zurück

Italy (SISM)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe mich für den Austausch in Palermo/Italien beworben, weil ich die Chance nutzen wollte im Rahmen meines Studiums neue Kulturen kennenzulernen. Neben Italien hatte ich mich auch für Malta und Portugal beworben. Vor dem Austausch habe ich mir erhofft einen Eindruck von dem Gesundheitssystem und der Tätigkeit als Arzt in einem anderen Land zu gewinnen.

Vorbereitung

Den Aufenthalt zu organisieren hat ein bisschen Zeit in Anspruch genommen. Ich empfehle sich umgehend darum zu kümmern. Ich musste zum Beispiel noch ein Englisch-Test absolvieren. Man sollte sich vorher unbedingt informieren welche Dokumente gebraucht werden.
Ein spezielles Vorbereitungsseminar oder ähnliches habe ich nicht besucht.

Visum

Da Italien ein Teil der Europäischen Union ist, habe ich für den Austausch kein Visum oder Aufenthaltsgenehmigung gebraucht.

Gesundheit

Für die Famulatur in Palermo waren keine speziellen gesundheitlichen Maßnahmen wie ein Röntgen-Thorax oder eine Tuberkulose-Impfung/Test nötig. Die Impfungen, die man in Deutschland sonst auch erhalten hat haben dafür völlig ausgereicht. Für die Reiseapotheke habe ich ebenfalls nichts spezielles mitgenommen. Ich kann aber Aspirin für den Morgen nach einer langen Nacht empfehlen.

Sicherheit

Für den Monat August habe ich Online eine Reiseversicherung abgeschlossen. Das hat ungefähr 15 Minuten gedauert und man hat danach direkt seine Versicherungspapiere per Email zugeschickt bekommen. Einfach bei Google "Reiseversicherung Online" eingeben und man wird schnell fündig.
Angst wegen der Sicherheit hatte ich aber zu keinem Zeitpunkt. Wir wurden sehr gut betreut und das Studentenwohnheim war immer bewacht.

Geld

In Italien zahlt man standardmäßig mit Euro. Man kann in den größeren Geschäften und Supermärkten sehr oft mit Kreditkarte bezahlen. Wenn man allerdings etwas an einem Streetfood Stand oder einem kleinen Geschäft kaufen möchte, muss man oft Bargeld dabei haben.
Insgesamt ist es in Palermo billiger als in Deutschland, trotzdem war der Monat eher teurer als ein Monat in Deutschland. Man muss das Social Program (160€) bezahlen und wir sind sehr oft essen gegangen. Vor allem aber wenn man oft ausgeht wird es teuer.

Sprache

In Palermo wird italienisch gesprochen. Ich hatte mich ursprünglich für Malta beworben (Amtssprache Englisch) und konnte vor dem Austausch kein Wort italienisch. Es lohnt sich ein kleinen Sprachkurs vorher zu machen. Allerdings spricht man die meiste Zeit mit den anderen Studenten sowieso auf Englisch. Ich bin auch ohne Italienisch sehr gut klar gekommen.

Verkehrsbindungen

Nach Palermo kommt man über sehr viele verschiedene Wege. Ich bin direkt von Köln/Bonn aus geflogen. Die Flüge sind vom Preis her okay (140€ für den Hinflug). Man kann auch nach Rom oder Neapel fliegen, was billiger ist und dann mit dem Zug oder Bus (+Fähre) weiter nach Palermo. Das dauert aber sehr viel länger und ist auch anstrengender.

Kommunikation

Wir hatten in dem Studentenwohnheim WLAN. Jedoch war das nur im Erdgeschoss nutzbar und auch da sehr langsam. Ich habe meine Mobilen Daten vom Handy daher die ganze Zeit genutzt. Man kann sich günstige Sim-Karte vor Ort kaufen mit 50GB. Das sollte für den Monat reichen.

Unterkunft

Wir sind alle einem Studentenwohnheim untergekommen. Die Unterkunft wurden von dem LEO organisiert. Insgesamt war es eine tolle Erfahrung mit 100 Medizinstudenten in einem Wohnheim zu wohnen. Das Wohnheim an sich war sehr sicher (wurde immer von einem Guard bewacht) und war durch ein Tor verschlossen.
Die Zimmer waren relativ klein, es gab keine Klimaanlage (einfach einen Ventilator für 10€ kaufen) und auf dem Flur waren Gemeinschaftsduschen. Das war aber wirklich völlig ausreichen. Man ist ja nicht nach Palermo gekommen um die Zeit im Zimmer zu verbringen.
Das einzige störende war, dass es keine Küche und keinen Kühlschrank gab. Wir mussten daher häufig essen gehen; Montags bis Freitags gab es Mittagessen in der Cafeteria des Wohnheims.
Kissen habe ich vor Ort gekauft, der Rest wurde gestellt.

Literatur

Wir haben von dem Leo vor der Reise eine kleines Handbuch über Palermo und Sizilien generell bekommen. Das war sehr informativ und hat uns einen kleinen Einblick in die Geschichte von Palermo gegeben. Andere Bücher oder Internetseiten habe ich vorher nicht gelesen.

Mitzunehmen

Ihr solltet unbedingt viele T-Shirts und kurze Hosen mitnehmen. Es ist im August sehr sehr warm dort. Pullover oder eine Jacke hatte ich nicht einmal an. Und natürlich darf man das Strand-Handtuch nicht vergessen.
Ansonsten hatte ich nichts spezielles mit. Kopfkissen könnt ihr mitnehmen oder dort für 5€ kaufen.

Reise und Ankunft

Die Anreise war problemlos. Ich bin am 30.07 schon angekommen und habe direkt jemanden von dem Austausch am Flughafen getroffen. Uns wurde gesagt welchen Zug bzw. Bus wir zu nehmen haben und wo wir aussteigen sollen. Von der Station wurden wir dann von jemanden abgeholt und zu unserer Unterkunft gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich und ein Freund von mir mit dem ich mich zusammen beworben habe waren auf der Nephrologie. Am ersten Tag gab es eine kleine Einführung von der Arbeitsmedizinerin, die uns alles wichtige erklärt hat und worauf wir zu achten haben. Danach wurden wir auf unsere Station geführt und den Ärzten vorgestellt. Alle waren sehr nett und zuvorkommend.
In den nächsten Wochen haben wir sehr viele verschiedene Patienten und Krankheitsbilder gesehen. Die Ärzte waren immer bemüht uns alles zu erklären. Manche konnten sehr gutes Englisch, manche konnten kein Englisch. Da ich auch kein Italienisch konnte, hat mein Freund dann für mich die wichtigen Sachen übersetzt. Allerdings konnte ich die meisten Sachen verstehen, da das Vokabular ähnlich wie das Französische ist und die medizinischen Fachausdrücke ja sowieso gleich sind.
Die meiste Zeit haben wir auf der Nephrologie Station verbracht. Dort sind wir morgens mit zur Visite gegangen und die Ärzte haben sich selbst dort Zeit genommen und uns viel erklärt. Nach der Visite standen noch verschiedene Untersuchungen an bei denen wir zu gucken und manchmal auch assistieren durften. Das war für mich sehr spannend.
Neben der Station gab es aber auch noch verschiedene Ambulanzen. Dort haben wir meistens bei Gesprächen mit Transplatantions-Patienten zugehört. Der Arzt hat uns vor dem Gespräch einige Details zum Patienten genannten und worum es in dem Gespräch ging. Anschließend hat er sich noch die Zeit genommen und mit uns über die geplante Therapie gesprochen. Die Tätigkeit dort war also eher eine passive. Außerdem gab es noch die Hämodialyse-Ambulanz. Dort haben wir auch einige Tage verbracht. Das war auch sehr interessant zu sehen.
Was die Ausstattung und Hygiene betrifft ist es in Palermo bzw. Süditalien schon deutlich anders als in Deutschland. Die Ultraschallgeräte waren sehr sehr alt und auf dem Flur gab es kaum Desinfektionsspender. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass es auch funktioniert und den Menschen dort auch geholfen wird. Die Ärzten verfügen über ein gutes Wissen.
In den letzten 5 Tagen waren noch zwei italienische Studenten aus Palermo auf unserer Station. Mit denen konnte man sich auch sehr gut unterhalten und sie haben viel über ihre Ausbildung erzählt. Leider konnte beide nur sehr schlecht Englisch, sodass es eine große Sprachbarriere gab.
Ich kann das Praktikum dennoch sehr empfehlen. Die Ärzte sind sehr entspannt, auch wenn man mal zu spät kommt. Sie waren sehr nett und habe sich sehr viel Mühe gegeben uns einen Einblick in ihre Arbeit zu geben.

Land und Leute

Das Social Program von Palermo ist mit Abstand das beste was ich je gesehen habe. Dieser Monat war wirklich unglaublich gut. Die zuständigen Leute haben sich sehr viel Mühe gegeben alles zu organisieren. Wir haben circa alle 2-3 Tage eine Veranstaltung gehabt. Zu jedem Ausflug wurden für uns Busse organisiert mit denen wir dorthin gefahren sind. Zum Beispiel ging unserer erster Ausflug nach Agrigento. Dieser Ort liegt im Süd-Westen von Sizilien und ist berühmt für seine alten Ruinen der griechischen Tempel. Wir haben dort eine Tour gemacht, hatten aber auch Zeit für uns selber um Fotos zu machen und die Tempel anzugucken.
Zudem gab es auch zwei Touren durch Palermo bei denen uns verschiedene Sehenswürdigkeiten gezeigt wurden. Die Stadt ist wirklich sehr schön, hat viele beeindruckende Gebäude und ist reich an Geschichte. Die Touren war gut organisiert. Es wurde sogar für Verpflegung für alle gesorgt. Des Weiteren haben wir eine Tour zu einem Weingut auf Sizilien gemacht. Dort wurde uns erklärt wie der Wein hergestellt wird und was es für einen Unterschied in der Art der Zubereitung gibt. Anschließend gab es natürlich auch eine Wein-Verkostung.
Palermo ist auch eine gute Stadt um einen Eindruck von Süditalien zu bekommen. Es ist schon deutlich ärmer als der Norden Italiens und Deutschland. Das war für mich aber überhaupt kein Problem, sondern hat eher den Charme der Stadt ausgemacht. Politisch ging es im August auch sehr heiß her, da die Zusammenarbeit mit Salvini und seiner Partei aufgehoben wurde. Die Leute vom Staff haben uns die Situation erklärt, es war sehr interessant es aus deren Sicht geschildert zu bekommen.
Sehr angenehm empfand ich den Lifestyle in Italien. Die Leute denken anders als die Deutschen und sind sehr viel entspannter. Vor allem was die Arbeit betrifft. Das kann man im ersten Moment als störend empfinden, ist aber auch angehen, weil man dadurch selber entspannter wird und man sich für manche Sachen mehr Zeit nimmt. Ein weiterer Pluspunkt war das gute Essen. Alles war sehr frisch, gerade die Meeresfrüchte und der Fisch. Sowas kann man in Deutschland nur sehr schwer finden und wenn dann viel teurer.
Ich war vorher noch nie richtig in Italien, muss aber sagen, dass mich Sizilien und Palermo sehr überzeugt haben. Die Art der Italiener, das gute Essen und die schöne Stadt haben viel zu bieten. Ich würde es jedem empfehlen sich darauf einzulassen und die Kultur aus eigener Hand zu erfahren. Es ist auf jeden Fall wert einen Monat dort zu verbringen.

Fazit

Palermo und vor allem das Social Program ist genial. Ich habe noch nie so viele coole Partys und Veranstaltungen in einem Monat gehabt. Das gute an Palermo ist auch, dass es 100 Medizinstudenten sind und das Social Program damit eins der größten ist. Ich habe so viele unvergessliche Momente gehabt. Ich kann es wirklich nur empfehlen!!

zurück