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Czech Republic (IFMSA CZ)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte schon immer ins Ausland gehen. Eigentlich war mein Wunschland Finnland, aber da habe ich keinen Platz mehr bekommen. Über die Restplätze bin ich dann auf die Tschechische Republik gestoßen, und habe mich kurz entschlossen dafür beworben.

Vorbereitung

Da Tschechien ja in der EU ist musste ich mich nicht groß vorbereiten. Die Anmeldung über bvmd und IFMSA ging problemlos und ich hatte auch schon früh Kontakt mit meiner Contact Person (CP), die dann noch letzte Fragen beantworten konnte. Kurse oder ähnliches habe ich nicht besucht.

Visum

Ein Visum war nicht nötig. Ich hatte meinen Pass dabei, aber selbst den habe ich nicht gebraucht. Ein Personalausweis reicht völlig aus.

Gesundheit

Auch gesundheitlich muss man keine speziellen Vorkehrungen treffen. Ich hatte eine kleine Reiseapotheke dabei (Schmerzmittel, Allergietabletten, Pflaster) aber das hätte man ohne Probleme bei Bedarf auch dort in der Apotheke kaufen können. Meine Impfungen waren alle aktuell. Ich musste meiner CP im Vorfeld eine Kopie meines Impfausweises schicken, die Impfbestätigung die ein Arzt unterschreiben muss war nicht nötig. Im IFMSA Portal steht außerdem, dass man einen TBC-Test braucht. Den haben sie aber auch nicht benötigt.
Ich hatte eine Auslandskrankenversicherung bei der Allianz.

Sicherheit

Ich habe mich in Tschechien zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Klar sieht man am Bahnhof mal betrunkene Gestalten, aber das gibt es auch in Deutschland. Ich muss aber sagen, dass ich zumindest nachts nie allein war, weil wir immer in der Gruppe unterwegs waren. Es wurde auch niemandem was geklaut, nur wenn ihr nach Prag reist würde ich aufpassen, da gibt es wie in jeder größeren Touristenstadt Taschendiebe.

Geld

In der Tschechischen Republik zahlt man mit Tschechischen Kronen, 1€ entspricht etwa 25 Kronen. In den allermeisten Fällen kann man problemlos mit Karte zahlen, allerdings gibt es einige Restaurants wo es nicht möglich war. Da empfiehlt es sich zumindest ein bisschen Bargeld zu haben. Ich habe im Vorfeld ca. 40 Euro in Kronen gewechselt. Geld kann man natürlich auch am Automaten abheben, aber teilweise verlangen die eine Gebühr von 125 Kronen also 5€.
Sehr hilfreich ist eine Kreditkarte, die kontaktlos funktioniert. Zum einen zum Bezahlen allgemein, zum anderen, weil man für die Tram in Ostrava. Man hält seine Karte einfach an den Sensor beim Einsteigen, und bei einer Fahrt über 15 min auch beim Aussteigen und das wars.
Die Lebenshaltungskosten in Tschechien sind auf jeden Fall geringer. Ein normales Gericht im Restaurant kostet umgerechnet zwischen 4 und 7€, Bier bekommt man in der Regel für unter 2€ im Restaurant und noch billiger im Supermarkt.

Sprache

Für den Austausch muss man kein Tschechisch sprechen, und ich konnte auch wirklich nichts bevor ich nach Ostrava gekommen bin. Die Verständigung auf Englisch mit den CPs war überhaupt kein Problem. Allerdings können nicht alle Tschechen Englisch. Gerade mit den Schwestern im Krankenhaus konnte man sich gar nicht unterhalten. Restaurants haben teilweise englische Karten, aber die Bedienungen sprechen meist nur sehr gebrochen englisch. Die Ärzte konnten alle mehr oder weniger gut Englisch, manche waren aber glaub ich sehr unsicher und haben entsprechend wenig gesagt. Im Nachhinein hätte ich gerne ein bisschen mehr gekonnt, um zumindest einfach Sätze sagen zu können.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Zug von München aus über Wien nach Ostrava gefahren. Das dauert ungefähr 8 Stunden. Das Ticket kann man einfach online kaufen.
In Ostrava selbst gab es ein sehr gutes Tramnetz und Busse. 30 min Fahrt kosten nur 20 Kronen.
Im Land selbst kann man sehr günstig Zug fahren, entweder mit der Tschechischen Bahn (cesky drahy) oder mit Regiojet. Dafür empfiehlt es sich unbedingt den Internationalen Studentenausweis ISIC zu haben! Nur mit dem bekommt man Studentenrabatt, andere Studentenausweise werden nicht akzeptiert. Die Ermäßigung ist beträchtlich, teilweise zahlt man nur noch 25% des eigentlichen Kaufpreises.
Auch Flixbus funktioniert gut und ist auch meistens sehr günstig.
Für den öffentlichen Nahverkehr in ganz Tschechien, empfiehlt sich die App IDOS. Da kann man einstellen in welcher Stadt man ist, und dann nach den gewünschten Verbindungen suchen.

Kommunikation

In Tschechien gilt wie überall in der EU gebührenfreies Roaming, man kann also ganz normal seine eigene Simkarte nutzen. Im Wohnheim und im Krankenhaus gab es Eduroam, und im Wohnheim zusätzlich auch noch ein Gäste Wlan für das wir den Zugang bekommen haben.
Das Wlan war aber teils sehr schlecht und man hat oft den Empfang verloren.

Unterkunft

Alle Incomings waren im gleichen Wohnheim untergebracht, dass ungefähr 30 min mit der Tram vom Stadtzentrum entfernt war. Die Tramstation war ca. 10 min zu Fuß entfernt. Man hat sich zu zweit ein Zimmer, und zu viert ein Bad geteilt. Es gab eine Küche für alle und in jedem Zimmer einen kleinen Kühlschrank. Wäsche konnte man nur in einem Raum waschen, in dem genau eine Waschmaschine stand, die nur kalt gewaschen hat. Außerdem musst man pro Stunde 40 Kronen zahlen, und die Zeit hat sich danach bemessen, wie lange man den Schlüssel zu dem Raum hatte.
Die Kosten und die Organisation der Unterkunft wurden von der IFMSA übernommen, man musst allerdings bei der Ankunft eine Kaution von 3000 Kronen zahlen. Danach hat man dann den Wohnheimsausweis bekommen, den man zum Beispiel gebraucht hat, um den Wäscheschlüssel zu leihen. Bettwäsche war vorhanden.
Die Unterkunft war natürlich alles andere als eine Luxusunterkunft, geputzt wurde nicht und es gab auch keine Putzutensilien, die man hätte leihen können. Entsprechend sah es auch aus. Dafür waren wir alle auf dem gleichen Flur und für einen Monat war es schon okay.

Literatur

Ich hatte einen Reiseführer für ganz Tschechien, da stand natürlich zu Ostrava speziell nur wenig drin. Ansonsten habe ich manchmal auf Trip Advisor nach Aktivitäten gesucht, oder eben die Leute dort gefragt.

Mitzunehmen

Für das Krankenhaus braucht man weiße Klamotten und Schuhe. Meine Schuhe waren aber nicht weiß und das hat auch keinen gestört. Ich hatte außerdem einen Kittel und ein Stethoskop dabei, beides habe ich aber nie gebraucht.
Für die Unterkunft empfiehlt es sich ein paar Küchenutensilien zu haben, wir haben zwar einiges von unseren CPs bekommen, aber ich war sehr froh, dass ich einen kleinen Topf und ein scharfes Messer dabei hatte. Unbedingt auch ein Glas/eine Tasse mitnehmen! Das gab es beides nicht.
Bettwäsche ist wie gesagt vorhanden, Handtücher muss man selbst mitnehmen.
Es gibt einen schönen Swimmingpool in der Nähe, also auch an den Bikini/Badehose denken.
Über die Wochenenden sind wir immer verreist, also am besten einen Rucksack oder ähnliches mitnehmen, damit man nicht den ganzen Koffer mitschleppen muss.
Wie bereits erwähnt solltet ihr wenn möglich eine kontaktlose Kreditkarte und auf jeden Fall den internationalen Studentenausweis mitnehmen.
Wie genau man an den ISIC kommt, weiß ich gar nicht. Ich hatte ihn quasi integriert auf meiner VISA Card drauf, weil mir das damals bei der Kontoeröffnung angeboten wurde.
Es lohnt sich aber unbedingt einen zu besorgen, da man sich beträchtliches Geld für das Zugfahren spart!

Reise und Ankunft

Ich bin zwei Tage vor Praktikumsbeginn angereist. Ich wollte noch einen Tag haben, um mich zu orientieren. Im Nachhinein wäre das nicht nötig gewesen, weil die Tschechen uns wirklich alles gezeigt haben. Mich hat die LEO abgeholt, weil meine CP noch selbst auf Austausch war. Ich wurde mit dem Auto zur Unterkunft gebracht und sie waren dann auch noch direkt mit mir im Supermarkt, damit ich Essen kaufen konnte. Am nächsten Tag war ich dann schon mal im Stadtzentrum und hab die anderen Incomings kennengelernt.
Am ersten Praktikumstag haben uns die LEO und eine CP ins Krankenhaus gebracht, wo wir den Vertrag mit dem Krankenhaus unterschrieben haben. Danach haben Sie uns auf unsere Stationen gebracht. Dort haben wir kurz mit unserem Mentor gesprochen, der uns gesagt hat, wo wir wann sein müssen. Danach konnten wir wieder heimgehen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war zusammen mit einer Studentin aus Brasilien auf der Station für Allgemeinchirurgie. Leider muss ich sagen, dass das nicht die beste Wahl war. Studenten wurden dort in aller Regel ignoriert und es war allen recht egal ob wir da waren oder nicht. Allerdings ging es den tschechischen Studenten auch nicht anders. Das scheint ein Problem speziell dieser Station zu sein, andere Incomings in anderen Abteilungen wurden gut betreut. Unseren Tutor haben wir eigentlich nur zu Beginn und noch mal am Ende zum Unterschreiben des Zertifikates gesehen.
Der Tag lief so ab, dass wir morgens um 7:45 zum Morgenmeeting gegangen sind. Dort wurde der OP-Plan und Patienten besprochen. Das komplette Meeting war auf Tschechisch, das heißt wir haben absolut nichts verstanden. Danach hat uns teilweise ein Arzt gesagt in welchem OP Saal wir heute sind, meistens sind wir einfach selbstständig in den OP gegangen. Es gab zwei OP-Säle und im Konferenzraum für das Meeting hing ein Plan aus, auf dem man sehen konnte, welche OPs stattfinden. Im OP haben wir dann einfach zugeschaut. Auf Fragen wurde nur sehr spärlich geantwortet. Das liegt bestimmt zu einem Teil daran, dass sich die Ärzte beim englisch Sprechen nicht wohl gefühlt haben. Den tschechischen Studenten wurde aber auch nichts erklärt, insofern ist es nicht der einzige Grund gewesen.
Die OP-Schwestern waren dafür alle sehr nett. Sie konnten zwar kein Englisch, aber haben uns Hocker gebracht damit wir besser sehen können und Stühle, wenn es eine laparoskopische OP war.
Es gab zwei Thoraxchirurgen, die ihre OPs tatsächlich erklärt haben. Auf Nachfrage durfte ich sogar bei einer kleinen OP (Fistelausschneidung) assistieren. Die meisten OPs waren aber leider Thorakoskopien, bei denen man nicht assistieren konnte.
Gelernt habe ich also so gut wie nichts, dafür konnten wir mehr oder weniger selbst entscheiden wann wir heim gehen.
Zur Behandlung und dem Gesundheitssystem allgemein kann ich nicht viel sagen, weil ich die Zeit wirklich ausschließlich im OP verbracht habe. Da ist der Ablauf im Prinzip genau wie in Deutschland. Das einzige was mit aufgefallen ist, ist dass dort die Sterilität nicht so genau genommen wird wie bei uns. Teilweise haben die Ärzte ihren Handschuh mit der noch nicht behandschuhten nur desinfizierten Hand zurecht gerückt, und einmal hat ein Kabel eindeutig die Lupenbrille des Chirurgen berührt, was aber keinen gestört hat. Die Patienten müssen teils sehr lange auf ihre OP warten. Eine Patientin mit Lebermetastase hatte ihre OP erst ein halbes Jahr nach der Diagnose und der Chirurg meine im Vorfeld, dass sie jetzt erst in der OP entscheiden ob die Metastase noch operabel ist.Das Medizinstudium dauert genau wie bei uns 6 Jahre und ist auch ähnlich gegliedert.

Land und Leute

Alle Tschechen, mit denen ich Kontakt hatte, waren sehr nett. Allgemein kann man durchaus kulturelle Ähnlichkeiten sehen, auch das traditionelle Essen ist unserem nicht unähnlich. Wir wurden sehr gut betreut. Unter der Woche gab es ein Social Program, mit Welcome Dinner, Barbecue, Goodbye Dinner und Picknick. Ansonsten haben wir selbst etwas unternommen. Nur 20 min zu Fuß entfernt gibt es ein schönes Schwimmbad mit riesigem Pool, der fast aussieht wie ein See. Außerdem war hinter unserem Wohnheim ein Wald, in dem man rumlaufen konnte. Im Stadtzentrum gibt es einen großen Park und ein sehr süßes Cafe im zweiten Stock, dass mit Antiquitäten eingerichtet ist (Cafe Daniel). Man kann auf den Turm des Rathauses hochfahren. Von oben hat man eine tolle Aussicht über die Stadt. Die Hauptsehenswürdigkeit in Ostrava ist wohl die alte Eisenfabrik Vitkovice. Dort gibt es einen Turm mit einem Cafe, als wir da waren, war aber leider schon alles ausgebucht. Es gibt auch Führungen, aber die wären an dem Tag an dem wir da waren alle auf tschechisch gewesen. Auch einfach so über das Gelände zu laufen, war aber sehr beeindruckend. Ostrava hat auch einen großen Zoo, da bin ich aber leider nicht mehr hingekommen.
Nur eine Stunde mit dem Zug entfernt ist die Stadt Olomuc, die auch absolut sehenswert ist. Wir haben sie an einem nachmittag besichtigt.
An den Wochenenden habe ich andere Städte in der Tschechischen Republik besucht. Prag und Brno waren sehr schön und kann ich nur empfehlen. Außerdem gab es zweimal National Social Programm, für alle Incomings in Tschechien. Das erste ging nach Südmähren, da war ich nicht dabei. Am zweiten nach Südböhmen habe ich teilgenommen. Das Programm bestand aus der Besichtigung von Cesky Krumlov, einer wunderschönen mittelalterlichen Stadt, Raften sowohl bei Nacht als auch bei Tag und einer Fahrt mit dem Kickbike. Kickbikes sind gewissermaßen Roller mit großen Reifen. Wir wurden den Berg hochgefahren und konnten dann mit den Kickbikes wieder runterfahren. Untergebracht waren wir auf einem Campingplatz in kleinen Hütten, abends haben wir dann Würste über dem Feuer gegrillt. Das ganze Wochenende war ein großer Spaß und ich kann nur empfehlen bei den National Social Programms mitzumachen. Am ersten Wochenende hatten unsere CPs außerdem noch eine Wanderung in Pustevny für uns organisiert. Bevor ich heimgefahren bin, habe ich auch noch Krakow besucht. Da Ostrava direkt an der polnischen Grenze liegt, ist Krakow super zu erreichen und ich kann es nur jedem ans Herz legen die Stadt zu besuchen.
Man sollte seine Zeit also unbedingt nutzen, um Tschechien und das angrenzende Polen ein bisschen zu erkunden. Ich war wirklich positiv überrascht, wie schön die alten Städtchen sind und auch die Landschaft drum herum ist sehenswert.

Fazit

Als ich die Bestätigung für Ostrava erhalten habe, musste ich erst mal googeln wo das überhaupt ist und hab nochmal lange überlegt ob ich da wirklich hinwill, aber jetzt bin ich unglaublich froh und würde die Erfahrung auf keinen Fall missen wollen. Ich habe tolle Leute kennengelernt, und gerade weil die Stadt an sich nicht so viel hergegeben hat haben wir immer zusammen als Gruppe nach Aktivitäten gesucht. Auch die CPs waren sehr engagiert, was nach Erzählungen von anderen Incomings aus anderen Städten nicht überall der Fall ist.
Im Nachhinein war es die beste Erfahrung eine Stadt und ein Land zu besuchen, das nicht ganz oben auf der Hitliste steht und wo man sonst vielleicht nicht unbedingt hinfährt. Also nutzt die Gelegenheit neue Orte zu erkunden, ich bin sicher ihr werdet genauso tolle Erfahrungen machen. Der Lerneffekt meiner Famulatur war dafür nicht vorhanden. Das schönste für mich war allerdings neue Leute aus völlig verschiedenen Ländern kennen zu lernen und so Einblicke in verschiedene Kulturen zu bekommen.

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