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Spain Catalonia (AECS)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Rahel, Frankfurt

Motivation

Bei einer Infoveranstaltung der bvmd wurde die Möglichkeit über eine organisierte Auslandsfamulatur vorgestellt. Und da ich schon immer gerne reise und ins Ausland gehe, war das Interesse und die Begeisterung dafür sehr groß. Vor allem auch mal einen Einblick in ein anderes Gesundheitssystem zu bekommen und natürlich der Austausch mit Medizinstudenten aus aller Welt. Anfangs bewarb ich mich für Mexiko, Indien und Ruanda. Bunt durchmixt, aber die Auswahl ist sehr groß und die Entscheidung damit schwer. Diese wurde mir letztendlich abgenommen, da ich eine Absage für meine Präferenzen bekam und dann über die Restplätze nach Katalonien/Barcelona kam. Doch auch darauf freute ich mich sehr.

Vorbereitung

Allein über die Infoveranstaltung der bvmd konnte man einige Informationen über den Ablauf des Austauschs bekommen und Fragen beantworten lassen. Auch auf der Internetseite der bvmd konnte man sich noch genauere Informationen über Bewerbungsablauf, -verfahren und Fristen einholen. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit über den Facebook-Chat direkt Kontakt zu einem LEO aufzunehmen und ungeklärte Fragen zu stellen. Durch die vorhandenen Checklisten und hinterlegten Dokumente war der Bewerbungsablauf recht übersichtlich. Es wird ziemlich viel gefordert und es lohnt sich daher früh mit der Bewerbung anzufangen und sich damit zu beschäftigen. Man kriegt auch sehr schnelle Rückmeldungen bei Fragen oder über den Status der Bewerbung. Ich persönlich hatte leider aus zeitlichen Gründen nicht die Möglichkeit gehabt am PreDeparture-Training teilzunehmen. Aber das Angebot besteht und hilft sicherlich sich für den Auslandsaufenthalt vorzubereiten. Ansonsten hat man auch vom Gastland Informationen per Mail bekommen und konnte sich gut einlesen. Auf der Internetseite der IFMSA gibt es zusätzlich Möglichkeiten sich, wenn man das erste Bewerbungsverfahren über bvmd geschafft hat, noch zu informieren und in der persönlichen Exchange-Plattform Einblick über den Status zu bekommen.

Visum

Da Spanien in der EU ist, war kein Visum nötig und somit sind alle damit verbundenen Arbeiten weggefallen.

Gesundheit

Im Grunde genommen habe ich keine speziellen Vorkehrungen getroffen. Ein Tuberkulosetest ist für das Bewerbungsverfahren notwendig, den habe ich in Form eines Röntgen- Thorax bei meinem Hausarzt machen lassen. Ansonsten war alles recht unkompliziert.

Sicherheit

Die Sicherheitslage ist unbedenklich. In der Innenstadt wird man häufig vor Taschendieben gewarnt, dort gilt es vorsichtiger mit den Wertsachen in Ruck- und Handtaschen umzugehen. Ansonsten habe ich über die „Deutsche Ärzteversicherung“ das Auslandsfamulatur-Paket ganz unkompliziert mit Unfall- und Haftpflichtversicherung geholt.

Geld

Ganz unkompliziert in Euros. In Barcelona wird überwiegend gerne mit Kreditkarte gezahlt. Wenn man bei dem Geldinstitut keine Gebühren zahlen muss lohnt es sich auf jeden Fall, ansonsten ist Bargeld auch kein Problem. Auch das Abheben gestaltet sich komplikationslos an allen ATMs. Barcelona ist eine recht teure Stadt, das Essen- und Ausgehen ist im Zentrum relativ teuer. Vor allem touristische Attraktionen sind sehr kostspielig. Bisschen außerhalb jedoch hat man niedrigere Preise. Zusammenfassend sind die Lebenshaltungskosten vergleichbar mit denen in Deutschland, eventuell etwas höher. Man bekommt zwar über die LEOs dort Taschengeld, dies deckt jedoch höchstens die Monatskarte ab.

Sprache

Vor dem Austausch habe ich ein Sprachkurs A1 belegt, damit ich eine Grundlage bekam, da ich nie Spanisch in der Schule hatte. An sich ist es nicht notwendig bzw. auch keine Voraussetzung für den Austausch die Sprache zu sprechen. Viele der anderen Austauschstudenten konnten auch kein Spanisch. Ich hatte den Wunsch/ Anspruch etwas Spanisch zu lernen. Im Krankenhaus selbst haben die jungen Assistenzärzte meist Englisch gesprochen, einige wenige konnten sogar etwas Deutsch. In der Regel wird dort jedoch Castellano (Spansich) als auch Catalan gesprochen. Anfangs war es schwierig beides voneinander zu unterscheiden. Weil ich aber Französisch spreche, konnte ich relativ schnell die Unterschiede raushören, Catalan ist ein Mix aus Französisch und Spanisch, meiner Meinung nach eine sehr schöne Sprache. Nach den ersten beiden Wochen hat man auch immer mehr Castellano verstehen können. Das Sprechen jedoch ist etwas schwieriger, um im Supermarkt und Restaurants zurecht zu kommen hat es gereicht.

Verkehrsbindungen

Die Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel ist in Barcelona sehr gut. Mit der Bahn/Metro kommt man recht zügig ins Zentrum. Da unsere Unterkunft außerhalb der Stadt auf einem Campus war, waren wir abhängig von der Bahn, die 40 min ins Stadtzentrum fuhr. Leider wurde ich in ein Krankenhaus in Badalona eingeteilt, das nördlich von Barcelona liegt. Mit dem öffentlichen Busverkehr hat der Weg insgesamt 2 Std gedauert. Da wir zu 5. In dem Krankenhaus eingeteilt waren, war die Fahrt einigermaßen erträglich. Da das Krankenhaus auch eine gute Lehre macht lohnte sich der Weg. Außerdem hatte man von dem Krankenhaus aus, eine wunderschöne Aussicht und es gibt einen schönen Strand in Badalona.
Die Monatskarte kostet um die 50€ mit der man 30 Tage lang unbegrenzt in Barcelona Zone 1 fahren kann.

Kommunikation

Da man europaweit kostenloses Roaming hat, waren keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Am Campus also in der Unterkunft hatte man Zugang zu WLAN. In Barcelona hatten wir als Austauschgruppe eine WhatsApp-Gruppe in der alles Mögliche wie Treffpunkte, Pläne und so weiter kommuniziert oder Bilder geteilt wurden.

Unterkunft

Der Großteil der Austauschleute wurde gemeinsam in Appartements am Campus Vila UAB in Bellaterra untergebracht. Einige sind in Sabadelle in eine Gastfamilie gekommen. Die Unterkunft wurde uns gestellt, wir mussten bei Ankunft lediglich die Appartementkarte abholen. Ich war in einem 5er Appartement untergebracht. Meine Mitbewohnerinnen waren sehr nett und entspannt. Abends haben wir uns alle immer spontan zum entspannten Beisammensitzen getroffen. Die Wohnungen waren mit allen nötigen Dingen ausgestattet, von Wäscheständer, Bettwäsche bis hin zu Töpfen und Mikrowelle. Am Campus hatten wir sogar ein Pool und ein Volleyball Platz.

Literatur

Ich habe keine Literaturrecherche betrieben. Vor Beginn habe ich mich ein wenig online über das Krankenhaus und die Stadt informiert. Gerne lasse ich mich jedoch überraschen und die Dinge auf mich zukommen.

Mitzunehmen

Strandsachen! Besonders wichtig und werden mit Sicherheit oft benutzt. Fürs Krankenhaus würde ich noch einige langen Hosen und geschlossene Schuhe mitnehmen. Im Sommer ist es sehr heiß und dementsprechend wird die Klimaanlage extrem aufgedreht.

Reise und Ankunft

Einige Wochen vor Beginn hatte ich mit meiner Kontaktperson geschrieben, die mich auch am Flughafen abgeholt und zu sich eingeladen hatte, da ich ein Wochenende vor Praktikumsbeginn schon in Katalonien ankam. Sie hatte mir ihre Stadt Gava, die in der Umgebung Barcelonas liegt gezeigt.
Auch am ersten Tag begleitete mich meine Kontaktperson und klärte alles Organisatorische für mich ab, sodass ich genau wusste wer dann mein Ansprechpartner im Krankenhaus war.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mich interessiert die Notfallmedizin. Ich hatte Glück und wurde in Emergency Medicine eingeteilt und verbrachte die 4 Wochen in der Notaufnahme. Da die Notaufnahme selbst in verschiedene Fachbereiche eingeteilt war, durfte ich rotieren. Dementsprechend war ich 2 Wochen in Trauma, eine Woche in der Inneren Medizin und die letzte in der pädiatrischen Notaufnahme. Es war super spannend, durch die Sprachbarriere hatte ich selten alleine Anamnesegespräche, durfte aber Untersuchungen machen und mit Hand anlegen. Meistens bin ich mit einem Resident mitgelaufen, der mir zwischendurch Einiges erklärt hatte.
Besonders überrascht war ich von der guten Triage dort. Abgesehen von der gängien Einteilung der Notfälle gab es grob gesagt zwei Bereiche, einmal für weniger schwere Verletzungen und einmal für größere Notfälle. Ich war in der mit schwereren Verletzungen und durfte etwas spannendere Fälle sehen.
Einmal habe ich ein Polytrauma miterlebt und innerhalb von 5 Minuten noch bevor der Patient eintraf war all das nötige Fachpersonal bereit.
Ansonsten hat das Pflegeperson im Vergleich zu Deutschland über das Pflegerische hinaus mehr medizinische Verantwortung, sie legen die Zugänge, nehmen Blut ab und verabreichen Medikamente.
Ein Patient hatte eine Schnittverletzung, sodass die Sehne des betroffenen Muskels rupturiert war. Die Sehnenenden wurden noch im Raum der Notaufnahme gesucht und zusammengenäht, das alles nur in lokaler Narkose, anschließend wurde er heim geschickt.
Ein anderer Patient, 8 Jahre alt, hatte eine Unterarmfraktur. Der Knochen wurde nach röntgenologischer Bildgebung vom erfahrenen Arzt einfach repositioniert und eingegipst. Ohne OP, ohne Narkose oder Schmerzmittel. Anschließend ging es auch für ihn nach Hause.
Das sind einige wenige Beispiele, die zeigen sollen, dass der spanische Stil etwas anders ist. Was in Deutschland klare OP-Indikationen sind, wurde dort einfach gemacht.
In Spanien gibt es viele junge Ärzte. Nach der Uni, die sehr theorielastig sein soll, werden die meisten mit 25 Jahren in den Klinikalltag geschmissen und haben auf einmal enorm viel Verantwortung. Außerdem gibt es genau wie in vielen anderen europäischen Ländern ein Rankingverfahren für die Wahl der Facharztweiterbildung. Je nach erreichter Punktzahl in den Abschlussexamen darf man eine bestimmte Fachrichtung wählen. Da ist man in Deutschland eigentlich ganz froh, dass man frei auswählen und entscheiden kann.
Eine weitere Besonderheit des Gesundheitssystems in Spanien ist, dass je nach Wohnort und Bezirk ein bestimmtes Krankenhaus zuständig ist. Der Patient hat also keine freie Wahl in ein bestimmtes Krankenhaus zu gehen. Außnahmen sind besonders schwere Verletzungen oder wenn ein Patient sich in seinem Urlaub verletzt. Ansonsten werden sie unbehandelt an für ihnen zuständiges Krankenhaus verwiesen.
Wo es so gut wie keine Unterschiede gibt, ist die Dokumentation. Wie auch im deutsche Klinikalltag musste dort viel dokumentiert werden, was je nach Fachbereich um die 50-70% der ärztlichen Arbeit ausgemacht haben.

Land und Leute

Spanier sind super entspannt und freundlich. Mit der Mentalität kommt man echt gut zurecht. Es wird kaum gestresst. Die spanische Zeit wurde uns auch ziemlich schnell beigebracht. Jeder Spanier kommt in der Regel immer zu spät, meistens nicht nur einge Minuten sondern auch gern mal 1-2 Std.
Auch im Krankenhaus sagte man mir ich solle gegen 9 Uhr kommen, wenns aber auch mal 10 Uhr wird wäre es kein Problem.
Im Krankenhaus war man untereinander immer sehr freundlich. Auch Ober- oder Chefärzten den Assistenzärzten oder Studenten gegenüber. Ich habe häufig nach dem Arbeitstag mit einer großen Gruppe von Assistenzärzten Volleyball am Strand gespielt.
Auch innerhalb der Austauschgruppe haben wir viel gemeinsam unternommen. Es gab ein Social Program, das mit Aktivitäten von LEOS gefüllt war. Wir waren mit ihnen gemeinsam bowlen, haben Ausflüge und Sightseeing-Touren gemacht. Auch das Nachtleben wurde uns näher gebracht, haben gemeinsam Bars abgeklappert oder sind in bekannte Clubs gegangen.
Unter der Woche haben wir nach den Praktikumstagen immer mal zusammen gesessen, gemeinsam in kleinen Gruppen gekocht, Spiele gespielt, am Pool abgehangen oder auch Volleyball gespielt.
An den Wochenenden haben wir uns meistens für größere Ausflüge entschieden. Wir haben eine Beach-Hopping-Tour an der Costa Brava gemacht oder sind in die Stadt Girona, wo auch Szenen von Game of Thrones gedreht wurden, gefahren.
Gemeinsam hatten wir eine Salsa-Night organisiert, an dem eine von den LEOs uns die Basisschritte für Salsa und Bachata beigebracht hatte.
Besonders cool war die National-Food-and-Drink-Party, zu der jeder etwas Spezielles aus der Heimat mitbringen und vorstellen sollte. Da wir eine ziemlich große Gruppe von ungefähr 40 Leuten waren, kam einiges an kulinarischen Besonderheiten zusammen.
Unser Social Program war nicht so voll und auch auf freiwilliger Basis, sodass man recht flexibel war und sich in Kleingruppen für spezielle Aktivitäten entschieden hatte.
Barcelona ist eine echt schöne Stadt und bietet extrem viele Möglichkeiten die Freizeit zu gestalten.
Man hat genug Zeit die Stadt von der touristischen als auch einheimischen Seite kennenzulernen. Ich habe mir ganz gerne Tipps bei den Assistenzärzten eingeholt.
Besonders schön fand ich folgende Dinge:
- die Aussicht von den Bunkers del Carmel
- Parc Guell (wobei 10€ Eintritt überteuert sind, man sollte lieber vor 8 Uhr oder nach 21:30 UHr kostenlos hin)
- Café, Restaurants und Läden im Barri Gotic und el Raval
- La Sagrada Familia (kostenlos an Sonntagen zu den Messen, habe ich leider nicht schaffen können)
- Aussicht von Tibidabo aus
- Camp Nou (ich hatte Glück, dass da die Saisoneröffnung war und ich das Freundschaftsspiel Barcelona - Arsenal sehen konnte)
- natürlich in der Umgebung wie die Costa Brava, die Stände in Castelldefels und Sitges.

Fazit

Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Ich habe nicht nur das spanische Gesundheitssystem kennengelernt, sondern auch viele weitere ausländische, da man stetig im Austausch mit den Leuten aus der Gruppe steht. Ich habe viele internationale Freundschaften geknüpft, habe zu viele heute noch Kontakt und werde sie mit Sicherheit mal in ihren Heimatländern besuchen.
Ich kann jedem nur eine Auslandsfamulatur empfehlen!

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