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Japan (IFMSA-Japan)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe vor dem Medizinstudium Japanologie studiert und kann die Sprache (zumindest Ansatzweise!). So dachte ich mir, dass ich zum einen meine Sprachkenntnisse durch eine Austausch nach Japan verbessern kann, und zum anderen einen Einblick in das dortige Gesundheitswesen gewinnen kann. Interesse am Land hatte ich somit bereits im Voraus.

Vorbereitung

Ich musste nur ein paar Dokumente ausfüllen zu meinen Personalien. Das nervigste waren auf jeden Fall die sehr vielen Blätter die ich ausfüllen musste zum Thema Gesundheitsstatus. Ich musste meinen gesamten Impfstatus nachweisen, einen Tuberkulin-Test machen, mich komplett von einem Hausarzt durchchecken lassen und zu allem Überfluss auch noch ein Röntgen-Thorax machen lassen.

Sonst wurden mir von der IFMSA Kontaktpersonen vor Ort sowie eine Gastfamilie zugeteilt. Das lief alles problemlos.

Visum

Es war nicht nötig für Japan ein Visum zu beantragen.

Gesundheit

Japan ist kein Land wo man irgendwelche besonderen Vorkehrungen zum Thema Gesundheit treffen muss. Wie bereits oben erwähnt musste ich meinen eigenen Gesundheitsstatus sehr präzise wiedergeben, aber besondere Impfungen o.Ä. habe ich nicht gebraucht.

Sicherheit

Japan ist ein sehr, sehr sicheres Land. Ich war vor allem im ländlichen Bereich, wo man wirklich ohne Bedenken zum Beispiel in einem Cafe seinen Laptop und seinen Geldbeutel offen auf dem Tisch liegen lassen kann. Wenn man es sicher will, so sollte man nach Japan reisen. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt auch nur Ansatzweise unsicher gefühlt.

Geld

Die Währung ist Yen (100 Yen entsprechen 0.85 Euro in etwa). Man muss schon ein bisschen umdenken wenn man zahlt aber es geht eigentlich klar. In Japan spielt Bargeld immer noch die größte Rolle, im Supermarkt oder so kann man aber auch mit Kreditkarte zahlen. Japan kann man nicht als billig beschreiben, vor allem Obst und Gemüse sind beeindruckend teuer.

Sprache

Japanisch und Englisch sind hier die einzigen Sprachen der Wahl, und Englischkenntnisse sind bei den meisten nur begrenzt vorhanden. Andere Austauschstudenten die ich hier kennengelernt habe, die kein Japanisch konnten, hatten des Öfteren Schwierigkeiten zu kommunizieren, hier haben die Kontaktpersonen vor Ort immer sehr geholfen. Es kommt gut an wenn man ein paar Floskeln kann.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug nach Japan gereist (bin schließlich nicht Greta Thunberg), dann mit dem Zug von Narita Flughafen aus in das ländliche Gebiet wo die Uni ist. Es war gut teuer, zum Glück habe ich von der BVMD einen Fahrtkostenzuschuss bekommen. In Japan gibt es gute (sehr sichere und SEHR pünktliche) öffentliche Verkehrsmittel in den großen Städten, auf dem Land kommt man am Besten mit dem Auto rum.

Kommunikation

Ich habe eine SIM Karte gekauft, damit ich immer angebunden sein konnte. WiFi war überall vorhanden. Ich habe keinen Blog und auch kein Flickr, weil wir uns im Jahre unseres Herrn 2019 befinden. In Japan ist die gängigste App zum Kommunizieren LINE, es ist empfehlenswert, sich das runterzuladen.

Unterkunft

Die Gastfamilie war der Hit. Wirklich wunderschön (auch die anderen Austauschstudenten waren begeistert). Jeden Tag Frühstück und Abendessen, ein Zimmer für sich allein, und alle waren nett und immer hilfsbereit. Es hätte nicht besser laufen können.

Literatur

Ich habe mir keine besondere Literatur zusammengesucht für den Aufenthalt. Wenn es um das fachliche geht, habe ich mit Amboss gearbeitet. Man kann eigentlich alles Googeln. Die Uni hat uns zu Beginn des Austausches ein paar Flyer gegeben zu schönen Sachen die man in der Gegend machen kann, das war’s eigentlich.

Mitzunehmen

Ich habe definitiv zu viele warme Klamotten mitgebracht: in Japan ist es im September noch gut heiß. Meine Gastfamilie hat mir auch sehr viel gestellt, dass ich selber mitgebracht habe (Handtücher, Seife usw.). Vermisst habe ich eigentlich nichts groß.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief glatt, ich habe mir selber den Weg vom Flughafen zu meiner Stadt zusammengesucht und wurde dann am Bahnhof abgeholt. Angereist bin ich am Wochenende vor Beginn des Praktikums. Am ersten Tag haben unsere Kontaktpersonen uns abgeholt und zur Uni gebracht, somit lief alles problemlos.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der Pädiatrie der Shinshu Universität von Matsumoto, Nagano-ken gearbeitet. Ich arbeitete vor allem mit den Ärzten der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie, durfte aber auch in die NICU für eine Woche.

Gleich zu Anfang: man darf in Japan als Student KEINE praktischen Tätigkeiten ausüben. Man darf nur zuschauen und an den Visiten/Team-Besprechungen/usw teilhaben. Für Menschen ohne Japanischkenntnisse kann das sehr anstrengend werden, wie ich von anderen Austauschstudenten gehört habe. Manche Teams gestalten ihre Besprechungen auf Englisch, damit man als Austauschstudent ohne Sprachkenntnisse auch was mitbekommt, soll aber nicht immer so sein.

Da ich Japanisch kann habe ich bloß darum gebeten, dass alle etwas langsamer sprechen, das hat auch gut geklappt. Alle haben sich Mühe geben, manche der Ärzte hatten jedoch ein so großes Verlangen ihr Englisch zu üben, dass sie auf jeden Fall nur auf Englisch mit mir sprechen wollten. Gute Englischkenntnisse sind, denke ich, ein Muss.

Ich wurde gleich von Anfang an super integriert. Ich hatte einen Zeitplan für jeden Tag, durfte aber auch nach Belieben das besuchen was mich am meisten interessiert hat. Mir wurde immer ein Arzt zugeteilt, den ich auf Station oder in der Ambulanz begleiten durfte. Alle haben sich Mühe gegeben die Krankheitsbilder der Patienten und ihr Vorhaben zu Beschreiben, zudem haben alle große Interesse an den Unterschieden zwischen Krankheitsbildern in Japan und denen in Deutschland gezeigt.

Ich hatte nur sehr wenige tatsächliche Aufgaben: Mir wurde ein Patient zugeteilt, den ich täglich untersucht habe und den ich bei den Besprechungen vorstellen musste (habe ich auf Japanisch gemacht, geht aber auch auf Englisch). Das deckte sich genau mit den Aufgaben der hiesigen Medizinstudenten. Man schaut sonst wirklich nur zu, was auch spannend war, aber ich war doch etwas überrascht wie wenig man als Student in Japan tatsächlich machen darf.

Zudem musste ich in meiner letzten Woche eine Präsentation geben. Das Thema war sehr frei (über mich/mein Herkunftsland/Sachen die ich in dem Monat gelernt habe…) und die Präsentation musste auch nur 15-20 Minuten lang sein, somit war auch das keine riesige Herausforderung.

Japan hat wie Deutschland gute Gesundheitsfürsorge, vor allem in der Pädiatrie kriegt man nach Angaben der Ärzte fast alles erstattet. In der Regel müssen Patienten 30% der Kosten selber tragen. (Die Eltern von) allen Patienten die ich mit besucht habe wurden gleich zu Anfang gefragt, ob es in Ordnung sei, dass ein Student dabei ist - es wurde immer bejaht.

Land und Leute

Ich war zusammen mit zwei anderen Austauschstudenten hier - eine aus Brasilien und eine aus Spanien. Wir waren uns gleich sympathisch, das war schonmal sehr schön.

Unsere LEOs/LOREs waren alle sehr nett und haben uns am Anfang alles gezeigt, was wichtig war: die Uni, das Krankenhaus, unsere Stationen und so weiter. Sie haben eine kleine ‘welcome party’ so wie eine ‘farewell party’ organisiert, mit viel Essen und einer beliebten Japanischen Freizeitaktivität, Karaoke. Sonst haben wir sie eher wenig gesehen.

Wir haben aber viele Empfehlungen bekommen, was man schönes am Wochenende zum Beispiel machen kann. Ich und die spanische Austauschstudentin sind des öfteren in den sogenannten japanischen Alpen wandern gegangen, haben zusammen sogar einen aktiven Vulkan erklimmt, und allgemein die Natur genossen, die wirklich umwerfend war. Sonst haben wir Museen und umliegende Großstädte besucht. Wir haben uns auch oft in dem Einkaufszentrum getroffen, uns den lokalen Trends gefügt und Bubble Tea getrunken, sowie sehr, sehr viel gegessen. Das Essen in Japan ist, wie zu erwarten, sehr gut und sehr zu empfehlen.

Die Japanischen Studenten waren immer sehr an uns interessiert, vor allem was Essen und Sitten in unseren Heimatländern anging. Manchmal kamen mir die Gespräche etwas klischeehaft vor (mir wurde immer viel von Bier, Würstchen und Oktoberfest erzählt), aber schlimm war es nicht.

Wir waren in einem ländlichen Bereich wo wenige Ausländer sind, so kam es oft vor, dass man auf der Straße angestarrt wurde. Manchmal hat ein Kind in der Pädiatrie aufgeregt auf mich gezeigt und ‘Ein Ausländer!’ gerufen. Auch das war nicht schlimm, aber definitiv eine neue Erfahrung, die ich persönlich als sehr wertvoll einstufe. In Europa ist mein Aussehen in etwa so wie das der Mehrheit, so hatte ich noch nie erlebt, wie es ist, vollkommen herauszustechen.

Meine Gastfamilie war wie oben erwähnt erste Sahne. Neben den wirklich tollen täglichen Mahlzeiten habe sie immer Interesse gezeigt und haben vielen Empfehlungen gegeben, mir unendliche Gefallen getan und waren insgesamt fast das Beste am Austausch. Wir haben uns immer auf Japanisch ausgetauscht, was für die Entwicklung meiner Sprachkenntnisse wirklich toll war. Die Austauschstudenten ohne Sprachkenntnisse sind aber auch sehr gut in ihren Gastfamilien klargekommen. Die Gastfreundschaftlichkeit der Japaner ist weltbekannt, und ich muss dem Recht geben.

Zu bemängeln ist vielleicht nur, dass es in Japan wirklich sehr teuer ist. Die eine Mahlzeit des Tages die ich mir selber kaufen musste (ein Luxus, ich weiß) war in der Regel was billiges aus einem Mini-Markt. Ohne meine Gastfamilie hätte ich in der gesamten Zeit kein Obst gesehen. Also lieber was auf dem Konto haben bevor man ankommt.

Fazit

Meine Erwartungen wurden auf jeden fall erfüllt. Ich mochte Japan bereits vor dem Aufenthalt, und bin sehr froh darüber, dass ich einen Einblick in das tägliche Leben hier gewinnen konnte. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen zum Beispiel im PJ ein Tertial in Japan zu machen.

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