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Malta (MMSA)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Da ich bisher in meinem Studium noch keine Auslandserfahrungen gesammelt habe, wollte ich meine letzte Famulatur im Ausland machen.
Ich habe öfter auf der BVMD-Seite vorbeigeschaut und dabei den Restplatz für Malta entdeckt. Da die Amtssprachen dort Maltesisch und Englisch sind, war die Entscheidung, sich auf diesen Platz zu bewerben, sofort gefallen.

Vorbereitung

Die Bewerbung auf den Restplatz war sehr einfach und komplikationslos.
Im Vorfeld muss man, im Anschluss an die Bewerbung, auch eine Health-Form vom Hausarzt ausfüllen lassen, die diverse Tests beinhaltet, darunter auch für HIV, HCV, HBV und Tuberkulose.
Dabei gab es keinerlei Schwierigkeiten.
Spezielle Kurse oder Vorbereitungstermine habe ich nicht besucht.

Visum

Ich habe kein Visum gebraucht. Ich bin mit meinem Personalausweis gereist.

Gesundheit

Ich habe die Barmenia-Auslandskrankenversicherung, die ich lange vorher schon unabhängig von meiner Malta-Reise abgeschlossen hatte. Als Reiseapotheke hatte ich ein paar Ibuprofentabletten dabei, auch ein paar Pflaster und Verbände, die ich nicht gebraucht habe. Ich würde empfehlen auch etwas gegen Husten mitzubringen, da aus unserer Wohnung jeder einmal Husten und Erkältung hatte. Der ständige Wechsel zwischen Heiß (draußen) und Kalt (aufgrund von Klimaanlagen im Krankenhaus und in den Bussen) hat niemandem wirklich gutgetan.
Ein Schutz gegen Mücken ist auch empfehlenswert.

Sicherheit

Ich habe mich in Malta sicher gefühlt und wir haben keine Vorkehrungen hinsichtlich Sicherheit getroffen. Nachts waren wir aber sowieso meistens in einer Gruppe unterwegs.
Die größte Gefährdung, meiner Meinung nach, geht von den Autos aus. Man muss sich erst einmal daran gewöhnen beim Überqueren der Straße auf die richtige Seite zu schauen, da im Malta Linksverkehr herrscht. Einige Straßen hatten kein Bürgersteig und so musste man direkt neben den Autos laufen. Die Straßen sind in der Stadt oft eng und man sollte einfach aufpassen.

Geld

Die Währung ist der Euro. Man kann fast überall mit Karte zahlen. Für das Social Programm mussten wir oft 4 Euro für den Transport und dann noch weiteres Geld für das eigentliche Programm, passend und in bar dabeihaben. In manchen Läden, besonders Souvenirläden, konnte man erst ab einem Betrag von 10 Euro mit Karte zahlen. Ich hatte genug Bargeld für den Monat dabei und musste kein Geld am Automaten abheben.
Die Preise sind ähnlich zu Deutschland. Ich habe meistens im Lidl für die ganze Woche eingekauft und wenn ich zusätzlich etwas gebraucht habe, habe ich es in kleineren aber teureren Läden in der Nähe gekauft.

Sprache

Amtsprachen sind wie schon erwähnt Maltesisch und Englisch. Im Krankenhaus wird mit den Patienten jedoch oft Maltesisch gesprochen, manchmal auch Italienisch. Dokumentiert wird auf Englisch und auch untereinander sprechen die Ärzte Englisch.
Als Sprachniveau würde ich mindestens B2 emfehlen, da die Malteser eine ganz besondere Aussprache haben und man sich da sehr gut reinhören können muss, um sie zu verstehen.

Verkehrsbindungen

Ich hatte die personalisierte Tallinja Card. Diese muss man einige Wochen im Voraus bestellen (6 Wochen sind wohl empfehlenswert)  https://www.publictransport.com.mt/adult. Meine Karte kam nie in Deutschland an, da sie auf dem Postweg verloren gegangen ist. Ich konnte jedoch problemlos (gegen eine Gebühr von 10 Euro wegen „Verlust der Karte“) direkt vor Ort eine neue ausstellen lassen. Damit hat eine Busfahrt (2h Busfahren mit Umsteigemöglichkeit) nur 75ct gekostet. Ansonsten gibt es 2 Apps für Taxis: eCab & Bolt, wobei Bolt etwas billiger ist. Wir haben die Taxis oft benutzt, um als Gruppe zur Party zu kommen oder eben von der Party nach Hause.
Busse sind nicht sehr zuverlässig. Meistens sind sie aufgrund des vielen Verkehrs auf Malta zu spät, machmal fahren sie jedoch auch schon früher ab.

Kommunikation

Kommunikation war problemlos auf Englisch möglich. WLAN gab es in der von der MMSA-gestellten Wohnung und es gibt auch viele öffentliche freie Internet-Hotspots in den Städten. Ich habe ein Gesamt-Paket von Aldi-Talk benutzt. Damit hatte ich eine Flatrate für Telefonie & SMS plus 4GB mobile Daten.

Unterkunft

Ich war in einer 6er WG untergebracht. Diese wurde von der MMSA gestellt. Wir hatten 3 Zimmer à 2 Personen und zwei gemeinsame Badezimmer. Auch hatten wir eine große gemeinsame Küche mit einem Tisch für 6 Personen und einer Couch. Einen kleinen Balkon hatten wir auch. Wir hatten einen Kühlschrank, Gefrierschrank, Toaster, Wasserkocher und Gasherd/ Gasofen. Kaffeemaschine gab es nicht, aber Malteser trinken wohl allgemein nicht so viel Kaffee. Bettwäsche musste man selbst mitbringen, Kissen wurde gestellt. Eine Bettdecke gab es nicht, brauchte man aber auch nicht, der Bettbezug ist auch an „kälteren“ Nächten ausreichend.
Ventilatoren hatten wir in den Schlafzimmern. In der Küche gab es keinen. Etwas Luft kam dort durch den Balkon. Andere WGs hatten Klimaanlagen.

Literatur

Ich habe vor meiner Abreise noch einen Reiseführer gekauft. Für den einen Monat habe ich zu einem ausführlicheren Reiseführer gegriffen und ich wurde nicht enttäuscht. https://www.michael-mueller-verlag.de/de/reisefuehrer/malta/malta_gozo_comino/index.html
Dort konnte man auch über Maltas Geschichte, Menschen und Festas lesen. Zudem gab es Tipps für einsame Strände.

Mitzunehmen

Auf jeden Fall Schwimmsachen & Schnorchelset! Ich hatte auch noch meine Wasserhängematte dabei, was sich auch gelohnt hat.
Überflüssig sind für den Monat Juli Sweatshirts/ Pullover oder Regenjacken. Ein dünnes Jäckchen für „kältere“ Abende (es ist selbst dann nicht wirklich kalt/kühl, aber es kann einem so vorkommen, wenn der Tag so warm war) oder um die Schultern zu bedecken, wenn man in die Kirche geht, ist völlig ausreichend.
Ansonsten luftige Kleidung! Es ist wirklich sehr warm. Und „Smart casual“ Kleidung für das Krankenhaus.
Man sollte die Sonnencreme nicht vergessen! Kann man aber auch dort kaufen.
Ein Steckdosenadapter ist essentiell.
Wenn man etwas zuhause hat, das das liegen auf unebenen oder etwas spitzeren Steinen bequemer macht, aber nicht viel Platz im Koffer einnimmt sollte man das auch mitbringen, da es viele Steinstrände gibt. Diese sind auch meiner Meinung nach viel schöner als die meisten Sandstrände.
Für Steinstrände ist es auch praktisch Wasserschuhe zu haben.
Eine Cap/ Bandana/ Kopfbedeckung oder Hut sollte man auf jeden Fall auch mitbringen, da man viel in der Sonne sein wird.
Ich hatte auch eine wasserdichte Handyhülle dabei, mit der ich Unterwasserbilder und auch Bilder im Wasser machen konnte. Auch eine wasserdichte Tasche hatte ich dabei.

Reise und Ankunft

In Malta angekommen, habe ich mich alleine auf den Weg zum Apartment gemacht. Mit dem Bus war die Unterkunft leicht zu erreichen und man konnte erste Eindrücke vom Land sammeln. Ich bin Sonntag morgens angekommen, der erste offizielle Tag (Orientation Day) war am Dienstag. Ich hatte also einige Tage Zeit, um mich zurecht zu finden. Sonntag Abend hatten wir in unsrer WG Besuch von der MMSA-Studentin, die den Juli-Exchange leitete. Sie hat uns weitere Schlüssel vorbeigebracht, sodass wir am Ende 5 Schlüssel für 6 Personen hatten. Das war aber nie wirklich ein Problem, da wir meistens zusammen unterwegs waren. Sie hat uns auch gesagt, dass man das Leitungswasser auf Malta nicht trinken sollte. Glücklicherweise hatten wir einen Wasserautomaten (Waterpoint) in unserer Straße, wo man 1l Wasser für 15ct auffüllen konnte. Am Dienstag wurden alle Austauschstudenten dann morgens einbestellt, um zuerst die Zugangskarten fürs Krankenhaus zu beantragen und zu bezahlen. Danach wurden wir von MMSA-Studenten unseren Mentoren für den Monat vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Praktikum habe ich im Department Respiratory Medicine absolviert. Dort war ich eine von insg. 3 Studentinnen, die am Austausch teilgenommen haben. Zugeteilt waren wir dem Consultant Dr. B. Caruana Montaldo und seinem Team aus Residents und House Officers.
Insgesamt war das Praktikum mehr zuschauen, als selbst Hand anlegen. Ich habe aber trotzdem viel gelernt. Da man in Malta als Student nicht als Arbeitskraft, wie in Deutschland, eingeplant wird, ist das Praktikum eher wie Stationsunterricht, den man aus Deutschland kennt, aufgebaut. Man läuft mit den Ärzten mit, man bespricht die Fälle, das eigene Wissen wird abgefragt und in der Respiratory Medicine darf man auch sehr viel Lunge auskultieren. Das hat mir mitunter sehr geholfen, da ich ein Gehör für verschiedene Pathologien entwickeln konnte.
Um 8.30 Uhr trafen wir uns morgens auf Station zur Visite oder an manchen Tagen bei den Outpatients, also der Ambulanz. Die Dauer der Visite war von der Anzahl der Patienten, die das Team betreute, abhängig. Diese variierte von Tag zu Tag, denn in Malta wird ein „On-Take-System“ angewendet. Ein Consultant und sein Team sind demnach alle 2 Wochen einen Tag lang für alle Neuzugänge der Inneren Medizin zuständig. Daher war diese Visitenrunde sehr hektisch aber auch lehrreich, denn schließlich hat man 30 neue Patienten an einem Tag gesehen. Bis zur nächsten "On-Take" Runde, wurde dann versucht möglichst viele Patienten zu entlassen oder an andere Departments zu überweisen.
An 2 Montagen war Sleep Clinic, dort wurden Patienten mit Schlafapnoe gesehen. An anderen Tagen war Outpatients. Dort haben wir uns aufgeteilt und jeder ist mit einem Arzt in einem Sprechzimmer mitgegangen. Leider findet viel vom Gespräch zwischen Arzt und Patient auf Maltesisch statt, die Ärzte bemühten sich jedoch immer eine kurze Zusammenfassung am Ende zu geben, oder bereits im Vorfeld etwas über den Patienten zu erklären. Dort wurden auch verschiedene Funktionsdiagnostiken angeordnet. Die Patienten kamen dann einige Zeit später z.B. mit dem Ergebnis der Lungenfunktionsdiagnostik wieder und das weitere Vorgehen wurde gleich mit Ihnen besprochen.
Das Mittagessen, das von der MMSA gestellt wird, wurde an das Krankenhaus geliefert und wir mussten es zwischen 12 und 12.20 Uhr abholen. Es gab aber auch immer die Möglichkeit es von seinen WG-Mitbewohnern mitnehmen zu lassen, wenn man noch auf Station oder mit Outpatients beschäftigt war.
Eine große Take-Home-Message, die Dr. Montaldo uns mitgegeben hat, war es immer up-to-date zu bleiben, immer die neuesten Studienergebnisse und auch die neuesten Leitlinien nachzuschlagen. Das hat mich sehr positiv beeindruckt und das werde ich auch auf jeden Fall für die Zukunft berücksichtigen.

Land und Leute

Das Social Program der MMSA ist sehr umfangreich, was wirklich sehr toll ist. Das Programm beinhaltete: Beach Gathering am Golden Bay Beach, Pub Crawl in Paceville, Comino (Blue Lagoon), Valletta Tour, SUP, Gozo, Mdina Treasure Hunt, Beach Yoga am Golden Bay Beach, St. Peter’s Pool, National Food & Drink Party, Hike (Dingi cliffs), Blue Grotto and Boat Party.
Zu unseren Ausflugszielen wurden wir immer mit einem privaten Bus gefahren, der uns 4 Euro pro Person (für Hin- & Rückfahrt) gekostet hat.
Der Gozo Tag im Social Program war für uns alle nicht ausreichend, sodass die Meisten nochmal für einen Tag oder mehrere Tage nach Gozo sind. Auch Mdina und Valletta waren mehr als einen Besuch wert. An einem Wochende gab es ein Food Festival in Mdina. Mehrmals haben Konzerte in Floriana (der Vorstadt von Valletta) stattgefunden. Es gab ein Weinfestival in Valletta und ein Bierfestival in Attard.
Außerdem sehr zu empfehlen sind diese Orte: Fomm ir-rih bay, Imgiebah Bay, Ghajn Tuffieha, Gnejna Bay, Slugs bay, Manoel island beach, Sliema-beach, St. Thomas Bay, Marsaxlokk (Sonntag Fisch- & Souvenir-Markt) und das Cafe del Mar.
Auch erwähnenswert ist, dass die Malteser im Sommer jedes Wochenende ein Festa in einer anderen Stadt feiern. Schon morgens kann man dann laute Knalle hören, die zu Feuerwerken gehören. Auch tagsüber nachmittags und abends gibt es dann einfach zwischendurch ein Feuerwerk. Diese sollen die bösen Geister vertreiben.
Mit etwas Glück aber könnt ihr, an einem der Festas am Samstag abend, ein „Giggifogu“ bestaunen. Es ist ein ganz besonderes Feuerwerk und ich habe es sehr genossen. Zugegebenermaßen ist es auch etwas gefährlich.
Zum Feiern sind wir meistens nach Paceville, wo auch das Pub Crawl stattgefunden hat. Sehr zu empfehlen, allerdings etwas teurer, da man Eintritt zahlen muss, ist das Gianpula Village.
An Essen sollte man auf jeden Fall die traditionelle Ftira und auch die Pastizzi probieren. Die besten Pastizzi gibt es in Rabat in einem Lokal namens Is-Serkin.
Wenn ich noch mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich nochmals Comino besucht und wäre nicht nur zur Blue Lagoon, sondern hätte mir auch die anderen Strände dort angeguckt.
Auch habe ich gehört, dass das Hal Salfieni Hypogeum einen Besuch Wert sei, jedoch sind die Tickets limitiert und man muss sehr lange im Voraus buchen. Auch gibt es viele andere Tempel, die ich in meiner Zeit auf Malta nicht mehr geschafft habe zu besuchen.
Wenn man früh genug plant, könnte man sogar einen Ausflug nach Sizilien unternehmen.

Fazit

Meine Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt. Es war ein wundervoller Monat. Ich würde auf jeden Fall nochmal zurück nach Malta kommen, könnte mir aber nicht vorstellen dort zu leben und zu arbeiten, da Malta zwar wunderschön aber wirklich sehr sehr klein ist. Auch der Austausch mit Studenten aus aller Welt hat mir sehr gefallen. Verschiedene Kulturen, Gesundheitssysteme und Ausbildungssysteme kennenzulernen, war für mich sehr interessant und lehrreich.

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