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Brazil (IFMSA-Brazil)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Da ich sehr gerne neue Kulturen und Sprachen kennenlerne, reise ich sehr gerne und sah die Famulatur als perfekte Möglichkeit, um ins alltägliche Leben in einem fremden Land einzutauchen. Schon immer wollte ich nach Südamerika. Der Fahrtkostenzuschuss des bvmd hat diese Reise zum Glück möglich gemacht. Gerne wollte ich nach Brasilien oder Peru, da mich die Natur dieser Länder sehr fasziniert und ich am meisten über diese beiden Länder gehört uns gelesen hatte, sodass ich mir einen eigenen Eindruck verschaffen wollte.

Vorbereitung

Im Vorfeld habe ich einen Portugiesisch- Kurs belegt, was ich als sehr hilfreich herausgestellt hat, da es zwar immer wieder Ärzte gibt, die den Famulanten die Fälle auf englisch übersetzen, das jedoch nicht immer gegeben ist. Außerdem bekommt man so alles mit und nicht nur das, was eine andere Person als „wichtig“ erachtet.

Visum

Ein Visum war nicht nötig, lediglich ein gültiger Reisepass, um den man sich natürlich zeitnah kümmern sollte.

Gesundheit

Für Brasilien wird eine Gelbfieber-Impfung empfohlen, die ich auch durchführen lassen habe. Ansonsten sollte man sich Anti-Mückenspray besorgen, da die Mücken viele andere Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen können. Im Staat Sao Paulo habe ich dieses nicht gebraucht, jedoch in den anderen Teilen Brasiliens regelmäßig genutzt.

Sicherheit

Generell sollte man sich informieren, welche Viertel sicher sind und welche nicht. In den unsicheren Vierteln sollte man nicht zu Fuß gehen, vor allem nicht alleine und mit Wertsachen. Das Krankenhaus war in einem der unsichersten Viertel gelegen, weshalb ich oft mit dem uber nach Hause gefahren bin. Man sollte die Augen offen halten, sich aber definitiv nicht stressen oder hinter jeder Ecke etwas Böses erwarten. Ich habe es vermieden alleine zu sein auf der Straße und habe keinen Schmuck getragen und ich habe mich meistens genauso sicher gefühlt wie hier in Deutschland.

Geld

In der Währung brasilianische Reais ist 1 Euro etwa 4,5 Reais wert. Man kann überall problemlos mit Karte zahlen. Die Lebenshaltungskosten sind insgesamt günstiger als in Deutschland, jedoch kommt es natürlich auch immer darauf an, ob man in teuren Restaurants essen geht oder normalpreisigen Läden in den Straßen.

Sprache

Die Brasilianer sprechen sehr gut Englisch, jedoch würde ich definitiv empfehlen portugiesisch zu lernen, da man sonst nur die Hälfte im Krankenhaus mitbekommt. Ich hatte Niveau B1 und konnte viel verstehen, hätte mir jedoch gewünscht mich besser ausdrücken zu können. Spanisch hilft außerdem in allen Fällen weiter.

Verkehrsbindungen

Angereist bin ich per Flug mit Zwischenlandung in Paris bzw. Barcelona. Die Airline Latam fliegt günstig und qualitativ hochwertig.
Innerhalb des Landes bin ich entweder auch mit Latam gereist oder in näher gelegene Staaten wie Rio per Bus, welche sehr zu empfehlen sind. Es gibt sehr gemütliche Sitze, in denen man auch gut schlafen kann.

Kommunikation

Im ganzen Monat habe ich nur über das Wlan kommuniziert, welches an den meisten öffentlichen Orten zu finden ist. Die meisten anderen ausländischen Studenten haben sich jedoch eine brasilianische Sim-Karte zugelegt, die die Kommunikation sicher erleichtert.

Unterkunft

Normalerweise hätte man mit seiner Gastfamilie zusammengewohnt, worüber ich nur Gutes gehört habe. Da ich aber gerne mit meinem Freund zusammenwohnen wollte, haben wir uns ein Apartment über Airbnb gesucht, welches günstig war und wirklich sehr sauber und praktisch. Selber mitbringen musste ich nichts.

Literatur

Die Ärzte haben mir manchmal Broschüren und kleine Hefte auf portugiesisch mitgegeben, welche mir viel weitergeholfen haben. Auch hinsichtlich des Sprachverständnisses halfen sie mir und ich konnte mir Fachausdrücke aneignen.

Mitzunehmen

Da ich in der Kardiologie war, habe ich natürlich ein Stethoskop und einen Kittel mitgenommen.
Man sollte unbedingt daran denken, eine dicke Jacke und lange Hose im Juli und August mitzunehmen, da es in Brasilien da gerade Winter ist und es abends und morgens sehr sehr kalt werden kann.

Reise und Ankunft

Im Vorfeld wurde mir die Handynummer von meinem zuständigen Arzt gegeben, ,it dem ich einen Treffpunkt und Tag im Krankenhaus ausmachen konnte und außerdem wurde mir ein Buddy zugeteilt- eine Brasilianerin, die dort studiert- welche mir alle offenen Fragen beantwortet hat und mich direkt mit in ihren Freundeskreis aufgenommen hat.
Nach meiner Ankunft bin ich einige tage erst einmal durch das Land gereist, was mit dem Arzt abgesprochen war und keine Probleme bereitet hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der kardiologischen Ambulanz gearbeitet und mein Tätigkeitsfeld bestand daher aus Anamnese und körperlicher Untersuchung. Zur gleichen Zeit wie ich machte eine Brasilianerin die gleiche Famulatur wie ich, was mir einen großen Vorteil verschafft hat, da ich somit ständig einen direkten Ansprechpartner und Helfer gefunden hatte. Wir untersuchten und befragten zusammen, sodass keine Missverständnisse mit den Patienten aufkommen konnten.
Außerdem gab es jede Woche Unterricht einer Ärztin für eine kleine Gruppe von Studenten, bei dem sehr viel Rücksicht auf mich genommen wurde. Die Ärzte erklärten ständig, welche Medikamente und Untersuchungen man in Südamerika im Vergleich zu Deutschland oder generell Europa nutzt, sodass ich immer genaue Vorstellungen hatte. Zwar habe ich nicht viel Neues gelernt, was ich nicht schon aus dem 7. Semester mitgenommen hätte, jedoch wurde der Stoff natürlich vertieft.
In Brasilien werden die Studenten schon sehr früh praktisch gefördert, was bedeutet, dass sie wesentlich genauer darüber Beschied wissen, was in welcher Situation zu tun ist, allerdings wunderte ich mich manchmal darüber, ob die Patienten nicht lieber von einem erfahrenen Arzt behandelt werden würden.
In der Ambulanz lief es so ab, dass jeder Student und Assistenzarzt einen Patienten untersuchte und befragte und die Ergebnisse dessen dem Oberarzt vorstellte. Danach wurden gemeinsam Diagnosen und Therapievorschläge erarbeitet und dem Patienten dann wieder vorgestellt. So lernen die Studenten/Assistenzärzte jeden Tag etwas Neues und die Oberärzte bleiben immer auf dem Neusten Stand.
Was mich gestört hat war, dass es eine Assistenzärztin gab, die es nicht gerne gesehen hat, wenn die Praktikanten die Anamnese ausführten und an den tagen, an denen sie da war, saßen meine Kollegin und ich nur daneben und konnten nichts machen. Da hätte man sich vielleicht besser mit dem Tutor absprechen müssen, allerdings wollten wir natürlich auch nicht als unverschämt und dreist erscheinen.

Im Gegensatz zu Deutschland wird nicht besonders auf die Hygiene geachtet. Fast alle Ärzte laufen auch in der Mensa und außerhalb des Krankenhauses mit dem Kittel herum, es wirkt fast so, als würden sie ihn bis zu hause anlassen. Außerdem liegen die Patienten auf Liegen auf den Gängen herum und die Zimmer sind definitiv überfüllt. Desinfektionsspender sind spärlich zu finden und die meisten sind fast leer.Daher empfiehlt es sich eine eigene kleine Flasche mit Desinfektionsmittel mitzunehmen.

Land und Leute

Ich habe sehr viele kleine Reisen in verschiedene Orte des Landes unternommen, um alles einmal kennenzulernen. Im Vorfeld war ich in den Norden Brasiliens gereist, der sich sehr vom Rest des Landes unterscheidet. Von dort bin ich immer weiter Richtung Süden gereist, bis ich in Sao Paulo ankam. Besonders Rio de Janeiro kann ich empfehlen. Dorthin bin ich mit dem von ifmsa angebotenen Beach Project mit anderen Austauschstudenten aus ganz Brasilien gefahren. Ich würde empfehlen an so vielen Beach Projects wie möglich teilzunehmen, da man sich sicherer als alleine fühlt und viele Kontakte knüpfen kann. Man bekommt ein tolles Programm geboten und kriegt Geheimtipps von den Brasilianern, die in den jeweiligen Städten wohnen und die Betreuung der jeweiligen internationalen Austauschstudenten übernehmen.

Zu der Zeit, als ich dort war, herrschten die vielen Waldbrände im Amazonas, wozu es einige Demonstrationen im Land gab, davon habe ich allgemein jedoch nicht so besonders viel mitbekommen. Allgemein bemerkt man, dass das Land gespalten ist und die eine Hälfte den jetzigen Präsidenten Bolsonaro sehr unterstützt, während die andere Hälfte aus tiefstem Herzen hasst.

Die Leute sind wirklich sehr offen und gastfreundlich und helfen einem, wo sie nur können. Natürlich verlangen auch einige Geld für Arbeiten, um die man nicht unbedingt gebeten hat. Wie zum Beispiel Süßigkeiten und Elektrogeräte auf die Windschutzscheibe an roten Ampeln zu legen. Möchte man diese Produkte nicht kaufen, nehmen sie sie aber auch wieder ab, bevor die Ampel grün wird.

Mittags und abends gab es meistens Feijao, das landestypische Gericht mit Reis und schwarzen Bohnen, wovon ich nicht genug bekommen konnte, da es so lecker war. Ansonsten isst man viel Fleisch und süße Sachen.Es schmeckt wirklich alles sehr süß, sogar Brot und Pizza. Man sollte jedoch so viel wie möglich probieren, vor allem Früchte, da diese ganz anders als hier bei uns schmecken.

Insgesamt war ich zwar 5 Wochen in Brasilien, allerdings habe ich noch lange nicht alles gesehen, was ich sehen wollte. Um ausreichend das Land zu bereisen, muss man meiner Meinung nach mindestens 6-8 Wochen dort einplanen. Wenn einem das Flugzeug zu teuer ist, kann man sehr gut und günstig mit den Fernbussen umherreisen.

Spannend war es auch die Hauptstadt Brasiliens - Brasília- zu sehen, da diese komplett konstruiert wurde und die Form eines Flugzeuges einnimmt. Im Cockpit dieses Flugzeuges ist das Regierungsgebäude, in dem der Präsident arbeitet und wichtige Entscheidungen trifft.

Fazit

Meine Erwartungen wurden erfüllt und teilweise auch übertroffen, da alles so gut geklappt hat und wenn es doch mal ein Problem gab, wurde dieses jedoch sehr schnell gelöst.
Ich würde definitiv wiederkommen, weiß aber nicht, ob ich für immer dort arbeiten möchte, da ich des Öfteren das Gefühl hatte, dass die Brasilianer etwas langsam sind als die Deutschen und wir hier in Deutschland die Arbeit effektiver schaffen. Auf der anderen Seite sind die deutschen Ärzte allerdings sehr viel gestresster als die brasilianischen, was zu einem sehr angenehmen Arbeitsklima geführt hat.

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