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Sprachkurs und Volontariat mit Atahualpa (Lateinamerika)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Johannes, Aachen

Motivation

Da ich während meines Studiums verschiedene medizinische Systeme und Krankenhäuser in der Welt kennen lernen wollte, entschied ich mich auch nach Südamerika zu gehen. Da ich vorher nur ein wenig Spanisch sprechen konnte, war das Angebot aus Spanischkurs und anschließend einem Praktikum eine super Kombination für mich.

Vorbereitung

Die wichtigste Vorbereitung ist entweder schon Spanisch zu sprechen oder zumindest Grundkenntnisse zu erwerben. Diese können dann in der Sprachschule vertieft werden. In Ecuador wird nur sehr wenig Englisch gesprochen weswegen Spanisch essenziell ist für den Austausch. Informationen über das Land findet man überall im Internet oder in Reiseführern. Außerdem können Wochenendausflüge oder eine Reise nach dem Austausch problemlos und meist sehr spontan vor Ort gebucht werden.
Wichtig ist es natürlich vorher an die entsprechenden Reiseimpfungen und evtl. Versicherungen zu denken.

Visum

Ein Visum muss vorher nicht beantragt werden. Man bekommt am Flughafen ein Visum für 90 Tage kostenlos ausgestellt.

Gesundheit

Es ist wichtig sich rechtzeitig um die Reiseimpfungen zu kümmern. Außerdem schadet es nicht, eine eigene Reiseapotheke mitzunehmen auch wenn es vor Ort viele Apotheken gibt. Vor allem wichtig sind Medikamente gegen Reisedurchfall und Übelkeit. Außerdem macht es Sinn zum Beispiel Elektrolyt-Pulver mitzunehmen, diese sind sehr gut, wenn man dann mal Durchfall hat.
Wichtig ist es außerdem ausreichend Sonnencreme und eine Kopfbedeckung mitzunehmen! In Quito ist die Sonne sehr stark und man verbrennt sich sehr leicht. Nehmt genug aus Deutschland mit, da die Sonnencreme vor Ort sehr teuer ist!
Wenn man in den Regenwald will macht es auch Sinn Mückenspray mitzubringen.

Sicherheit

Wie die wirkliche Sicherheitslage in Ecuador ist kann man nur schwer einschätzen. Gerade in den größeren Städten wie Quito und Guayaquil heißt es, dass man dort vorsichtig sein muss und dass dort viel gestohlen wird. Vor allem die Ecuadorianer selbst fühlen sich oft sehr unsicher und sagen einem oft, dass man sehr aufpassen muss. Es ist wichtig gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu befolgen, dann reduziert man die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert. Einige Tipps sind zum Beispiel:
- Nie viel Bargeld dabeihaben. Evtl. Brusttasche oder ähnliches nutzen.
- Immer nur eine Ausweiskopie mitnehmen
- Kreditkarte nur wenn nötig mitnehmen
- Handy nicht unbedingt an jedem Ort in der Öffentlichkeit zeigen
- Abends oder nachts ein Taxi/Uber nehmen
- In den Bussen vor allem bei Gedränge aufpassen
Trotz all der Sicherheitsbedenken sollte man sich aber auch nicht verunsichern oder abschrecken lassen. Ich habe mich in drei Monaten in Ecuador nie unsicher gefühlt und war sehr viel in der Stadt und in anderen Orten unterwegs.

Geld

Bezahlt wird in Ecuador mit dem Dollar. Die höchste Banknote, die verwendet wird, ist der 20-Dollar-Schein. Oft ist es kompliziert in kleineren Läden oder Ständen mit 10 oder 20 Dollar zu bezahlen, da oft kaum Wechselgeld vorhanden ist. Deswegen macht es Sinn, immer etwas Kleingeld bei sich zu haben. Mit Kreditkarte kann man in den größeren Läden zahlen. Es gibt sehr viele Bankautomaten und Geldabheben ist überhaupt kein Problem. In Ecuador ist die Verpflegung an sich nicht teuer. Was jedoch teuer ist sind importierte Produkte darunter z.B. Shampoo, Deo etc. Wenn ihr also könnt, nehmt am besten so etwas aus Deutschland mit.

Sprache

In Ecuador wird Spanisch gesprochen - und das fast ausschließlich. Nur wenige Ecuadorianer sprechen ein gutes Englisch. Von daher ist es wie oben schon gesagt wirklich wichtig, dass man einigermaßen gut Spanisch spricht (ca. B1). Gerade im Praktikum ist es umso wichtiger, um wirklich etwas aus der Zeit im Krankenhaus mitzunehmen und teilhaben zu können. Das Spanisch in Ecuador und vor allem Quito ist ein sehr gut verständliches und nicht zu schnell gesprochenes Spanisch. Durch den sehr intensiven Spanischkurs in der Sprachschule verbessert man sich sehr schnell und kann auch auf Nachfrage speziell medizinisches Vokabular und Ausdrücke üben.

Verkehrsbindungen

In Quito gibt es viele Möglichkeiten sich fortzubewegen. Da die Sprachschule sehr zentral liegt, kann man von dort aus fast alles zu Fuß erreichen, was ich persönlich sehr schön fand. Ansonsten ist es sehr einfach mit Taxi/Uber/Bus unterwegs zu sein. Wichtig ist es nur, dass man vor allem nachts schaut ein offizielles Taxi zu nehmen.
In andere Städte im Land kann man sehr einfach mit dem Fernbus fahren. Das Bussystem ist sehr gut und auch günstig. In Quito gibt es insgesamt drei Busterminals, von denen man in alle Regionen des Landes fahren kann.

Kommunikation

Am sinnvollsten ist es, sich vor Ort eine lokale Sim-Karte zu kaufen. Mit der hat man für z.B. 5 Dollar 1,5 GB Internet und meistens ist Whatsapp kostenlos mit inbegriffen. Somit ist die Kommunikation problemlos. Falls ihr im Apartment der Sprachschule untergebracht seid müsst ihr bedenken, dass dort das WLAN nicht wirklich gut ist.

Unterkunft

Ich war während der Zeit im Apartment der Sprachschule untergebracht. Insgesamt können dort 2 bis max. 3 Studenten in diesem Apartment wohnen. Das Apartment ist recht einfach aber ausreichend ausgestattet. Es gibt eine eigene Küche mit Kühlschrank und das Bad ist auch in Ordnung. Praktisch ist, dass man direkt über den Unterrichtsräumen wohnt und somit keinen weiten Weg zum Unterricht hat. Außerdem liegt die Sprachschule in einer wirklich zentralen und auch sicheren Gegend.

Literatur

Man kann sich vorher in einem Reiseführer belesen oder im Internet. Aber auch während des Sprachunterrichts kann man immer viele Informationen und Tipps von den Lehrerinnen bekommen, die meistens sehr hilfreich waren. Ansonsten macht es Sinn ein kleines Wörterbuch oder eine Übersetzer-App dabei zu haben, um evtl. etwas nachzuschlagen.

Mitzunehmen

Wichtig sind:
- Sonnenschutz
- Warme Kleidung (abends und nachts kann es sehr kalt werden)
- Regenjacke
- Tasche für Wertgegenstände
- Klinik: Kittel/Kasack und Stethoskop, mehr Utensilien braucht man nicht wirklich
- Evtl. kleines Desinfektionsmittel

Reise und Ankunft

Empfangen und abgeholt am Flughafen wurde ich von Martha und Vicente aus der Sprachschule. Vom Flughafen muss man dann nochmal ca. eine Stunde bis zur Sprachschule fahren. Die beiden waren dann noch mit mir zusammen essen, was sehr nett war.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war vier Wochen im Hospital Ingles auf der Intensivstation. Das Krankenhaus ist ein privates, mittelgroßes Krankenhaus in Quito, welches zu den etwas besseren der Stadt zählt. Von der Sprachschule liegt das Krankenhaus ca. 25 Minuten zu Fuß entfernt.
Die Intensivstation besteht aus ca. 8 Betten und einem Operationssaal. Betreut wird man während seines Praktikums durch Dr. Llano, einem Anästhesisten und gleichzeitig Intensivmediziner. Seine Schicht beginnt um 16 Uhr und geht bis 20 Uhr obwohl man öfters auch mal länger in der Klinik geblieben ist. Wie schon in vielen anderen Erfahrungsberichten beschrieben, handelt es sich bei Dr. Llano um einen wirklich netten und erfahrenen Arzt, der sich viel Zeit nimmt, wenn man ihm Fragen stellt. Außerdem bringt er einen nach der Schicht mit seinem Auto nach Hause was gerade so spät abends super war. Man hat auf den Fahrten Zeit viel über ihn selbst und Ecuador zu lernen!
Was die Arbeit im Krankenhaus betrifft muss einem eines bewusst sein: Es ist definitiv keine „Hands-on“ Famulatur. Wenn man mit dieser Erwartungshaltung dorthin geht, wird man sicher enttäuscht. Die meiste Zeit begleitet man die Visite, liest Befunde und die Akten und schaut bei kleineren Untersuchungen zu. Also wenn ihr selbst praktisch tätig werden wollt, macht es definitiv Sinn in ein anderes Krankenhaus zu gehen.
Neben dem medizinischen Alltag war es sehr spannend mit dem Personal in Kontakt zu kommen. Die Angestellten sind sehr freundlich und freuen sich, wenn man sich mit ihnen unterhält. Es ist interessant ihre Sicht über das medizinische System aber auch über Ecuador generell kennenzulernen – so lernt man einiges über das Land und die Leute. Da es immer mal wieder Leerlauf während der Schicht gibt, kann man diese Zeit gut nutzen sich zu unterhalten.
Wenn man nun das Krankenhaus mit einem deutschen Krankenhaus vergleicht fallen einen auf den ersten Blick gar keine so große Unterschiede auf. Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass es doch Unterschiede gibt. Gerade was die Hygiene angeht ist das Krankenhaus durchaus noch hinterher und immer wieder fehlen kleinere Utensilien, die benötigt werden. Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen dem Gesundheitssystem in Ecuador und in Deutschland.
Da Dr. Llano auch in einem anderen Krankenhaus arbeitet (Hospital Militar), hat man auch die Gelegenheit in dieses Krankenhaus reinzuschauen.
Insgesamt war es eine interessante Erfahrung, um Einblicke zu erhalten in das Gesundheitssystem von Ecuador und gleichzeitig die Zusammenarbeit des Teams auf der Station zu sehen. Aus praktischer Sicht war es wie oben schon gesagt weniger lehrreich.

Land und Leute

Ecuador ist ein kleines Land aber unglaublich vielseitiges Land. Selbst in drei Monaten hatte ich nicht die Möglichkeit alles zu Entdecken. Es gibt drei verschiedene Zonen: Küste, Hochland und Amazonas. Außerdem gibt es dann noch die Galapagos-Insel. Die Hauptstadt Quito liegt umgeben von Vulkanen im Hochland (Sierra). Allein in Quito gibt es viele Dinge zu sehen. Es gibt verschiedene Museen, eine tolle lebendige Altstadt und ruhige Parks. Ein Highlight ist sicher eine Fahrt mit der Seilbahn hoch auf über 4000 Meter von wo man eine wunderbare Sicht und die Umgebung der Stadt hat. Außerdem bekommt man so eine Idee wie groß die Stadt eigentlich ist. Wer will kann gleich von dort auch noch den Hausvulkan Quitos den Pichincha erklimmen, wofür man noch ca. 600 Meter weiter hochsteigen muss. Aber Vorsicht! Hier oben ist es empfindlich windig und kalt und gerade am Anfang sollte man die Höhe nicht unterschätzen. Ganz in der Nähe befindet sich außerdem die „Mitad del Mundo“ – Die Mitte der Welt, mit einigen interessanten Museen, wo man mehr über die Unterschiede zwischen Nord und Südhalbkugel lernen oder ein Foto auf dem Äquator machen kann.
Von Quito aus kann man viele Dinge unternehmen. Die Wochenenden eignen sich super dafür, die umliegenden Städte zu besuchen. Tolle Beispiele sind Otavalo mit einem großen traditionellen Markt, Mindo mit vielen Wasserfällen oder der Cotopaxi wo man Höhenluft schnuppern kann. Auch Banos und die Lagune Quilotoa sind definitiv ein Besuch wert. Alle Orte kann man einfach und günstig mit dem Bus erreichen. Wer etwas mehr Zeit hat kann dann etwas weiter fahren und zum Beispiel Cuenca oder die Küste, die wirklich schön ist, besuchen. Ich habe auch eine Tour in das Cuyabeno-Reservat gemacht, die sich wirklich gelohnt hat. Vor allem für Naturbegeisterte, die gerne aktiv sind, ist Ecuador ein super Ziel. Gerade dass man sich so einfach und schnell im Land fortbewegen konnte hat mir sehr gut gefallen.
Die Ecuadorianer sind freundliche Menschen. Viele sind nicht sehr reich und arbeiten hart, aber man wird trotzdem herzlich empfangen auch wenn in Quito die Menschen etwas reservierter sind. Spanisch zu sprechen öffnet hier wirklich Türen und man kann sich lange und über alles mit den Einheimischen unterhalten. Falls man unterwegs Fragen hat ist immer jemand zur Stelle der einem dann hilft.
Letztendlich kann man sagen, dass Ecuador ein tolles Reiseland ist aufgrund der Vielseitigkeit und der kurzen Distanzen. Es lohnt sich nach dem Praktikum sich noch ein wenig Zeit zu nehmen, um mehr von dem Land kennenzulernen und zum Beispiel die Küste oder die Amazonas-Region zu besuchen.

Fazit

Alles in allem kann ich sagen, dass die Zeit in Ecuador eine unglaublich interessante und kurzweilige Zeit war. Der Sprachkurs hat mir sehr schnell geholfen ein gutes Niveau in Spanisch zu erreichen und mich gut auf mein Praktikum vorzubereiten. Das Praktikum selbst war interessant vor allem wenn man mehr über das ecuadorianische Gesundheitssystem kennenlernen wollte, weniger jedoch aus praktischer Sicht. Ein Highlight waren letztendlich auch die vielen Ausflüge, die man unternehmen konnte, sodass ich alles in allem wirklich froh bin nach Ecuador gegangen zu sein.

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