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Israel (FIMS)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Laura, Dresden

Motivation

Ich wollte gerne noch mal die Chance nutzen vor dem PJ ins Ausland zu gehen und während meiner Beurlaubung etwas Neues kennenzulernen. Israel ist bekannt für seine exzellente medizinische Versorgung und kulturell so wie politisch ein höchst interessantes Land. Zu dem wusste ich, dass Teile der Lehre auf Englisch stattfindet, so dass ich mehr verstehen würde.

Vorbereitung

Recherche zu den aktuellen Konflikten im Land. Des Weiteren zu Kleiderordnung und Verhaltensregeln. Medizinisch war ein Tuberkulosetest notwendig. Da ich bereits mehrere Famulaturen im Ausland verbracht habe, hielt sich die Vorbereitung in Grenzen.

Visum

Mit einem deutschen Pass wird kein Visum benötigt. Bei der Einreise wird gefragt, was man macht. Hier ist der Inivitation Letter wichtig – unbedingt ehrliche Angaben machen. Einreise ist aufgrund israelischer Sicherheitsbestimmungen etwas langwierig, aber nicht kompliziert.

Gesundheit

Vollständiger Impfpass. Des weiteren der Tuberkulose-Test. Man erhält von der Landesvertretung ein Dokument was man beim Hausarzt ausfüllen lassen muss (Röteln-AK und Tuberkulose Nachweis). Der geforderte Test war nicht leicht durchzuführen. Hier an Pulmologen oder Hausarzt wenden (spezielle Röhrchen müssen vom Labor angefordert werden), Kosten müssen selbst getragen werden. Ansonsten die normale Auslandsreisekrankenversicherung über die Apobank (AXA). – Im Endeffekt wollte niemand die Unterlagen sehen. Ähnliche Krankheiten wie bei uns.

Sicherheit

Sicherheit
Medizinisch hatte ich eine zusätzliche Haftpflichtversicherung. Ich empfand Telaviv als sehr sicher auch als Frau nachts alleine. Auf den Straßen ist vermehrt Polizei und Militär mit starker Ausrüstung sichtbar, aber nicht mehr als in anderen Ländern auch. Ich habe die Lage zu dem Zeitpunkt als eher ruhig wahrgenommen und mich immer sicher gefühlt. Auf den Märkten lohnt es sich ein kleines Schloss am Rucksack zu haben für die Wertsachen. Selbst am Strand gab es überall Schließfächer zu mieten

Geld

Lokale Währung ist der Schekel ( 4 Schekel = 1 €). Die Preise waren höher als in Deutschland, vor allem Lebensmittel und Alkohol. Transport war hingegen günstiger. Man konnte fast alles mit Karte zahlen (außer die Essensmarken im Krankenhaus) und an jeder Bank problemlos Geld abheben, auch wenn je nach Unternehmen Gebühren angefallen sind.

Sprache

Gesprochen und geschrieben wird Hebräisch. Außerhalb des Zentrums ist alles auf hebräisch, teilweise noch arabisch, englisch sucht man vergebens. Die Sprache ist meines Erachtens zu schwer zu erlernen. Ich konnte auch nichts lesen. Die meiste Zeit kam mich mit englisch zurecht. Beim Bus fahren muss man sich auf GPS verlassen. Das medizinische Personal spricht größtenteils englisch.

Verkehrsbindungen

Die Anreise erfolgte via Flugzeug (Berlin -> Telaviv). Der Flughafen liegt zwischen Telaviv und Jerusalem und ist mit Zug und Bus an die Innenstädte angebunden. Das Busnetz ist chaotisch und ohne MapsMe oder Googlemaps unmöglich zu überblicken. Eine Metro ist momentan im Bau. Das Beilinson Hospital war mit mehreren Bussen ans Zentrum angebunden, die auch zu später Stunde noch gefahren sind. Eine Einzelfahrt kostet 1,5€. ACHTUNG: ab Freitagnachmittag bis Samstagabend (Sabbat) gibt ein überhaupt keinen öffentlichen Nahverkehr (auch keine Züge!). Es gibt lediglich Taxi mit Aufpreis und Minibusse, die nicht zuverlässig fahren und einen nicht mitnehmen müssen. Während des Berufsverkehrs muss man mit der doppelten Fahrtzeit rechnen. An sich ist der ÖPNV in Ordnung, nur leider unbrauchbar, wenn man am Wochenende Ausflüge machen will. Das Telaviv Zentrum hat überall Elektroroller zum Ausleihen via App (einige dieser Leute sind dann aber auch bei uns in der Notaufnahme gelandet).

Kommunikation

Es gibt größtenteils WLAN, sowohl in der Stadt als auch in den Krankenhäusern und der Unterkunft. Für den ÖPNV ist es unerlässlich eine SIM mit mobilen daten zu haben. Ich hatte 10GB für 30 Tage für ca 15€, problemlos aktivierbar. Whatsapp ist auch unter den Ärzten und Studenten das verbreiteste Kommunikationsmedium.

Unterkunft

Untergebracht war ich im Schwesternwohnheim direkt neben der Klinik (Fußweg mit Sicherheitskontrolle 5min). Hier habe ich mir ein in die Jahre gekommenes Zimmer mit einer anderen deutschen PJlerin geteilt. Die Sanitäranlagen waren in Ordnung, die Küche war so schlecht ausgestattet, dass ich nicht einmal gekocht habe. Das WLAN war etwas schwach und die Türen sehr dünn, so dass man jeden gehört hat. Das Zimmer hatte für beide Parteien jeweils ein Bett, Tisch mit Stuhl und Schrank. Ebenso gab es in jedem Zimmer eine Klimaanlage und auf dem Flur Wasserspender.

Literatur

Ich habe mir keine Literatur angeschafft. Vorort wurden mir medizinisch die Apps „Uptodate“ und „ESC Guidelines“ empfohlen, die ich gerne bei Besprechungen auf hebräisch genutzt habe um mich über gewissen Krankheiten zu informieren. Das Auswertige Amt liefert zusätzlich hilfreiche Informationen.

Mitzunehmen

Zupacken sind auf jeden Fall: Stethoskop, Sonnencreme, Flipflops, Handtuch, Kopfbedeckung. Die meiste Zeit konnte man die normalen Eurostecker benutzen. Contactless-Kreditkarten haben sich als praktisch herausgestellt. Man kann vor Ort eigentlich alles käuflich erwerben was man vergessen haben sollte. Meine Regenjacke habe ich nicht einmal gebraucht.

Reise und Ankunft

Angereist bin ich Samstags während des Sabbats, so dass ich ein Taxi nehmen musste. In den Unterlagen der Landesvertretung war nicht ersichtlich ob ich schon vorzeitig in die Unterkunft durfte oder nicht, deswegen habe ich mir für die erste Nacht ein Hostel im Zentrum genommen und war um 10.15 Uhr an der Klinik. Auch wenn das Busfahren eine Herausforderung war, lief alles geordnet ab.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Notaufnahme – Beilinson Hospital. Das Gebäude selber ist noch im Bau, nur die Notaufnahme im Erdgeschoss war schon fertig, dementsprechend modern. Die Notaufnahme bestand aus 3 Einheiten: laufende Patienten, weniger kritische liegende und kritischere Patienten. Daran angegliedert war der Schockraum für die Traumaversorgung. Ich konnte mich frei zwischen den Einheiten bewegen und immer da mit hin, wo es spannend war. Die israelischen Pjler haben oft die Voruntersuchungen gemacht. Da habe ich mich oft daran beteiligt, weil deren englisch mitunter am besten war. Wir haben zusammen die Anamnese gemacht und voruntersucht (hier wurde oft zwischen Patient und mir übersetzt) und danach dann dem leitenden Arzt präsentiert. Es gab drei native-english-Speaker an die ich mich am liebsten gehängt habe. Da alles auf Hebräisch ist, kann man leider keine Patientenakten lesen und ist immer auf Übersetzung angewiesen. Ich konnte immer mit den Schockraum und auch ins CT, wo mir auf Nachfrage immer die Bilder erklärt wurden. Auf Station habe ich die Grunduntersuchungen gemacht und wenn die Patienten englisch gesprochen haben, auch die Anamnese erhoben. Die Ärzte haben einen viel gefragt und auch viel erklärt. Es gab PJ-Unterricht (Seminare, Nahtkurs etc.) an dem ich teilnehmen durfte. Die Visite wurde teilweise für mich auf Englisch gemacht. Ich durfte gelegentlich nähen und beim Gipsanlegen helfen. In der letzten Woche gab es noch eine Biowaffensimulation wo der Chefarzt (Amerikaner) mich zu seiner Assistentin gemacht hat und ich alles mitmachen durfte: Evakuierung, Ganzkörperschutzkleidung. Das war eins meiner Highlights. Aufgrund der Sprachbarriere habe ich mir weniger zugetraut als ich es in Deutschland hätte. Trotzdem habe ich viel gelernt und meine Untersuchungsmethoden und Anamneseerhebung verbessert. Ich habe viele CT und Röntgenbilder besprechen können und bin jetzt sicherer in der Erstversorgung von Patienten. Viele der akuten Krankheitsbilder sind mir jetzt vertrauter und auch die Vorgehensweise bei jenen. Da ausnahmsloser jeder Patient ein EKG bekommen hat, konnte man sich auch ihm Lesen und Interpretieren dieser üben. Das Team war unglaublich nett und hat mir zu keiner Sekunde das Gefühl gegeben, Fehl am Platz oder nervend zu sein. Im Klinikstress war leider nicht immer Zeit für Übersetzungen und nicht jeder Arzt hatte ausreichende Englischkenntnisse zum Übersetzen. Generell begann der Tag um 8 Uhr entweder mit Besprechungen, Seminaren oder Visiten. Die Mittagspause konnte man sich frei legen und bleiben konnte man nach persönlichem Interesse. An ruhigeren Tagen war das oft nach der Mittagspause, bei spannenden Patienten oder Notfällen bin ich auch mal bis 16 Uhr geblieben.

Land und Leute

Social program gab es im Juni als ich da war nicht. Ich war meines Wissens auch die einzige Famulantin zu der Zeit. Über meine Zimmermitbewohnerin habe ich Kontakt zu anderen deutschen PJlern aufbauen können. Israel ist relativ klein und ganz gut mit Bussen erreichbar. Leider kann man das nicht fürs Wochenende sagen, wo einen der Sabbat enorm eingeschränkt hat. Ich musste größtenteils auf organisierte Touristentours zurückgreifen und an die Ausflugsziele zu gelegen. Jerusalem kann man nachmittags von Telaviv aus ansteuern, die anderen Ziele sind zu weit nach der Klinikarbeit. Oft musste ich von der Unterkunft ein Taxi in die Stadt nehmen (30 min für 30€) um die Touren mitzumachen. Telaviv hat einen schönen Strand, wo man super Abende verbringen kann, hier wird auch Yoga angeboten und es gibt „openair Gyms“. Auf den Spuren Jesu kann man das ganze Land bereisen. Vor allem Jerusalem fand ich interessant. Auch das Tote Meer (+Massada) und den Norden würde ich auf die Liste setzten. Es bietet sich an, danach oder davor Jordanien zu bereisen (vor allem Petra als Weltkulturerbe). Diese beiden Länder haben ein Friedensabkommen. Im Norden ist die direkte Grenze zum Libanon und Syrien. Innerhalb des Landes gibt es noch das Westjordanland was mit einer Mauer getrennt und den Gazastreifen. Es werden touren ins Westjordanland angeboten, ich persönlich habe mich dagegen entschieden. Ich habe noch Touren in die Golanhöhen mit dem See Genezareth und eine Tour nach Cesaria und Haifa gemacht. Bein Harim (Studentenrabatt) und das Abraham Hostel sind gut um Touren zu buchen. Beim Abraham Hostel gibt es auch Kochkurse und Sabbat-Dinner, natürlich werden auch pub crawls angeboten.
Lohnenswert ist auch ein Trip ins Nachbarland Jordanien. Wenn man nur ein Wochenende Zeit hat, bietet sich ein 2-3Tage Trip nur nach Petra an. Ich habe nach der Famulatur noch 2 Wochen in Jordanien Urlaub gemacht. Landschaftlich ist es noch etwas fesselnder als Israel, aber ohne Auto schwer zu bereisen. Alternativ zur Wüste in Jordanien bietet sich auch die Negev Wüste in Israel an. Für Wanderbegeisterte gibt es interessante Touren in den Golanhöhen.
Die meisten Leute in Telaviv waren sehr liberal, aufgeschlossen und hilfsbereit. Im Bus nach Jerusalem wird man von den Orthodoxen Juden dann doch sehr angestarrt und sollte versuchen sich nicht zu auffällig zu verhalten (Männer und Frauen sitzen getrennt in Bussen). Deutsche haben generell ein gutes Ansehen in Israel (trotz unserer Geschichte). Auch als Frau habe ich mich alleine nie unwohl oder bedrängt gefühlt.

Fazit

Die Famulatur war von allen absolvierten die Beste. Ich habe am meisten gesehen, mir wurde viel erklärt und ich hatte viel Patientenkontakt. Es wäre an vielen Stellen vermutlich einfacher gewesen, wenn man die Schrift hätte lesen können. Alle im Krankenhaus waren unglaublich nett und haben sich gut um mich gekümmert. Größter negativer Aspekt war die Einschränkung am Wochenende sodass man immer im Voraus planen musste und sich nicht frei bewegen konnte. Es hat sich für mich mehr gelohnt von Freitag auf Samstag in einem Hostel in der Stadt zu schlafen, als 2x Taxi zu fahren. Das Abraham Hostel ist ein guter Ausgangspunkt für alle Aktivitäten. Ich würde die Famulatur jedem empfehlen, auch wenn man sich keine Unterstützung von der Lokalvertretung vor Ort erhoffen darf und man gerne alleine auf Tour geht.

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