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Hungary (HumSIRC)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Elisabeth, München

Motivation

Da ich bereits Famulaturen in der Hausarztpraxis und im Krankenhaus in Deutschland absolviert hatte, wollte ich unbedingt vor dem 2. Staatsexamen mindestens eine Auslandsfamulatur machen, um neben dem Kennenlernen einer neuen Kultur auch mein medical English zu verbessern. Dabei fiel meine Wahl auf das nicht allzu ferne Budapest, welches ein Juwel unter den europäischen Städten ist.

Vorbereitung

Auf die bvmd bin ich über eine Infoveranstaltung an der TUM aufmerksam geworden, zudem hatten mir Freunde von der LMU bereits von positiven Erlebnissen mit der bvmd erzählt. Nach dem Bewerbungsmarathon sollte man in der Regel auch an einen Predeparture Training teilnhemen, das einem die Möglichkeit verschafft, die Local Exchange Officer zu dem Ablauf des Austausches oder jeder damit verbundenen Thema Fragen zu stellen. Ein kleiner Tipp am Rande: sobald du eine (in-) offizielle Zusage erhalten hast, solltest du dich so schnell wie möglich um deine Krankenversicherung im Ausland und einem ausreichenden Impfstatus ( Quantiferon -Test für Tuberkulose alleine reicht vollkommen aus) sorgen. Bei Fragen kann man sich schnell und flexibel an die LEOs des Host Landes wenden. Im Vorab wurde bei unserem Austausch zudem jedem Studenten eine Contact Person zugeteilt, die ebenfalls noch offenen Fragen und Sorgen beantwortet. Rückmeldungen kamen dabei teilweise in weniger als 3 Stunden. Ein Problem bei meinen Austausch gab es mit der vorgeschrieben Länge. Da meine Universität unbedingt einen Monat im Rechtssinne auf dem Famulaturzeugnis sehen möchte, musste ich mir, da die Unterkunft in einem Wohnheim nur drei Wochen verfügbar war, danach für ein paar Tage ein Hostel buchen, um weiterhin im Krankenhaus famulieren zu können. Dies war jedoch schon zwei Monate vor Austauschbeginn absehbar, zudem wurde mir gesagt, dass die Ärzte in Budapest das nicht so streng sähen. ;)

Visum

Glücklicherweise gehört Ungarn in die EU, weswegen ich kein Visum beantragen musste. Wie sich das mit Großbritannien allerdings entwickeln wird, ist noch abzuwarten.

Gesundheit

Wegen der Gesundheit musst ich mir in Budapest eigentlich keine Sorgen machen. Auch die Tuberkulose hat dank radikaler Gesundheitsmaßnahmen eine verschwindend geringe Prävalenz in Ungarn. Trotzdem hat es mich einige Nerven gekostet herauszufinden, dass in Budapest keine BCG Impfung zwingend notwendig ist, sowie ein Röntgen Thorax und der Matoux Skin Test auch nicht benötigt werden. Einzig ein negativer Quantiferon Test soll als Versicherung dienen, selber keine Tuberkulose ins Ausland zu verschleppen. Letzeren Test ließ ich im Tropenistitut machen. Also ist das einzige worauf man wirklich achten muss, das Zeitmanagment. Man sollte sich einfach so früh wie möglich darum kümmern.

Sicherheit

Da ich im Vorfeld nicht besonders viel über die ungarische Politik und das Gesundheitswesen dort wusste, habe ich mich über die Webpage des Auswärtigen Amtes informiert und einige Expertenmeinungen im Internet gelesen. Als Mitglied der EU hatte ich mir aber keine großen Sorgen gemacht, was sich im Nachhinein auch so bestätigt hat. Zu keiner Zeit fühlte ich mich in Budapest bedroht, jedoch sollte vor den unzähligen Taschendieben gewarnt werden, die es aber in jeder Großstadt zu geben scheint. Fannypacks oder Taschen mit versteckten und schwer zugänglichen Fächern sind unbedingt empfehlenswert!

Geld

Da in Ungarn anstatt dem Euro ungarische Forint, HUF, verwendet werden, stand ich bei der Vorbereitung für den Austausch vor dem Problem die Währung zu wechseln. Da man generell sagen kann, dass der Wechselkurs im Gastland besser ist, als im Heimatland, zumindest aus deutscher Sicht, habe ich nur 40 Euro als Startkapital an einer Wechselbörse eingetauscht(viele Bankfilialen bieten keine Wechselwährung mehr, wenn dann nur die großen Banken und meist auch nur in der Nähe des Bahnhofes). Das erwies sich jedoch als vollkommen unnötig, da meine Contact Person mich vom Bahnhof in Budapest abgeholt und mir sogleich eine gute Wechselstube gezeigt hat. Kreditkartenzahlungen sind ebenfalls fast überall möglich, manchmal verlangen kleinere Restaurants aber nur Cash. Es empfiehlt sich also sowohl eine Kreditkarte als auch eine kleine Menge an Bargeld zu führen. Die Lebenserhaltungskosten sind geringer als in Deutschland, zum Beispiel kostet ein gutes Mittagessen mit Getränk im Schnitt um die 2500 HUF = 8 Euro (allerdings wurde das Mittagessen vom Austausch gestellt :D)

Sprache

Da die Landessprache Ungarisch als die schwierigste Sprache der Welt gilt, und für mich die Hintereinandereihung an Konsonanten einen Zungenbrecher darstellt, hatte ich mir im Voraus nur die allereinfachsten Worte eingeprägt, zum Beispiel Danke = Köszönöm.
Zum Glück wurde ich einem Tutor zugewiesen, dessen Englisch sehr gut war und der mir deshalb alle Zusammenhänge gut erklären konnte. Dazu kam noch, dass eine angehende Fachärztin während meines Aufenthaltes anwesend war, die sowohl fließend Ungarisch als auch fließend Englisch sprach, sodass ich mich bei Fragen immer an einen von beiden wenden konnte. Jedoch hatte ich auch mitbekommen, dass einige der Exchange Students nicht so großes Glück hatten. Vor allem in den operativ tätigen Fächern, waren die Englischkenntnisse gering, der Zeitdruck zu hoch, um den Studenten den Zusammenhang ausreichend zu erklären.

Verkehrsbindungen

Anbindungen an den Flughafen, Züge und Busse sind sehr gut zu erreichen. Da ich meine Zusage mit den genauen Austauschinformationen bereits mindestens 6 Wochen vor Beginn erhalten hatte, konnte ich bei der DB (Zug) noch einen gutes Angebot, Europa Supersparpreis für 80 Euro von München nach Budapest hin und zurück, wahrnehmen.
Nach Flugtickets hatte ich mich nicht umgesehen, da für mich auch eine 7 stündige Zugreise entspannender ist, als ein 75 minütiger Flug mit Pufferzeit und Stress am Flughafen. In Budapest selbst gibt es für Studenten eine günstige Monatskarte für ca. 11 Euro. Damit kann man alle Busse, Metros, Trams und sogar einige Boote nutzen. Die Infrastruktur ist daher sehr gut, wie ich auch nicht anders in einer Hauptstadt erwarten würde, und richtet sich in puncto Pünktlichkeit nach deutscher Weise.

Kommunikation

Da mein Handy einen ganz speziellen Vertrag mit der Firma klarmobil hat, konnte ich mein Datenvolumen oder die Freiminuten nicht in Ungarn verwenden. Zusammen mit den Nicht Europäischen Studenten habe ich mir daher bei Telenor (einer der preisgünstigsten Anbieter) in Budapest eine Sim-Karte mit nicht limitierten social Media Zugang und 1 GB Datenvolumen für 3450HUF = 12 Euro. Das hat sich als eine gute Investition ergeben, da die gesamte Kommunikation mit den anderen Exchange Students und den CPs nur über Whatsapp und Facebook gelaufen ist. Da die sozialen Netzwerke immer weiter verbessert werden, konnte ich über Whatsapp auch mit meiner Familie videocallen.

Unterkunft

Die Unterkunft, ein Dreibettzimmer in einem Wohnheim, wurde von den CPs vor Ort organisiert. Man musste sich also zusammen mit zwei anderen Mädels, Geschlechtertrennung, ein Zimmer teilen, wobei es Gemeinschaftsduschen und –Badezimmer für alle gab. Die Küche sah bei unserer Ankunft seeeehr schmutzig aus, und auch unsere Zimmer haben wir vor dem Auspacken geputzt. Allerdings waren die Aufenthaltshalle, im ersten Stock, sowie ein (wenn auch sehr abgenutzter) Billardpool, eine Außenterrasse im Erdgeschoss und ein verstecktes Musikzimmer im Untergeschoss definitiv von Vorteil. Insgesamt also aushaltbar, vor allem wenn die Hygienie noch besser kontrolliert werden würde.

Literatur

Zur fachlichen Vorbereitung habe ich ein deutschsprachiges Endokrinologiebuch mitgenommen, das ich bei Zeiten auch gebraucht habe, um seltene Krankheitsbilder nachzuschlagen. Spezialwissen kann man aber auch sehr gut über Amboss oder uptodate nachlesen.

Mitzunehmen

Unbedingt mitzunehmen ist ein Studentenausweis (allein schon wegen des günstigen Monatstickets), am besten als Karte mit Gültigkeitsdauer. Zudem empfiehlt sich auch ein Regenschirm und warme Kleidung (auch im Sommer), da das Wetter sehr unbeständig ist. Eine Reiseapotheke bestehend aus Schmerzmitteln, Hustentabletten, Nasenspray und einfachen Verbandszeug ist nie schlecht. Mir persönlich hatten vor allem die Hustentabletten und das Nasenspray oberste Priorität, da mehr als die Hälfte der Studenten nach zwei Wochen krank waren ( was uns aber nicht an der Teilnahme am Social Program gehindert hat ;) ). Gute Laune!!!

Reise und Ankunft

Da mir eine 7 stündige Zugfahrt mit einem Umstieg in Salzburg bevorstand ( war so billiger ) richtete ich mich auf eventuelle Verspätungen ein. In der Tat kam es dann dazu, dass mein Folgezug so voll war, dass nur Gäste mit Reservierungen einsteigen konnte, weswegen ich eine Stunde auf einen anderen warten musste.
Nachdem mich meine Kontaktperson am vorher vereinbarten Treffpunkt abgeholt hatte, kaufte sie mit mir sogleich das Monatsticket, zeigte mir eine Wechselstube und führte mich zur Unterkunft, wo ich auf die anderen Austauschstudenten traf. Gleich nach der Ankunft im Wohnheim gab es ein Kennenlerntreffen mit Spielen etc. Am nächsten Morgen sammelten einige Kontaktpersonen die Studenten, die zusammen in einem Department arbeiten ein und zeigten uns unsere Station im Krankenhaus. Kurz darauf wurden wir unseren Tutoren übergeben und die Famulatur begann...

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

An meinem ersten Tag wurde ich von meiner CP zusammen mit den anderen Austauschstudenten um 8:30 Uhr zum Inneren Medizin Department der Semmelweis Universität geführt. Dort angekommen mussten wir allerdings 30 min warten, bis wir auf unsere Stationen zugeteilt wurden. Auf meiner Station: Endokrinologie war ein sehr engagierter Arzt, der glücklicherweise gutes Englisch sprach. Zudem waren an jedem Tag auch zwei bis fünf weitere ungarische Medizinstudenten oder auch Residents anwesend, die mir die Patientengespräche auf Englisch übersetzen konnten. Das Pflegepersonal und alle Patienten sprachen leider kein Englisch und ich hatte auch keine Ungarisch Sprachkenntnisse, weswegen ich auf Station oftmals nur eine Beobachterrolle inne hatte. Trotzalledem bezog mich mein Tutor in die Patientenfälle mit ein, indem er mich spezifische Fragen zur Erkrankung, Diagnostik, Differentialdiagnosen und Therapieschemen fragte. Teilweise überstiegen diese Fragen meinen aktuellen Wissensstand, was jedoch nicht weiter dramatisch war. Über die Webpage UptoDate sollte ich außerdem die leitliniengerechte Behandlung einiger Patienten überprüfen und anschließend meinen Stationsarzt davon berichten. Sonst bestand mein Tag neben den Fallbesprechungen aus dem Durchführen der körperlichen, inklusive einer grob neurologischen, Untersuchung und der Rektal Digitalen Untersuchung, mit dem Ziel Blut im Stuhl nachzuweisen. Dies war eine gute Übung für mich eine routinierte, systematische körperliche Untersuchung, er nannte es Body Check, anzueignen. Zudem hatte ich davor kaum Gelegenheiten gehabt eine neurologische Untersuchung in Deutschland auszuführen, weswegen ich in Budapest mein neurologisches Basiswissen überprüfte. Besonders fasziniert haben mich die Patienten mit selten Erkrankungen, Bsp. MEN2, die einen so großen Fundus an Pathologien zeigten, dass die erste Hürde im Filtern relevanter Informationen bestand. Also wurde auch an dieser Fähigkeit weiter gefeilt. Positiv fand ich, dass sich die Ärzte trotz chronischem Zeitmangel viel Zeit für jeden einzelnen Patienten genommen haben und stets freundlich auftraten. Noch dazu durfte aufgrund des Geldmangels nicht gleich jede Routineuntersuchung durchgeführt werden, was in genauerer Überlegung zur Sicherung der Diagnose mündete. Vor allem letzteren Aspekt würde ich mir manchmal auch in Deutschland besser umgesetzt wünschen. Dagegen war zu bemängeln, dass es kein Untersuchungszimmer gab, in dem die Patienten im Privaten aufgenommen werden konnten, stattdessen wurde jeder in seinem Bett, in bis zu von zehn Personen belegten Zimmern, untersucht. Im Großen und Ganzen, kann man aber sagen, dass das Semmelweis Universitätskrankenhaus die Ressourcen, die es hat, gut ausnutzt und zumindest auf der Endokrinologie sehr freundlich mit Austauschstudenten umgeht.

Land und Leute

Dank der freiwilligen Arbeit der Medizinstudenten in Budapest, gab es fast jeden Tag ein Social Program zusammen mit den anderen Famulaturstudenten. So haben wir beispielsweise nicht nur den Gellert Hill mit seinem wunderschönen Panoramablick über die Stadt, das Jüdische Viertel mit alle seinen zauberhaften Ecken und Enden, sondern auch Orte außerhalb der Stadt gesehen. Der Plattensee, Balaton, war dabei die Hauptattraktion und hat mich mit seinen Flair doch stark an den Gardasee in Italien erinnert, allerdings ist der Balaton viel kleiner. Noch dazu war während unseres Wochenendes am See auch noch ein Weinfestival mit Live-Musik (darunter auch eine Abba-Band!), das uns die zwei Abende erheblich versüßt hat. Zudem kann ich jedem nur die Free guided tours, beginnend vom Elisabethplatz mitten im Stadtzentrum, empfehlen. Sie geben einen Einblick in die Geschichte der Stadt, vor allem als wichtiger Ankerpunkt im Zweiten Weltkrieg und in den 60er Jahren. Auch eine Street Art Tour wird angeboten, die natürlich auch den ehrenwerten Herrn Erno Rubik (Rubiks Cube Erfinder) erwähnen muss. Wer die Kriegs- und Belagerungszeit von Budapest auch von der medizinischen Seite aus einmal betrachten möchte, dem kann ich nur das Hospital in the Rock im Buda Castle Complex ans Herz legen. Außerdem spendet das Krankenhaus im Fels auch eine angenehme Temperatur von 14°Celsius, wenn man der Sommerhitze entkommen möchte. Um ehrlich zu sein hat man von der politischen Lage als Ausländer nicht viel mitbekommen, außer dass bei der Streetarttour, s.o., der aktuell amtierende ungarische Präsident Orban für manche seiner finanziellen Projekte, ich sage nur Zugbau, kritisiert wird. Die Nachtwärter und das Personal, das an der Rezeption des Wohnheimes arbeitete, traten stets höflich auf, auch wenn sie leider kein Englisch sprachen. Die Kommunikation mit ihnen lief daher über Google Übersetzer, was manchmal in ganz lustigen Bemerkungen endete. Mit den anderen Einheimischen, außer unseren CPs und dem Personal in Institutionen, hatte ich aber kaum Kontakt, der über einfachen Smalltalk hinausging. Zum Essen muss man sagen, dass die Ungaren sehr gerne Kartoffeln und Fleisch verzehren. Da wir jeden Werktag ein kostenloses Mittagsbüffet im Veranda und Grill Restaurant bekamen, dachte ich eigentlich, dass man so etwas wie Hausmannskost erwarten könne, von allem etwas. Es gab fast ausnahmslos jeden Tag paniertes Hühnchen oder Schwein mit Reis, Nudeln oder meist Kartoffeln. Leider wurde überhaupt kein Gemüse angeboten, und wenn dann kam es aus der Fritteuse. Deswegen wurde es bei uns Studenten Gang und Gebe, im Supermarkt viel Obst und Gemüse für ein selbst zubereitetes Abendessen zu kaufen, um nicht in Mangelzustände zu verfallen. Ich hätte gerne noch eine Höhlentour gemacht, bei der man ausgestattet mit Overall und Helm plus Stirnlampe, durch das natürliche Höhlensystem unter Budapest kriechen, klettern und teilweise auch waten/schwimmen muss.

Fazit

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht mit besonders hohen Erwartungen diese Famulatur angetreten habe, vor allem mit Hinblick auf das Erlernen und Anwenden neuen Wissens in der Klinik. Deswegen hat es mich positiv überrascht, dass ich in die Patientenfälle mit einbezogen wurde, die Besprechungen teilweise nur für mich auf Englisch gehalten wurden, und der Stationsarzt mein Wissen und das der anderen zu den Krankheiten überprüft hat. Erwartungen also übertroffen. Nach Ungarn werde ich auf alle Fälle nochmal reisen, aber dort dauerhaft zu arbeiten kann ich mir dann doch nicht vorstellen. Sehr gerne werde ich auch versuchen noch einen weiteren Auslandsaufenthalt zu absolvieren, allerdings hängt das eher vom Zeitmanagment als von was anderem ab. Allein für das Verbessern der eigenen sozialen Kompetenzen mit Patienten, die nicht die eigene Muttersprache beherrschen, aber natürlich auch das Zusammenleben mit den anderen Famulanten aus aller Herren Länder, lohnt es sich die Auslandfamulatur zu machen. Viel Spaß euch und lasst auch vom Papierkram nicht runterkriegen!

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