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Malta (MMSA)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe mich für eine Auslandsfamulatur entschieden, weil ich gerne einen Einblick in andere Gesundheitssysteme erlangen wollte. Ich denke, durch die Arbeit mit dem Gesundheitssystem vor Ort, hat man einen viel besseren und tiefgreifenderen Eindruck, als wenn man sich das alles nur theoretisch anschaut. Zudem wollte ich so auch gleich die maltesische Kultur besser kennenlernen.

Vorbereitung

Da Malta ein EU-Land ist, waren meine Vorbereitungen nicht sehr schwierig. Es ist sinnvoll sich eine Studentenkarte für den öffentlichen Verkehr auf der "tallinja" Website nach Deutschland zu bestellen, da das die günstigte Weise ist, um auf Malta von A nach B zu kommen und es eine Zeit dauert bis die Karte erstellt wird.

Visum

Ein Visum war nicht nötig, man kann einfach mit seinem Perso nach Malta einreisen.

Gesundheit

Man muss beachten, dass man ein Health Form ausfüllen muss, für das man sowohl einen TBC-, als auch einen HIV-Test beim Arzt machen muss. Hierum sollte man sich ca. 2 Monate vor der Abreise kümmern. Es ist auch immer gut, etwas gegen Erkältung mitzunehmen, da viele von uns eine Erkältung (vermutlich wegen der 18 °C kalten Klimaanlagen) bekamen.

Sicherheit

Ich habe sicherheitshalber eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen, diese aber glücklicherweise nicht benötigt.
Malta ist ein sicheres Land, die Menschen sind hilfsbereit und Touristen gewohnt.

Geld

Da man in Malta mit Euro zahlt, muss man sich nur überlegen, ob man das ganze benötigte Geld in bar mitnimmt oder lieber Stück für Stück von ATMs abhebt und ggf hier eine Gebühr zahlt. Lebensmittel sind in den kleinen Lebensmittelläden um die Ecke etwas teurer als in Deutschland, ansonsten denke ich nicht, dass man über irgendwelche Preise überrascht sein wird.

Sprache

Die Amtssprachen sind Maltesisch (Mischung aus Arabisch, Englisch, Italienisch, …) und Englisch. Im Krankenhaus wird viel auf Maltesisch geredet, was es nicht einfach macht, dem Patientengespräche zu folgen. Es gibt aber auch ausländische Ärzte, die nur Englisch reden. Normalerweise kommt man mit Englisch überall gut durch.

Verkehrsbindungen

Wie schon erwähnt lohnt es sich die tallinja student card vorab zu bestellen, um günstig Bus fahren zu können. Das Busnetz ist gut ausgebaut, aber Busse sind selten pünktlich. Also immer einen Zeitpuffer einbauen, wenn man z.B. auf dem Weg zurück zum Flughafen pünktlich sein will. Außerdem gibt es noch „Bolt“, das ist die maltesische Form von Uber. Hier kann man sich Autos per App bestellen. Wenn man sich ein Bolt teilt, sind diese auch ziemlich Preiswert.

Kommunikation

In dem gestellten Apartment hatten wir einen WLAN Router, es gibt an vielen öffentlichen Plätzen WiFi und, da es immer noch EU ist, kann man auch seine mobilen Daten am Handy ohne Mehrkosten nutzen. Aus diesen Gründen war eine ganz normale Kommunikation ohne Vorkehrungen möglich.

Unterkunft

Die maltesischen Studenten vor Ort mieten für Juli, August und September verschiedene Wohnungen/Häuser, in denen alle Austauschstudierenden unterkommen. Meist hat man keinen eigenen Raum, sondern teilt sich diesen mit 1-2 anderen. Man hat eine eingerichtete Küche und ausreichend Bäder. Man muss nur Bettwäsche mitbringen.

Literatur

Manche haben sich einen Reiseführer für Malta besorgt, wobei sie ihn eher selten genutzt haben. Die maltesischen Studenten geben gerne Auskunft darüber, was man sich außerhalb des Social Programs noch anschauen kann.

Mitzunehmen

Wenn man in den Sommermonaten nach Malta geht, kann lange Hosen und Jacken getrost Zuhause lassen. Bei uns hat es weder geregnet, noch ist es unter 20°C abgekühlt. Man sollte sich aber defintiv Badesachen und Sonnencreme mitnehmen.

Reise und Ankunft

Wir mussten alle selbst zu unsren Unterkünften finden, hatten aber den Standort in Google Maps. Man muss beachten, dass die Häuser Namen statt Hausnummern haben. Am ersten Praktikumstag trifft man sich mit den maltesischen Studenten und wird auf Station gebracht, nachdem man seine Mitarbeiterkarte beantragt hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Allgemeinchirurgie gemacht. Man hat immer morgens um 7.30 Uhr (nach maltesischer Zeit: manchmal erst um 8.30Uhr, manchmal aber auch pünktlich) mit der Visite (meist auf Maltesisch) begonnen. Hier hatte man nicht nur Patienten auf der chirurgischen Station, sondern auch auf weiteren Stationen, z.B. der Urologie und man macht auch Visite bei Patienten, die auf Intensiv liegen, aber von dem Consultant operiert wurden. Danach ging es entweder in den OP, zu Endoskopie oder zur Outpatience Clinic (eine Art ambulante Sprechstunde). Wie es für Studenten auf Malta üblich ist, durfte ich die meiste Zeit nur zuschauen.
In Malta dauert das Studium fünf Jahre. Das schließt man mit einer Prüfung ab. Nach dem Studium ist es hier üblich, dass man erst in den 2 Foundations Years praktischen Einblick in die ärztliche Tätigkeit erhält. Hier rotiert man durch die verschiedenen Fachdisziplinen. Erst danach sucht man sich seine Fachrichtung aus und beginnt als Basic Specialist Trainee. Über den Higher Specialist Trainee wird man dann zum Resident, mit dem Ziel Consultant zu werden.
Meistens haben die Ärzte während der Visite, auf dem Flur, nach verlassen des Patientenzimmers, eine kurze Zusammenfassung der Patienten(geschichte) gegeben. Ab und zu wurden uns auch Fragen gestellt, die wir beantworten sollten, aber es war auch nicht tragisch, wenn wir die Antwort nicht wussten.
Da Malta ein sehr beliebtes Land für Famulaturen ist, waren auf vielen Stationen, wo IFMSA-Studenten waren, auch weitere ausländische Studierende (sogenannte Elective Students), mit denen man sich auch austauschen konnte. Es gibt auch viele PJ-Studenten, aber selbst diese haben, in meiner Abteilung, nur selten etwas Praktisches gemacht und auch viel zugeschaut und sind den Ärzten hinterhergelaufen.
In anderen Abteilungen war das mit dem nur Zuschauen nicht so streng und manche durften sogar regelmäßig an den OP-Tisch und auch in der Anästhesie hatte ich den Eindruck, dass man mehr praktisch machen darf.
Wenn man noch in ein weiteres Fach reinschnuppern möchte, ist es meistens ganz einfach das zu organisieren. Die Ärzte auf meiner Station waren dem gegenüber sehr aufgeschlossen. Ich bin dann einfach zu den Ärzten in der Plastischen Chirurgie gegangen und habe gefragt, wann es möglich sei, mal einen Tag auf dieser Station mitzulaufen.
An Tagen, an denen es nach der Visite nur Stationsarbeit gibt, das heißt Blut abnehmen, Formulare ausfüllen und weitere Sachen organisieren, wird man oft früh nach Hause geschickt mit der Anweisung die Sonne zu genießen.

Land und Leute

Da ich viel Freizeit hatte, hatte ich auch viel Zeit Malta zu ekunden, wobei ich im Vergleich zu anderen eher mehr am Strand war, als in der Hitze durch die verschiedenen Städte zu laufen.
Im August gibt es sehr sehr viel Social Program für die Incomings. In manchen Wochen hatten wir bis zu 5 Social Program Programmpunkte! Man hat hier sowohl touristisches Programm, wie z.B. einen Ausflug nach Gozo, einen nach Comino, einen nach Valetta mit Stadtführung, einen nach Mdina (und dort eine Art Schnitzeljagd), als auch Zeit, die man mit der Austauschgruppe verbringen kann, z.B. am Strand,, beim Beach Yoga, bei einer Bootparty, einem Pub Crawl oder der „National Food and Drink Party“.
Wenn man auf Malta ist sollte man unbedingt die traditionellen Pastizzi probieren. Das ist Blätterteiggebäck mit drei verschiedenen Füllungen; entweder Ricotta, Erbsen oder Hühnchen. Man kann sie überall in Pastizzierias kaufen. Außerdem gibt es auch noch weitere traditionelle Snacks, wozu Qassatat und Arancini gehören. Es gibt auch ein maltesischen Softdrink, Kinnie, den man probieren kann, wobei die meisten Leute ihn, aber nicht mögen, also mit Vorsicht genießen.
Dadurch, dass so viele Studenten aus so vielen verschiedenen Ländern nach Malta kommen, bekommt man nicht nur Einblick in die maltesische Kultur, sondern auch Einblicke in viele andere Länder. Dadurch das es so viele Leute gab, mit denen man was unternehmen konnte, hat man auch quasi jeden Tag etwas vor gehabt. Oft ist man in verschiedenen Gruppen an den Strand, aber es wurden auch Ausflüge, z.B. in die Katakomben nach Rabat oder nach Mosta unternommen. Viele sind auch nochmal selbstständig nach Gozo gegangen, da es hier mehr gibt, als man während des Tagesausflugs im Rahmen des Social Programs sehen kann. Natürlich wurde auch viel gefeiert, hier sollte man auf jeden Fall mal nach Paceville gehen. Aber am besten unter der Woche, da es Freitag- und Samstagabend so voll ist, dass man kaum noch Platz hat, um zu tanzen.
Was man auf keinen Fall verpassen sollte, sind die maltesischen Feuerwerke. Jede Stadt hat einen Heiligen, der die Stadt beschützt. Einmal im Jahr wird ihm/ihr zu Ehren gefeiert: Die Stadt wird überall mit Girlanden und Lichterketten dekoriert und es gibt die besagten Feuerwerke, abends, ungefähr gegen 9 Uhr. Allerdings werden an dem Tag auch tagsüber Feuerwerkskörper abgefeuert, die man natürlich nicht sieht. Mir wurde gesagt, dass das die bösen Geister vertreiben solle. Ist man abends also an einem Ort mit gutem Ausblick, kann man darauf achten, ob man nicht ein oder mehrere Feuerwerke beobachten kann.
An den Heiligenfeierlichkeiten und auch an den Jesus- und Mariafiguren, die sogar im Krankenhaus in jedem Raum hängen und nicht zuletzt auch an den vielen Kirchen auf Malta -365, für jeden Tag eine- merkt man schon, dass es sich hier, um ein sehr katholisches Land handelt.

Fazit

Alles in allem war es eine wunderbare Zeit auf Malta. Im Krankenhaus habe ich leider nicht so viel mitnehmen können, wie ich mir gewünscht habe, aber was es wirklich gebracht hat, wird sich vielleicht auch erst im Nachhinein zeigen. Die vielen tollen Menschen, die ich während dieses Austausches kennen lernen durfte, haben es zu einer unvergesslichen Zeit gemacht.

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