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Philippinen (AMSA-Philippines)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Phuong Thuy Anh, Berlin

Motivation

Ich wollte schon immer eine Famulatur im Ausland absolvieren. Es ist eine gute Möglichkeit um ein anderes medizinisches System kennenzulernen, ein neues Land nicht als Tourist zu entdecken, sondern Hand in Hand mit den Medizinern zu arbeiten und so den Alltag und die Kultur besser kennenzulernen.
Die Philippinen waren für mich ein fremdes Land mit einer wundervollen Natur, die ich nur aus Bildern aus dem Internet kannte. Ich wollte das Land und seine Menschen und Kultur im Rahmen des Praktikums näher kennenlernen.

Vorbereitung

Ein großer Vorteil in den Philippinen ist, dass Englisch sowohl als Unterrichtssprache als auch als Arbeitssprache von den Ärzten genutzt wird, und man so die Entscheidungen besser versteht. Da ich mit Intensivmedizin und Notfallmedizin gut vorstellen konnte, und ich aufgrund der mangelnden Sprachkenntnis lieber weniger direkten Patientenkontakt wollte, war die Anästhesie die passende Station für mich.
Meine Card of Acceptance kam 2 Monate vor dem geplanten Austauschbeginn an. Ich hatte dann sofort einen günstigen Flug nach Manila mit Layover in Bangkok gefunden.

Visum

Für deutsche Staatsbürger ist das Einreisen bei Aufenthalten mit max. 30 Tagen Länge in den Philippinen problemlos ohne Visum möglich. Da ich leider keine Zeit vor und nach der Famulatur hatte, hat es für mich gepasst- Allerdings würde ich jedem empfehlen, wenn man die Zeit hat, ein paar Tage zusätzlich für das Reisen einzuplanen. Ich kann da Palawan und Taiwan empfehlen.

Gesundheit

Beim Institut für Tropenmedizin habe ich mich über Reiseimpfungen beraten lassen. Ich habe mich gegen Hepatitis A und B nachimpfen lassen müssen. Weitere Untersuchungen waren nicht erforderlich für das Praktikum. Da ich nicht in einem Malaria Gebiet reisen werden, war die Malaria Prophylaxe nicht notwendig.

Sicherheit

Neben der Auslandskrankenversicherung habe ich keine weiteren Versicherungen abgeschlossen. Ängste im Rahmen des Aufenthaltes hatte ich nicht. Vom Auswärtigen Amt habe ich gehört, dass man die südliche Insel des Landes (Mindanao) meiden sollten, weil dort noch das Kriegsrecht herrscht.

Geld

Lebenserhaltungskosten in den Philippinen sind geringer als in Deutschland, allerdings war das Taschengeld dementsprechend auch geringer. Zur Sicherheit sollte man immer Cash bei sich haben. Man kann vor Ort nahezu überall mit Visacard Geld abheben.

Sprache

Englisch ist eine Amtssprache, die für die Kommunikation im Krankenhaus genutzt wird und auch für Lehre, sodass die Kommunikation mit den Ärzten problemlos ging. Allerdings sprechen die meisten Filipinos Tagalow, weshalb Anamnese mit Patienten schwierig war. Im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern sprechen die Menschen hier noch gut Englisch. Allerdings ist es nicht schlecht, sich einige grundlegende Sätze zur täglichen Konversation sowie zur Wegbeschreibung anzueignen.

Verkehrsbindungen

Der Flug über Bangkok war günstiger als ein Flug direkt ach Manila, allerdings hängt der Preis stark vom Reisemonat, Zeitpunkt der Buchung, etc. ab. Generell lohnt es sich intensiver nach Alternativverbindungen zu schauen, um einerseits Geld zu sparen, andererseits um auch ein bisschen Urlaub beim Layover zu haben. In den Philippinen ist der öffentliche Nahverkehr sehr schlecht ausgeprägt. Es gibt lokale Minibusse – Jeepneys – die per Winken gerufen werden können und mit denen man überall auf der Strecke stoppen kann. Sie fahren feste Strecken, die man allerdings nur durch Anwohner herausbekommen kann, da sie keine Busstops benötigen. Außerdem kommen sie gefühlt alle 5 Minuten zu normalen Tageszeiten, können aber auch einige Zeit auf Gäste warten. Am einfachsten was der Transport über Online Taxi Apps wie Uber, oder die asiatische Äquivalente Grab. Sie waren um ein Mehrfaches teurer als die Angkots, allerdings wesentlich günstiger als ein normales Taxi.

Kommunikation

Die Kommunikation vor dem Aufenthalt verlief relativ unkompliziert und ich hatte keine offenen Fragen vor Austauschbeginn. Mads (die LEO) hat über eine messenger Gruppe mit allen August Incomings alle wichtigen Infos geteilt, zudem hatten wir noch eine 2.Gruppe für Social Program und lokale Tipps mit allen Volunteers. Ich musste im Vorfeld ein Dokument für das Krankenhaus ausfüllen mit Personaldaten, Station sowie einem Foto für den Ausweis. Außerdem hat mir Mads meine Hosts organisiert und sogar eine Volunteer gefunden, die mich vom Flughafen abgeholt hat und zur Famulatur gebracht hat. Meine Contact Person hat mir eine philippinische SIM Card mit mobilem Internet und ein geringes Telefonguthaben gekauft. Damit konnte ich hauptsächlich über whatsapp mit den Studenten und mit meiner Familie kommunizieren. Außerdem brauchte ich das mobile Internet für nützliche Apps wie google maps und Grab.

Unterkunft

Da wir viele Incomings im August waren, konnten wir leider nicht alle an einem Ort übernachten. Manche von uns waren in Student‘s Hostels, andere von lokalen AMSA Philippines Mitgliedern gehostet. Insgesamt habe ich mich sehr gut mit meinen 2 Hosts verstanden und habe einen guten Einblick in deren Alltag erhalten

Literatur

Ich hatte Glück, dass ich meine Prüfung, u.a. zur Anästhesiologie direkt vor Abflug hatte, sodass meine Prüfungsvorbereitung vollkommen ausgereicht hatte. Ich hatte auch einen klinischen Leitfaden für die Kitteltasche dabei.

Mitzunehmen

Da ich nur einen Monat geblieben bin, haben Kleidung für 2 Wochen locker gereicht, da überall Wäschereien zu finden sind.
Für Südostasien war ich froh folgende Dinge mitgenommen zu haben: Mückenschutzspray (haben mir den einen oder anderen Stich mehr erspart, trotzdem kam ich nicht ohne Stich davon), Visa Card, genügend Sonnencreme (teuer in Asien), Cap und Sonnenbrille (bis 17 Uhr ist die Sonneneinstrahlung sehr intensiv), Powerbank (ohne Handy und Sprachkenntnisse kann man in manchen Gegenden sehr aufgeschmissen sein), genügend Kleinigkeiten aus Deutschland, die man bei Gelegenheit verschenken kann (wenn man bei Freunden übernachtet), Tuch (ist universell nutzbar) und eine Decke (die aus dem Flugzeug).

Reise und Ankunft

Ich wurde von AMSA Philippines Members vom Flughafen abgeholt und zu meinem 1. Host für 1 Woche gebracht, die nur 5 Minuten Fußweg vom Krankenhaus wohnt. Ich würde empfehlen, gleich am 1.Tag eine Sim Karte zu kaufen mit mobilen Daten, weil man Apps wie google maps, fb messenger zu Kommunikation und Grab ständig nutzt. Man kann fast an jeder Straßenecke in Convenient Stores eine Sim Karte kaufen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe am UST (University of Santa Tomas) Hospital in der Anästhesiologie famuliert. In der ersten Woche habe ich die Lectures von den Clerks (Medizinstudenten im 4.Jahr) besucht. Die Clerks rotieren für 1 Woche in der Anästhesiologie. Sie waren sehr hilfreich, um sich insbesondere die Pharmakologie zu vergegenwärtigen. Außerdem durfte ich auf die Post Graduate Konferenz gehen, wo die Anästhesisten nochmal Details für schwierige Fälle aufgegriffen haben. In den nächsten Wochen war ich in OP. Ich habe vom Chief Resident jeden Tag den OP Plan erhalten und konnte mir aussuchen zu welchen OPs ich hingehe. Normalerweise war ich von 7 Uhr bis 15 Uhr im Krankenhaus. Die UST hatte eine Clinical Division und eine Private Division. Bei der Private Division müssen Patienten pro Behandlung mehr zahlen, allerdings haben sie auch mehr Vorteile: die Ausstattung ist moderner (allerdings trotzdem nicht so modern wie an der Charité), die Patienten werden von Consultants behandelt (in der CD werden Patienten von Residents (Assistenzärzten) unter Aufsicht eines Consultants behandelt und jeder Patient, der zahlt, wird vom Emergency Room aufgenommen (in der CD gibt es eine Triage).
Als Observer darf man offiziell nur dem Arzt über die Schulter schauen. Da meine Residents sehr nett waren, durfte ich einmal eine Spinalanästhesie durchführen und mit den Videolaryngoskop intubieren. Die meiste Zeit habe ich den Chirurgen aus fast allen Fachrichtungen zuschauen dürfen. Einmal war ich im Outpatients Department (Ambulanz) für die Sedierung von Kindern zur Knochenmarksbiopsie und stereotaktische Chemotherapie. Ansonsten hatte ich kaum Kontakt zu Kindern.
Im Gegensatz zum Klinikalltag an der Charité wurde hier darauf geachtet, so effizient und sparsam mit One time use Utensilien umzugehen. Zudem ist es hier nicht üblich, mitten aus der OP zu gehen, sodass ich manchmal bis 18 Uhr geblieben bin.
Das Medizinstudium ähnelt dem amerikanischen System. Nach Pre Meds, einem Bachelorabschluss, kann man sich für die Med School bewerben. Die Med School dauert 4 Jahre, wobei im 4.Jahr nur noch auf Stationen rotiert wird. Nach der MD Prüfung muss man noch 1 Jahr als Intern im Krankenhaus arbeiten, bevor man seine Residency (Facharztausbildung) antreten kann. Da Studiengebühren für die Med School relativ hoch sind und es insgesamt 9 Jahre dauert, bis man Geld verdienen kann, ist das Medizinstudium der Mittelklasse und Oberschicht vorbehalten. An der UST hatten die meisten Studenten einen oder mehr Ärzte in der Familie. Studienkredite gibt es nicht.

Land und Leute

Das philippinische Gesundheitssystem ist ähnlich wie das amerikanische System kapitalistisch veranlagt. Es gibt große Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Krankenhäusern, da die Kosten jeder Behandlung vom Patienten getragen werden. Versicherungen sind fakultativ. Daher geht der Großteil der Bevölkerung „nur wenn es nicht mehr weiter geht“ zum Arzt. Daher sieht man viele Krankheiten in einem fortgeschrittenen Stadium Prävention wird nicht aktiv gefördert.
Von Juni-September ist die Monsunzeit. Daher hat der Wetterbericht täglich in Manila Regen angezeigt. In der Tat hat es fast jeden Tag geregnet, allerdings waren die Regenperioden nur 10-20min lang, allerdings sehr stark und unvorhersehbar. In der ersten Woche war sogar meine Straße und das Krankenhaus überflutet, sodass der Krankenhausbetrieb im Erdgeschoss eingestellt wurde. Zwischenzeitlich gab es auch Taifunwarnungen, sodass die Studenten freigestellt wurden. Allerdings gab es zum Glück während meines Aufenthaltes keinen Taifun.
Ich würde jedem empfehlen, vor oder nach der Famulatur auf den Philippinen zu reisen. Mit über 7000 Inseln ist das Land bekannt für seine Traumstrände. Da ich keine Zeit hatte habe ich jedes Wochenende und die Feiertage genutzt um die Großstadt Manila zu verlassen. Ich war auf Palawan in El Nido, wo es die Traumstrände mit weißem Sand und kristallblauen Meer gibt. Es eignet sich besonders gut zum Beach und Island hopping und schnorcheln. Besonders während der Monsunzeit (August/ September) sind die Strände leer. Ich hatte Glück, dass es dort kaum geregnet hat. Baler auf Luzon ist ein bekannter Surfing Ort und auch Taiwan ist mit einem kurzen Flug gut von Manila erreichbar. Freunde von mir waren auf Cebu und Bohol und konnten es weiterempfehlen.
Die Filipinos habe ich als sehr gastfreundliche und höfliche Menschen kennengelernt. Da Englisch eine Amtssprache ist, kommt man mit Englischkenntnissen gut zurecht. Die AMSA Philippines Studenten waren zwar beschäftigt, allerdings haben sie sich trotzdem viel Zeit genommen, mit uns abends auszugehen und waren sehr freundlich. Meine Hosts habe ich sehr ins Herz geschlossen.
Gegessen wird meist Reis oder Nudeln auf dem Teller mit Löffel und Gabel (ohne Messer) oder traditioneller Weise mit der bloßen Hand. Spezialitäten sind unter anderem Karre Karre, Chicken Adobo, Letchon (gegrilltes Schwein) und natürlich viel Seafood.
Die Philippinen sind ein katholisch dominiertes Land. Fast in jedem Raum, auch in OP, hängt das Kreuz Jesu. Zur Mittagszeit wird über einen Lautsprecher ein Gebet gesprochen, wo man seine Tätigkeit liegen lässt und stehenbleibt (natürlich nicht in OP). Es ist nicht unüblich, dass der Chirurg vor der OP betet.

Fazit

Mir hat die Famulatur sehr gefallen. Zwar hätte ich auf der Anästhesiologie in einem deutschen Krankenhaus mehr praktische Skills wie Intubieren, Zugänge legen, Spinalpunktionen gelernt, allerdings hatte ich hier in einem Entwicklungsland die Möglichkeit viele Fälle aus fast allen Fachgebieten anzuschauen. Weil die Behandlungskosten eine Hürde für die viele Patienten darstellt, sieht man in OP viele fortgeschrittene Krankheitsstadien, was die OP umso spannender macht. Meist wird offen operiert, da laperoskopische OPs hohe Behandlungskosten mit sich bringen, daher nur in der Private Division angeboten werden. Zudem habe ich sehr viel über die Mentalität und die Kultur und Lebensweise lernen können. Man beendet erst seine Schicht, wenn der der Patientenfall abgeschlossen ist. Überstunden werden hier nicht bezahlt. Als Resident werden 24h manchmal sogar 36h Schichten in der Anästhesie erwartet. Angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen und der geringen Entlohnung würde ich nicht empfehlen, hier eine Residency anzutreten.
Wenn ich das nötige Kleingeld habe, würde ich sehr gern wieder nach Indonesien reisen und meine Freunde besuchen und vielleicht noch die anderen Inseln entdecken. Allerdings würde ich nicht gern dort arbeiten, da mir das eher kapitalistisch veranlagte System dort nicht gefällt.
Ich würde gern wieder ein Praktikum im Ausland absolvieren. Solange ich jung und aufgeweckt bin – kann ich sehr einfach Konversationen mit den Menschen starten und so viel mehr über das Land erfahren als mit dem Reiseführer und den Reiseblogs.

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