zurück

Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Tropenmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Für einen Public Health Austausch in Indien habe ich mich entschiedenen, um die Entwicklungsarbeit einer NGO kennen zu lernen. Da ich etwas über den Tellerrand des Medizinstudiums hinausschauen wollte, hat es für mich sehr gut gepasst, dass das IIMC sich nicht nur auf medizinische Hilfe fokussiert, sondern auch über zahlreiche Bildungsprogramme und Projekte zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Bewohner von Kolkata verfügt.
Außerdem hat es mich gereizt, durch die Arbeit in Kolkata die Kultur und Lebensweise in Indien kennen zu lernen.

Vorbereitung

Bei Zusage durch das IIMC bekommt man einen „Acceptance Letter“, in dem viele hilfreiche Informationen zu finden sind.
Wenn man sich um Visum, Flugtickets und Impfungen gekümmert hat, gibt es sonst nichts dringendes vorzubereiten. Auf der Website des IIMC habe ich mich über die verschiedenen Projekte informiert, um mich etwas auf die Arbeit in Indien einzustellen.
Sonst würde ich sagen, dass es einfach wichtig ist, unvoreingenommen und offen nach Indien zu fliegen. Den eines es sicher: Indien ist „anders“.

Visum

Die günstigste und einfachste Variante ist das eVisum für Touristen, das man online beantragen kann. In verschiedenen Reiseblogs gibt es Anleitungen zur Beantragung des Visums. Ich fand diese sehr hilfreich, um alle Dateien in das richtige Format, Größe etc. zu formatieren. Bei mir lief die Beantragung des Visums problemlos.
Bei einigen Volunteers wurde der online-Visumsantrag allerdings abgelehnt, deswegen sollte man die Beantragung am besten nicht zu kurzfristig erledigen, falls man doch zur indischen Botschaft fahren muss.

Gesundheit

Vor der Reise habe ich mich reisemedizinisch beraten lassen und entsprechende Impfungen vervollständigt. Eine Malariaprophylaxe habe ich nicht genommen. Allerdings habe ich ein eigenes Moskitonetz und reichlich DEET-haltiges Moskitospray mitgenommen.
Viele Volunteers leiden ein paar Tage unter Reisediarrhoe, daran sollte man seine Reiseapotheke (Elektrolyte etc.) anpassen.
Dr. Sujit steht für gesundheitliche Fragen auch immer zur Verfügung und macht im Zweifel einen „Hausbesuch“ im Guesthouse.
Man sollte aber natürlich trotzdem eine Auslandskrankenversicherung haben.

Sicherheit

Bevor ich nach Indien gegangen bin, hatte ich schon gewisse Bedenken. Vor Ort habe ich mich aber nie unsicher gefühlt und ich habe auch von keinem Zwischenfall gehört. Eine gewisse Vorsicht ist aber sicher sinnvoll. Wir waren immer in einer Gruppe unterwegs und wenn es etwas später geworden ist, haben wir uns ein Uber genommen.

Geld

In Indien zahlt man mit Rupies. Ich bin über Dubai geflogen und habe dort ein paar Euro am Flughafen umgetauscht. Dies ist aber auch problemlos bei Ankunft am Flughafen in Kolkata möglich. Danach habe ich Bargeld mit meiner Kreditkarte abgehoben. Es empfiehlt sich ein paar Euros dabei zu haben, um diese umtauschen zu können, falls man Schwierigkeiten mit dem Geldabheben hat.

Sprache

Die Menschen in Kolkata, mit denen man durch das IIMC in Kontakt kommt, sprechen hauptsächlich Bengali. In der ersten Woche hat man einen Bengali Kurs und in den Kliniken hängen Plakate mit den wichtigsten medizinischen Begriffen. Damit kommt man gut durch den Monat, auch wenn es natürlich oft schade ist, dass man sich nicht besser mit den Patienten unterhalten kann.
Innerhalb des Projektes wird Englisch gesprochen, und auch im Zentrum von Kolkata kommt man mit Englisch gut zurecht.

Verkehrsbindungen

In Kolkata fährt eine Metrolinie. Davon abgesehen bewegt man sich meistens mit TukTuks fort. Der Transport ist sehr günstig und immer ein Abenteuer. Ich glaube ein „zu voll“ gibt es im indischen Transportwesen nicht.
Bei Wochenendausflügen kann man entweder per Flugzeug oder Nachtzug reisen. Insbesondere in den Sommermonaten sollte man Züge recht frühzeitig buchen, da sie schnell ausgebucht sind.

Kommunikation

Die "alten" Volunteers helfen Dir, Dir in den ersten Tagen eine indische Simkarte zu besorgen. Für nicht mal 5 Euro im Monat, bekommt man dann 1,5 GB Datenvolumen pro Tag (!). Da ist es dann kein Problem, dass es kein WLAN im Guesthouse gibt und das WLAN in der Indoor Klinik nur manchmal funktioniert. Ich habe es, auch mit WhatsApp-Video-Calls nach Hause, nie geschafft mein Datenvolumen aufzubrauchen.

Unterkunft

Man wohnt mit allen ausländischen Volunteers zusammen in einem Guesthouse in Tollygunge. Die Ausstattung ist einfach, aber ich habe mich direkt sehr wohl gefühlt. Man teilt sich mit 1-3 anderen Volunteers ein Zimmer, und pro Etage gibt es 1-2 Bäder. Am besten ist aber die Dachterrasse, wo die Temperaturen auch im Sommer in den Abendstunden erträglich werden und man zusammensitzen, Gitarre spielen und den Tag ausklingen lassen kann.
Es git einen liebenswerten Houskeeper (Pradip), der nach dem Rechten schaut und sich immer über ein Gespräch oder eine Partie Schach freut.

Literatur

Als vorbereitende Literatur reichen der Acceptance Letter und die Erfahrungsberichte vom der bvmd aus.
Im Guesthouse gibt es auch einige Bücher, darunter ein deutsches Dermatologiebuch und das Buch „Kulturschock Indien“, sowie einige englische Bücher.
Für Reisen soll der Lonely Planet gut sein. Ich hatte außerdem noch das Buch „Shantaram“ dabei, was ich weiterempfehlen kann.

Mitzunehmen

Ich würde auf jeden Fall ausreichend Moskitospray (mit DEET) mitnehmen, das bekommt man in Indien nicht gut. Außerdem hatte ich ein eigenes Moskitonetz mit, es gibt aber auch welche im Guesthouse.
An Kleidung würde ich nicht zu viel mitnehmen, da man alles, was man braucht, auch günstig in Indien kaufen kann. Insbesondere als Frau sollte man lange, nicht zu enge Hosen und schulterbedeckende Oberteile einpacken, um sich kulturell angepasst zu kleiden. Insgesamt würde ich eher ältere Kleidung/Schuhe mitnehmen, da die Städte sehr verschmutzt sind.
Für die Arbeit in der Klinik sollte man ein Stethoskop, Handschuhe und Desinfektionsmittel mitnehmen.

Reise und Ankunft

Ich bin über Dubai geflogen und wurde am Flughafen von einem Fahrer vom IIMC abgeholt, der am Ausgang stand und ein Schild mit meinem Namen hochgehalten hat. Das hat alles problemlos geklappt. Allerdings muss man hierfür einen Flug buchen, der nicht zu spät abends ins Kolkata landet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Arbeitsbereiche im IIMC sind sehr vielfältig. Außerdem hängt viel von eigener Initiative und Vorstellungen ab.
In Indien ist zeitlich alles nach hinten verschoben. So beginnt die Arbeit in den Kliniken gegen halb elf (mind. 1 h Anfahrt), dafür enden die Tage oft erst spät am Abend.
Das IIMC verfügt über ein Hauptquartier (die Indoor Clinic) und verschiedene Outdoor-Kliniken. Die medizinische Arbeit dort ist sehr basal. Ein Patient wird zunächst von einem Arzt gesehen. Die Volunteers sind hauptsächlich für Blutdruckmessungen, die Verabreichung von Injektionen und für die Versorgung der zahlreichen Hautinfektionen verantwortlich. Auch wenn man mal mit den Ärzten mitgehen kann, würde ich nicht zu viel an medizinischem Input erwarten. Die Arbeit mit der indischen Bevölkerung und den liebenswürdigen Krankenschwestern hat mir allerdings viel Spaß bereitet. Trotzdem würde ich sagen, dass die wirklich wertvolle Arbeit des IIMC außerhalb der medizinischen Versorgung liegt.

Eine wichtige Säule des IIMC ist die Bildungsarbeit. So kann man Kindern in den Schulen des IIMC Hände waschen und Zähne putzen beibringen oder Aufklärung zur GenderEquality oder SexEducation betreiben.

Das Womens Peace Council ist verantwortlich für die Förderung von Frauen. In Kleingruppen treffen sich Frauen eines Dorfes wöchentlich zum Zeitungslesen und Austausch untereinander.
Außerdem werden Frauen als HealthWorker ausgebildet. Als Medizinstudent kann man Vorträge über verschiedene medizinische Themen halten und den Frauen Blutdruckmessen beibringen. So können die Frauen in ihrer Nachbarschaft einfache Gesundheitschecks durchführen, was ihnen zu einer besseren Stellung in der Gemeinschaft verhilft.

Das IIMC verfügt über zwei Waisenhäuser und ein Handicap Center. Gegen die Jungs der Waisenhäuser haben wir Fußballspiele organisiert und das Handicap Center ist so nah am Hauptquartier, dass man immer vorbei gehen kann, wenn man grade freie Zeit hat. Die Mädchen, die dort wohnen, freuen sich immer über einen Besuch.
Auch hat das IIMC ein DayCare-Center, in das Familien mit wenig Geld ihre Kinder tagsüber hinbringen können, damit sie nicht unbeaufsichtigt sind, wenn die Eltern arbeiten. Auch hier wird man immer freudig empfangen.

Außerdem hat man die Möglichkeit, sich Projekte des IIMC anzuschauen, in die man selber nicht direkt involviert ist, wie das Mikrokredit- oder das Cow-Kredit-Programm.

Die Aufgaben sind wirklich vielfältig und eigene Ideen für Projekte werden gerne unterstützt!

Land und Leute

Wenn man bereit ist, sich auf das Chaos in Indien einzulassen, ist es leicht, das Land und seine Leute lieben zu lernen.
Ich war sehr froh, Indien durch die Arbeit am IIMC kennen zu lernen, da man so fernab vom Tourismus mit der indischen Bevölkerung in Kontakt gekommen ist. Ich habe die Bewohner von Kolkata und in den ländlichen Gebieten um Kolkata als sehr herzlich und neugierig erlebt. Man wird häufig auf der Straße angesprochen, aber im Gegensatz zu den Touristengegenden nicht um irgendetwas verkauft zu bekommen, sondern einfach aus Neugier, was man denn in Kolkata macht und wo man herkommt. Und wenn man einem Inder „seitlich zunickt“ (eine indische Art Hallo zu sagen) kriegt man immer ein Lächeln zurück. Im Stadtzentrum von Kolkata wird man häufig nach Selfies gefragt, allerdings ist auch dies eine Möglichkeit mit Indern ins Gespräch zu kommen.
Kolkata hat auch kulturell einiges zu bieten, sodass einem an den freien Sonntagen sicher nicht langweilig wird. So kann man sich verschiedene hinduistische Tempel, das Haus von Rabindranath Tagore, den Flower Market, das Victoria Memorial und den Marble Palace anschauen. Auch würde ich empfehlen, das "Mother Teresa House" zu besichtigen, da Sie eine große Inspiration für Dr. Sujit und somit auch für die Gründung des IIMC darstellt. Auf der College Street findet sich ein riesiger Bücherflohmarkt, wo man von medizinischen Büchern über Biografien bis zu Romanen alles findet.
An meinem freien Wochenende bin ich mit vier anderen Volunteers in den Norden geflogen und habe mir Jaipur, Agra mit dem Taj Mahal und Delhi angeschaut. Zwischen den Städten sind wir mit dem Zug gefahren. Da wir tagsüber unterwegs und in einer Gruppe waren, haben wir uns für die "Sleeper Class" ohne AC entschieden, was auf jeden Fall auch ein Erlebnis war.
Viele andere Volunteers fahren auch mit dem Nachtzug nach Darjeeling oder Varanasi. Wenn man nach dem Monat noch Zeit hat, bietet es sich natürlich an, mehr von Indien zu erkunden.
Essen ist in Indien günstig und sehr lecker. Es empfiehlt sich aber, sich an die Regel "peel it, boil it, cook it or forget it" zu halten. Indisches Essen ist i.d.R. aber immer gekocht/gebraten, sodass dies kein Problem darstellt. Für Vegetarier ist Indien ein Paradies, da sich oft mehr vegetarische Gerichte als Fleischgerichte auf den Karten finden lassen. Mittags haben wir meist in einem "Restaurant/Straßenstand" in der Nähe der Klinik oder in der Klinik selbst gegessen und morgens und abends im Guesthouse. Wer gerne Mangos ist, wird in Indien auf seine Kosten kommen, da sie dort sehr günstig und lecker sind.

Fazit

Für mich war der Monat in Indien eine besondere Erfahrung, auf die ich nicht verzichten möchte.
Teilweise kann die Arbeit etwas unorganisiert oder ineffizient wirken, aber ich glaube das ist ein kleiner Preis dafür, dass man in einer lokalen NGO arbeitet, die sich wirklich in dem Land auskennt, die versteht, was die Menschen brauchen und die auch an kleinen Punkten ansetzt, die man als Ausländer niemals registrieren würde.
Auch das Zusammenleben mit den anderen Volunteers war für mich eine tolle Erfahrung!

zurück