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Italy (SISM)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Während der Schulzeit habe ich schon einige Jahre mit meiner Familie im Ausland gelebt und gemerkt, wie ich sehr mich dadurch weiterentwickelt habe. Da ich mich ursprünglich auf einen Erasmus-Platz in Italien bewerben wollte, hatte ich schon ein halbes Jahr einen Italienischkurs der Volkshochschule besucht, als ich mich bewarb (zum Zeitpunkt des Austausches hatte ich dann schon 1,5 Jahre Italienischkenntnisse ansammeln können). Als ich mich dann gegen ein Erasmusjahr aus unterschiedlichen Gründen entschied, war es eine nahe gelegene Idee die gewonnenen Sprachkenntnisse während einer Famulatur umzusetzen. Desweiteren hatte ich mich noch für Famulaturen in Finnland und Indonesien interessiert, da ich viel Gutes von Freunden über deren Austäusche gehört hatte.
Ich gehörte jedoch dann zu den Glücklichen, die ihre erste Wahl bekamen. Meine Erwartungen an den Auslandsaufenthalt waren natürlich mich fachlich weiterzubilden (dies wurde dann tatsächlich aber eher mäßig erfüllt) und das Land und deren Leute besser kennen zu lernen (das wurde voll erfüllt).

Vorbereitung

Ich hatte mit Italien ein verhältnismäßig weniger exotisches Austauschland gewählt und war vorher auch schon mal dort (im Gegensatz zu meinen beiden Mitbewohnerinnen aus Japan und Brasilien, für die Italien schon ein Kulturschock war). Deswegen hatte ich bis auf den Infoabend, welcher von der bvmd-Austausch-Gruppe meiner Uni organisiert war, keine anderen Vorbereitungsseminare besucht.
Mir half eventuell auch mein Sprachkurs weiter, da meine Lehrerin dort tatsächlich Italienierin war und während des Kurses viele Anekdoten erzählte oder über spezielle kulturelle Unterschiede berichtete.
Als Tipp würde ich deshalb mitgeben, sich auf jeden Fall vorher mit ein paar Phrasen der italienischen Sprache zu beschäftigen oder bestenfalls einen Sprachkurs zu machen. Diese werden auch oft direkt von der Universität angeboten bzw. gewährt die Volkshochschule meist einen Studentenrabatt. Zwar gibt es auch viele Italiener die gut Englisch sprechen, aber im Vergleich zu Deutschland oder anderen europäischen Ländern, gibt es dort auch viele junge Leute die kaum ein Wort Englisch sprechen. Selbst in der Erasmus-Hochburg Bologna, wo ich famulierte, kam man nur mit Englisch nicht weit. Was beachtet werden sollte, sind die gesundheitlichen Anforderungen (für Bologna war dies z.B. der Mantoux-Test, den ich unkompliziert für etwa 25 Euro beim Gesundheitsamt machen lassen konnte, nach Erhalt der Card of Acceptance einzureichen) und bestimmte Versicherungen die man nach Erhalt der Zusage für das Land einreichen sollte. Diese Bedingungen sind auf der IFMSA Seite aufgeführt, jedoch hatte mich zusätzlich der zuständige italienische LEO angeschrieben welche Dokumente mir noch fehlen, es gab jedoch keinen Zeitdruck.

Visum

Ich musste kein Visum beantragen, da Italien glücklicherweise wie Deutschland ein EU-Land ist und durch das Schengenabkommen auch eine Einreise nur mit Personalausweis möglich gewesen wäre. Empfehlenswert ist auf die Website des Auswärtigen Amts zu gehen, dort sind zusätzlich zu aktuellen Reisebestimmungen auch andere Hinweise zum Land zu finden.

Gesundheit

Wie oben schon einmal erwähnt, musste ich den Mantoux-Test (Test auf Tuberkulose) nachweisen, der bei mir negativ ausgefallen ist. Bei einem positiven Testergebnis hätte ich noch ein Röntgen-Thorax machen müssen um eine Tuberkulose auszuschließen. So erzählte mir das zumindest die Ärztin aus dem Gesundheitsamt. In Italien müssen dies wohl alle Studenten nachweisen. Im Impfausweis sollten ebenfalls die Standardimpfungen dokumentiert sein. Obwohl ich nicht weiß, ob sich jemals jemand meine eingereichte Kopie angesehen hat... Meine Mitbewohnerin dort hatte wohl ausversehen statt ihrem Mantoux-Test ein anderes Dokument per Mail geschickt (einen der Versicherungsnachweise, fiel ihr erst gegen Ende der Famulatur auf) und vom zuständigen Leo dort kam nur eine nette Bestätigungsmail zurück. Die Organisation dort (SISM) war sehr freundlich und offen, die organisiertesten dann jedoch eher nicht ;)
Das was Aufwand ist im Organisieren sind die Versicherungen (Unfall-, Auslandskrankenversicherung, Haftpflichtversicherung mit Nachweisen) und der Mantouxtest. Der Rest ist ähnlich wie in Deutschland. Als Reiseapotheke würde ich gängige Schmerz- und Erkältungsmittel empfehlen, da es im Winter/Frühling dort schon kalt werden kann (vorallem nachts) und ich gehört habe, dass oft die Heizungen nicht gut funktionieren. Dies war bei uns zum Glück nicht der Fall. Jedoch waren wir alle drei ein paar Tage krank und waren froh, uns mit entweder der eigenen Reiseapotheke eindecken zu können oder den Mitteln aus den italienischen Apotheken.

Sicherheit

Norditalien hatte zumindest meines subjektiven Empfindens nach, eine ähnliche Sicherheitslage wie in Deutschland. Wir sind nachts in Bologna nicht alleine durch Viertel gelaufen die wir nicht kannten und haben dunkle enge Gassen gemieden. Dies würde ich jedoch genauso auch in Deutschland in Großstädten so machen. Die italienischen Studenten rieten uns, nicht nachts alleine durch die Altstadt zu irren und bei Tag und Nacht auf Taschendiebe zu achten. Vor allem in Bussen und in der Innenstadt sind diese unterwegs. Einer Austauschstudentin die einen Monat vor uns dort war, wurde mittags in einem Restaurant der Rucksack entwendet. Wir waren vorsichtig und haben immer drauf geachtet, dass Geldbörse und Handy im Rucksack nicht leicht zugänglich für Diebe waren. Die Wohnung in Bologna liegt im 3. Stock über einer Art Jugendherberge die kirchlich betrieben wird und erst durch mehrere verschlossene Eingänge erreichbar ist, sodass wir eigentlich keine Angst hatten, dass dort eingebrochen wird. Die Wohnungstür selber haben wir immer verschlossen.

Geld

Italien hat ebenfalls den Euro als Währung. Wie in Deutschland kann man in den Supermärkten und gängigen Shoppingketten überall mit Karte zahlen, es empfiehlt sich jedoch trotzdem für Cafe- oder Restaurantbesuche bzw. kleine Läden eine gewissen Menge an Bargeld vorrätig zu haben. Ich konnte mit meiner Kreditkarte umsonst im Ausland Geld abheben und bezahlen (viele Banken bieten dies inzwischen an). Jedoch hat es nicht immer an jedem Automaten funktioniert, also verfallt dann nicht in Panik und probiert es einfach am nächsten aus (eventuell bei einem einer anderen Kette). Seriöse Bankautomaten erkennt man gut daran, dass es Ketten sind die in großen Städten oft in der Innenstadt vertreten sind und unseren Bankfilialen hier ähneln. Am besten tagsüber abheben, an belebten Plätzen.
Lebenshaltungskosten sind zu vergleichen mit den Kosten in Deutschland, wobei ich tendenziell die Supermarktpreise etwas höher einschätzen würde, speziell für frische Lebensmittel (die meistens eine super Qualität haben!). Sparen kann mit Eigenmarken der Supermärkte und bei Discountern wie Lidl und Coop. Beide in der Nähe der Wohnung. Plant trotzdem etwas mehr ein, da man dort viiiiieeele Eissorten probieren möchte oder andere Köstlichkeiten, die teurer sind als in Deutschland.

Sprache

Ich kam während der Famulatur eigentlich ganz gut zurecht, dadurch, dass die meisten Ärzte zumindest verständliches Englisch sprachen und ich mit den medizinischen Begriffen die ich von hier kannte, trotzdem den Kontext in den Visiten verstand. Für eine flüssige Verständigung im Alltag würde ich zumindest ein A2 Niveau empfehlen. Da in Italien der Studentenunterricht eher weniger aktiv verläuft als hier und man kaum eigenständig Sachen erledigt, würde bei gut Englisch-sprechendem Personal dort, auch ein niedrigeres Niveau reichen.
Da in Bologna eine WG für die Praktikanten gestellt wird, die über IFMSA einen Forschungsaustausch oder eine Famulatur machen, sollte ein gutes bis sehr gutes Englischniveau vorhanden sein, damit man sich mit den anderen Incomings gut verständigen kann. Auch Interaktionen mit der lokalen Organisation machen so mehr Spass. Ich habe dort wirklich nette Leute kennengelernt und mit meinen beiden Mitbewohnerinnen sehr viel schönes erlebt.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Zug angereist, was sehr praktisch war, weil ich nur eine ICE Strecke bis nach München fuhr und von dort mit dem EC direkt nach Bologna fahren konnte. Vorallem mit einer Bahncard ist es wirklich deutlich günstiger als Fliegen und bequem, da man weniger auf Gepäckgröße und Gewicht oder Handgepäck achten muss. Von München nach Bologna fährt man etwa 6 Stunden, was mir jedoch kürzer vorkam, was eventuell an der tollen Aussicht lag (die man zum Beispiel hat, wenn man über den Brenner fährt). Das günstigste Angebot wäre ein Flixbus gewesen, der jedoch länger gebraucht hätte und mir zu unzuverlässig war, da ich meiner Kontaktperson, die mich abholte, gerne eine konkrete Ankunftszeit geben wollte (die Deutsche Bahn war ausnahmsweise hin und zurück super pünktlich). Fliegen war mir zu teuer, geht aber deutlich schneller, wenn zum Beispiel nicht mehr viel Zeit zwischen Semesterbeginn und Famulatur ist oder andere Termine vorliegen. Flughafen, Busbahnhof und Bahnhof sind in Bologna von der Wohnung aus auch gut erreichen.
Während unserer Wochenendausflüge sind wir Flixbus gefahren (die in Italien die gleichen Probleme haben wie in Deutschland - kaputte Busse und eigentlich immer zu spät) oder Zug (Trenitalia oder Italo sind da empfehlenswert). Das war recht kostengünstig und funktionierte meistens (nicht immer dank Flixbus) unproblematisch. Für den Monat in Bologna hatte ich mir ein Monatsticket gekauft, es gibt aber auch 10er Karten oder Einzeltickets in den Tabaccherias zu kaufen oder man zahlt jedes Mal 1,50 Euro direkt im Bus. Die Leute von der Organisation dort und die kontaktpersonen erklären das aber auch nochmal und helfen euch, die richtigen Tickets zu kaufen. In anderen Städten gibt es andere Fahrkartensysteme, meistens sind aber auch da die Tickets in den Tabaccherias zu erwerben.
Ich kann die App Moovit empfehlen, dort konnte man Busrouten eingeben oder es hat auch Wege zu Fuß bzw. mit dem Rad gut errechnet. Außer bei Streiks sind die Öffentlichen eigentlich recht verlässlich in und um Bologna.

Kommunikation

Ich konnte mein Handy normal weiternutzen, da Italien ein EU-Land ist. Ansonsten gäbe es aber dort auch die Möglichkeit sich für die Zeit eine Prepaidkarte dort zu kaufen. Am besten nicht direkt am erstbesten Laden am Flughafen, sondern bei einer der Ketten in der Innenstadt von Bologna. Es gab auch WLAN in der Wohnung, allerdings war die Verbindung eher langsam und man musste sich gefühlt stündlich wieder einloggen. Für Whatsapp, Youtube, Spotify, Google und Co hat es aber locker gereicht.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von der dortigen Organisation gestellt. Es war eine Wohnung mit zwei Doppelzimmern, einem großen Wohnzimmer mit einer weiteren Schlafgelegenheit, einem Bad und einer relativ großen Küche.
Die Wohnung ist an sich gar nicht so schlecht eingerichtet mit Herd, Backofen, Mikrowelle, Waschmaschine, zwei Kühlschränken mit Tiefkühlfächern und einer Klimaanlage/Heizung. Allerdings ist alles schon etwas heruntergekommen und so richtig sauber gehalten wurde es auch nicht. Wir haben erstmal 2 Tage geputzt, die Kühlschranke und das Bad waren wirklich schlimm verdreckt. Die Waschmaschine war an sich auch neu, aber hatte keinen richtigen Abfluss, sodass das dreckige Wasser in das Waschbecken abfließen sollte... dies war aber irgendwann zu voll und flutete das ganze Bad, sodass wir an bestimmten Zeitpunkten während des Waschvorgangs schon mit Schüsseln bewaffnet, das Wasser abpumpten. Die Zimmer waren in Ordnung, jeder hatte ein Bett mit Matratze und einen Schrank und in den Zimmern stand ein Schreibtisch. Wenn 4 Leute zu dem Zeitpunkt da sind, werdet ihr euch ein Zimmer teilen müssen. Ich kam wirklich gut zurecht mit meinen Mitbewohnerinnen, aber die Leute von der lokalen Organisation meinten, es hätte bei anderen Gruppen auch öfter mal Zoff gegeben. Bettwäsche/Laken solltet ihr euch selber mitbringen, Kissen und Decke sind da, jedoch sind diese auch schon alt und recht abgenutzt. Ich hatte einen leichten Schlafsack mit als Decke, ein Laken und ein aufblasbares Kissen und war damit zufriedener. Die Organisation schickt mit der Card of Acceptance auch nochmal weitere Informationen zur Wohnung und beantwortet Fragen. An sich, sind das auch super nette Leute und immer ansprechbar... nur haben sie unser Problem mit der Sauberkeit nicht so ganz nachvollziehen können bzw. ihr Versprechen beim Putzen zu helfen nicht so wirklich eingehalten ;)
Als wir dann aber mal angekommen waren in der Wohnung, war es wie ein kleines Zuhause für uns und wir hatten zum Beispiel sehr lustige Kochabende zusammen in der Küche, oft auch mit den italienischen Studenten.
Sie liegt etwa 10 Minuten fußläufig entfernt vom Ospedale Sant'Orsola-Malpighi und etwa 25-30 Minuten zu Fuß von der Innenstadt. Bushaltestellen sind in 200m bzw. 500m Entfernung zu erreichen.
Die Lage ist also wirklich super.

Literatur

Ich hatte mich durch die Erfahrungsberichte der bvmd geklickt, über die IFMSA Seiten gelesen (dort gibt es auch bestimmte Webseiten die empfohlen werden) und ich hatte mich mit Leuten von meiner Universität unterhalten, die in Bologna ein Erasmussemester gemacht hatten. Desweiteren hatte mir meine Italienischlehrerin noch ein paar Tipps gegeben. Es gibt aber auch viele gute deutsch- oder englischsprachige Webseiten oder Reiseführer die über Italien, die Region Emilia-Romagna oder speziell Bologna berichten.
Ich könnte jetzt kein Buch oder keine Webseite nennen, die per se nicht empfehlenswert ist.

Mitzunehmen

Denkt unbedingt daran eure Famulaturzeugnisse für euer Landesprüfungsamt mitzunehmen (bestenfalls die englische Version) und euer Student Handbook auszudrucken, dieses findet ihr auf der Seite des bvmd. Dann wichtige Dokumente in Kopie dabeizuhaben und persönliche Medikamente die verschreibungspflichtig sind. Dinge wie Kontaktlinsen, (Sonnen-)Brille, Handtuch oder Ladekabel werden auch schnell mal vergessen (Steckerdose die gleiche wie in Deutschland). Eine Powerbank hat mich super durch die Zeit gebracht, schafft euch unbedingt eine an vor der Reise!
Ich hatte zu viele kleine Drogeriesachen oder bestimmte "just-in-case" Kleidungsstücke dabei. In Italien kann man genauso gut Abschminktücher, Duschbad oder notfalls noch einen wärmeren Pulli kaufen, vorallem in Bologna. Informiert euch vorher trotzdem gut über das Wetter.
Wir sollten/konnten einen kleinen Vortrag über unser Gesundheitssystem im jeweiligen Land halten in der vorletzten Woche. Wir hatten zwar aber alle keine Laptops mit, aber irgendwie haben wir es trotzdem mit ausgeliehenem Laptop, Bib-Computern und Tablet hinbekommen. Eigentlich braucht ihr aber keinen Laptop.

Reise und Ankunft

Meine Kontaktperson hatte mich vom Bahnhof abgeholt und zur Wohnung gebracht. Wir waren vorher über Whatsapp in Kontakt und hatten auch eine gemeinsame Whatsappgruppe mit den beiden anderen Incomings und deren Kontaktpersonen. Grundsätzlich haben wir aber viel als Gruppe zusammen unternommen. Meine Kontaktperson hatte mich an meinem ersten Tag auch ins Krankenhaus begleitet und mich vorgestellt und die Formalitäten erledigt. Sie war auch gegen Ende nochmal mit um ggf. bei Unklarheiten zu übersetzen was das Ausfüllen des Famulaturzeugnisses oder des Student Handbooks betraf. Ich war wohl die erste Famulantin die sie bisher dort in der Pädiatrie hatten, die so einen Austausch machte und dadurch, hatten sie noch nicht so viel Erfahrung und vieles war leider unklar und schlecht organisiert. Bei meinen Mitbewohnerinnen lief das besser in der Neurologie (SCORE) und plastischen Chirurgie (SCOPE).
Ich kam ein paar Tage eher an und traf so noch die Incomings an, die den Monat vorher da waren und hatte genügend Zeit mich einzugewöhnen. Ich bin tatsächlich noch vor Beginn des Praktikums mit meiner Mitbewohnerin nach Venedig gefahren und wir haben uns 2 Tage die Stadt angesehen. Das war schon einmal ein toller Start und nahm uns etwas die Aufregung. Außerdem lernten wir uns so besser kennen.
Die lokale Organisation hatte fast jeden Tag eine Aktivität geplant und sie waren wirklich sehr interessiert uns eine gute Zeit zu bereiten und mehr über uns zu erfahren. Sie waren in Bezug auf soziale Aktivitäten wirklich sehr engagiert, wenn auch nicht ganz so gut organisiert... ;)

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

In Italien ist die Ausbildung der Medizinstudenten sehr theoretisch. Sie durften kaum selber etwas machen und wurden auch meistens in die Visiten nicht richtig mit eingeschlossen.
Ich bin anfangs zwei Wochen rotiert über die verschiedenen Kinderstationen und war dann zwei Wochen auf der Kinderonkologie, wo es mir am besten gefallen hatte. So richtige Aufgaben die ich selbstständig hätte erledigen können, hatte ich aber auch dort nicht. Sprach-und Verständigungsprobleme gab es ab und zu, jedoch waren diese nicht dramatisch und gut zu klären. Jediglich die Sekretärinnen und der Chef der Kinderklinik konnten gar kein Englisch, weshalb am ersten Tag meine Kontaktperson noch mitgekommen war um alles zu organisieren - was trotzdem eher so mäßig klappte, sodass mein erster Tag nach knapp 2 Stunden schon wieder vorbei war.
Es ist wie in Deutschland, manche Stationen mit bestimmten Ärzten sind engagierter und interessierter Studenten etwas beizubringen und andere sind es weniger. Deswegen fand ich die Möglichkeit die ersten zwei Wochen über die Stationen zu rotieren eine gute Möglichkeit meinen Praktikumsplatz zu finden wo ich viel lernen konnte. Und irgendwie machte es auch trotzdem auf Stationen Spass wo die Ärzte nicht so engagiert waren, weil man dann mit den italienischen Studenten ins Plaudern kam und viel über das Studium und die Ausbildung dort erfuhr.
Dies konnte ich mir aussuchen. Es gab ein paar interessante Fälle und ich hatte relativ Freizeit, weil sie relativ früh nichts mehr für mich zu tun hatten, aber wirklich fachlich habe ich nicht viel mitgenommen. Was mir positiv aufgefallen war, ist, dass das Verhältnis zwischen Pflege und Ärzten viel besser ist und die Pflege mehr verantwortungsvolle Aufgaben hatte. Besprechungen waren so viel konstruktiver und wirklich interdisziplinär. Die anderen Medizinstudenten waren nett, haben aber berichtet, dass sie das Ausbildungssystem in Italien nicht gut finden, da sie am Ende des Studiums kaum praktische Fertigkeiten vorweisen können.
Meine Famulatur war gut um einen Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche in einem anderen Land zu bekommen und um meine Sprachkenntnisse aufzubessern, praktische Kenntnisse habe ich jedoch nicht dazugelernt. Eventuell ist dies in anderen Bereichen noch anders.

Die Kinderheilkunde wirkte auch nicht so super organisiert wie etwa die plastische Chirurgie, wo meine Mitbewohnerin ihre Famulatur gemacht hat. Die italienische Organisation (SISM) hat sich jedoch wirklich reingehängt und versucht ein gutes Praktikum für jeden zu organisieren. Grundsätzlich war es aber trotzdem eine schöne Erfahrung.

Land und Leute

Da meine beiden Mitbewohnerinnen und ich vom Krankenhaus aus viel Freizeit eingeräumt bekamen, unternahmen wir viel in Bologna selbst, liefen etliche Male durch die Altstadt, probierten alle Eisdielen aus um die beste zu finden (Cremeria Cavour oder Cremeria Santo Stefano), gingen in Museen, besuchten Sehenswürdigkeiten wie das anatomische Theater oder die zahlreichen Kirchen die es in Bologna gibt... Ebenfalls sehr empfehlenswert ist Aperitivo, man zahlt sein Getränk und kann sich seinen Teller mit leckeren italienischen Vorspeisen (oder Hauptspeisen je nach Lokalität) - mehrmals - beladen. Lasst euch am besten von euren Kontaktpersonen beraten oder nehmt sie mit bzw. lasst euch mitnehmen zu Abenden die sie organisieren.
Bei uns gab es auch ein "international dinner", bei dem die italienischen Studenten etwas typisch italienisch kochten und wir auch Gerichte aus unserer Heimat zubereiteten. Wenn ihr also schon wisst, dass ihr ein ganz bestimmtes Gewürz oder ähnliches braucht, versucht es auch von zuhause schon mitzunehmen.

Bologna liegt sehr günstig für Ausflüge in andere italienische Städte. Wir machten Ausflüge nach Venedig, Verona, Pisa, Florenz und Rom. Mailand, Siena und andere Ausflugsziele bieten sich ebenfalls an.

Das Essen dort ist super und uneingeschränkt empfehlenswert. Probiert am besten viel von den lokalen Spezialitäten und nicht nur das, was ihr sonst auch in Deutschland beim Italiener essen würdet. Die meisten Italiener waren sehr nett und hilfsbereit, manche waren jedoch auch sehr unfreundlich ohne wirklichen Anlass. Es gab eigentlich nur diese beiden Extreme, entweder sie waren sehr nett oder sehr unfreundlich. Manche Verkäufer versuchen euch auch übers Ohr zu hauen, rechnet und prüft es am besten nochmal kurz im Kopf nach, ob Rechnung, Wechselgeld etc. zusammenpassen.

Manchmal fällt in Italien auf, dass es dem Land wirtschaftlich schon schlechter geht, als zum Beispiel Deutschland. Teilweise sieht man wirklich heruntergekommene Ecken, während in der nächsten Straße ein Laden mit sündhaft teuren Handtaschen wartet. Bologna wirkt im Vergleich zu Städten wie Verona oder Venedig, die mit Touristen nur so überlaufen sind, viel realer und nahbarer - auch weil die Speisekarten meistens nicht auf Englisch sind... versucht diese Restaurants zu meiden die euch auf Englisch ansprechen oder die groß ihre Essensgerichte auf Englisch anpreisen.
Was ebenfalls noch in Italien auffällt, ist der große Anteil an Rauchern, vorallem auch noch an der jungen Bevölkerung.

Fazit

Ich würde sehr gerne wieder einen Auslandsaufenthalt wagen, auch in Italien. Das Land ist wirklich traumhaft trotz diverser kleiner und großer Probleme. Ich könnte mir auch vorstellen dort wieder zu arbeiten, allerdings ist die Assistenzarztausbildung hier viel praktischer angelegt. Ich habe das deutsche Medizinstudium wirklich mehr zu schätzen gelernt. Auch habe ich viel über das Studium in Japan und Brasilien durch meine beiden Mitbewohnerinnen erfahren und gemerkt, dass dies zu unserem gar nicht so unterschiedlich ist. Dadurch konnte ich einige Vorurteile ablegen.
Ich empfehle euch auf jeden Fall einen Auslandsaufenhalt in Italien zu machen, falls ihr primär über das Land und deren Kultur lernen wollt und dazu interessante medizinische Fallbeispiele erleben möchtet. Die italienische Organisation (SISM) dort war super und ich werde die Zeit die ich dort mit den Leuten hatte nie vergessen.

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