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Taiwan (FMS Taiwan)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Florian, Bochum

Motivation

Nachdem mein erster bvmd Austausch in Brasilien mir die Möglichkeit gab mich selbst, eine andere Kultur, einen anderen Kontinent und ein anderes Gesundheitssystem besser kennenzulernen und nicht zuletzt mein Leben auf den Kopf gestellt hat, hatte ich Lust auf mehr. Ich wollte Asien kennenlernen. Aufgrund der Erfahrungsberichte bezüglich der Sprachbarrieren schien Taiwan noch die geringsten Hürden zu bieten, im Vergleich zu Japan und Indonesien, die die direkte Konkurrenz darstellten.

Vorbereitung

Im Vergleich zu meinem vorherigen Austausch habe ich mich nennenswert weniger vorbereitet, da ich bereits vor jenem ein Pre-Departure-Training besucht hatte. Durch meine Arbeit im Austauschprogramm der bvmd bin ich mit den Strukturen auch bestens vertraut. Ich hätte mich jedoch sprachlich und kulturell deutlich besser vorbereiten sollen, dafür hatte ich leider keine Zeit, diese Zeit hätte ich mir nehmen müssen.

Visum

Deutsche Staatsbürger können mit dem Reisepass 90 Tage Visumfrei einreisen.

Gesundheit

Eine gute Reiseapotheke sowie Sonnen- und Mückenschutz sind natürlich Pflicht. Auch eine Reisekrankenversicherung. Bei der Lebensmittelhygiene kommt es auf die eigenen Bedürfnisse an, ob man auch das Streetfood aus dem allerletzten Stand probieren möchte oder nicht. Malaria ist kein Problem. Ich musste für die Famulatur ein Röntgen-Thorax einreichen, welches ich in meiner Uniklinik habe anfertigen lassen.
Bezüglich Impfungen hatte ich dank einer Kommilitonin folgende Informationen:
- Standardimpfungen
- Hepatitis A ist für alle empfohlen: Impfstoff kostet 53,00€, eine Impfung reicht für einen Grundschutz und die 2. Impfung gibt dann eben den Langzeitschutz, aber für Taiwan reicht da erstmal eine aus.
- Typhus macht auch Sinn, mit 30,00€ absolutes Schnäppchen
- Ich habe mir jetzt noch Meningokokken ACWY geholt (auch einmal 53,00€), da ich nach dem AM noch reisen will und es eine Empfehlung gibt, wenn man in Hostels schläft bzw. in größeren Menschengruppen unterwegs ist/viel bei Einheimischen.
-> gerade für alle, die außerhalb von 4* Hotels reisen wollen
- Cholera ist auch empfohlen bei Langzeitaufenthalten. Der Arzt meinte jetzt, es wäre nicht unbedingt notwendig, wenn man auf Hygiene achtet und nicht gerade in Katastrophengebieten unterwegs ist. Es würde aber Sinn machen, auf der Seite vom Auswärtigen Amt nachzusehen, ob es da gerade Ausbrüche gibt.
-> müsst ihr selbst wissen
- Japanische Enzephalitis gibt es, wenn ihr 4 Wochen im Reisanbaugebiet/auf einer Schweinefarm oder sonst wo im sehr ländlichen Raum unterwegs seid. Der Arzt meinte zu mir, dass es bei einer Durchreise/Rundreise oder 2 Tagen in solchen Gebieten höchst unwahrscheinlich ist, sich was einzufangen.
-> Mückenschutz!
- Dengue-Fieber
-> Mückenschutz!!!
- Tollwut: gibt es auf der Insel, Immunglobuline sind überall verfügbar, steht nicht mal auf den Impfempfehlungen, da es nicht so häufig ist, lasst euch nicht von Hunden oder Affen beißen
-> muss jeder selbst entscheiden, aber der Impfstoff ist leider auch recht teuer :/

Sicherheit

Nach meinem Austausch in Brasilien war Taiwan wohl nun das Gegenteil. Es ist ein super sicheres Land. Man wird von den meisten Menschen kaum beachtet, aller höchstens neugierig angeschaut. Ich habe mich zu allen Zeitpunkten wohl gefühlt. Es gibt wohl schon Problemviertel, so hörte ich zumindest. Über diese sollte man sich informieren.

Geld

Die Währung ist der Taiwanesische Dollar. Die Lebenshaltungskosten entsprechen mehr oder weniger unseren, man sollte auf keinem Fall in Taiwan ein super günstiges Land ala Süd-Ost-Asien Backpacker erwarten. Man kann jedoch, wenn man darauf achtet auch günstig Essen finden, nicht zwangsläufig auf den Nightmarktes, aber bei den „Restaurants“ um die Ecke.
Ich benutze immer die Kreditkarte der Apobank zum gratis Geld abheben und dieses Mal als Ergänzung die Kreditkarte von N26 zum gratis direkt oder online Bezahlen. Damit war ich bestens gerüstet.

Sprache

Vielleicht liegt es an meinen Ansprüchen, aber ich war mit meiner Vorbereitung überhaupt nicht zufrieden. Ich finde es gehört sich, zumindest die Smalltalk Basics zu lernen. In Taiwan spricht man Mandarin und ja, dieses ist schwierig. Aber eine Basis sollte nie zu viel verlangt sein. Man kommt im Alltag mit Englisch und Gesten klar, aber auch in solchen Situationen stellen Grundkenntnisse einen enormen Vorteil dar. In der Klinik kommt es sehr auf die Abteilung an. Ist man in der Chirurgie die ganze Zeit einem Arzt zugeteilt, der gut Englisch spricht, kommt man bestens aus. Auch die Entlassbriefe sind auf Englisch, sodass man diesen Informationen entnehmen kann. Da ich aber in der Notaufnahme war und das Team dort ständig rotiert, kann ich es ohne Sprachkenntnisse nicht empfehlen, da es nicht immer jemanden gab, der Lust hatte und fähig war, mir etwas zu zeigen. Wie so oft sind Sprachkenntnisse also für nicht chirurgische Fächer also auch die Notfallmedizin (was ich vorher hoffte sei anders) unabdingbar.

Verkehrsbindungen

In Taichung, wo meine Famulatur stattfand, sind die Busse erfreulicherweise umsonst. Leider gibt es dort (noch! Sie öffnet nächstes oder übernächstes Jahr) keine Metro, sodass sich die Strecken wirklich in die Länge ziehen können. Es lohnt sich früh einen Account bei dem Fahrradverleih-Service zu erstellen, denn jeweils die ersten 30 Minuten sind umsonst und somit stellt dies eine Alternative dar. In Gruppen kann Uber gut genutzt werden. Für interstädtische Reisen gibt es 3 Möglichkeiten: Bus, Zug, Highspeedrail. Letztere ist mit Abstand die schnellste, aber auch teuerste Variante (Taichung – Taipeh 20€, 50 Minuten). Mit dem normalen Zug ist man mit ungefähr 9€ dabei in 2-3 Stunden. Mit dem Bus ist man noch etwas günstiger unterwegs aber auch noch etwas langsamer als der normale Zug. Im Bus hatte ich aber deutlich mehr Komfort und würde diesen deshalb dem normalen Zug vorziehen. Empfehlenswert ist „U-Bus“. Alle Verbindungen verkehren viele Male täglich und die letzten Fahrten finden zwischen 21 und 23 Uhr statt. Nachts gibt es nirgendwo ÖPNV.

Kommunikation

Weder in meinem Dorm noch in der Studi-WG hatte ich WLAN! Ich habe mir deshalb von Anfang an für ca. 30 Tage und 30€ eine Sim-Karte mit unbegrenztem Datenvolumen geholt, die mir sehr gute Dienste geleistet hat (bei dem Netzausbau können wir uns in Deutschland wirklich nur in Grund und Boden schämen). Tipp: Findet vorher heraus, ob ihr WLAN habt und macht eure Entscheidung davon abhängig, welches Paket ihr benötigt.

Unterkunft

Die ersten zwei Wochen war ich im Dorm untergebracht. Das lag direkt gegenüber vom Krankenhaus und war dementsprechend von der Lage unschlagbar. Ich hatte zusätzlich das Glück, ein Doppelzimmer ganz für mich allein zu haben, mit privatem Bad, das war wunderbar. Es war alles sauber und es gab zwar keine Küche, aber eine Mikrowelle und einen Wasserspender auf dem Flur.
Die zweite Hälfte verbrachte ich dann in einer WG mit Mitbewohnern, die ich kaum zu sehen bekam. Mein Zimmer dort war deutlich kleiner, aber da ich ein eigenes hatte, war ich vollkommen zufrieden und auch mit dem Bad gab es keine Probleme. Hier gab es zwar eine Küche, aber ohne jegliches Geschirr o.ä., sodass diese auch unnütz war, was vermutlich an der Essenskultur liegt, als auch an dem Gefühl, dass alle Studis dort mehr oder weniger frisch eingezogen sind. Immerhin gab es dort einen Kühlschrank, sowie auch einen Wasserspender und Mikrowelle. Die Wohnung lag 15 Minuten zu Fuß vom Krankenhaus entfernt und meine Contact Person (CP) gab mir sogar noch ein Fahrrad – alles top. In beiden Unterkünften hatte ich außerdem eine Klimaanlage.

Literatur

Ich habe keine spezielle Literatur zur Vorbereitung gelesen, da ich vorher Teil eines Studierendentreffens in Taiwan war und wir im Rahmen dessen uns etwas auf das Land vorbereitet hatten. Auch zum Reisen habe ich mich nicht vorbereitet.

Mitzunehmen

Kittel, 2x lange Hosen und sonst das normale Reisegepäck. Ein Pulli kann hilfreich sein, wenn man schnell mit Klimaanlagen friert. Ich hätte am Ende eigentlich keinen gebraucht In Taiwan ist es unglaublich heiß, deshalb kann zwischendurch auch mal Handwaschmittel dienlich sein.

Reise und Ankunft

Ich bin von Hamburg ungeplant über Moskau und dann nach Hong-Kong geflogen. Dort habe ich zwei Tage verbracht und bin dann nach Taiwan geflogen. Von Bali aus geht es zurück nach Deutschland. Die Interkontinentalflüge allein kosteten 580€ 2,5 Monate vor Praktikumsbeginn. Der Flug von Hong-Kong nach Taiwan ca. 100€. Ich kam deutlich vor dem Praktikumsbeginn in Taiwan an, wegen oben genanntem Studierendentreffen. Nach Taichung für die Famulatur fuhr ich am Freitag vor dem Montag des Praktikumbeginns. Dort konnte meine CP mich leider nicht abholen, aber ich habe einen Freund, der sogar CP für einen anderen Incoming war, der mir sagte zu welchem lokalen Bahnhof ich muss und dort trafen wir uns und er machte mit mir den Dorm Check-in. Das war auch nötig, da die Angestellte kein Englisch sprach. Tatsächlich war ich dann aber von Samstagnachmittag bis Sonntagabend nicht mehr in Taichung. Am Montagmorgen traf ich mich kurz vor 8 mit meiner CP direkt vor dem Dorm und er brachte mich in die Abteilung.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Praktikum fand in der Notfallaufnahme statt. Um 8 Uhr ging der Tag mit einem Mini-Vortrag los, den ich mir aber schenken durfte, da dieser auf Chinesisch gehalten wurde. Danach gingen die Ärzte in ihren Verantwortungsbereich. In der ZNA gab es die Pflegekräfte und Ärzte, sowie Blockpraktikastudierende. Unter den Ärzten gab es wie bei uns die Assistenzärzte, Oberärzte und Chefärzte (mehrere), sowie Ärzte im Praktikum (PGY). In Taiwan müssen die frisch graduierten Ärzte zwei Jahre durch alle Stationen rotieren, mal mehr mal weniger Zeit in einem Bereich. Für diese finden sehr regelmäßig Lehrveranstaltungen statt, an denen ich auch teilnehmen konnte. Oftmals waren diese leider auf Chinesisch. Wenn es aber jemanden gab, der mir Dinge erklärt hat oder gar wie ein Professor das ganze Seminar zweisprachig gehalten hat, konnte man einiges lernen. Ebenso gab es einige advanced-cardiac Support Simulationen für die PGY und Rettungssanitäter, die dort eine Fortbildung machten und ebenso wie ich Gäste waren. Auch dadurch gab es viel Programm. Ich hatte ca. vier Ärzte, an die ich mich im Laufe der Zeit wenden konnte für mehr als fünf Minuten Teaching. Das war u.a. der Senior Resident, der für mich hauptverantwortlich war, durch das Schichtsystem aber nicht immer vor Ort, aber auch nicht immer motiviert war, mir etwas beizubringen. Auch, wenn ich versucht habe sehr offen aufzutreten, hatte ich das Gefühl, dass einige nicht aus mangelnder Motivation, sondern aus Respekt vor der englischen Sprache nicht mit mir geredet haben, obwohl sie dieser ausreichend mächtig waren für ein Gespräch. Es ist natürlich aber auch einfach schwierig jedes Gespräch mit Patienten zu übersetzen. Auf der anderen Seite gab es die kritischen Fälle, bei der Kommunikation gar nicht mehr möglich war. Dann habe ich versucht einen der Studenten zu fragen, was genau passiert ist, da die Ärzte da natürlich auch beschäftigt waren. Die Ärzte, mit denen ich gearbeitet habe, waren leider nie in der „Inneren“ der ZNA, sondern immer in der Chirurgie, Pädiatrie oder critical care, sodass ich von ersterer wenig mitbekommen habe. Für die anderen Bereiche gilt, dass die meisten Patienten Scooterunfälle präsentierten, mehr oder weniger schwerwiegend. Auch Stürze gehörten mit zu den häufigsten Verletzungsursachen, aber ab und an auch Intoxikationen. Spannend war es zu sehen, wie die gelehrten Inhalte in den Teachings schnell angewandt wurden. So hatten wir einen Workshop zum Thema Lungenultraschall und diesen versuchten die jungen Ärzte auch direkt im Alltag zu verinnerlichen – ein Bereich, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte, zur Diagnose von Embolien oder Pneumonien bspw.. Die teilweise bizarren Wunden, haben mich in der Situation kaum gestört, anmerkend, dass ich auch keine besonders schwerwiegenden offene Verletzungen gesehen habe. Doch eine Patientin ist mir immer noch gut in Erinnerung. Wir hatten sehr viele Schädel-Hirn-Trauma und damit auch sehr viele intrakranielle Blutungen. Eine junge Frau, geschätzt um die 30, war davon ebenfalls betroffen, sie war ohnmächtig, bewegte sich jedoch manchmal, als würde sie schlafen. Ihr Bruder sah besorgt auf sie. Auf meine Frage, wie es um die Patientin stehe, die dort lag als würde sie friedlich träumen, antwortete mein Betreuer: Sehr schlecht – und erzählte mir von der „Diffuse axonal injury“. Eine Zerstörung der Axone, vermutlich durch die Scherkräfte, bei der lebenserhaltende Reflexe und unwillkürliche Bewegungen erhalten bleiben, die Patienten aber nur sehr selten wieder aufwachen. Der Arzt ergänzte, dass es nicht die richtige Umgebung sei, die Familie über die Situation aufzuklären. Ich konnte also nur auf den hoffnungsvollen besorgten Blick des Bruders schauen, der den Monitor genau auf Änderungen inspizierte und keine Ahnung hatte, dass diese überhaupt keine Rolle spielten. Einer der schwierigsten Moment, die ich jemals im Krankenhaus hatte. Ich denke, so etwas kann überall passieren, man sollte sich in der ZNA aber auf eine höhere Frequenz dieser Momente einstellen.

Land und Leute

Die Taiwanesen sind ein sehr gastfreundliches, ruhiges und höfliches Volk. Ich habe mich nie unwohl gefühlt – aber auch nicht Teil der Kultur, da Gespräche oft über Smalltalk nicht hinausgingen. Der Konflikt mit China wird von der jungen Generation teilweise radikaler betrachtet, als von der älteren. Die jungen Leute sind stolze Taiwanesen und keine Chinesen. Dennoch schwebt dieses Damoklesschwert irgendwo doch über der Wirtschaft, der es alles andere als schlecht geht, und den Köpfen der jungen Menschen mit Blick auf Hong-Kong.
Was für mich sehr gewöhnungsbedürftig war, ist die fehlende Kochkultur. Ich bin nun wirklich kein begnadeter Koch aber Produkte aus Supermärkten zu kaufen und in einer Küche irgendwie zuzubereiten war weder im Dorm noch in der WG möglich oder gängig. Auch im Krankenhaus bestellten alle Abteilungen jeden Tag essen mit dem Lieferservice für 2,70€. (Es gab aufgrund der Rettungssanitäter Gäste und den verbundenen Workshops auch oft Essen umsonst oder wir sind gar Essen gegangen – Hot Pot mit Kobe beef oder Taiwanesisches BBQ – ich wurde verwöhnt.) Das liegt auch einfach daran, dass man gut und gerne in dem Restaurant um die Ecke eine schöne Portion Beefnudeln essen kann. Dabei merkt man auch schon, dass vegetarisch sein in Taiwan gar nicht so einfach ist. Mein absoluter Favorit sind jedoch die Dumplings. Am liebsten aus dem Restaurant mit dem Michelin Stern, aber auch aus dem 7-11 nebenan (und es gibt wirklich immer einen nebenan), konnte ich Dumplings zu jeder Tages- und Nachtzeit konsumieren.
Ich bin zwei Mal mit meinen Contact Persons Essen gegangen, aber das Eis ist nicht wirklich gebrochen. Gemeinsames Social Program wurde offiziell leider nicht organisiert. Aber: Mein Freund, der auch Contact Person war, hat praktisch jeden Abend Unternehmungen gestartet. Zusammen haben wir die Gruppen der beiden Fakultäten etwas zusammenschweißen können. Ich konnte aus persönlichen Gründen, da ich oft nach der Arbeit noch anderweitig eingebunden war, leider nicht immer teilnehmen, aber wer flexibel war und nach dem Praktikumstag wirklich Feierabend hatte ist durch ihn definitiv auf seine Kosten gekommen. Dennoch habe auch ich viele Dinge gesehen unter anderem die Wetlands (sehr empfehlenswert), verschiedene Nachtmärkte, Karaoke, Hot Pot und natürlich haben wir eine NFDP mit anschließender Clubnacht zelebriert. In den Clubs herrscht ziemlich Geschlechterungleichheit, sodass Mann mehr zahl, als „schlecht“ angezogene Frau, zahlt mehr als „gut“ angezogene Frau. Für 400 TWD erlangt man so den Eintritt und tatsächlich eine Getränkeflatrate.
Jedes Wochenende haben wir andere Ausflüge organisiert. Was mir besonders gut gefallen hat, war Kenting, Taitung, der Taroko Nationalpark, Yulien Geopark, die Gaomei Wetlands und der Sunmoon Lake. Taipeh gehört natürlich auch auf die Liste und dort ein Besuch auf dem Elephantmountain. Leider sind wir genau an einem Wochenende nach Hualien gefahren, als dort der zweite Taifun meines Aufenthaltes eintrudelte, sodass dieser Ausflug im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen ist. Generell muss man sagen, obwohl es kein Geheimnis ist, dass Sommer Taifunsaison bedeutet, wählte ich Taichung aufgrund des ihm nachgesagten guten Wetters aus. Die ersten zwei Wochen war das Wetter aber nur furchtbar und alle Einheimischen sagten „sowas hatten wir noch nie“, da Taichung eigentlich durch die Berge von den Taifunen abgeschirmt wird. Auch mein erstes Erdbeben habe ich in Taipeh verlebt. Für Gefahr seitens der Natur gibt es automatische Warnungen auf das Handy, wenn man eine taiwanesische SIM benutzt. Wirklich unsicher, habe ich mich aber nur bei dem Erdbeben gefühlt, was sich auch als harmlos herausstellte.

Fazit

Meine Erwartungen an das Praktikum wurden leider enttäuscht. Ich habe generell sehr hohe Ansprüche, wenn man vor Ort sein muss, aber weder hilfreich sein kann noch etwas lernt, ist es besonders bedrückend. Deshalb kann ich die Sprachkenntnisse für derartige Bereiche nur unterstreichen. Es kann auch anders sein, wenn es eine der ersten Famulaturen ist oder man sich generell mit nur Beobachten zufrieden gibt. Ansonsten sollte man in einen chirurgischen Bereich gehen.
Zum Asien kennenlernen, kann ich Taiwan aber wärmstens empfehlen. Dadurch, dass es sich um ein sicheres und entwickeltes Land und Gesundheitssystem handelt, halte ich es für sehr "anfängerfreundlich". Ich werde aber nicht in naher Zukunft zurückkehren, da ich eben im Zwischenmenschnlichen nicht so optimal mit den Einheimischen harmoniere. Das bedeutet nicht, dass man sich nicht verstanden hat, aber eine tiefere Ebene fehlte, was aber auch den Umständen geschuldet war, dass ich neben dem Praktikum viel zu tun hatte. Auch dort arbeiten könnte ich mir aus diesen Gründen nicht vorstellen - nirgendwo in Asien soweit. Es ist aber spannend zu sehen, dass dieses Gefühl, welches ich in Brasilien hatte anscheinend nicht einfach durch das "Austauschfeeling" kommt, sondern auch davon, wie sehr man als Individuum mit einer Kultur kompatibel ist - und das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wenn man sich die zahlreichen Asienreisenden anschaut.
Im Endeffekt bedeutet das mit mehr Austauschen sammelt man immer noch mehr Erkenntnisse und Erfahrungen - always keep exchanging.
Florian - florian.graz@gmx.net bei Fragen

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