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Mexico (IFMSA-Mexico)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Marie, Düsseldorf

Motivation

Ich denke, Erfahrungen im Ausland zu sammeln, ist nahezu immer eine Bereicherung. Zwar ist es auch sinnvoll, das eigene Gesundheitssystem kennenzulernen, in dem man später vermutlich auch arbeiten wird, aber als letzte Famulatur stand für mich fest, dass ich diese in einem anderen Land verbringen wollte.
Ich habe mich bei meiner Bewerbung auf Lateinamerika fokussiert, weil ich mein Spanisch ein wenig auffrischen wollte und ich über diese Länder hinsichtlich der Natur und der Menschen dort viel Positives gehört hatte.
Zudem hört man ja relativ viel Schlechtes hinsichtlich der Sicherheit in Lateinamerika. Für mich schien es daher sinnvoll, Mexiko zuerst im Rahmen eines Austauschs kennenzulernen mit Ansprechpartnern vor Ort und einem sicheren Netzwerk. Dadurch fühlte ich mich definitiv wohl genug, um im Anschluss auch alleine herumzureisen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung fuer meinen Austausch fiel relativ kurz aus. Ich hatte bereits zu Schulzeiten Spanisch gelernt und in den Monaten vorher versucht, es mithilfe einer Apps wie z.B. Duolingo ein wenig aufzufrischen.
Spanisch zu sprechen ist definitv ein riesiger Vorteil in Mexiko, auch wenn es der Austausch grundsätzlich nicht erfordert.
Ich habe mir außerdem ein Spanischbuch für Mediziner bei Amazon bestellt, was ich für den Anfang ganz hilfreich, aber nicht zwingend notwendig fand.

Visum

Ein Visum ist fuer den Austausch in Mexiko nicht notwendig. Man erhält automatisch ein Touristenvisum, mit dem man glaube ich 90 Tage in Mexiko bleiben darf. Wer mit Stopover in den USA nach Mexiko reist, sollte allerdings an ein ESTA Visum denken.

Gesundheit

Ich habe die klassische Reiseapotheke mitgenommen (Vomex, Loperamid, Ibuprofen, Buscopan sowie ein Breitbandantibiotikum) sowie meinen Impfpass entsprechend der STIKO Empfehlungen aufgefrischt. Für Tollwut Impfungen oder ähnliches sollte man genug Zeit einplanen, außerdem kommt es immer wieder zu Engpässen mit diversen Impfstoffen, so dass ich empfehlen würde, sich spätestens ca. 3 Monate vor Abreise beim Reisemediziner vorzustellen, wenn man nicht nur Impfungen auffrischen, sondern auch Grundimmunisierungen durchführen muss. Eine Freundin hatte noch eine Malaria Prophylaxe herumliegen, die ich ebenfalls mitgenommen habe.

Sicherheit

Ich habe eine Reiseschutzversicherung über die Allianz abgeschlossen, auch mit Rückführung des Leichnams für den Fall der Fälle. Zudem hatte ich über den MediLearn Club bereits eine berufliche Haftpflichtversicherung. Ich habe mir die Bescheinigungen sicherheitshalber auch in Englisch ausstellen lassen und diese als Dokument auf meinem Handy mit dabei gehabt.
Ich hatte definitiv Respekt davor, nach Mexiko zu reisen, da dies meine erste Reise nach Lateinamerika war und ich danach auch noch einige Zeit alleine herumreisen wollte.
Ich habe mich im großen und ganzen sehr sicher gefühlt. Yucatan ist natürlich sicherer als beispielsweise einige Staaten in Zentralmexiko, aber grundsätzlich kann man überall einigermaßen sicher sein, wenn man weiß, wie man sich verhalten sollte.
Ich habe es möglichst vermieden, nachts alleine rauszugehen und fuhr Uber statt Taxi in den Städten, in denen es die App gibt.
Wenn man sich beim Taxifahren unwohl fühlt, schadet es nicht, vorab das Kennzeichen des Taxis an Freunde zu schicken oder mit jemandem zu telefonieren.
Außerdem habe ich mich bei meinen mexikanischen Freunden erkundigt, welche Stadtteile sie mir in den verschiedenen Orten empfehlen würden und welche Teile ich eher meiden sollte. Die Mexikaner sind alle ohnehin super hilfsbereit und jeder hat irgendwelche Kontakte zu Freunden in einem anderen Staat, die er einem weiterleiten kann.
Pech kann man natürlich immer haben, aber wenn man ein wenig Vorsicht walten lässt, ist es wirklich halb so schlimm!

Geld

Die Währung in Mexiko sind mexikanische Pesos. Der Umrechungsfaktor beträgt ca. 1 Euro zu 21 Pesos. Ich habe das immer grob überschlagen und bin damit ganz gut durchgekommen. Ansonsten hatte ich eine Kreditkarte von der Apobank dabei, die in der Regel überall problemlos funktioniert. Mit dieser kann man als Student kostenlos Geld abheben (man zahlt höchstens die Gebühren der Bankautomaten, idR zwischen 20 und 100 Pesos – vergleichen kann sich hier also lohnen). Geld sollte man sicherheitshalber am besten immer tagsüber in öffentlichen Gebäuden oder Banken abheben.
In den touristischen Teilen Yucatans werden häufig auch US Dollar akzeptiert, in der Regel allerdings zu einem schlechteren Wechselkurs.
Ich hatte vorab kein Geld gewechselt und empfand es auch nicht als notwendig. Einfach am Flughafen abheben, wenn man ankommt.
Die Lebenshaltungskosten sind außerhalb der touristischen Gebiete um Cancun und Tulum sehr niedrig, sodass man hier trotz der Trips und der vielen Restaurantbesuche, die man vielleicht unternimmt, immer noch ziemlich gut wegkommt. Insbesondere Essen einkaufen und Essen gehen ist super günstig. Wenn man es darauf anlegt, findet man aber überall auch riesige Supermärkte und teure Restaurants, die sich eher den westlichen Preisen annähern. Es ist aber an sich sehr einfach, günstig in Mexiko zu leben.

Sprache

In Mexiko wird natürlich in erster Linie Spanisch gesprochen.
Englisch sprachen die Mexikaner vor allem in den touristischen Orten in Yucatan sowie in den Staaten, die an die USA grenzen, wie beispielsweise in Chihuahua.
In meinem Krankenhaus in Puebla sprachen die Patienten nahezu ausschließlich Spanisch, die Ärzte und Studenten sprachen teilweise Englisch, fühlten sich damit aber größtenteils eher unwohl und haben es bevorzugt, Spanisch zu sprechen.
Etwas schwierig fand ich es anfänglich auch, den mexikanischen Slang zu verstehen, aber man gewöhnt sich relativ schnell daran. An sich sprechen die Mexikaner definitiv relativ langsam und klar im Verhältnis zu anderen lateinamerikanischen Ländern.
Ich hatte offiziell vor Abreise ein B2 Niveau, würde aber eher sagen dass meine Sprachfähigkeiten einem B1 Niveau glichen. Damit kam ich im großen und ganzen ganz gut durch und man verbessert sich natürlich auch im Laufe der Zeit. Das medizinische Spanisch ist überwiegend gut verständlich durch die Ähnlichkeit zum Lateinischen.
Grundsätzlich nimmt man aber mit Sicherheit mehr mit, je besser man die Sprache spricht. Ich würde es also definitiv jedem empfehlen, vorab die Sprache ein wenig zu lernen.

Verkehrsbindungen

Ich habe einen Direktflug nach Cancun von Düsseldorf aus genommen, der ca. 950 Euro gekostet hat. Definitiv eine eher teure Variante, aber da der Flug ja auch bezuschusst wird, habe ich die bequemere Variante gewählt, anstatt einen günstigeren Stopover Flug zu nehmen.
Es gibt auch Flüge nach Mexico City, diese waren aber für meinen Reisezeitraum etwas teurer. Letzten Endes wäre es vermutlich aber günstiger gewesen, nach Mexico City zu fliegen und dann den Bus nach Puebla zu nehmen, anstatt einen weiteren Flug von Cancun nach Puebla zu nehmen. Man erfährt aber ohnehin erst einige Wochen vorher, in welcher Stadt man genau angenommen wurde, was ich nicht abwarten wollte.
Inlandsfluege fand ich zum Teil im Verhältnis zu Europa eher teuer bzw auf einem ähnlichen Niveau, wohingegen Überlandfahrten mit 1. Klasse Buslinien wie z.B. ADO oder Estrella Roja sehr luxuriös und günstig sind (nicht zu verwechseln mit den öffentlichen Bussen innerhalb der Städte, die sind eher nicht so komfortabel). Die Überlandbusse verkehren regelmäßig und sehr pünktlich. Ich habe auch Nachtbusse genommen und gute Erfahrungen damit gemacht. Es gibt aber einige Strecken (zB zwischen San Cristobal de las Casas und Palenque), die bekannt für Überfälle sind. Auch hier sollte man einfach ein wenig abwägen und sich vorher erkundigen.
Für den Weg zum Krankenhaus haben wir immer ein Uber genommen, weil es super günstig war und die Busse morgens länger gebraucht hätten und etwas verwirrend waren, ohne ersichtliche offizielle Route oder Haltestellen.

Kommunikation

Ich habe mir in meinen ersten Tagen in Mexiko eine mexikanische Simkarte mit Internetzugang vom Anbieter Telcel gekauft. Diese kann man in allen möglichen Läden (beispielsweise Oxxo, kleiner Minisupermarkt an jeder Strassenecke) immer wieder verlängern. Das ist preislich völlig okay. Ansonsten gibt es aber auch in den allermeisten Cafes oder öffentlichen Plätzen WLAN.

Unterkunft

Ich habe in einer WG mit drei anderen Austauschstudenten gewohnt, womit ich auch sehr zufrieden war. Das Appartement hatte alles, was notwendig war um sich für den Monat zu versorgen. Auch Bettdecken und Kissen wurden gestellt. Außerdem war es nur ca. 10 Minuten vom Krankenhaus entfernt.
Etwas unglücklich fand ich anfänglich, dass es für uns 4 Leute nur 3 Schlafzimmer gab. Die Wohnung war zwar relativ groß und es wäre kein Problem gewesen, sich ein Zimmer zu teilen, aber ich sollte dann mit einer anderen Austauschstudentin für den Monat das Bett teilen, was ich nicht so toll fand. Dies habe ich dann meiner LEO erklärt, woraufhin sie und die Besitzer des Appartements netterweise zunächst übergangsweise eine Luftmatratze bereitstellten und nach ein paar Tagen dann ein weiteres Bett aus Paletten bastelten, so dass wir beide in getrennten Betten schlafen konnten.

Literatur

Ich habe den Lonely Planet Reiseführer für Mexiko mitgenommen, mit dem ich auch sehr zufrieden war. Außerdem hatte ich wie bereits erwähnt ein Spanischbuch für Mediziner mit hilfreicher medizinischer Terminologie und diversen Übersetzungen mitgenommen (sowohl beispielsweise für Gegenstände im Krankenhaus, Krankheiten, aber auch Vorschläge und Hilfestellungen für Anamnese und körperliche Untersuchung auf Spanisch). Ansonsten hatte ich keine Fachbücher oder Ähnliches dabei.

Mitzunehmen

Gepackt habe ich überwiegend sommerliche Klamotten, ein Sportoutfit und die ein oder andere lange Hose, eine Fleecejacke und eine leichte Regenjacke. Das reicht auch für die Regenzeit in Mexiko definitiv aus, da es hier für gewöhnlich abhängig von der Region zwar wirklich durchaus jeden Tag regnen kann, aber in der Regel eher am Abend und nie sehr lange.
Im Krankenhaus benötigt man in Mexiko außerdem ein komplett weißes Outfit (weiße Hose, Schuhe, Oberteil und Kittel), wenn man in der Chirurgie landet außerdem auch Scrubs (hier war in meinem Krankenhaus die Farbe aber egal, sollte jedoch nicht weiß sein). Die Mexikaner kleiden sich tendenziell eher schick im KH, so dass ich empfehlen würde, beispielsweise eher ein weißes Poloshirt und eine normale weiße Hose mitzubringen, anstatt weißer Krankenhauskasacks für unter den Kittel.
Ich hatte am Ende einen weißen Kittel, eine weiße Hose, zwei weiße Shirts und zwei Kasacks dabei, was auch völlig ausreichend war.
Wenn man das alles mitbringt, bleibt am Ende ohnehin nicht mehr allzu viel Platz im Koffer oder Backpack, weswegen ich ansonsten definitiv nicht zu viele Klamotten dabei hatte, was ich aber auch nicht bereut habe.
Als Gastgeschenk hatte ich zudem Süßigkeiten, Würstchen und Sauerkraut in Konserven dabei, worüber sich meine LEO und die Ärzte im Krankenhaus sehr gefreut haben.

Reise und Ankunft

Ich kam 3-4 Tage vor Praktikumsbeginn in Cancun an und verbrachte dann ein paar Tage auf einer nahe gelegenen Insel mit Freundinnen, die dort gerade Urlaub machten. Einen Tag vor Praktikumsbeginn nahm ich einen Inlandsflug von Cancun nach Puebla.
Meine Contact Person konnte mich aufgrund persönlicher Umstände leider nicht vom Flughafen in Puebla abholen, was aber nicht weiter schlimm war. Sie erklärte mir genau, wohin ich kommen sollte und hat sich erkundigt, ob alles glatt gelaufen war.
Im Anschluss trafen wir uns auch direkt in unserem Appartement und sie erklärte uns die allgemeinen Regeln und Abläufe.
Am nächsten Tag brachte sie uns alle zusammen ins Krankenhaus und stellte uns den Ärzten und Studenten auf Station vor.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war im Krankenhaus in der Allgemeinchirurgie eingeteilt, was auch mein Wunsch war. Ich war dort zusammen mit einem russischen Austauschstudenten, mit dem ich auch zusammenlebte. Wir mussten grundsätzlich offiziell nur von 8-14 Uhr anwesend sein, entschieden uns aber nach den ersten Tagen dazu, zusammen mit den Ärzten bereits um 7 Uhr zu kommen.
Grundsätzlich gibt es neben den privaten Krankenhäusern, in denen die Standards denen westlicher Krankenhäuser ähneln, verschiedene Formen öffentlicher Krankenhäuser: SSA, IMSS and ISSSTE.
Zu den SSA Krankenhäusern hat die gesamte Bevölkerung Zugang. Diese sind wohl in der Regel sehr überlaufen und haben geringe Budgets.
IMSS sind die Krankenhäuser für alle Arbeiter (inkl. deren Familien) und ISSSTE sind Krankenhäuser mit dem (für öffentliche Häuser) größten Budget speziell für Staatsbedienstete, Lehrer etc.
Ich war in einem ISSSTE und war ich sehr positiv davon überrascht, wie gut ausgebildet die Ärzte und PJ-Studenten waren, auch die Operationstechniken waren größtenteils entsprechend dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Der größte Unterschied ist allerdings definitiv die allgemeine Hygiene inkl. Der verwendeten Materialien und der Sauberkeitsbedingungen im OP. So wird die chirurgische Händedesinfektion beispielsweise nach wie vor mit Wasser und Seife durchgeführt und Desinfektionsständer im Allgemeinen sind eigentlich nirgends zu finden. Auch als sich die Ärzte zwischen zwei OPs einfach auf den Boden im Operationssaal setzten, war ich etwas erstaunt.
Grundsätzlich geht es zwar hier und da im Arbeitsalltag zwar etwas langsamer zu, als man es vielleicht aus Deutschland gewohnt ist, es sind alle jedoch trotzdem verantwortungsbewusst und es wird im Krankenhaus (im Gegensatz zu jeglichen Freizeitaktivitäten/Verabredungen) auch sehr auf Pünktlichkeit Wert gelegt.
Am ersten Tag brachte uns unsere LEO, die gleichzeitig auch die Contact Person war, zunächst zur Sekretärin im Krankenhaus und dann auf Station. Anfänglich war es etwas chaotisch, weil der für uns zuständige Arzt an unserem ersten Tag nicht anwesend war und daher niemand so richtig viel mit uns anzufangen wusste. Alle waren aber sehr nett und hilfsbereit und schließlich nahmen uns dann einige der Ärzte einfach in ihre anstehenden OPs mit.
Morgens um 7 Uhr fand immer eine Unterrichtsstunde für die Assistenzärzte (Residentes) und PJ-Studenten (Internos) zu verschiedenen chirurgisch relevanten Themen statt, die ich mithilfe der Folien auch in der Regel gut nachverfolgen konnte. Im Anschluss begannen meist nach einen kurzen Kaffeepause ca. gegen 9 Uhr die OPs. Im Grunde genommen konnte ich mir komplett selbst aussuchen, an welchen OPs ich teilnehmen wollte. Die Allgemeinchirurgen durchlaufen in ihrer Ausbildung auch Rotationen beispielsweise in die Neuro -, Uro – oder Cardiothoraxchirurgie, so dass sich ohnehin alle untereinander gut kennen und nahezu alles irgendwie zusammengehört. Aber selbst die Orthopäden, die eine eigene, separate Fachrichtung sind, haben mich immer wieder zu ihren OPs eingeladen. Meistens habe ich nahezu den ganzen Tag im OP verbracht, weil es auf Station für uns Austauschstudenten nicht allzu viel zu tun gab (bzw. da man es anfänglich ein wenig verpasst hatte, uns in die Alltagsroutinen mit einzubinden). Aber auch wenn wir auf Station waren, haben sich alle bemüht, uns die ein oder anderen Sachen zu zeigen und selbst machen zu Lassen (Drainagen entfernen, Blasenkatheter legen etc.)
Im OP konnte ich mich relativ häufig mit einwaschen (außer es waren bereits zu viele Leute für den Tisch eingeplant). Wie viel ich machen durfte, hing natürlich sehr von den unterschiedlichen Ärzten ab, aber grundsätzlich konnte ich durchaus häufig ein wenig assistieren und auch nähen, was ich super fand. Wie in Deutschland sollte man sich natürlich im OP immer bei den OP Schwestern und Ärzten vorstellen, dann sind in der Regel auch direkt alle sehr interessiert und offen. Nach ein bis zwei Tagen kennt einen aber ohnehin das halbe Krankenhaus, weil man unvermeidlicherweise als europäischer Austauschstudent auffällt.
Ansonsten waren in meinem Krankenhaus die Hierarchien relativ niedrig, die Assistenzärzte waren alle sehr nett und interessiert und boten uns an, einige Ausflüge mit uns zu unternehmen etc. Am Ende blieb dafür von unserer Seite leider eher wenig Zeit, weil wir an den Wochenenden immer relativ viele Trips mit dem Social Program geplant hatten. Dafür waren wir aber das ein oder andere Mal zusammen etwas trinken oder feiern, was definitiv super witzig war.
Die jungen Ärzte erzählten aber auch, dass es in anderen Krankenhäusern zum Teil sehr anders abläuft und die Hierarchien deutlich ausgeprägter sind.
Im Allgemeinen müssen die Internos (Studenten im letzten Studenjahr) und die Assistenzärzte sehr viel arbeiten (36-h-Schichten alle drei Tage), weshalb sich ein Großteil ihres Lebens im Krankenhaus abspielt und sich daher auch viele enge Freundschaften unter den Leuten bilden.

Land und Leute

Unter der Woche gab es bei uns kein explizites Programm, aber wir haben natuerlich trotzdem einiges mit den Leuten vor Ort unternommen oder sind abends einfach mal etwas essen oder trinken gegangen. An den Wochenenden gab es ein national organisiertes Social Program mit vielen tollen Angeboten. Ich habe zusammen mit den anderen Austauschstudenten aus Puebla einen Trip nach Chihuahua und Guadalajara unternommen, was super cool war und ich jedem empfehlen würde. Dadurch kommt man noch mehr mit den Mexikanern aus anderen Orten, sowie mit anderen Austauschstudenten in Kontakt.
Kulturell haben die Mexikaner alles dafür getan, uns wundervolle Eindrücke in dieses unglaubliche Land zu bieten. Von Piñatas über die typischen mexikanischen Getränke und das Essen bis hin zu Trips zu den wunderschönsten Orten haben wir wirklich unglaublich tolle Erfahrungen gemacht.
Als Vegetarierin hatte ich am Anfang befürchtet, es könnte etwas schwierig werden mit dem mexikanischen Essen. In der Regel konnte man aber fast überall ein paar Tacos mit Gemüse statt Fleisch oder ein paar Quesadillas (Tortilla mit Käse) auftreiben.
Ansonsten empfand ich das mexikanische Essen als sehr ungesund und etwas wenig abwechslungsreich, aber dennoch sehr lecker. In der Regel wissen dort auch alle, dass man als Ausländer nicht so viel Schärfe verträgt wie die Locals und warnen einen daher auch rechtzeitig vor ;-)
Ich habe mich mit vielen Leuten vor Ort über die aktuelle politische Lage unterhalten. Seit knapp einem Jahr gibt es einen neuen Präsidenten, in den die Leute viele Hoffnungen setzen, man aber noch nicht so ganz sagen kann, ob diese auch erfüllt werden. Grundsätzlich sind die größsten Probleme im Land mit Sicherheit die Drogenkartelle und die Korruption.
Mit den Drogenkartellen kommt man glücklicherweise in der Regel ja ohnehin nicht in Berührung (und das sollte man wohl auch dringend vermeiden). Es ist einigen Freunden von mir aber durchaus passiert, dass beispielsweise Polizisten unter Behauptung falscher Tatsachen ein paar hundert Pesos von einem erpressen. Hier am besten zwar gegebenenfalls ein wenig verhandeln, aber ansonsten einfach bezahlen, bevor man den Unmut der Polizisten auf sich zieht.
Insgesamt gibt es in Mexiko natürlich viel Armut aber auch einigen Wohlstand, so dass die Städte in sich oft relativ inhomogen sind. Der Lebensstandard ist im Vergleich zu Deutschland natürlich erkennbar niedriger, ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, etwas zu vermissen (außer vielleicht das gute deutsche Brot ;) ).
Die Lebensfreude und Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort macht alles Negative ohnehin sehr schnell wett. Die Mexikaner sind zweifelsfrei die herzlichsten und gastfreundlichsten Menschen, die ich je irgendwo erlebt/kennengelernt habe. Das macht den ganzen Aufenthalt unglaublich besonders.
Ich bin im Anschluss an meinen Austausch noch in Mexico City sowie in den Bundesstaaten Oaxaca, Chiapas und Yucatan herumgereist. Wer dafür Zeit hat, sollte die Gelegenheit auf jeden Fall nutzen und so viel von Mexiko sehen, wie nur möglich. Als Backpacker ist es wirklich einfach herumzureisen und auch als Alleinreisender lernt man in Hostels sehr leicht Leute kennen, so dass man nie wirklich alleine sein muss, wenn man nicht will.
Mexico City ist eine sehr interessante und faszinierende Stadt, die durchaus mehr schöne Seiten hat, als ihr Ruf es einen erwarten lässt.
Die Stadt Oaxaca ist sehr entspannt und bunt, der Staat selbst hat sehr viel schöne Natur zu bieten und auch tolle Pazifikstrände und Surfmöglichkeiten.
Chiapas ist zwar relativ arm, hat aber an Natur unglaublich viel zu bieten (Wasserfälle, Canyons, Ruinenstaetten, Dschungel,..).
Von Yucatan/Quintana Roo habe ich abgesehen von Cancun nur zwei Karibikinseln besucht (Isla Holbox, Isla Mujeres), die auch traumhaft schön waren. In der ganzen Gegend ist es auf jeden Fall deutlich touristischer, daher auch sicherer aber teurer und voller als in anderen Bundesstaaten.

Fazit

Meine Erwartungen an den Austausch wurden definitiv übertroffen. Wenn ich könnte, würde ich noch viel mehr Zeit in diesem wunderschönen Land verbringen. Das besondere ist vor allem, dass man das Land und seine Leute durch den Austausch auf eine unglaublich authentische Art kennen lernt. Auch wenn ich es sehr genossen habe, herumzureisen und neue Orte zu entdecken, hätte ich ohne den Austausch nie die Möglichkeit gehabt, das wahre Mexiko ein wenig besser zu verstehen. Ich würde es daher zweifelsfrei jedem empfehlen.

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