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Unidad Comunitaria de Salud Familiar (El Salvador)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Carola, Iffeldorf

Motivation

Nachdem ich bereits eine privat organisierte Famulatur in Tansania gemacht hatte und ich bei dieser sehr viel über das dortige Gesundheitssystem, die typischen Krankheiten und die Lebensweise lernen durfte, wollte ich gerne noch ein anderes Gesundheitssystem kennenlernen. Da sich mein Spanisch von einem Auslandsjahr in Argentinien bereits ein wenig eingerostet angefühlt hatte, fiel die Wahl schnell auf ein spanischsprechendes Land, um die Sprache auch in einem medizinischen Kontext zu verbessern. Dann stieß ich zufällig auf ein Public Health Projekt in einem Dorf von El Salvador: El Zapote. Die selbstständige Arbeitsweise und die Möglichkeit sich mit eigenen Projektideen einbringen zu können, sagten mir sofort zu. Ich hatte die Hoffnung das einfache Leben fernab der Großstadt in El Salvador kennen zu lernen und einen guten Einblick in das dortige Gesundheitssystem zu erhalten. Außerdem hatte ich die Hoffnung neben meinem selbstorganisierten Projekt auch praktisch in der Gesundheitsstation mitarbeiten zu können.

Vorbereitung

Da ich mich auf einen Restplatz beworben hatte und erst einen Monat vor Projektstart die Zusage erhalten habe, blieb nicht sonderlich viel Zeit für eine intensive Vorbereitung. Ich musste mir vor allem überlegen, welches Art von Projekt ich vor Ort zusammen mit der Organisation „Unified for Health“ durchführen wollte. Da ich das Gefühl hatte, dass Mental Health Themen in weniger entwickelten Ländern einen noch geringeren Stellenwert haben, wollte ich gerne in dieser Richtung tätig werden. Ich entschied mich mir einen Depressionsfragebogen für die Jugendlichen vor Ort zu überlegen, mit dem gleichzeitig auch Risikofaktoren abgefragt werden sollten. Ansonsten hatte ich große Unterstützung von den ehemaligen Projektteilnehmern bei der Wohnungssuche, bei der Planung des Transports vom Flughafen zum Dorf (ich wurde schlussendlich von einem Mitglied der Organisation gefahren) und bei der Projektplanung.

Visum

Deutsche Staatsangehörige benötigen für El Salvador kein Visum für einen Aufenthalt bis maximal 90 Tage. Man kann einfach vor Ort mit dem Reisepass einreisen und es kostet auch nichts. Es ist also sehr unkompliziert.

Gesundheit

Ich musste keinerlei Untersuchungen durchführen lassen. Ich habe auch keine Impfungen gemacht, war allerdings von anderen Reisen auch schon sehr gut durchgeimpft (Hep. A/B, Tollwut, Gelbfieber etc.). Die Region um El Zapote ist Dengue und Chikungunya-Gebiet, ich habe mich also jeden Tag sehr häufig mit 30 % DEET Mückencreme eingecremt (diese habe ich vor Ort von der Gesundheitsstation bekommen, da mein deutsches Mückenspray überhaupt nichts gebracht hat). Manche Betten haben dort Mückennetze, ist aber eher selten. Konsequentes Eincremen und lange Kleidung helfen also am Besten. Habe zum Glück auch keinerlei Krankheiten bekommen.

Sicherheit

Ich war gespannt, wie die Lage vor Ort sein würde, da El Salvador aus der Presse als sehr gefährliches Land bekannt ist. In meinem kleinen Dorf habe ich mich zu jeder Zeit sicher gefühlt, da sich jeder kannte. Ich bin allerdings auch nicht im Dunklen allein vor die Tür gegangen. Öffentliche Busse habe ich alleine benutzt und mich nicht unsicher gefühlt. Vor allem in San Salvador sollte man aufpassen einen großen Bogen um gefährliche Stadtteile zu machen.

Geld

Es werden US-Dollar benutzt. Bar ist am Besten, in jeder bisschen größeren Stadt gibt es aber auch Bankautomaten, an denen man sehr einfach mit gängigen Kreditkarten Geld bekommt. Ich habe einen Teil bar mitgenommen und den Rest am Flughafen abgehoben. In öffentlichen Bussen sollte man Kleingeld dabei haben. Die Preise sind um einiges günstiger als in Deutschland. Busfahrten von 2h kosten so 1,5$, ein einfaches Hauptgericht kostet so 3$, Früchte sind sehr gut und billig, Pupusus (das Nationalgericht) kostet pro Stück zwischen 0,50-1,50$. Als monatliche Miete habe ich 70$ gezahlt. Das Reisen und schlafen in Hostels ist ähnlich teuer wie in anderen lateinamerikanischen Ländern. Circa 8-15$ für ein Dormzimmer pro Nacht.

Sprache

Es wird Spanisch gesprochen und nur sehr wenige Leute sprechen akzeptables Englisch. Selbst in der gebildeten Oberschicht ist das absolut kein Standard. Ich habe mich nicht auf die fremde Sprache vorbereitet, da ich in meiner Jugend ein Jahr in Argentinien gelebt habe und deshalb fließend Spanisch spreche. Ich denke mindest B1 oder B2 sind nötig, um auch wirklich was in dem Projekt zu lernen. Selbst der Arzt der Gesundheitsstation konnte praktisch gar kein Englisch.

Verkehrsbindungen

Ich bin aus Deutschland über Mexiko nach San Salvador geflogen und den Rückflug über Kanada, ich habe so 700€ für meinen Flug bezahlt. Soweit ich weiss gibt es keinen Direktflug aus Deutschland. Im Land kommt man sehr gut mit Bussen zurecht. Sie sind spottbillig (meist zweistellige Cent-Beträge). Sie gelten nicht als sicher, allerdings hatte ich auch als alleinreisendes Mädl nie Probleme damit.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort eine Sim-Karte gekauft mit einer Internetflat, das hat so 7$ für 2 Wochen gekostet. Die Simkarte selbst hat 3$ gekostet. Mit den El Salvadorianern habe ich immer über Whatsapp kommuniziert oder angerufen.

Unterkunft

Mir wurde die Unterkunft von den ehemaligen Projektteilnehmern vermittelt, die mit den Leuten vor Ort noch in Kontakt stehen. Ich habe ein kleines Zimmer von einer privaten Dame gemietet. Dort hat auch ein Nachtwächter gewohnt und nach einer Woche ist der Arzt der Gesundheitsstation auch dorthin gezogen. Es gab einen großen tropischen Garten, viele Hängematten, eine funktionierende Dusche. Bettwäsche war vorhanden. Es gab sämtliche Küchengeräte und einen Kühlschrank und Herd, sodass wir meist gekocht haben.

Literatur

Ich hatte keine fremdsprachige medizinische Literatur, habe aber immer wieder im Internet Artikel auf Spanisch gelesen. Da ich erst 3 Wochen vor Abflug die Zusage zum Projekt erhalten habe, beschränkte sich meine Vorbereitung vor allem auf die Organisation des Projekts und der Anreise und ich hatte nicht genügend Zeit mich mit Literatur einzulesen.

Mitzunehmen

Nach langem Überlegen habe ich sogar meinen Laptop mitgenommen. Das hat sich für die Erstellung des Fragebogens als hilfreich herausgestellt. Unbedingt sehr potentes Mückenspray mitnehmen und starke Sonnencreme!

Reise und Ankunft

Ich wurde von einem Mitglied der NGO am Flughafen empfangen und mit seinem Auto zum Dorf gefahren. Das war sehr angenehm, da es mit vier verschiedenen Bussen kompliziert gewesen wäre. Ich kam an einem Samstag an und habe das Praktikum am Montag begonnen, aber verschiedene Leute bereits am Wochenende kennen gelernt. Ich wurde auch vor Ort direkt von meinen Nachbarn und Vermietern empfangen und habe dann am nächsten Tag den Arzt kennen gelernt, dem ich gleich am Nachmittag in der Gesundheitsstation geholfen habe.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe vormittags immer in der Gesundheitsstation gearbeitet, die man sich wie eine Allgemeinarztpraxis vorstellen kann. Es gab als Arzt einen Medizinstudenten in seinem letzten Studienjahr, eine Krankenschwester, zwei Gesundheitshelfer und zwei administrative Mitarbeiter. Ich habe zusammen mit dem Arzt die Patienten empfangen und durfte auch bald ziemlich selbstständig Patienten untersuchen. Es wurden sämtliche Tätigkeiten von gynäkologischen Kontrolluntersuchungen, Schwangerschaftsuntersuchungen, allen U-Untersuchungen bis zu kleinen chirurgischen Eingriffe gemacht. Da ich sehr selbstständig arbeiten durfte, habe ich sehr viel gelernt und konnte meine praktischen Fertigkeiten weiter verbessern. Da die Gesundheitsstation nur bis 15.30 geöffnet war, konnte ich nachmittags immer an meinem Mental Health Projekt arbeiten und den Fragebogen designen. Ich habe mich sehr gut mit dem ganzen Personal verstanden, da alle wahnsinnig liebenswürdig, offen, bemüht und hilfsbereit waren. Es gab keinerlei Sprachbarriere, was sicherlich geholfen hat. Ich habe zwei Notfälle mit erlebt, die mir im Gedächtnis geblieben sind: Ein Notfall war am ersten Wochenende: Wir wurden von den Nachbarn gerufen, weil ein 2-jähriges Mädchen seit 10 Minuten im Fieberkrampf war. Da wir dafür keinerlei Medikamente vorrätig hatten, sind wir sofort mit ihr in die nächstgrößere Stadt gefahren. Auf dem Weg hatte sie einen weiteren Krampf. Am nächsten Tag haben wir sie ohne jegliche Symptome in der Gesundheitsstation wieder gesehen. Der zweite Notfall war ein septischer Schock: eine Wöchnerin nach Kaiserschnitt kam mit einem Blutdruck von 80/40 und einem Puls von 135/min zu uns. Wir sind nach Legen einer Infusion auch direkt mit ihr ins nächste Krankenhaus gefahren und ihr konnte dort schnell genug geholfen werden. Das schockierende bei beiden Fällen war, dass der Transport zum nächsten Krankenhaus mindest 2,5h braucht aufgrund der sehr schlechten Infrastruktur. Für die unbefestigte Strasse von unserem Dort zur nächst größeren Stadt benötigt man bereits mehr als eine halbe Stunde für nur 10km.
In El Salvador studiert man 8 Jahre Medizin. Das 7. Jahr wird ähnlich wie unser PJ in verschiedenen Stationen im Krankenhaus absolviert. Das 8. Und letzte Jahr hingegen sind die Studenten schon als „vollfertiger“ Arzt in einer Gesundheitsstation und arbeiten nur mit der Hilfe von Krankenschwestern und Gesundheitshelfern alleine vor Ort. Dies führt zu einem dazu, dass Studenten im ihrem letzten Jahr dort natürlich viel erfahrener sind als deutsche Studenten. Aber zum anderen wird ihnen dabei meiner Meinung nach eine sehr große Verantwortung zugemutet.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses habe ich sehr viel mit dem gleichaltrigen Arzt der Gesundheitsstation unternommen. Wir sind abends an den Strand gefahren, haben öfter Lagerfeuer am Strand mit den Lehrern der Dorfschule gemacht. Am Wochenende sind wir zum Strand La Tunco gefahren, welcher circa 3h von El Zapote entfernt ist und bekannt ist für seine tollen Wellen. Dort sind viele andere Backpacker und man kann sehr gut feiern gehen, es ist also eine schöne Abwechslung zu dem eher ruhigen Dorfleben. Im Dorf wurde aber auch versucht mir alle möglichen Dinge zu zeigen: Ich wurde auf einen 15. Geburtstag mitgenommen, was eine riesen Feier war. Das Team der Gesundheitsstation hat mir beigebracht wie man das Nationalgericht „Pupusus“ zubereitet und wir haben gemeinsam gefrühstückt. Wir sind mit Booten zu einem Strand gefahren, haben Krokodile in dem benachbarten Mangrovenwald angeschaut und einen Spieleabend gemacht. An einem anderen Wochenende bin ich nach Santa Ana gefahren. Dort gibt es den Vulkan von Santa Ana, den man mit einer geführten Tour besteigen kann. Von oben hat man einen herrlichen Blick ins Tal und auf den darunterliegenden See. Genau zu diesem Zeitpunkt hatte der See auch seine Farbe von dunkelblau in strahlendes hellblau gewechselt. Dies passiert einmal im Jahr für circa 14 Tage im Sommer. Santa Ana ist eine kleine, süße Stadt mit einer großen Kathedrale und einer bunten Altstadt. Am letzten Wochenende war ich in San Salvador bevor ich wieder zurück geflogen bin.
Ich bin sehr gut mit den Gastgebern und allen anderen Leuten zurecht gekommen und habe mich sehr wohl gefühlt. Diese lateinamerikanische Herzlichkeit und Offenheit macht es einem auch sehr einfach. Das Essen wird auf die Dauer ein wenig eintönig, da sehr fett und viele Kohlenhydrate gegessen werden. Aber es gibt natürlich auch unglaublich gute tropische Früchte, an denen man sich satt essen kann. Eigentlich hat fast jedes Haus ein Mangobaum, Bananenstaude, Papayabaum.:) Zum Frühstück wird häufig Instant-Kaffee und Bohnenpaste mit Kochbanane oder Brot gegessen.
Die wirtschaftliche Situation des Landes ist leider eher schlecht. Man erlebt wie viele Menschen davon sprechen in andere Länder auszuwandern. Fast jeder hat irgendeinen Verwandten in den US und kann eine Geschichte von dem Weg über die Grenze erzählen. Da es aber vor Ort nicht viel Arbeit gibt und selbst Ärzte sehr häufig arbeitslos bleiben, kann man schnell nachvollziehen, warum viele Menschen nur in der Abwanderung die Lösung sehen.

Fazit

Meine Erwartungen wurden über die Maßen erfüllt! Ich will auf jeden Fall in naher Zukunft nochmal zurück nach El Salvador, um die Leute zu treffen, und würde auch gerne weitere mittelamerikanische Länder kennen lernen. Ich kann mir nur jedem raten mit Unified for Health einen Austausch in El Salvador zu machen! Lasst euch nicht von der negativen Weltpresse über dieses Land abschrecken, ich habe mich immer sicher gefühlt und meine Zeit sehr genossen.

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