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France (ANEMF)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Solveig, Leipzig

Motivation

Mir persönlich war es wichtig neben einem Interesse an dem Land auch gewisse Grundkenntnisse der Landessprache bereits zu beherrschen, um im Krankenhaus möglichst selbstständig arbeiten zu können. Somit fiel meine Wahl auf Frankreich. Ich habe bereits im August letzten Jahres eine Auslandsfamulatur in Rennes gemacht. Mir hat das Praktikum und die Zeit in Rennes damals so gut gefallen, dass ich die Chance nutzen wollte vor dem PJ nochmal eine Famulatur in Frankreich zu machen und Freunde von dort wiederzusehen.

Vorbereitung

Meine Vorbereitungen auf den Auslandsaufenthalt bestanden hauptsächlich aus dem Bewerbungsprozess über den BVMD (Sprachnachweise in Englisch und Französisch, LoM, Tuberkulosetest…). Auf der Website der ANEMF steht, dass für die Bewerbung in Rennes ein Skype-Interview erforderlich sei, dieses wurde aber nie eingefordert und hat auch bei den anderen Austauschstudenten nicht stattgefunden.

Visum

Für eine Famulatur in Frankreich ist für Europäer kein Visum erforderlich.

Gesundheit

Ich hatte bereits für vorangegangene Reisen eine Auslandsversicherung über meine Krankenkasse abgeschlossen. Für Frankreich wird ein Tuberkulosetest gefordert, ich habe den für etwa 20€ beim Gesundheitsamt gemacht. Die Impfempfehlungen decken sich größtenteils mit denen in Deutschland.

Sicherheit

Die Sicherheitslage in Rennes meiner Meinung nach vergleichbar mit deutschen Städten und ich habe mich auch wenn ich nachts alleine unterwegs war sicher gefühlt. Wie in vielen französischen Städten fand ich, dass es eine relativ hohe Polizeipräsenz in der Innenstadt gab.

Geld

In Frankreich ist es üblich überall mit Karte zu zahlen, aber Barzahlung ist auch möglich. Es gibt an fast jeder Ecke Automaten zum Geld abheben.
Die französischen LEOs haben jedem Austauschstudenten 100€ (dies sollte etwa den Kosten für ein Mittagessen am Tag decken) gezahlt.
Ich empfand die Preise für Lebensmittel in französischen Supermärkten geringfügig höher, die Getränke in Bars im Vergleich zu Leipzig höher. Insgesamt habe ich mehr Geld als in Leipzig ausgegeben, aber das lag wohl eher an zahlreichen Besuchen der Crêperien/Bars von Rennes.

Sprache

Französisch! Ich hatte durch die Schule ein gutes Basislevel, konnte mich so ganz gut verständigen. Ansonsten war ich aber auch überrascht wie schnell man in nur einem Monat in die Sprache reinfindet. Das Buch ‚Französisch für Mediziner‘ von Elsevier hilft die vielen französischen Abkürzungen im Krankenhaus-Alltag zu verstehen. Andere Austauschstudenten kamen auch mit einem geringeren Französischlevel ganz gut zurecht (die französischen Studenten oder junge Ärzte können meist Englisch).

Verkehrsbindungen

In Rennes fahren zahlreiche Busse und es gibt ein sehr gutes Metronetz (Metroticket für 1h für 1,50€, bei uns wurde oft kontrolliert). Die Austauschorganisation von Rennes hat mir eine Bus-/Metrocard für den gesamten Monat bezahlt, sodass ich unbegrenzt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen konnte! Außerdem gibt es in und ums Zentrum Stationen mit Leihrädern. Für nur 1€ kann man ein Fahrrad für 24h ausleihen, dabei dürfen die Fahrten bis zu 30Minuten am Stück dauern (dann muss man kurz an einer Radstation einparken und dann kann man potentiell wieder weitere 30Minuten fahren).

Kommunikation

Meine Gastgeberin hatte in der Wohnung eine WLAN-Verbindung. Eduroam hat bei mir auf dem Gelände von Villejean (eines der Krankenhäuser bei der medizinischen Fakultät) nicht funktioniert. Durch die EU-Roaming-Regelung fallen in Frankreich keine zusätzlichen Gebühren bei der Datennutzung an.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von den LEOs vorab organisiert. Alle Austauschstudenten kamen bei französischen Medizinstudenten unter. Meine Gastgeberin und ihre Eltern haben mich ganz herzlich aufgenommen und ein Zimmer sowie alles was sonst benötigt wurde bereitgestellt. Da ich noch Freunde in Rennes kenne, bin ich größtenteils bei denen untergekommen, aber in jedem Fall wird eine Unterkunft organisiert.

Literatur

Ich habe mir das Taschenbuch ‚Französisch für Mediziner‘ gekauft. Da die Famulatur im August schon bald nach den letzten Klausuren in Deutschland stattfand hatte ich nicht viel Zeit mich darüber hinaus mit dem Fach/der Sprache zu beschäftigen.

Mitzunehmen

Für meine Famulatur in der Neurologie habe ich ein Stethoskop und einen Reflexhammer mitgenommen. Die Kleidung (Kittel) wurde gestellt.
Am Besten Kleidung für jedes Wetter mitnehmen. Bei uns war es in der ersten Augusthälfte eher kühl, die zweite Hälfte hatte es meist über 30Grad und geregnet hat es nur selten.

Reise und Ankunft

Ich komme aus Freiburg nahe der französischen Grenze, sodass es nicht weit nach Straßburg ist. Von Straßburg aus bin ich mit dem TGV über Paris (da muss man idR den Bahnhof wechseln) weiter nach Rennes gefahren. Die Fahrt hat insgesamt etwa 7h gedauert. Die TGV-Tickets habe ich über OUIGO (eine Marke der SNCF) gebucht. Dort gibt es auch kurzfristig billige TGV-Tickets, unter 27Jahren erhält man noch Preisreduktionen. Ich kann die Anreise mit dem TGV nur empfehlen, für Hin- und Rückfahrt zusammen von Freiburg nach Rennes habe ich etwa 90€ gezahlt. Meine Gastgeberin hat mich vom Bahnhof abgeholt, am nächsten Tag ging schon mein Praktikum los.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Uns wurde von der französischen Leo nahegelegt uns im Voraus bei dem Chefarzt der Station per Mail anzukündigen und alles Weitere abzusprechen. Es gibt mehrere Lehrkrankenhäuser in Rennes, ich habe einen Platz in Villejean in Neurologie bekommen. Die Leiter der Neurologie waren vorab in Ferien, sodass ich mich dann einfach am ersten Praktikumstag auf Station vorgestellt habe. Insgesamt war ich drei Wochen auf der Station für allgemeine Neurologie (4.Etage) und für meine letzte Woche habe ich auf die Schlaganfallstation (8.Etage) gewechselt. Für den Wechsel habe ich ganz unkompliziert bei den Stationsärzten nachgefragt. Während meines Praktikums hatte ich den Status der französischen Externes (dies waren Medizinstudenten im 5.Jahr). Diese sind für drei Monate in der Neurologie eingeteilt und kennen sich so schon sehr gut aus. Sie haben mir so gerade am Anfang gut in unseren Aufgabenbereich eingeführt . Leider war es aus organisatorischen Gründen nicht möglich als Austauschstudent ein Passwort für den Computer zu bekommen. Die französischen Studenten haben mich dann ihre Zugangsdaten nutzen lassen, sodass ich dennoch Zugriff auf die Patientenakten hatte und meine Untersuchungen dokumentieren konnte. Zu unseren Aufgaben gehörten Anamnese erheben, Akten der Patienten anlegen, EKG schreiben, Neurologische/ Körperliche Untersuchungen. Innerhalb der vier Wochen konnt wir oft die Erhebung eines neurologischen Status üben und haben spezielle neurologische Tests kennengelernt (zum Beispiel Aphasie-Tests, Neglect-Test). Bei Fragen konnte ich mich immer an die französischen Studenten oder an das ärztliche Team wenden. Außerdem durfte ich unter Anleitung des Assistenzarztes eine Lumbalpunktion machen. Ich habe viel von den `Internes` (Assistenzärzten) gelernt, die uns bei Patientenuntersuchungen mitgenommen haben und sich bei uns viel Zeit für Erklärungen genommen haben. Besonders gut fand ich, dass jeder Student ‘ seine eigenen‘ Patienten hatte um die man sich von Aufnahme bis Entlassung gekümmert hat. So hat man einen umfassenden Eindruck von der Krankengeschichte bekommen und durch tägliche Untersuchungen den Verlauf verfolgen können. Am Donnerstag war stets den Vormittag über Visite, bei der wir Studenten unsere Patienten vorgestellt haben und die Fälle anschließend besprochen wurden. Freitags gab es als eine Neuroradiologie Besprechung. Nachmittags finden außerdem Sprechstunden für Patienten statt, denen man wenn beisitzen kann, aber die leitenden Ärzte waren bei mir gerne bereit die Fälle danach kurz durchzusprechen.

Insgesamt kann ich die Famulatur in der Neurologie sowohl fachlich als auch als sprachlich nur empfehlen.
Der Dienst ging offiziell von 9.00-18.00 Uhr, aber manchmal hatten wir davon bis zu 2h Mittagspause und wenn es nichts zu tun gab konnten wir früher gehen.

Land und Leute

Wir waren im August fünf Austauschstudenten in Rennes. Unsere Gruppe bestand aber außerdem aus vielen französischen Studenten, die zum Beispiel selber einmal an einem SCOPE-Austausch teilgenommen hatten, oder einfach Lust auf einen Austausch hatten. Die drei LEOs haben für uns ein umfangreiches Sozialprogramm geplant, jedes Wochenende wurden uns Ausflüge in und um Rennes vorgeschlagen. Da wir uns untereinander sehr gut verstanden haben, haben wir auch unter der Woche viel zusammen unternommen.
Rennes ist Hauptstadt der Bretagne und ist eine richtige Studentenstadt mit viel Leben auf den Straßen. Zu empfehlen sind zum Beispiel die täglich stattfindenden Lichtinstallationen im August vor dem Parlament ( ‘Illuminations‘ ), Open-Air-Konzerte vor dem Rathaus ( ‘Transat en ville' ), der Markt am Sonntag ( 'Marché des Lices' )sowie zahlreiche Crêperien oder Bars in der ‘ rue de la soif ‘ bzw. am place de Sainte-Anne. Das Meer ist mit dem Auto eine gute Stunde von Rennes entfernt-dabei in Richtung Westen der Atlantik, im Norden der Ärmelkanal.
Da ich noch Freunde aus der Bretagne kenne habe ich meine Wochenenden hauptsächlich mit denen verbracht und nur teilweise am Sozialprogramm teilgenommen. Auf dem Programm standen aber zum Beispiel ein Wochenendausflug nach Lorient, einem kleinen Ort am Atlantik und ein Picknick am Strand von Saint Malo. Außerdem ein Wochenende in einem kleinen Ort am Ärmelkanal, für das eine französische Studentin uns alle zu sich in ihr Elternhaus eingeladen hat. Für die Ausflüge haben die französischen Studenten meist Autos organisiert, viele Orte in der Umgebung sind aber auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit Mitfahrgelegenheiten (Blablacar) erreichbar.
Meine Gastfamilie hat mich außerdem zu einem Ausflug zum Mont Saint Michel, eine beeindruckende Felseninsel in der Normandie, mitgenommen. Meine Gastgeberin war eine Medizinstudentin, die selber bereits an einem Scope-Austausch teilgenommen hatte. Sie und ihre Eltern haben mich unglaublich freundlich bei sich aufgenommen. Abends haben wir oft zusammen gegessen und noch lange auf ein Glas Wein zusammengesessen.
Noch mehrere Male im Laufe meines Aufenthaltes durfte ich eine große Gastfreundschaft in der Bretagne erleben, die dort oft als selbstverständlich angesehen wird.

Ein Monat reicht sicher nicht aus, um all die schönen Ecken der Bretagne kennenzulernen, aber durch das Engagement der französischen Studenten haben wir viel in und um Rennes gesehen und erleben dürfen.




Fazit

Bereits zum zweiten Mal wurden meine Erwartungen auf jeden Fall übertroffen, das Praktikum hat mir sehr gut gefallen. Außerdem habe ich mit wunderbaren Menschen eine tolle Zeit in der Bretagne verbracht.

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