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Oman (SQU-MSG)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Manuel, München

Motivation

Ich wollte in Länder, in denen eine komplett andere Kultur herrscht. Ich habe Indien, Nepal und Oman angegeben und schließlich Oman bekommen. Für mich war wichtig, dass in den Ländern zumindest ein bisschen Englisch gesprochen wird, sodass ich auch aus dem Krankenhaus was mitnehmen konnte. An den Oman hatte ich die Erwartung, in die arabische Kultur einzutauchen und viel über Land und Leute zu erfahren. Ich sah es als einmalige Möglichkeit, weil ich denke, dass man in diesen Kulturkreis eher weniger alleine reist.

Vorbereitung

Von der BVMD erfahren habe ich auf einer der Informationsveranstaltungen an der Uni. Daraufhin war ich für einen Austausch Contact Person und arbeite seitdem als LEO für die LV München. Wir haben schon viele Studenten im Austausch begleitet und natürlich möchte man dann auch mal selbst diese Erfahrung machen.
Ich habe eigentlich keine speziellen Kurse besucht, die konkret auf diesen Auslandsaufenthalt vorbereiten. Ich habe viel über das Land gelesen, mit Freunden gesprochen, die schon im Oman waren, im Internet auf der Seite des Auswärtigen Amtes gestöbert, YouTube-Videos gesehen, Wikipedia-Artikel gelesen, mich auf der Seite des Robert-Koch-Institutes über Krankheiten informiert und mir einen Marco Polo Reiseführer vom Oman gekauft. Ich würde die Vorbereitung nicht übertreiben, denn in meinem Fall war dann vieles doch Anders, wie man es sich vorgestellt hat. Etwa eine Woche vor dem Abflug haben wir vom NEO aus Oman eine Mail bekommen, was man unbedingt mitbringen sollte. Gerade für arabische Reiseziele ist es hilfreich, sich über die „sozialen Regeln“, insbesondere Verhaltensregeln und Kleiderordnung zu informieren, weil diese erheblich vom europäischen Verständnis abweichen. Natürlich müssen im Voraus einige Formalitäten erledigt werden, dies ist jedoch aufgrund der guten Organisation der Zentrale in Berlin sehr gut machbar, man muss nur genau lesen was einem erklärt wird und sich früh genug um alles kümmern, insbesondere für den Reisekostenzuschuss sollte man sich früh genug bewerben. Man wird aber über alles per Mail und auf der Homepage informiert.

Visum

Das Visum für den Oman ist kinderleicht zu beantragen. Wichtig ist, dass man es auf der offiziellen Seite der Royal Police Oman beantragt, weil wo anders deutlich mehr Kosten anfallen. Man beantragt ein Tourist Visum (unsponsored), was für eine einmalige Reise legitimiert und 30 Tage gültig ist. Zwischen Online Antrag und Visum per Mail vergingen bei mir 3h. Wichtig ist auch, dass egal was auf dem Visum steht: Die 30 Tage zählen ab dem Tag, wo ihr in den Oman einreist und nicht ab dem Tag, wo ihr das Visum bekommt. Die Kosten waren glaub ich etwas mehr als 20 Omani Rial, was ca. 43€ entspricht. Bei anderen Anbietern werden bis zu 100€ fällig. Das Visum kann einmal am Flughafen um weitere 30d für denselben Betrag verlängert werden.

Gesundheit

Man bekommt aus dem Oman frühzeitig Unterlagen, die man beim Betriebsarzt der Uni ausfüllen lassen muss, wofür bei mir hier ein paar Euro angefallen sind. Es wurden alle Standardimpfungen gefordert, die glaube ich jeder Medizinstudent sowieso hat (oder hier gleich nachholen kann). Es wurde auch eine Tbc-Impfung gefordert, da diese aber in Deutschland nicht mehr durchgeführt wird, habe ich das so auf dem Zettel vermerkt und letztlich kamen keine Rückfragen mehr. Von meinem Betriebsarzt wurde eine Tollwut-Impfung empfohlen. Rückblickend muss ich sagen, dass diese wahrscheinlich nicht notwendig gewesen wäre. Wer also nicht unbedingt jedes Tier anfassen will, kann sich diese denke ich auch sparen.
Der Oman ist laut den Einheimischen kein Malariagebiet und auch in der Notaufnahme, wo ich gearbeitet habe gab es eigentlich keine Malariafälle. Für die Reiseapotheke empfehle ich Schmerztabletten, Pflaster, (Desinfektionsmittel, feuchtes Toilettenpapier), Reisetabletten gegen Übelkeit, Rehydratationslösung bei Durchfall und Loperamid. Da die Ernährung doch etwas anders ist, hatten einige von uns anfangs leichte GI-Probleme, die aber nicht lange angehalten haben. Da viel Social Program in den Bergen stattfindet, ist ein wirksames Mückenspray zu empfehlen. Ich hatte ein Billiges vom DM, das hat leider nicht geholfen. Vielleicht kann man auch noch eine Packung Breitbandantibiotikum mitnehmen, falls man sich doch mal etwas einfängt.

Sicherheit

Ich glaube an diesem Punkt wird man am meisten überrascht. Der Oman ist eines der sichersten Länder der Erde und hat mit Ländern wie dem Jemen oder Saudi-Arabien nichts zu tun. Wir hatten kein einziges Mal Situationen, in denen es gefährlich wurde. Auch Frauen können sich alleine frei bewegen, Taschen am Strand unbeaufsichtigt liegengelassen werden und keinem von uns wurden auch an belebten Plätzen etwas geklaut. Man hatte auch niemals das Gefühl, abgezockt zu werden. Im Gegenteil, die Omanis gehen mit Touristen sehr herzlich und gastfreundlich um.
Viele osteuropäischen Studenten aus der Gruppe haben erzählt, dass es hier deutlich sicherer sei als in ihrer eigenen Heimat, man kann also sehr beruhigt sein und auch vom Bürgerkrieg im Nachbarland Jemen ist man weit entfernt. Der Oman ist in diesem Konflikt neutral und hält sich aus allem raus.
Natürlich sollte man adäquat versichert sein. Unabhängig von diesem Austausch sollte man natürlich immer eine Auslands-KV haben. Damit ist nicht jener Versicherungsschutz gemeint, der allgemein bei der gesetzlichen KV inkludiert ist, sondern eine eigenen Auslands-KV für etwa 10 Euro pro Jahr bei verschiedensten Anbietern.
Über den lokalen Vertreter des Medilearnclubs habe ich erfahren, dass ich aufgrund der dortigen Mitgliedschaft (die glaube ich jeder Student hat) für alles Wichtige versichert bin. Ich habe ihm vertraut und mich dann auch um nichts mehr gekümmert. Ich denke, dass v.a. Unfall- und Haftpflichtversicherung das Wesentlichste sind. Über die Sicherheitslage erfährt man auf der Seite des Auswärtigen Amtes.
Rückblickend habe ich mich nur in den Autos der Omanis teils unsicher gefühlt. Jeder bedient während der Fahrt sein Handy und das Verkehrsverhalten ist auch etwas weniger geordnet. Ich kann nur empfehlen, sich wann immer es geht anzuschnallen (keine Gurtpflicht) und nach ersten Erfahrungen, wenn möglich mit Leuten zu fahren, denen man vertraut.

Geld

Währung ist der Omani Rial. 1 Rial sind 1000 Baisa vergleichbar wie bei uns 1 Euro 100 Cent sind. 1.200 Rial sind also nicht eintausendzweihundert Rial sondern 1 Rial und 200 Baisa, da hatte ich beim Visum kurz einen Schock bekommen. 1 Rial entspricht etwa 2,30€. Im Allgemeinen gibt es im Oman eigentlich nur Scheine, der kleinste Schein sind 100 Baisa. Es gibt auch Münzen, die aber kaum Beachtung finden. Die meisten von uns haben sich einiges an Bargeld mitgenommen und es dann an Wechselstuben getauscht (nicht am Flughafen tauschen!). Ich habe mit meiner Kreditkarte (Visa) am Automaten Geld abgehoben, das geht genauso. Letztlich kommt es auf die individuellen Gebühren der Kreditkarte an was günstiger ist. Unsere Erfahrung war, dass die Wechselstuben vernünftige faire Kurse anbieten, sodass die Kreditkarte vielleicht etwas teurer war. Man kann leider nicht überall mit Kreditkarte bezahlen, gerade kleinere Restaurants nehmen keine Karten und auf Märkten kann man auch nur mit Bargeld bezahlen. Andere Währungen werden meiner Erfahrung nach nicht akzeptiert. Das Social Program muss man bei den Omani Studenten auch bar bezahlen, sodass man sich wie auch immer gut mit Bargeld ausstatten sollte.
Die Preise sind etwas günstiger als in Deutschland. Ein normales Abendessen in einem kleinen Restaurant incl. Getränk kostet selten über 4 Euro. Das Social Program im Oman soll mit Abstand das Beste von allen IFMSA Ländern weltweit sein. Meine Erfahrung: Es war unglaublich und man kann niemals so tolle Sachen alleine erleben. Auch wenn sich der reine Betrag des SP am Ende der Reise aufsummiert (geschätzt ca. 300€), ist es immer noch enorm günstig für das, was man alles geboten bekommt. Am Anfang des Monats bekommt man einen Stapel mit Essengutscheinen für die Krankenhauskantine für 3 Mahlzeiten 7 Tage die Woche für den gesamten Monat, was sehr viel Geld spart.

Sprache

Im Land wird Arabisch gesprochen. Der Großteil der Bevölkerung spricht Englisch, höhere soziale Schichten eigentlich immer fließend. Man kann sich eigentlich immer verständigen, nur selten trifft man auf Menschen, die einen überhaupt nicht verstehen. Im Krankenhaus können alle Ärzte und Schwestern perfektes Englisch, leider aber ein Großteil der Patienten nicht genug Englisch, um eine Anamnese erheben zu können. Als Vorbereitung empfiehlt es sich abhängig von den eigenen Skills ggf. Kurse zu besuchen und v.a. medizinisch-englisches Vokabular sich anzueignen, sodass man einen guten Anschluss in der Klinik findet. Ansonsten sind eigentlich keine Kurse erforderlich. Ich empfehle LEO.org als App auf dem Handy, um z.B. Fachvokabular nachzusehen. Gerade wir als deutsche Studenten haben uns anfangs schwergetan, da in vielen anderen europäischen Ländern die medizinische Lehre teils auf Englisch stattfindet, was bei uns nicht der Fall ist. Im Land leben einige Menschen aus Indien und Pakistan, natürlich hat jeder seinen eigenen Akzent, der nicht immer leicht zu verstehen ist. Aber wenn man sich etwas anstrengt, dann kann man auch dies meistern. Nicht zu vergessen ist auch, dass wir 25 Austauschstudenten auf einmal hatten und auch dort jeder seinen eigenen Akzent mitbringt.

Verkehrsbindungen

Alle sind mit dem Flugzeug angereist. Die meisten direkt nach Muskat, der Hauptstadt im Osten des Landes. Einige sind auch nach Dubai geflogen und haben von dort einen Bus nach Muskat genommen. Dieser benötigt mindestens 8h, ist dafür aber deutlich billiger. Ich wusste von dieser Möglichkeit gar nichts, weswegen ich sie auch hier erwähnen möchte. Jeder Omani hat ein Auto, weil die Wege hier enorm weit sind und man sich nicht anders (auch aufgrund der Hitze) bewegen kann. Es gibt keine Züge, keine Rad- und Fußwege und nur ganz wenige Buslinien. Mittel der Wahl ist das Taxi, das günstig ist und einen überall hinbringt. Hierfür sollte die App OTAXI verwendet werden. Man kann sich schnell ein Taxi bestellen und hat auch gleich einen festen Preis, der immer eingehalten wird. Ein Vorteil, weil es im Oman keine Taxameter gibt. Oft kann man kurze Strecken auch Trampen, die Omanis bleiben sogar auch oft so stehen, ohne dass man die Hand rausstreckt. Es kommen gute Gespräche zustanden und man hat das Gefühl sie freuen sich, fremde Leute umherfahren zu dürfen. Wir hatten auch nie den Eindruck, dass es gefährlich sein könnte. Alle waren immer sehr nett und haben uns teils mit Trinken und Essen im Auto versorgt.

Kommunikation

Jeder hat sich im Oman eine lokale Prepaid-SIM gekauft. Das war sehr günstig und die lokalen Studenten organisieren auch alles. Normal telefoniert hat hier eigentlich niemand. Jeder hat sich aufs Handy eine VPN App runtergeladen und über WhatsApp Internettelefonie telefoniert. Über WLAN (im Wohnheim verfügbar) geht es leider nicht und man braucht auch eine VPN, das ist aber schnell erledigt und funktioniert auch zuverlässig. Für ca. 20-30€ hat man so viel Datenvolumen, um genug in die Heimat telefonieren zu können und auch sonst das Internet frei zu nutzen. Ich glaube für diesen Preis waren es 7GB Datenvolumen. In der Uni-Bibliothek soll man Eduroam haben, was ich aber nie ausprobiert habe. Ich hatte im Krankenhaus selbst kein WLAN.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von den lokalen Medizinstudenten organisiert. Wir haben in einem neuen Wohnheim in der Nähe des Krankenhauses gewohnt, was speziell für Austauschstudenten gebaut worden sein soll. Kulturbedingt sind die Geschlechter auf verschiedene Stockwerke verteilt, in einem Apartment sind 6 Leute auf 3 Zimmer (also 2er Zimmer) verteilt. In unserem Apartment gab es 2 Bäder und 1 Küche. Jeder Raum hat eine Klimaanlage und jedes einzelne Apartment einen eigenen WLAN-Router, der bei uns leider oft nicht funktioniert hat. Wir haben dann den vom Nachbarn genutzt, das Internet war eigentlich nie ein Problem. Man wird vor der Unterkunft in der Früh von einem Uni-Bus abgeholt und auch wieder zurückgebracht. Oft war dieser Transport v.a. nachmittags aber leider nicht zuverlässig, sodass wir öfter mal anderweitig transportiert wurden.

Literatur

Ich habe eigentlich nur meine eigenen elektronischen Unterlagen der Uni genutzt sowie die Amboss App. Man kann in der App einstellen, dass man die Inhalte offline nutzen kann, was etwas Datenvolumen spart. Sicher schadet es nicht, 1-2 vertraute Bücher auszuleihen und diese passend zum Fach mitzunehmen.

Mitzunehmen

Ich hatte viel zu viele Klamotten dabei, weil ich nicht gewusst habe, dass man in der Unterkunft kostenlos waschen kann. Sollte man was vergessen, kann man sich auch vieles im nahen Supermarkt günstig kaufen (z.B. Waschpulver). Neben dem, was selbstverständlich sein sollte empfehle ich, Kopfbedeckung, Sonnencreme, Badesachen, Steckdosenadapter, Mehrfachsteckdose, eine Powerbank mit ausreichend Kapazität. Da man am Wochenende auch mal im Freien in den Bergen oder am Strand schläft auch einen warmen Pullover einpacken (nachts 20 Grad). Enorm dankbar war ich um meine Wanderhose. Damit meine ich eine gemütliche Allzweckhose, in der man schlafen kann, die aber nicht zu herunterkommen aussieht, sodass man mit ihr auch mal eine Stadt ansehen kann. Ansonsten genug lange leichte dünne und luftige Kleidung, die nicht durchsichtig ist. Jungs: Lange Hosen, Oberteil mit langen Ärmeln. Mädels: Lange nicht zu enge luftige Kleider, Hosen sowie Oberteile, die die Schultern und Arme bedecken. Die lange Kleidung braucht man v.a. an öffentlichen Plätzen oder bei Besichtigungen. Bei Wanderungen oder anderen Ausflügen kann man auch immer kurz tragen. Auch kann man in kurzer Hose auch abends mal kurz was essen gehen, es ist also nicht zu streng. Die Kleidung im Krankenhaus ist von der Abteilung abhängig. Ich empfehle einen weißen Kittel und wenn möglich einen Satz OP-Kleidung (Scrubs) mitzubringen. Wenn ihr Kittel tragt, dann solltet ihr etwas förmlichere Kleidung und geschlossene Schuhe tragen, d.h. keine offenen Schuhe, kurze Röcke, Hotpants oder Spaghettiträger Oberteile. Wer als Mädchen den anderen Mädels einen Vorteil haben möchte sollte einen Badeanzug mitnehmen, sollte er diesen nicht zu sehr scheuen. Wir haben zwar immer Strände gesucht, wo die Mädels mit Bikini reingehen konnten und das hat auch niemanden offiziell gestört, trotzdem war es oft lästig und zeitaufwändig und man hat immer die Blicke der Einheimischen auf sich gezogen.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief glatt und alle von uns wurden von ihrer Kontaktperson am Flughafen mit dem Auto abgeholt. Wir wurden dann zum Studentenwohlheim gebracht. Am ersten Tag wurden wir dann auch auf die Station gebracht, was sehr angenehm war. Man muss wissen, dass im Oman die Arbeitswoche von Sonntag bis Donnerstag geht und Freitag und Samstag Wochenende ist. Alle Studenten fangen grundsätzlich an einem Sonntag an, das ist hilfreich zu wissen und man kann dementsprechend seinen Flug buchen. Ich konnte nicht sehr viel früher in das Studentenwohnheim, manche waren schon da. Ich bin einen Tag vor Praktikumsbeginn angereist, das war genug Zeit, um anzukommen und sich zu orientieren.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Notaufnahme, weil ich das noch als ambulante Famulatur gebraucht habe. Am ersten Tag wurden wir alle auf die jeweiligen Stationen verteilt, nachdem wir unsere Ausweise und unsere Essensmarken bekommen haben. Ich wurde sehr herzlich empfangen und man hat gemerkt, dass man erwartet wurde. Wir haben uns bei jenem Arzt vorgestellt, der für die Studenten verantwortlich ist und uns wurde alles gezeigt. Vom Sekretariat der Station haben wir Kleidung bekommen und auch einen Dienstplan, da wir Früh- und Spätschicht gearbeitet haben. Erstere ging von 8 Uhr bis 14 Uhr, letztere von 14 Uhr bis 19:30 Uhr. Wir bekamen ein Portfolio, wo man jeden Tag seine Tätigkeiten eintragen muss und man täglich von einem Arzt evaluiert wird, was aber nicht schlimm war, alle waren sehr nett. Zu Schichtbeginn wurde man immer einem Arzt fest zugeordnet, mit dem man dann den Tag verbracht hat. Im Allgemeinen unterscheidet sich die Notaufnahme bedingt durch das Gesundheitssystem sehr vom Deutschen. Erstens war das Krankenhaus (trotz Uniklinik) eher klein und zweitens ist es nur ein kleines von vielen Häusern, die Notfälle versorgen. Hingegen werden im Oman häufig die Notaufnahmen von Patienten mit chronischen Krankheiten besucht, um sich eine zweite Meinung zu holen. Fazit: Echte Notfälle hat man eher selten gesehen. Hingegen versorgt die Notaufnahme auch Kinder, welche natürlich altersbedingt eher mit akuten Notfällen in die Klinik kommen. Im Allgemeinen darf man als Mann im Oman eher keine Frauen untersuchen und muss den Raum verlassen, gynäkologische Angelegenheiten werden ausschließlich von Frauen behandelt. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber das war völlig in Ordnung. Nichtsdestotrotz war die Ausbildung enorm gut. Die Ärzte haben sich viel Zeit genommen, mit den Studenten diskutiert, es fand echtes Teaching anhand von aktuellen Patientenfällen statt, was ich so aus Deutschland nicht kenne. Das Gesundheitssystem ist natürlich anders als in Deutschland, es wird alles von der Regierung bezahlt und ist somit umsonst. Sprachprobleme gab es mit den Ärzten und Schwestern nie, eine echte Anamneseerhebung bei den Patienten bleibt allerdings die Ausnahme. Zusammenfassend war ich also immer mit Ärzten unterwegs, hab viele Fragen gestellt, viel zugesehen und hier und da mal selbst was gemacht. Bzgl. der medizinischen Versorgung ist das Land fortschrittlich und hat mit einem Entwicklungsland nichts mehr zu tun, natürlich sind die Unterschiede zum deutschen System aber noch deutlich zu erkennen. Im Allgemeinen wird man als Deutscher im Oman sehr geschätzt, was mit ganz vielen Aspekten zu tun hat. Die Omanis schätzen auch die deutsche Medizin sehr, der Sultan lässt sich z.B. in Deutschland behandeln. Während der Schichten hat man immer genug Zeit für Gespräche mit den Ärzten, die sich sehr für einen interessieren und viele Fragen zum eigenen Land stellen. Auffällig war auch, dass jeder mit großem Respekt behandelt wird und die Gastfreundschaft soweit geht, dass leitende Ärzte Tee für Studenten besorgen und auch einige von uns zum Essen eingeladen wurden.
Fazit zum fachlichen Eindruck: Wer sich enorm für das Fach Notfallmedizin und klassische Notfälle interessiert wird hier eher enttäuscht sein. Wer jedoch einen breiten Überblick bekommen möchte und vor allem aufgrund eigenen Interesses viel von sich aus Fragen stellt, der wird von der guten Lehre und den sehr netten Ärzten dort sicher viel lernen können.

Land und Leute

Uns wurde von vielen Seiten gesagt, dass das Social Program der Omanis mit das Beste von allen IFMSA Ländern ist. Wir haben in den vier Wochen so viel erlebt, wie wir es niemals hätten selbst organisieren können. Wir waren in den Bergen beim Camping mit Geländewägen, waren in der Wüste, in vielen Wadis (Bergtäler, die nach der Regenzeit aufblühen und sich in kleine Paradise verwandeln), haben Meeresschildkröten angesehen, sind Bootgefahren, geschnorchelt und haben alle wichtigen lokalen Sehenswürdigkeiten in Muskat besichtigt. Außerdem gab es noch eine Quadtour in den Dünen, wir konnten Jetsky fahren und noch vieles mehr, ich will ja nicht zu viel verraten. Dabei wurde immer alles von den Omanis organisiert und wir musste einen entsprechenden Betrag bezahlen, der immer alles abgedeckt hat. Wir musste uns um nichts kümmern und konnten die Ausflüge voll und ganz genießen. Oft haben wir dabei auch Einheimische getroffen. Die Leute sind sehr faszinierend, sie interessieren sich für einen und man tauscht sich über die Kulturen aus. Schnell lernt man die Herzlichkeit und bedingungslose (!) Hilfsbereitschaft der Omanis kennen, auf die wir uns immer verlassen konnten. Besonders spannend waren Gespräche mit den lokalen Medizinstudenten über die nationale Politik und die wirtschaftliche Situation des Landes. Wir haben auch viel über kulturelle Unterschiede diskutiert und man merkt schnell, dass das Land sehr viel liberaler als die unmittelbaren Nachbarn ist. Überall wo man war waren die Leute freundlich und zuvorkommend, man hatte nie das Gefühl ausgenutzt zu werden und auch auf traditionellen Märkten wollten die Verkäufer ihre Waren zwar schon verkaufen, jedoch empfand ich das nicht als aufdringlich. Rückblickend muss ich sagen, hätte man vielleicht noch mehr erleben können. Unter der Woche war eigentlich nur immer einmal ein Social Program und wir haben uns dann auch mal selbst darum gekümmert. Wir waren eine sehr große Gruppe aus über 20 Studenten, was natürlich die Entscheidungsfindung oft sehr verzögert hat. Natürlich hat das Land viele Besonderheiten, ich möchte hier aber nur zwei verraten: Das Gesundheitssystem ist ausschließlich vom Staat finanziert und es gibt keine Steuern. Gerade am Anfang war das Wetter etwas unangenehm. Im August hat es meist 35 Grad (gefühlt 45 Grad) und nachts kühlt es nur etwas unter 30 Grad ab. Man merkt davon allerdings nichts, sowohl das Wohnheim als auch das Krankenhaus und alle öffentlichen Einrichtungen haben Klimaanlagen. Besonders heftig soll es im Juni/Juli sein, da können auch mal Temperaturen um die 50 Grad herrschen. Auffallend war auch, dass die Hitze eher schwül als trocken war. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch bei 30 Grad niemand auf der Straße unterwegs ist. Das hat mich sehr überrascht, da in Europa niemand bei 30 Grad auf die Idee kommen würde, nicht mehr rauszugehen. Deshalb war auch wenn es „kühler“ war oft nicht viel los, was natürlich etwas schade ist. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist, dass man sich ohne Auto nicht bewegen kann, da es keine Öffis und schon gar keine Radwege gibt. Wie bereits beschrieben sind aber oft die Omanis gekommen und haben uns gefahren oder wir haben ein Taxi (APP!) bestellt.

Fazit

Meine Erwartungen, das Land und die Kultur kennenzulernen wurde bei weitem übertroffen. Ich kann nur jedem empfehlen das Land zu bereisen, weil die Menschen und die Natur dort einfach atemberaubend sind. Fachlich bin ich etwas unter meinen Erwartungen zurückgeblieben, da ich mit mehr Action in der Notaufnahme und mehr klassischen Notfällen gerechnet habe. Ich war überrascht, wie ruhig es dort zugeht, was man aus Deutschland einfach nicht gewöhnt ist. Studenten anderer Abteilungen haben Ähnliches erzählt, weshalb ich mir deshalb nicht vorstellen könnte, dort zu arbeiten. Auch möchte ich aufgrund des Klimas und der weiten Strecken, die nur mit dem Auto zurückgelegt werden können, nicht im Oman leben. Die Reise war toll, ich habe viel gelernt und bewundere die Menschen dort für ihre Herzlichkeit und Offenheit.

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