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Taiwan (FMS Taiwan)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Friederike, Heidelberg

Motivation

Ich fand es toll, einen Urlaub mit etwas sinnvollem für das Studium verbinden zu können. Ein Praktikum in einem Labor hat mich ohnehin interessiert, also warum nicht im Ausland? Ich wollte gerne nach Asien, da ich da noch nicht gewesen war und das Austauschprogramm die wohl billigste und einfachste Variante ist dort alleine hinzukommen. Und dann noch Einheimische treffen zu können, erschien mir gerade in einem kulturell so anderen Land wie Taiwan sehr spannend.
Erwartungen hatte ich gar nicht so viele, ich wollte es einfach auf mich zu kommen lassen. Ich hatte die Hoffnung, viel zu lernen und gleichzeitig viel Zeit für Sightseeing zu haben. Ich wollte gerne Land und Leute kennen lernen.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich viel mit meiner Contact Person vor Ort geschrieben. Da konnte ich schon einige Fragen klären und sie kennenlernen. Außerdem habe ich einen Großteil des "Fettnäpfenführer Taiwan" gelesen, eine Art Reiseführer, der sich vor allem auf die Kultur bezieht. Das war sehr spannend, auch, wenn sich die meisten Fettnäpfen selbst gelöst haben, weil die jüngeren Leute nicht mehr ganz so streng mit der Kultur sind. Sonst hab ich mich nicht viel vorbereitet, v.a. aus Zeitgründen, weil ich direkt am Tag nach meiner letzten Klausur geflogen bin und vorher fast nur gelernt habe. Allerdings habe ich zusammen mit meiner Contact Person schon die Wochenendpläne geplant und ein wenig in Reiseführern geblättert.

Visum

Ein Visum musste ich nicht beantragen, man kann bis zu 90 Tage als Tourist nach Taiwan reise, ohne ein Visum zu brauchen. Da ich für die Arbeit im Labor ja kein Geld bekommen habe, konnte ich das nutzen.

Gesundheit

Eine Auslandskrankenversicherung hatte ich schon, die Auslandsberufshaftpflichtversicherung hatte ich vom Hartmannbund. Ansonsten brauchte ich nichts, ich hatte nur die üblichen Reisemedikamente aus meiner Hausapotheke dabei. Mückenspray ist je nach Ort sehr zu empfehlen, immerhin ist Taiwan Dengue-Fieber Region. In Taipei war das aber kein Problem. An Impfungen und Untersuchungen brauchte ich nichts.

Sicherheit

Ich habe vorher nach Warnungen des Auswärtigen Amtes geschaut und dabei festgestellt, dass es für Taiwan praktisch keine gibt. Ich wusste auch, dass ich in der Taifun-Saison fahre und habe dann meine Contact Person gefragt, inwieweit das Auswirkungen hätte. Erlebt habe ich in vier Wochen ein ziemlich starkes Erdbeben und zwei Taifune. Das Erdbeben und ein ziemlich starker Taifun, bei dem die Uni geschlossen blieb und ich den ganzen Tag in meinem Zimmer bleiben musste, waren innerhalb einer Woche, da habe ich dann gegooglet, wie man sich am besten verhält und Essensvorräte gekauft. Auch wegen des Wetters mussten wir die Wochenendpläne wegen Starkregen und Schlammlawinen mehrfach ändern, aber da steckt man ja leider nicht drin. Unabhängig vom Wetter ist Taiwan aber sehr sicher, Angst hatte ich eigentlich nie, auch nicht im Dunkeln allein. Alleine Reisen konnte ich sehr gut, das war von der Sicherheit her kein Problem.
Im Nachhinein ist mir klar geworden, wie wenig sensibel ich für Erdbeben war, kleinere sind mir gar nicht aufgefallen, das starke (Stärke 6) schon, aber wirklich wach geworden bin ich nicht davon. Aber die Gebäude sind alle recht sicher, Taiwan ist echt Erdbeben und Taifun erprobt. Der Tag danach war trotzdem etwas irritierend, weil man immer damit gerechnet hat, dass es wieder passiert.

Geld

In Taiwan zahlt man mit Taiwan- Dollarn. 100 NT sind ungefähr 3€ wert. Geld abheben konnte ich nur mit meiner Kreditkarte und auch das nicht an allen Geldautomaten. Bezahlen mit Karte habe ich erst gar nicht versucht, aber von anderen Europäern habe ich gehört, dass sich öfter Probleme damit hatten. Ich habe immer recht viele Taiwan- Dollar auf einmal abgehoben, wenn ich einen passenden Automaten gefunden hatte und dann nur bar gezahlt. Insgesamt habe ich 25 000 NT abgehoben und auch ausgegeben, also knapp 700€. Für 4 Wochen nicht besonders viel. Darin eingeschlossen sind auch die Unterkunft wäres des Praktikums und sämtliche Übernachtungen während der Wochenenden. Im Allgemeinen ist Taiwan recht billig. Vor allem Essen. Vieles ist aber auch mit europäischen Preisen vergleichbar. Aufgefallen ist mir, dass importierte Markenprodukte (z.B. Adidas, Nike oder Roots) oftmals das doppelte von dem gekostet haben, was sie bei uns kosten. Japanische Marken waren aber eher billig.

Sprache

In Taiwan spricht man Taiwanisch und Mandarin. Englisch wird zwar in der Schule unterrichtet, viele Taiwaner sprechen aber auch überhaupt kein Englisch. Im Labor sprachen die meisten gut genug Englisch, dass wir uns einigermaßen unterhalten konnten. Die Frau mit der ich gearbeitet hab allerdings nur sehr sporadisch. Das war schade, weil sie meine Fragen oft gar nicht verstanden hat. Auch Witze während der Arbeit machen oder ähnliches, hatte keinen Zweck, weil sie die nicht verstanden hätte. Letztendlich haben wir es aber dank Google Übersetzer meist noch geschafft uns zu verständigen. Ich spreche zwar sehr gut Englisch, dank mehrerer Auslandsaufenthalte, aber Chinesisch überhaupt nicht. Manchmal habe ich mich im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen verständigt. Mein Essen habe ich, wenn ich mit Einheimischen gegessen habe, was im Labor immer der Fall war, grundsätzlich nicht selbst bestellt, weil die Schilder alle auf Taiwanesisch waren.
An sich kann man durchaus sehr gut ohne Mandarin oder Taiwanesisch zu sprechen durch das Land reisen, aber es kann manchmal sehr frustrierend sein. Wer Mandarin kann, hat es mit Sicherheit einfacher. Ob das eigene Englisch jetzt besonders gut oder für deutsche Verhältnisse eher mittelmäßig ist, hätte zumindest für mich keinen Unterschied gemacht, weil man eh nur auf recht einfachem Niveau mit den Einheimischen sprechen kann. Zumindest mit den meisten. Natürlich gibt es auch Taiwaner*innen, die sehr gut Englisch sprechen.

Verkehrsbindungen

In Taipei gibt es eine U-Bahn, die sehr einfach zu befahren ist. Die Linien haben Farben und jede Station eine Nummer, sodass man sich auch ohne den Stationsnamen aussprechen zu können, zurecht finden kann. Die Namen stehen immer auch in Englisch dran und Google Maps eignet sich gut als Navigationssystem. Bus bin ich weniger gern gefahren, die Pläne waren alle nur in Schriftzeichen geschrieben und die Stationen wurden nicht immer angezeigt oder angesagt. Durchs Land reisen kann man gut mit Zügen und auch mit Fernbussen, beim Buchen sollte man nach Möglichkeit schon wissen, was man will, auch an den Schaltern kann nicht jeder Englisch. Die Internetseiten lassen sich übersetzen. Meine Reisen außerhalb von Taipei habe ich aber mit meinen Contact Persons zusammen gemacht, die haben das alles organisiert, ich bin dann immer nur hinterher gelaufen.

Kommunikation

Ich hatte einen 30-Tage Prepaid Handy Vertrag, die Karte habe ich direkt am Flughafen gekauft. Die hatte unbegrenztes Datenvolumen, das war sehr praktisch. Gekostet hat sie so 25€ etwa, das war es auf jeden Fall wert. Kommuniziert habe ich über Whatsapp oder Facebook mit den Einheimischen, mit meiner Familie über Whatsapp. Die Verbindung war schnell genug, dass ich sicherlich auch hätte anrufen können, aber das ist bei uns während Reisen nicht so üblich. W-LAN gibt es an öffentlichen Orten sehr oft, auch in den Zügen.

Unterkunft

Ich habe im Dorm der Uni gewohnt, in einem Zimmer zusammen mit einer Austauschschülerin aus der Slovakei und zwei aus Hong-Kong. Matratze, Kissen und Decke musste ich vor Ort leihen, das haben die Contact Persons von einem Taschengeld bezahlt. Wir hatten im Zimmer unser eigenes Bad, aber keine Küche. Tatsächlich gab es im gesamten Wohnheim keine Küche. Unten war allerdings ein kleiner Supermarkt, wo man alles Lebenswichtige kaufen konnte und auch Läden, wo man Frühstück bekommen konnte. Da das Essen in Taiwan so billig ist, wird eigentlich nie gekocht, deswegen auch keine Küche.
An sich war die Unterkunft sehr schön, sich das Zimmer zu viert zu teilen, war für einen Monat auch völlig in Ordnung.

Literatur

Den "Fettnäpfchenführer" kann ich sehr empfehlen, einfach, weil er sich gut liest. Ganz so viele Gedanken muss man sich bei den jungen Leuten aber nicht machen, die nehmen das oft nicht so genau. Ich hatte noch zwei weitere Reiseführer, habe diese aber nur recht wenig benutzt. Ich entdecke Orte oft lieber selbst, als vorher schon alles zu wissen. Da außerdem meine Contact Persons viel organisiert und vorgeschlagen haben, habe ich meist einfach ihrem Wort vertraut.
Diese Internetseite habe ich mir angeschaut und deren Vorschläge dann auch versucht "abzuarbeiten". https://theculturetrip.com/asia/taiwan/articles/20-must-visit-attractions-in-taiwan/
Das sind auch so die wesentlichen Sachen, die man gesehen haben sollte.

Mitzunehmen

Unbedingt mitnehmen sollte man, gerade im August, einen Regenschirm. Den hatte ich nicht dabei und hab es bereut. Es war durchgängig zwischen 28 Grad nachts und etwa 35 Grad tagsüber heiß. Dazu 70 - 80% Luftfeuchtigkeit durchgängig. Man gewöhnt sich tatsächlich ein wenig daran, aber die langen Jeans und zwei meiner 3 Pullis hätte ich definitiv zuhause lassen können. Sonnencreme, Mückenspray und Adapter sollte man dabei haben. Wenn man sich die Haare föhnen will, ggf. einen 110 Volt Transformer.

Reise und Ankunft

Ich bin über Dubai geflogen, weil ich nicht in China oder Hong Kong zwischenlanden wollte. Mein Flug von Dubai nach Taipei hatte 3 Stunden Verspätung, das war aber auch kein Problem. Am Flughafen haben mich meine Contact Persons abgeholt, wir sind dann mit der U-Bahn direkt vom Flughafen in die Stadt gefahren. Dann haben wir was gegessen und sind dann zur Uni gefahren, da gab es einen extra Shuttlebus. Da war alles schon bereit. Ich bin Abends angekommen, also habe ich sonst nichts mehr gemacht, außer zu schlafen. Am nächsten morgen haben meine Contact Persons mich dann ins Labor gebracht und ich habe dann auch direkt angefangen dort zu arbeiten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich hatte im Labor eine Art eigene Aufgabe, die ich zusammen mit einer Einhimischen Masterstudentin gemacht habe. Sie schreibt gerade ihre Masterarbeit und das, was ich gemacht habe, gehört da dazu. Wirklich allein war ich aber nie, sie war immer dabei oder saß daneben und hat mir zugeschaut und Anweisungen gegeben, soweit das sprachlich möglich war. Ihr Englisch war sehr schlecht, sodass wir öfter mit Kommunikationsproblemen zu kämpfen hatten. Meistens konnten wir sie aber immer, notfalls mit Hilfe von anderen, lösen.
Im Labor haben wir eher Basic- Methoden durchgeführt, Zellenkulturen subkultiviert und vor allem viel peppitiert und gewartet. Was meine wirkliche Aufgabe gewesen war und was unsere Ergebnisse eigentlich bedeutet haben, habe ich erst ganz am Ende verstanden, was eben auch an dem schlechten Englisch lag, dass es der Studentin nicht wirklich möglich gemacht hat mir besondern viel zu erklären. Viel gelernt habe ich allerdings doch noch. Ich musste am Ende eine Präsentation erstellen, bei deren Vorbereitung mir dann vieles von der Theorie her klar geworden ist. Außerdem viel gelernt habe ich über Abläufe im Labor, über den Umgang mit bestimmten Stoffen, ich weiß wie man Zellen kultiviert, usw.. Im Labor habe ich auch vieles von dem gemacht, was bei den Praktika in der Uni immer schon vorbereitet ist oder von den Tutoren gemacht wird. Das hat mir viel Spaß gemacht. Im Labor zu arbeiten macht mir im Allgemeinen Spaß, das habe ich jetzt auch wieder gemerkt. Gerade am Ende, als ich dann wusste, wofür die Experimente gut waren, hat es mir große Freude bereitet mit den anderen über die Ergebnisse zu diskutieren und zu überlegen, wie es damit weitergehen kann.
Nach der Arbeit musste ich oft noch Protokolle schreiben, zu den Experimenten. Das war zwar manchmal etwas nervig, aber jetzt auch nicht zu anstrengend, und ich hatte definitiv noch genug Freizeit, um ganze Bücher zu lesen, shoppen zu gehen, Sightseeing zu betreiben etc.. Beim Berichteschreiben war mein größtes Problem oft, dass wir mehrere Experimente gleichzeitig vorbereitet haben. Ich habe zwar währenddessen immer alles aufgeschrieben, aber eben nur in Notizform. Anschließend musste ich das dann in Ruhe wieder auseinandersortieren, welche Schritt jetzt zu welchem Experiment gehört hat und welche Eppendorfs wir jetzt eigentlich für was genutzt hatten.
Aufgefallen im Labor ist mir zum Einen, dass ich das Gefühl hatte, die Bänken seien tiefer als bei uns. Vielleicht, weil die Taiwanesen doch auch eher klein sind, vielleicht kam es mir auch nur so vor, weil wir bei der Arbeit eigentlich grundsätzlich nicht gesessen haben. Außerdem waren alle Regale mit einer Stange abgesichert, sodass dort stehende Flaschen bei einem eventuellen Erdbeben nicht runterfallen können.

Land und Leute

Ich war recht viel in Taipei unterwegs, auf dem Taipei 101, habe mehrere Night Markets besucht, beide Memorial Halls besucht und einen ganzen Tag im National Palace Museum verbracht. Außerdem war ich in einer Handvoll Shopping Malls, wenn auch manchmal nur, um mich von der Klimaanlage abkühlen zu lassen. Außerdem habe ich an einem Chinese Medicine Camp teilgenommen, dass Studierende der China Medical University in Taichung für die europäischen Austauschstudenten organisiert haben. Das war total spannend, es gab Vorträge zu Akupunktur, Schröpfen und Kaligraphie, sowie noch ein paar anderen Sachen.
Kulturell waren es auf jeden Fall 4 Wochen Kulturschock. Also alles ganz anders. Das fing an mit der Tatsache, dass Taiwanesen immer und überall schlafen. Im Bus, in der Uni, auf der Arbeit, also auch im Labor. Ein weiterer Punkt war, dass es in Taiwan als löblich gilt, bis zum Ende der Arbeitszeit da zu sein. Konkret für uns im Labor hat das bedeutet, dass man zwar eigentlich hätte nach Hause gehen können, wenn alle Experimente für den Tag gemacht waren, man aber stattdessen bis mindestens 17 Uhr geblieben ist, weil erst dann der Professor nach Hause gegangen ist. Zum Zeitvertreib wurden dann auch schonmal mehrere Stunden lang Videos im Internet angeschaut oder für 2 Stunden geschlafen. Auch das Essen ist ganz anders, als in Europa. Zum Frühstück gibt es schon Nudeln oder Reis mit irgendeiner Fleischbeilage. Überhaupt gibt es viel Fleisch zu essen. Und da eben auch Teile, die man bei uns eher weniger isst. Die Taiwanesen essen im Allgemeinen sehr viel und trunken noch mehr Bubble Tea und Milk Tea. Besonders Milk Tea. Das ist wie Bubble Tea aber mit Milch drin. Am Tag werden schon so 2 bis 3 davon getrunken.
Nicht geschafft habe ich es leider zu den Bergen in der Mitte der Insel. Das lag allerdings am Wetter. Den Süden der Insel habe ich auch nicht gesehen, das hat zeitlich nicht mehr gepasst, da muss ich wohl nochmal wiederkommen...
Schade war, dass es schon gegen 6 dunkel war, und man dadurch abends nicht mehr allzu viel machen konnte, was Sightseeing anging. In der letzten Woche habe ich zwei Tage frei bekommen, da meine Experimente schon fertig waren und nichts mehr für mich zu tun war. Dadurch konnte ich dann noch Ausflüge machen, die ich ursprünglich nicht geplant hatte, das war sehr angenehm.
Als Reiseland im Allgemeinen kann ich Taiwan sehr empfehlen, eben auch, weil es so anders ist. Irgendwie hatte ich mir vorher vorgestellt, dass auch da Großteile der europäischen Kultur gelebt werden und man z.B. eher europäisches Essen isst. Das ist aber überhaupt nicht so. Gerade im Bereich Essen ist man in Taiwan noch sehr traditionell, was mir gut gefallen hat, das habe ich auf anderen Reisen manchmal etwas vermisst.

Fazit

Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt! Das Arbeiten im Labor hat mir viel Spaß gemacht, und obwohl ich Berichte schreiben musste, war es nicht zu stressig, sodass ich trotzdem viel entspannen konnte, Bücher lesen und Sightseeing machen. Ich kann so einen Austausch nur empfehlen, vor allem, wenn man nicht nur das Land sehen, sondern auch die Leute dort kennenlernen will!

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