zurück

ich habe nur einen 1. Wunsch

Verschiedene - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Patrick, Leverkusen

Motivation

Ich wollte eine andere Kultur und andere Menschen kennenlernen. Brasilien ist das größte Land Lateinamerikas und außerdem hat mich vor allem interessiert wie das Gesundheitssystem dort funktioniert.

Vorbereitung

Da ich hauptsächlich im Bereich der Pneumologie tätig war, habe ich mich etwas besser im Voraus über diesen Bereich informiert (Anatomie, körperliche Untersuchungen, häufige Lungenerkrankungen und deren Therapie etc.) Bei den Formalitäten standen mir das Team von der IFMSA zur Seite. Ich habe keine speziellen Kurse etc. besucht.

Visum

Ich hatte mich telefonisch bei der brasilianischen Botschaft in Deutschland informiert. Für Brasilien brauchte ich kein Visum.

Gesundheit

Ich hatte meine persönliche Reiseapotheke dabei. Pflicht war eine Gelbfieberimpfung um einzureisen. Andere Impfungen wurden von der STIKO empfohlen, welche ich ebenfalls durchgeführt habe. Zum Beispiel Typhus oder Hepatitis A Impfung oder auch Tollwut sind zum Beispiel Impfungen die empfohlen. Welche Impfungen und Krankheiten am häufigsten sind, kann man auf der Seite der STIKO nachlesen. Außerdem hatte ich für die Zeit der Famulatur eine Auslandskrankenversicherung online abgeschlossen.

Sicherheit

In der Stadt in der ich meine Famulatur durchgeführt habe, war es sicher und ich musste keine Vorkehrungen treffen. In Großstädten muss man jedoch etwas vorsichtiger sein mit seinen Wertsachen, zum Beispiel nicht lange oder oft das Handy rausholen oder andere Wertsachen. Ich denke dies gilt für alle Großstädte.

Geld

Die Währung des Landes: Brasilianischer Real. Man kann auch mit Kreditkarte bezahlen. Am besten tauscht man das Geld bei der Bank. Im Vergleich zu Deutschland war es dort billiger. Ich hatte bei einer Familie gewohnt, deswegen kann ich das nicht genau sagen.

Sprache

Landessprache ist portugiesisch/brasilianisch. Die jüngeren Brasilianer sprechen und verstehen meistens auch Englisch, aber nicht jeder. Da meine Mutter Mexikanerin ist, konnte ich mich etwas über Spanisch verständigen bzw. verstehen und später dann mehr „Portunol-Portugiesisch-spanisch“ sprechen. Um im Krankenhaus etwas Medizinisches zu verstehen, sollte man schon einen guten Status in Bezug auf die Sprache haben, um etwas zu verstehen.

Verkehrsbindungen

Ich bin nur mit dem Uber-Taxi gereist. Über einen örtliche beschränkten Handytarif hatte ich eine Internetverbindung. Mit dem Uber-Taxi war ich sehr zufrieden. Zuverlässig und günstig. In Großstädten kann man auch mit der U-Bahn (Metro) fahren. Die Preise hierfür sind sehr günstig im Vergleich zu Deutschland.

Kommunikation

Ich habe mich hauptsächlich auf Englisch unterhalten und zwischendurch auch probiert auf der Heimatsprache zu kommunizieren. Internetverbindungen hatte ich über einen örtlichen Handyvertrag. Über diesen konnte ich dann auch mit meiner Familie kommunizieren.

Unterkunft

Ich bin bei einer sehr netten Gastfamilie untergekommen. Die Unterkunft hatte ich über die BVMD und IFMSA vermittelt bekommen. Es war eine sehr schöne Unterkunft und ich hatte die Möglichkeit mich selbst zu versorgen. Ich musste nichts selber mitbringen.

Literatur

Ich hatte mich zuvor auf unterschiedlichsten Internetseiten über das Land informiert. Am meisten hatte ich im Reiseführer gelesen. In dem Reiseführer hatte ich auch gleichzeitig eine Art Wörterbuch u.a. auch für medizinsche Bereiche.

Mitzunehmen

Außer der Reiseapotheke und seinen Klamotten musste ich nichts Besonderes mitnehmen. Sollte mal was fehlen, kann man diesen auch vor Ort besorgen oder eben von anderen leihen, wie zum Beispiel eine Stromadapter. Eine Kreditkarte wäre sicherheitshalber noch von Vorteil und seine medizinische Ausrüstung (Stethoskop etc.) und einen eigenen Kittel sollte man auch dabeihaben.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos. Mein Gastbruder und meine Gastschwester hatten mich am Flughafen abgeholt. Nach ein paar Tagen ging es dann auch schon los. Es gab keine besonderen Vorkehrungen, die ich nach der Ankunft treffen musste. Nach der Ankunft habe ich die Stadt erkundigt und Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe im Hospital Regional gearbeitet. Dies ist ein „Public Hospital“. Der erste Tag war sehr entspannt. Zunächst einmal wurde mir erklärt wie alles abläuft und dann durfte ich auch schon den Arzt begleiten. Im Allgemeinen hatte ich morgens die „Consultation“, d.h. Patientensprechstunde. Im Anschluss gab es dann einige Bronchoskopien, bei denen ich zuschauen durfte. Grundsätzlich durfte ich abgesehen von der körperlichen Untersuchung nicht wirklich viel machen. Dies fand ich auch schade. Beim Ansprechen darauf, konnte man mich verstehen. Ich hätte gern noch ein paar praktische Tätigkeiten erlernen wollen. Die Ärzte, die mich betreut haben waren sehr nett und bemüht. Lediglich ein Arzt am Donnerstag und Freitag konnte leider kein Englisch sprechen und mir demnach nicht wirklich etwas erklären. Mit der Zeit hatte ich einen Weg gefunden, mich an bestimmte Ärzte zu halten (Uni-Arzt), die mir auch entsprechend gut die Materie auf Englisch erklären konnten. Nach den Bronchoskopien ging es dann erstmal zum Mittagessen. Später war dann die Visite, bei der wir auf Station die einzelnen Patienten besprochen haben. Leider konnte ich da nicht wirklich etwas verstehen, da schnell und kompliziert (in Fachsprache und Landessprache) gesprochen wurde. Leider konnte man keine direkte Beziehung zu den Patienten aufbauen. Das Gesundheitssystem in Brasilien ist eher schlecht. Die „Public Hospitals“ haben nicht genug Geld und Personal, sodass manche Ärzte noch zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen, z.B.: das ein Pneumologe mit einem Arm (der andere Arm ist vermutlich eine angeborene Fehlbildung) die Bronchoskopie und gleichzeitig die Anästhesie durchgeführt hat. Über den Ablauf in der Uni habe ich leider keine Informationen erhalten. Grundsätzlich war ich damit befasst mit dem entsprechenden Arzt über den vorliegenden Fall zu sprechen und dabei Differentialdiagnosen zustellen,Therapieansätze und Verlauf der Krankheit. Die "Residents" ( sow urden die Assistenzärzte gennat, übernahmen meist die körperliche Untersuchung. Da hätte ich mir gewünscht etwas mehr selbstständig machen zu dürfen. Nach späterem Nachfragen war dies auch möglich nur leider hatte ich schon etwas Zeit verloren. Die Famulatur verging im Flug und nach einem Monat hatte ich mich etwas an den Ablauf gewöhnt und da war dann schon auch die Famulatur vorbei. Im Vergleich zu Deutschland ist das Gesundheitssystem sehr schlecht. Es fehlt an Personal und Equipment. Außerdem ist der Zustand der "Public Hospitals" sehr schlecht.

Land und Leute

Außerhalb des Landes bzw. des Krankenhauses konnte ich Sao Paulo und Rio kurzzeitig etwas kennenlernen. Leider war das Wetter so schlecht, das ich keine Sehenswürdigkeiten besuchen konnte. Die Politik spielt in dem Land eine große Rolle. Ich würde sagen, dass der Präsident ähnlich wie Trump das Volk teilt. Die wirtschaftliche Situation soll sich wohl jetzt verbessern, aber ich glaube, dass die Korruption etc. weiterhin ein großes Problem in dem Land ist. Besonders aufgefallen ist mir, dass die Brasilianer gerne „Churasco- Grill“ machen und sich viel und lange unterhalten. Mit meinen Gastgebern bin ich sehr gut zurechtgekommen. Sie waren immer freundlich und hilfsbereit. Mit dem Rest der Bevölkerung habe ich mich sehr gut verstanden, weil ich auch ein offener Mensch bin und gerne neue Leute kennenlerne. Außerdem haben wir ein ähnliches Temperament (Mexico-Brasilien). Das essen war eines meiner Lieblingsessen. Vor allem viel Fleisch wird gegessen. Die einzige wirklich negative Erfahrung, die ich gemacht habe war, dass sich das Team der IFMSA gar nicht um soziale Treffen wie Ausflüge oder andere Studenten kennenlerne oder was zusammen unternehmen, gekümmert haben. Lediglich die formale Komponente wurde beachtet. Aus diesem Grund hatte ich Glück eine so große und freundliche Familie gehabt zu haben mit der ich auch am Wochenende was unternehmen konnte. Ich hätte gern noch ein bisschen das Land bereist, da es vieles zu sehen gibt. Grundsätzlich wäre es noch schön gewesen etwas vom Norden Brasiliens mitzubekommen oder den Amazonas zu sehen. Auch andere Sehenswürdigkeiten blieben mir leider aufgrund des Wetters verwehrt. Eine unangehme Erfahrung hatte ich in Sao Paolo als ich plötzlich in eine vermeintlich gefährlich Starße eingebogen bin und das zu einer ungünstigen Zeit (Abends). Als mir dies bewusst wurde ,entfernte ich mich schnellstens wieder Richtung Bahnstation und hatte in dem Moment schon ein etwas mulmiges Gefühl. Grunsätzlich sind die Brasilianer sehr gastfreundlich und zuvorkommend. Lediglich die älteren Leute in etwas kleineren Städten sind noch etwas Unsicher gegenüber fremden. In Rio gibt es viele Sehenswürdigkeiten. Da ich während des Karnevals dort aufhielt, war es relativ sicher. Es gab sehr viele Polizisten aber auch Militär auf den Straßen. Überrascht war ich wie gefährlich die Stadt doch eigenltich ist,dies mir aber in Rio zu der Zeit nicht wirklich aufgefallen ist. Anders als in Sao Paolo. In der Nähe von Joinville gab es auch noch die Möglichkeit nach Florianopolis zu reisen,welches auch für Touristen und Einheimische interessant ist.

Fazit

Meine Erwartungen was das Land angeht wurden erfüllt bzw. übertroffen. In Bezug auf meine Tätigkeit im Krankenhaus hätte ich gerne mehr gelernt und mehr Verantwortung übernommen. Ich würde zu jeder Zeit wieder in das Land reisen und könnte mir auch vorstellen dort zu arbeiten. Ich schließe aus meiner Auslandserfahrung, dass wir es in Deutschland in Bezug auf unser Gesundheitssystem sehr gut haben und weiß diese Tatsache mehr zu schätzen als vorher.

zurück