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Italien (SISM)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Vera, Halle

Motivation

Ich wollte schon länger mal eine Auslandsfamulatur machen, habe aber bis jetzt immer die Fristen verpasst. Als ich im April gesehen habe, dass es für August noch Restplätze auf Sizilien gibt, habe ich mich gleich beworben und mir wurde von der bvmd schnell zugesagt.

Vorbereitung

Ich habe keine speziellen Kurse besucht, lerne aber schon seit einigen Jahren italienisch. Würde ansonsten definitiv einen Sprachkurs empfehlen, da die Italienier, v.a. im Süden, sehr selten Englisch sprechen. Sogar die Ärzte konnten nur selten gut Englisch.

Visum

Ich habe kein Visum gebraucht, da ich innerhalb von Europa geblieben bin.

Gesundheit

Ich habe keine speziellen Vorkehrungen getroffen, keine Impfungen oder anderen Untersuchungen. Reiseapotheke bestand aus Pflastern. Mir ist nicht bekannt, dass es auf Sizilien spezielle ansteckende Krankheiten öfter gibt, als in Deutschland.

Sicherheit

Ich habe mich immer sehr sicher gefühlt, war aber auch immer in Gruppen unterwegs. Die Sicherheitslage ist gut, über Mafia o.ä. muss man sich keine Sorgen machen. Ich würde einfach kein Risiko eingehen, aber ähnlich wie eben in Deutschland.

Geld

Die Währung ist Euro. Mit Kreditkarte konnte ich überall bezahlen und auch Geld abheben (ich habe eine Kreditkarte von der DKB, die kostenloses Abheben von Geld im Ausland ermöglicht). Die Preise im Supermarkt sind etwas höher als in Deutschland.

Sprache

Die Italienier sprechen im Allgemeinen schlechtes Englisch, daher würde es sich wirklich lohnen, einen Sprachkurs zu machen. Nicht nur, um im Alltag besser zurecht zu kommen - im Krankenhaus nimmt man sonst auch fast nichts mit und die Ärzte sprechen nur ungern Englisch.

Verkehrsbindungen

Die Vernetzung auf Sizilien mit Bus und Bahn ist gut, auch wenn man manchmal länger auf Busse warten muss, als man das von Deutschland gewöhnt ist. Manchmal ist die Tram einfach nicht gekommen, ich würde die öffentlichen Verkehrsmittel also als mäßig verlässlich einstufen..

Kommunikation

Ich spreche Italienisch und konnte somit gut kommunizieren. Mit Englisch kommt man nicht weit.. Ich konnte weiterhin das Mobile Internet meines Handyvertrags aus Deutschland weiterbenutzen und war nicht auf WIFI dort angewiesen.

Unterkunft

Ich habe in einem Studentenwohnheim am Stadtrand geschlafen. Die Unterkunft war ok, recht sauber, aber ich war anfangs sehr enttäuscht. Es gibt keine Küche, d.h. man musste mind. einmal täglich essen gehen. Am Abend gab es Abendessen für alle, das aber sehr wenig und oft nur Salat mit Brot war.

Literatur

Ich habe mich davor gar nicht groß belesen oder vorbereitet, da ich noch viel mit Prüfungen zu tun hatte. Ich fand das auch nicht schlimm- einfach hingehen und die Atmosphäre genießen und sehen, was dort ist!

Mitzunehmen

Ich habe wenig mitgenommen und das war genau richtig. Es ist so heiß, man braucht nicht viel und wir konnten dort auch waschen. Würde nicht empfehlen, zu viel mitzunehmen, es ist nur lästig. Handtuch/ Badetuch sind wichtig :)

Reise und Ankunft

Ich wurde von meiner Contact person am Bahnhof mit dem Auto abgeholt und zum Schlafsaal gebracht, das war alles sehr unkompliziert. Ich kam am Samstag an, am Montag war Praktikumsbeginn. Am Montag wurde ich auch im Krankenhaus vorgestellt, wurde dort ebenfalls von dem CP mitgenommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich wurde am Ende auf der Hepatologie eingeteilt, obwohl das mir zugeteilte Gebiet eigentlich internal general medicine war. Dort gab es dementsprechend nichts außer Lebererkrankungen zu sehen, was nach einigen Tagen schon sehr eintönig geworden ist. Die Ärzte haben dort nicht viel anderes gemacht, als die ganze Zeit Aszitespunktionen durchzuführen. Das war die ersten zwei-drei Mal spannend, danach eben immer wieder das Gleiche.
Der typische Tagesablauf war, dass wir gegen acht Uhr gekommen sind, dann zum Ärztezimmer gegangen sind und gewartet haben, ob uns jemand wahrnimmt und vielleicht irgendwohin mitnimmt. Es gab keine fixen Zeiten für die Visite, immer irgendwann zwischen acht und halb 10. Oft sind die Ärzte auch losgegangen, ohne uns Bescheid zusagen und wir saßen noch rum.
Ich habe insgesamt sehr wenig gelernt, quasi nichts. Die Ärzte haben nicht gern viel erklärt, wir konnten also nur zuschauen und manche einfachen Fragen stellen. Vereinzelt gab es mal jemanden, der doch etwas mehr in die Lehre investiert hat und das war dann wirklich Gold wert. Einmal wurden wir einem jungen Assistenzarzt zugeteilt, der uns sehr viel hat machen lassen. Jeder musste vor ihm einen Patienten untersuchen und wurde dann von ihm verbessert, das war wirklich gut. Ansonsten gab es neben den Aszitespunktionen noch Ultraschall-Kontrollen und Fibrescan, Routine-Check-Ups und auch Sterbebegleitung bei einer Patientin im terminalen Stadium von Gallenkrebs.
Die hygienischen Bedingungen liegen weit unter denen in Deutschland und viele Ärzte nehmen das alles nicht so genau. So gibt es beispielsweise einfach kein Desinfektionsmittel vor den Räumen, das muss man als Arzt oder Student selbst im Kittel dabei haben. Viele Ärzte haben auch bei eigentlich steril durchzuführenden Interventionen wie der Aszitespunktion keine sterilen Handschuhe genommen, oder trotz steriler Handschuhe alles wieder normale angefasst... Es war manchmal etwas anstrengend, das zu beobachten.
Ansonsten waren viele Ärzte auch sehr nett, aber einfach etwas genervt von der Belastung durch uns (wir waren manchmal zu siebt auf einen Arzt, normalerweise zu fünft).
Ich habe einen Einblick in die Grundzüge des italienischen Gesundheitssystems bekommen und fast das sehr interessant. Auch über die verschiedenen Ausbildungskonzepte habe ich mich mit den Contact Persons und anderen Incomings viel unterhalten und habe viel gelernt- nicht nur über das italienische System.
Insgesamt hätte ich gern einfach mehr verschiedenes gesehen und auch mehr aktiv gemacht.

Land und Leute

Sizilien ist ein tolles Land mit wunderbarer Natur und viel Geschichte, man kann dort auf jeden Fall sehr viel sehen. Bei unserem Austausch in Messina wurden jedes Wochenende kleine Ausflüge angeboten, für die ein Privatbus angemietet wurde. Zusätzlich war ich mit meinem Freund noch ein paar Tage unterwegs und habe dort auch tolle Städte gesehen. Palermo ist auf jeden Fall einen Trip wert, sonst habe ich vom westlichen Teil der Insel wenig mitbekommen. Messina muss man nicht unbedingt sehen, auch wenn man dort trotzdem viel machen kann (z.B. Granita in der Bar Messina Stellario! Das beste Pistazien-Granita der Welt). Catania war nicht so mein Fall, weil ich die Stadt ziemlich dunkel und schmutzig fand und die Atmosphäre auch nicht so ansprechend für mich war. Anderen hat Catania aber extrem gut gefallen, das ist also definitiv Typfrage. In Siracusa war ich nicht, soll aber toll sein. Was ich wunderbar fand war Taormina, auch wenn es sehr touristisch ist. An dem Strand ganz in der Nähe von Taormina, der an der kleinen Insel "Isola Bella" liegt, sollte man auf jeden Fall mal etwas Zeit verbringen. Aber lieber sehr früh kommen, ab spätestens habl 11 ist es hier knallevoll. Die 2 Euro Eintritt, um die Isola Bella zusehen, lohnen sich auf jeden Fall. In Taormina selbst sollte man auf jeden Fall in das alte Amphitheater. Ich habe darin sogar ein Konzert gesehen, das war einfach eine umwerfende Kulisse und unvergessliche Atmosphäre. In Taormina gibt es eine sehr leckere, legendäre alte Granita-Bar, in der besonders die Fruch-Granitas berühmt sind. Es gibt dort einen Park, in dem man wunderschön herumlaufen kann, er heißt "Villa communale" oder so ähnlich.
Eine weitere Stadt, die mir gut gefallen hat, ist Noto. Sehr alt und Weltkulturerbe. In der Nähe gibt es dann noch Modica und Ragusa, anscheinend auch zwei schöne Städte, die ich aber nicht gesehen habe.
Ich kann dafür noch empfehlen, zur Cava grande zu gehen, einem sehr alten Canyon. Dort kann man in einer ca. 40-minütigen Wanderung heruntersteigen und dann in dem Fluss baden. Herrlich!
Ich kam gut mit den Sizilianern klar. Ein paar flirtende Männer hier und da und insgesamt ein lautes Temperament, aber in meiner Wahrnehmung sehr freundlich und hilfsbereit.
Das Essen war ganz in Ordnung, eigentlich gar nicht so mein Fall! Die regionalen Speisen (Arancine usw.) sind allesamt frittiert, die Pizzen haben oft ganz viel Käse drauf und alles ist ziemlich fettig. Aber wirklich lecker ist Granita (v.a. Pistazia und Gelsi = Maulbeere, aber auch viele andere).
Ich hätte gern noch mehr von Westen der Insel gesehen: Trapani, Agrigento usw., aber das ist einfach doch ziemlich weit weg.

Fazit

Meine Erwartungen wurden erfüllt! Der Austausch hat sich insgesamt sehr gelohnt, aber wirklich wegen den Leuten und weniger wegen dem medizinischen Lernfortschritt. Ich würde gern wieder nach Sizilien reisen, aber hier arbeiten möchte ich nicht.. Meine Konsequenz ist: noch mehr Austausche machen! Man lernt so viel über sich selbst.. es macht viel Spaß.

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