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Denmark (IMCC)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anna, Freiburg

Motivation

Da ich schon während meiner Gesundheits- und Krankenpflege Ausbildung genug vom deutschen Gesundheitssystem mitbekommen habe, wollte ich gerne ein ausländisches kennen lernen. Da mich die skandinavischen Länder mit ihren erfolgreichen Gesundheitssystemen und fortschrittlichen Gesellschaftsformen schon länger interessieren, wollte ich gerne dort eine Famulatur absolvieren. Dänemark hat den Vorteil, dass dort neben Englisch oft auch Deutsch verstanden/gesprochen wird.

Vorbereitung

Eigentlich habe ich keine besonderen Vorbereitungen getroffen. Da ich kein Dänisch kann, habe ich viel auf Englisch gelesen, gesprochen und Filme geschaut sowie medizinische Fachsprache nachge-schaut. Außerdem habe ich mich im Internet und mit Reiseführern über das Land und die üblichen Umgangsformen sowie das Gesundheitssystem informiert.

Visum

Da Dänemark ein EU-Land ist, reichte mein normaler Personalausweis für den Austausch.

Gesundheit

Vor dem Austausch habe ich mein Impfbuch überprüft und bin bei meiner Krankenkasse (AOK) vorbei gegangen, um nachzufragen ob die Versicherung im EU-Ausland auch gilt (ja, tut sie). Außerdem musste ich einen negativen MRSA-Test, der nicht älter als 2 Wochen war mitbringen.

Sicherheit

Eigentlich habe ich keine besonderen Vorkehrungen getroffen, außer die, die ich auch in Deutschland verfolge und mich immer sicher gefüllt. Ich hatte keine anderen Erwartungen an die Sicherheitslage als in Deutschland und daran hat sich auch im Nachhinein nichts geändert.

Geld

Die Währung in Dänemark ist die dänische Krone und Euro wird nicht immer angenommen/akzeptiert. Ich habe anfangs vor Ort Euro umgetauscht. Allerdings wird in Dänemark kaum noch mit Bargeld ge-zahlt und ich habe meist meine Kreditkarte benutzt.
Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland eher hoch, besonders auswärts zu essen.

Sprache

In Dänemark wird natürlich vor allem Dänisch gesprochen. Glücklicherweise können aber die meisten Dänen sehr gutes Englisch und einige sogar Deutsch. Deswegen musste ich nicht extra Dänisch lernen. Allerdings erwarten sie, wenn man schon kein Dänisch spricht gute Englischkenntnisse. Mit Englisch auf B2/C1 Niveau und Deutsch bin ich hervorragend zurechtgekommen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Zug 14 Stunden direkt nach Odense gereist. Das war mit dem Supersparpreis Europa bezahlbar. Man kann natürlich nach Kopenhagen fliegen und von dort mit dem Zug oder Bus weiterreisen.
Sowohl Zug als auch Busverbindungen sind gut ausgebaut. Für die Zugfahrten gibt es vergleichbar den deutschen Sparpreisen die sog. „Orange Tickets“. In der Stadt selbst fahren die meisten Rad. Die Radwege sind unglaublich gut ausgebaut und organisiert.

Kommunikation

Da ich meinen Handyvertrag ohne Aufpreis auch im EU-Ausland verwenden konnte, habe ich keine speziellen Vorkehrungen getroffen. Ansonsten kann man sich ohne Probleme auch eine Simkarte zulegen. Zugang zu WLAN hatten alle Austauschstudenten in ihren Wohnungen und im Krankenhaus.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde durch das Local Committee gesucht. Ich habe zusammen mit einer anderen Austauschstudentin in einer 2er WG von zwei Studentinnen gewohnt, die selbst unterwegs waren.
Es war eine komplett eingerichtete Wohnung mit Bad und Küche. Bettwäsche und ein Handtuch wurden von den Bewohnerinnen gestellt.

Literatur

Da ich das Fach Anästhesie an der Uni noch nicht hatte, habe ich mir vor dem Austausch ein Buch dazu ausgeliehen. Ansonsten habe ich mich über das Internet informiert. Besonders hilfreich zu der Stadt Odense fand ich die Seite: visitodense.de

Mitzunehmen

Das dänische Wetter kann sehr wechselhaft sein, weswegen mir schon vor der Anreise von meinem „buddy“ empfohlen wurde mich sowohl auf Regen und kältere Temperaturen wie auch auf höhere Temperaturen einzustellen. Empfehlenswert sind eine Regenjacke und Regenschirm wie auch ein wärmerer Pullover. Für das Krankenhaus muss man eigene Schuhe mitbringen!

Reise und Ankunft

Ich bin über Nacht mit dem Zug bis Flensburg gefahren und dort umgestiegen bis nach Odense. Dort hat mich mein „buddy“ Sonntagmittag am Bahnhof abgeholt und zu meinem Appartement gebracht. Später hat sie meine neue Mitbewohnerin und mich noch zum Supermarkt gefahren, sodass wir ein-kaufen konnten. Am nächsten Morgen hat sie uns früh abgeholt und zum Krankenhaus gebracht, wo sie für uns die Essensgutscheine für das Mittagessen für die nächsten 4 Wochen geholt hat und uns zu unseren jeweiligen Treffpunkten begleitet hat. Dort war zuerst das Morning Meeting der Anästhesie Abteilung, wo wir vorgestellt wurden und danach mit dem für Studenten zuständigen Professor mit-gingen, der uns alles Nötige zeigte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur fand statt im Odense University Hospital (OUH) in der Abteilung Anästhesie. Die Besonderheit war, dass die Anästhesie auf die verschiedenen Fachabteilungen aufgeteilt ist und man nur zwei Wochen jeweils in einem Fachbereich verbringt. In meinem Fall war das die Abdominalchi-rurgie mit Urologie und Gynäkologie/ Geburtshilfe.
Am ersten Tag wurde ich erst einmal herumgeführt und mir wurde ein Plan für den Ablauf der zwei Wochen für Studenten gezeigt, den ich verfolgen konnte. Generell hatte ich nicht wirklich einen zu-ständigen Tutor, sondern musste selbstständig auf die Ärzte zugehen und fragen, ob sie einen interes-santen Eingriff für mich wissen. Allerdings waren meist sowohl Ärzte als auch Krankenpflegepersonal super freundlich und zugewandt und da ich den Plan ungefähr verfolgt habe, habe ich auch viel mitge-nommen. So sah dieser vor, dass ich am 2.+3. Tag bei urologischen Eingriffen dabei war und iv.-Kanülen legen sowie manuellen Maskenbeatmung übte. Folglich ist viel Eigeninitiative gefragt, aller-dings kann man dadurch natürlich auch super steuern was und wie viel man sieht; so konnte ich z. B. als sonst nicht so viel los war eine ganze Whipple OP mitverfolgen oder mit der Ärztin, die für die Nar-kose bei Frühgeborenen zuständig war mit gehen.
Auf jeden Fall sehenswert und spannend in beiden Abteilungen waren auch die „Robot-assisted opera-tions“; hatte ich bis dahin noch nie gesehen und fand es echt interessant.
Was mich zuerst überrascht und mir dann sehr gefallen hat, sind die flachen Hierarchien und die bes-sere Ausbildung der Anästhesiepfleger. Am ersten Tag konnte ich kaum zwischen Ärzten und Pflegern unterscheiden. In Dänemark hat das Anästhesiepflegepersonal viel mehr Befugnisse. So war es durch-aus üblich, dass die Ärzte nur zur Einleitung der Narkose anwesend waren und selbst dann arbeiteten sie viel mehr im Team mit den Pflegern, sodass diese auch mal intubierten. Wenn der Patient schlief und Atemwege und Kreislaufsystem soweit stabil waren, sind die Ärzte meist wieder gegangen und die Pfleger haben die Überwachung übernommen, außer bei Babies, Kleinkindern und Komplikationen.
Was ich nicht wusste, war dass in Dänemark allgemein im Juli Urlaubszeit ist und somit das Personal dezimiert war und somit gerade in der Gynäkologie/ Geburtshilfe nur die nötigsten Eingriffe stattfanden, was vor allem Kaiserschnitte und onkologische Eingriffe waren.
Das spannende am dänischen Gesundheits- und Bildungssystem ist, dass beides frei zugänglich ist. Wie uns mein „buddy“ erzählte, zahlen die Dänen vergleichsweise recht hohe Steuern, dafür bekommen Studenten so etwas wie ein Gehalt und jeder hat den gleichen Zugang zum Gesundheitssystem. Das finde ich generell eine super Idee, da so keine Benachteiligung sozial Schwacher bzw. von Kindern aus Nicht-akademikerfamilien besteht und auch keine Zweiklassenmedizin stattfindet. Auch hat der Hausarzt eine viel höheren Stellenwert und ist immer die erste Anlaufstelle bei Beschwerden. Dieser An-satzpunkt gefällt mir sehr gut, da so die unnötige Belastung anderer Stellen vermindert wird.

Land und Leute

Erst einmal: wundert euch nicht, aber in Dänemark wird außer der Königsfamilie niemand gesiezt! Auch im Krankenhaus duzt man sich sowohl untereinander im Team als auch die Patienten. Das ist erst etwas merkwürdig, allerdings gewöhnt man sich schnell daran.
Ansonsten merkt man natürlich, dass Dänemark als skandinavisches Land zu den eher wohlhabenden progressiven Ländern der Welt gehört.
Bei der IMCC werden im Juli und August national social weekends organisiert, das heißt, dass man die Austauschstudenten aus ganz Dänemark an zwei Wochenenden im Monat trifft. In meinem Fall fuhren wir am ersten Wochenende des Austausches nach Aarhus, wo das dortige lokale Team ein dichtes Programm geplant. Am zweiten Wochenende kamen die anderen Austauschstudenten zu uns nach Odense, wo unser lokales Team ein Programm organisiert hat. Am dritten Wochenende hatte unser lokales Team einen Besuch im Vergnügungspark „Djurs Summerland“ und einen Besuch im Odense Zoo organisiert. Unter der Woche wurde es auch nicht langweilig, da wir uns sowohl untereinander als auch mit unseren Gastgebern exzellent verstanden, reichten die Aktivitäten neben täglichen gemein-samen Mittagessen von welcome sowie international und farewell dinner über den Besuch, der im Juli jeden Donnerstag stattfindenden gratis Donnerstagskonzerte zu Board game nights, Bachata dance for internationals und Museum. Wir als Austauschgruppe waren eng vernetzt und auch unsere Gastgeber waren unglaublich engagiert und super.
Ein Muss in Odense im Juli sind die Gratis Donnerstagskonzerte im Königspark, bei denen dänische Bands spielen und Groß und Klein gemütlich im Park lagert. Natürlich sollte man auch die Geburtsstät-te, Kindheitshaus und Museum des berühmten Märchenerzählers Hans Christian Andersen besichtigen sowie den Zoo, der einer der größten Dänemarks ist. Ansonsten gibt es in Odense viele Parks, die gleich bevölkert sind, sobald ein Sonnenstrahl vorhanden ist. Empfehlenswert ist natürlich auch ein Besuch der Hauptstadt Kopenhagen, wo ich im Anschluss an meinen Austausch noch ein paar Tage verbracht habe.
Unglaublich toll fand ich das hervorragend ausgebaute Netz an Radwegen! Die Radwege sind meist sehr breit, die Abbiegespuren deutlich gekennzeichnet. Unbedingt das Rad als tägliches Transportmit-tel nutzen!
Sosehr ich meinen Austausch sowohl professionell als auch persönlich genossen habe, etwas ist mir als Vegetarier doch negativ ausgefallen: die Dänen essen doch recht viel Fleisch und es war oft eher schwer eine vegetarische Variante zu finden.

Fazit

Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Die Arbeit in der Anästhesie Abteilung hat mir überra-schend viel Spaß gemacht und ich konnte sowohl theoretisch als auch praktisch einiges lernen. Persön-lich hätte ich nicht erwartet in so kurzer Zeit so enge Freundschaften sowohl zu einigen unserer Gast-geber als auch zu meiner Austauschgruppe zu schließen.
Ich werde definitiv wieder nach Dänemark reisen und könnte mir auch vorstellen eventuell dort zu arbeiten.

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