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Croatia (CroMSIC)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Alena, Hannover

Motivation

Ich wollte gern ins Ausland, um einen Vergleich in der Arbeit deutscher Ärzte zu anderen zu haben und einen Einblick in andere Gesundheitssysteme zu bekommen.
Außerdem müssen wir so oder so Famulaturen machen, warum dann nicht auch in einem spannenden Land mit netten Studenten von überall aus der Welt?

Vorbereitung

Ich hab den Medical English Kurs meiner Uni besucht und kurz vorher nochmal durch meine Unterlagen zum Fach geblättert. Eine spezielle Vorbereitung ist meiner Meinung nach sonst nicht nötig, Land und Leute lernt man vor Ort kennen

Visum

Nein, Kroatien ist Teil der EU. Ich hatte nicht mal meinen Reisepass dabei.

Gesundheit

Nein, keine spezielle Vorkehrung. Ich hatte eine kleine Reiseapotheke dabei und uns wurde nahe gelegt, wegen Zecken/Borreliose in Kroatien nicht unbedingt durchs hohe Gras zu laufen. Spezielle kroatische Krankheiten kenne ich auch nicht

Sicherheit

Sicherheitslage ist super, ich habe mich zu keiner Zeit unsicher in Kroatien gefühlt. Ich habe mich vorher nicht unsicher gefühlt, währenddessen nicht unsicher gefühlt, danach auch nicht.

Geld

In Kroatien bezahlt man mit Kuna. Ein Euro sind ca 7 Kuna.
Ich habe vor Ort bei Bankautomaten Geld mit meiner Kreditkarte abgehoben, aber im Gegensatz zu Deutschland kann man fast überall auch mit Kreditkarte direkt zahlen.
Die Preise sind etwas günstiger als in Deutschland, da wir aber auch viele Touristenorte besucht haben, wars dort dementsprechend etwas teurer. Zum Vergleich, ein Bier 0,5l kostet dort im Supermarkt 1€, in einer Strandbar 2,50€ und in einem Restaurant/Bar 4€

Sprache

Man spricht kroatisch, die Ärzte und die jüngeren Patienten <60Jahre sprechen aber alle sehr gut englisch.
Ein paar Wörter und Sätze zu lernen finde ich immer höflich, sowas wie Hallo, Guten Morgen, wie geht es Ihnen, Bitte, Danke. Ansonsten erwartet aber keiner, dass man kroatisch kann, man kommt mit englisch sehr gut zurecht

Verkehrsbindungen

Man kann nach Kroatien mit dem Bus, Zug oder Flugzeug reisen. Wir haben das Flugzeug gewählt.
Vor Ort gibts Busse. Für die öffentlichen Busse in Rijeka haben wir ein gratis Busticket für den Monat bekommen, das war klasse. Zum Reisen im Land haben wir Flixbus gewählt

Kommunikation

In der EU gibt's keine Roaming-Gebühren mehr, ich hab mein Handy benutzt. Whatsapp, Facebook, oder einfach telefonieren/SMS schreiben, der Kontakt nach Hause war problemlos aufrecht zu erhalten......

Unterkunft

Wir waren in einem Studentenwohnheim untergebracht.
Die Küche war winzig, aber wir haben Coupons für die Mensa der Krankenhäuser bekommen und konnten dort essen.
Wir mussten keine Bettwäsche/Decken/Kissen mitbringen

Literatur

Amboss und Google.
Wir haben ein paar Ausflüge gemacht und halt gelesen wann man wie wohin kommt und wo man übernachten kann. Und wenn ich was medizinisches mal nachschlagen wollte, hab ich Amboss benutzt

Mitzunehmen

Kittel, Stethoskop, sonst halt alles was man sonst halt fürs Reisen braucht.
Für Kroatien sollte man Strandschuhe mitnehmen, es gibt kaum Sandstrände, fast alle sind aus Steinen. Die können scharfkantig sein, viele haben sich die Füße aufgeschlitzt. Oder die Hände bei dem Versuch einen Handstand im Meer zu machen.

Reise und Ankunft

Ich wurde empfangen, ins Studentenwohnheim gebracht und am nächsten Tag wurde ich zu meinem Department gebracht. Dort wusste man schon, dass ich kommen werde, und ich wurde in der Morgenrunde allen vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Gynäkologie und Geburtshilfe gearbeitet. Im Gegensatz zu den meisten meiner Mitmedizinstudenten aus aller Welt habe ich sehr viel gesehen, durfte viel machen und war auch oft da.
Den anderen wurde oft gesagt, geht zum Strand, nehmt euch die Tage frei. Viele waren in dem Monat nur eine Handvoll Tage da. Ich hätte mir auch mehr freinehmen dürfen, aber mir hat die Arbeit dort viel Spaß gemacht. Ich durfte mir jeden Tag aufs neue überlegen, wo ich gern hinmöchte. Zur Auswahl stand die Ambulanz, perinatale Station, Kreissaal, OP, Gynäkologiestation. Meine Arbeitszeiten gingen von 8 Uhr bis solange wie ich halt bleiben wollte. Meistens bin ich nach dem Mittagessen gegangen, also zwischen 13 Uhr-14 Uhr, war aber auch öfters bis nachmittags da, wenn ich wusste, dass spannende OPs geplant sind. Ich hab gern im OP mitgemacht, das war tatsächlich der einzige Ort, wo ich praktisch mithelfen durfte. Nachdem ich steril war, durfte ich als Dritte oder Zweite am Tisch bei Kaiserschnitten und gynäkologischen OPs wie Hysterektomien oder Tumorstaging assistieren. Überall sonst auf Stationen oder in der Ambulanz ist der Job der Studenten sonst nur Observation, mehr als Zugucken darf man nicht. Dafür erklären die Ärzte auch viel auf englisch.
In Kroatien ist die Arbeitsteilung zwischen Ärzten und Schwestern anders geregelt, die Pfleger haben viel mehr Kompetenzen und dürfen mehr machen. Dementsprechend haben dann sie auch Tätigkeiten wie Blutentnahmen und co gemacht, die in Deutschland normalerweise von Studenten gemacht wird.
Das Gesundheitssystem ist dem deutschen ähnlich, und das Krankenhaus ist vielleicht nicht super modern eingerichtet, aber das sind zum ersten auch viele deutsche nicht und zum zweiten gab es zumindest alles was man braucht.

Was mich bei meinem Austausch überrascht hat, war die hohe Differenz in den Gehältern der Ärzte in Europa und der Welt. Wir haben die Gehälter der Assistenzärzte im ersten Jahr verglichen, und Deutschland liegt weit vorn. Viele aus den Balkanländern wollen deswegen gern später nach Deutschland zum Arbeiten. Das Gehalt ist der eine Grund, die Freiheit der andere. Ein Assistenzarzt in Kroatien muss sich verpflichten, die 5 Jahre Residency im gleichen Krankenhaus zu arbeiten, und dann nach Abschluss der Facharztausbildung weitere 5 Jahre. Heißt sie sind 10 Jahre ans gleiche Krankenhaus gebunden. Das Krankenhaus sieht es so, dass sie 5 Jahre in die Ausbildung investieren, dass die Ärzte in der Zeit ja normal arbeiten, sieht es nicht. Sollte man doch wechseln wollen, muss man sei Gehalt der letzten Jahre zurückzahlen. Dagegen wird viel geklagt, hoffentlich ändert sich das. Und in anderen europäischen Ländern gibts nach dem Studium eine Prüfung, nur wer gut abschneidet, kann den Facharzt frei wählen. Leute mit weniger Punkten müssen sich mit weniger beliebten Fachrichtungen begnügen.

Land und Leute

Unsere kroatischen Medizinstudenten waren der absolute Hammer, die haben sich super super viel Mühe gegeben. Fast täglich gab es Aktivitäten, und an den Wochenenden Ausflüge. Wir hatten viele Partys, Strand, Wanderungen, Trips nach Istrien, Krk, und zu den Plitvicer Seen. Die Gruppe war auch toll, alle im gleichen Alter im gleichen Studiengang, nur von allen Ecken und Enden der Welt.
Nach einer Woche hatten wir das Gefühl, uns schon viel viel länger zu kennen. Das Social Program hat natürlich stark dazu beigetragen, dass wir uns am Anfang alle kennengelernt haben. Und ab da wars einer der besten Sommer meines Lebens. Dadurch, dass wir alle im gleichen Wohnheim gewohnt haben, hat man sich eigentlich jeden Abend auf ein Bierchen auf der Terrasse getroffen, und ist dann noch zur Innenstadt umgezogen oder einfach dort geblieben. Es war wie eine riesige lange Klassenfahrt für Erwachsene. Und alle Teilnehmer waren so offen, liberal, und alle waren nur darauf aus dort eine gute Zeit zu haben und im besten Fall noch das ein oder andere im Krankenhaus zu lernen. Aber dadurch, dass viele gar nicht mehr in die Klinik gegangen sind, hat sich die Priorität sehr schnell von Arbeit zur Party verlagert. Ich denke, wenn man im Sommer in einem Land wie Kroatien, oder auch Spanien, Italien oder Griechenland eine Famulatur macht, dann arbeitet man dort in etwa so hart, wie Erasmus-Studenten "studieren".
Und ich habe sehr viel über die Länder der anderen Leute gelernt, was politisch bei den anderen in ihren Heimatländern so los ist und ihre Meinung dazu. Über Geschichte, Kultur, Tradition und Gebräuche. Aber auch über Probleme in den Ländern. Ich fand all das sehr spannend und man wird sich erst bewusst, was man für sich für zu selbstverständlich erachtet. Beispielsweise haben wir als Gruppe spontan beschlossen, einen Wochenendausflug nach Ljubljana in Slowenien zu machen. Perso und Zahnbürste eingepackt und los gings. Zumindest für die meisten, die Russen durften nicht mit. Slowenien ist im Schengenraum, Kroatien nicht. Sie hatten nur ein Visum für Kroatien, eins für Slowenien hätten sie Wochen vorher beantragen müssen. Aber auch die Kroaten hatten viel zu erzählen, der Kroatienkrieg ist einer der jüngsten in der europäischen Geschichte, und viele der Eltern-und Großelterngeneration halten immer noch einen großen Groll den Serben gegenüber. Alles in allem war es sehr spannend, in dieser großen Gruppe mit Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zu sein, und wir haben uns alle sehr gut verstanden. Sich am Ende des Monats voneinander zu verabschieden, war hart, aber nun habe ich Freunde überall auf der Welt, und wir können uns gegenseitig besuchen kommen

Fazit

Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen und ich würde jederzeit einen solchen Austausch wieder mitmachen. Ich kann es auch nur jedem weiterempfehlen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, man lernt Land und Leute auf eine ganz besondere Art kennen, gewinnt neue Freunde und hat einen unvergesslichen Sommer.

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