur empfehlen. Meine Lust zurückzukehren ist groß, wie auch meine Motivation, mich weiterhin in der Medizin und darüber hinaus sozial zu engagieren.

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