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China (IFMSA-China)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Clara, Halle

Motivation

Da die medizinische Versorgung in jedem Land anders geregelt ist und man davon auch viel für die Organisation in Deutschland lernen kann, finde ich, dass es eine tolle Möglichkeit ist, Famulaturen im Ausland zu absolvieren. Gerade China mit seiner langen Geschichte traditioneller Medizin und gleichzeitiger modernster Technik erschien mir ideal als Austauschort.

Vorbereitung

Ich kann nur empfehlen, sich vorab mit der Sprache und Geschichte von China auseinander zu setzten. Das erleichtert das Ankommen in der fremden Kultur enorm. Man hat gleich Gesprächsthemen und findet sich allgemein besser zurecht. Ich selbst habe noch in Deutschland einen Sprachkurs gemacht und hätte mir gewünscht, noch besser chinesisch zu sprechen, um fachlich im Klinikum mehr zu lernen. Ich denke, man sollte sich zumindest um einen VPN-Zugang sowie wichtige Apps (z.B. WeChat) kümmern und einige Grundvokabeln lernen. Ich habe mir einen Reiseführer mitgenommen, um einige Reisen von Suzhou aus spontan zu planen.
Die Austauschorganisation in Suzhou ist sehr gut aufgestellt und hat mir von Anfang an bei allen Formalitäten beigestanden. Man bekommt einen persönlichen Ansprechpartner, der einen abholt und über den Campus führt. Da ich im September die einzige Austauschteilnehmerin war, gab es kein Programm von Seiten der IFMSA - allerdings weiß ich, dass es im Juli/August mehr Teilnehmer und ein vielseitiges Freizeitprogramm gibt.
Das Vorbereitungsseminar in Deutschland konnte ich aufgrund von terminlichen Überschneidungen nicht wahrnehmen. Ich hatte aber auch so keine Probleme alles zu regeln.

Visum

Ich habe 4 Wochen vor Abreise ein Touristenvisum beantragt. Kostenpunkt ca. 160 Euro. Man muss zwar alle möglichen Angaben machen (Lebenslauf, chronische Krankheiten, Jahreseinkommen, Handynummer, etc.), aber die Bearbeitung verlief dann komplikationslos und sehr schnell, sodass ich keine Probleme hatte.

Gesundheit

Um in China im Krankenhaus arbeiten zu dürfen, muss man vorab einen HIV-, Tbc- und Hepatitis-Test absolvieren, sowie nachweisen, dass alle Standard-Impfungen durchgeführt wurden. Dies kann man sich vom Gesundheitsamt bzw. vom Hausarzt bestätigen lassen. Da ich bereits für Tollwut geimpft war, habe ich keine weiteren Impfungen durchführen müssen. Die medizinische Versorgung ist in China auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland. Daher habe ich keine Medikamente mitgenommen.

Sicherheit

China ist ein sehr sicheres Land. Solange man sich an die Regeln hält und die Regierung nicht öffentlich kritisiert, wird man keine Probleme haben. Obwohl die Bevölkerungszahl so hoch ist, hat es die Partei durch zahlreiche Kontrollen und Überwachungskameras geschafft, die Kriminalitätsrate extrem niedrig zu halten. Man kann bedenkenlos Taxis nehmen und auch nachts unterwegs sein. Wer vorher noch nie in asiatischen Ländern unterwegs war, muss sich anfangs vielleicht an den chaotischen Mofa-Verkehr gewöhnen. Die E-Scooter sind sehr leise, sodass man manchmal überrascht wird. im Allgemeinen achten die Fahrer aber auf Fußgänger und weichen aus.

Geld

Die chinesische Währung ist Yuan (RMB). Mit bar kann man überall bezahlen, Kreditkarten werden aber selten akzeptiert (nur in größeren Hotels, am Flughafen, etc.)
Die meisten Chinesen benutzen Apps als Zahlungsmittel, was allerdings nur funktioniert wenn man auch eine chinesische Bankkarte besitzt. Einige Restaurants und Geschäfte akzeptieren mittlerweile nur die App als Zahlungsmittel. Hier bietet es sich an, mit Chinesen unterwegs zu sein, denen man den Betrag dann in bar zurück gibt. Das klappt eigentlich gut.
Die Lebenserhaltungskosten gerade für Essen sind in China viel günstiger als in Deutschland. Es lohnt sich preislich (und kulinarisch) nicht, selbst zu kochen. :) Auch der ÖPNV ist sehr preiswert.

Sprache

Wer Chinesisch sprechen kann, hat im Klinikalltag natürlich den klaren Vorteil mit Patienten kommunizieren zu können! Zwar sprechen viele Studenten und einige Ärzte auch Englisch, aber die ältere Bevölkerung kann sich nicht auf Englisch verständigen. Hilfreich sind außerdem Übersetzungsapps wie Google-Translate, die direkt mündliche Aussagen übersetzen. Es gibt auch Programme, die die chinesischen Schriftzeichen in unsere Sprache transferieren. Allerdings sollte man sich nicht blind auf diese Dienste verlassen, da sie zum Teil sehr ungenau oder gar falsch sind.

Verkehrsbindungen

Ich bin hinzu über Moskau und zurück über Shanghai geflogen. Wenn man die Flüge früh bucht, sind die Preise erschwinglich. Ich habe nach Anreise und vor Abreise noch etwas das Land erkundet und dafür hauptsächlich das sehr gut ausgebaute Zugnetz genutzt. Im Vergleich zur DB sind die Tickets günstig und die Züge sehr pünktlich :) Man sollte nur immer genug Zeit einplanen, da die Bahnhöfe in China eher so wie Flughäfen in Deutschland sind, was Größe und Kontrollen angeht. Außerdem muss man die Tickets auch beim Onlinekauf vorher am Schalter abholen.

Kommunikation

Wie bereits oben erwähnt, braucht man in China einen VPN-Zugang um herkömmliche Social Media wie Facebook und WhatsApp zu nutzen. Ich konnte das über meine Uni erhalten und hatte durchweg Zugriff auf alle Chats. Wer ein iPhone hat, kann den Messenger auch so nutzen. Für die Kommunikation vor Ort empfiehlt sich WeChat. Mit dem Programm kann man auch Essen/Taxi bestellen, Navigieren, bezahlen,… etc. Seit Kurzem muss man sich für die Nutzung aber Freischalten lassen. Dafür gibt es bestimmt Kriterien. Am Besten ihr kontaktiert vorab euren chinesischen Betreuer, der Euch sicher helfen wird!

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von der Uni gestellt. Normalerweise teilen sich mind. 4 Chinesen ein Zimmer - für die internationalen Studierenden gibt es aber Einzel- oder Doppelzimmer. Die Ausstattung ist für chinesische Verhältnisse sehr gut: eigenes Bad, Klimaanlage, Kühlschrank, Balkon. Eine Waschmaschine gibt es im Studentenwohnheim auch. Der East Campus wo ich gewohnt habe, verfügt über eine eigne Kantine sowie Sportanlagen, Banken und einen Supermarkt. Er ist zentral gelegen und man kann das Klinikum fußläufig erreichen.

Literatur

Vorab habe ich “Gebrauchsanweisung China” von Kai Strittmatter gelesen - unterhaltsame und hilfreiche Lektüre. Wenn man Reisen im Land organisiert, empfehle ich im Netz nach aktuellen Blogs zu schauen.

Mitzunehmen

Man sollte sich im Vorfeld einen Adapter für Ladegeräte besorgen. Zur Not lässt sich aber auch alles vor Ort nachkaufen - China: Königreich des Konsums! :) Für’s Klinikum habe ich meinen weißen Kittel gebraucht. Im Studentenwohnheim wird die Bettwäsche gestellt- Handtücher, Föhn etc. muss man aber selbst mitbringen.

Reise und Ankunft

Ich bin einige Zeit vor Beginn des Praktikums angereist, um vorher noch für ca. 2 Wochen das Land zu erkunden. Bei meiner Ankunft in Suzhou wurde ich von meinem chinesischen IFMSA-Betreuer empfangen. Er hat sich dann um alle Formalitäten beim Bezug des Wohnheims gekümmert, mir meinen Studentenausweis sowie die Karte für den ÖPNV gegeben. Anschließend hat er mir noch dabei geholfen, eine chinesische SIM-Karte aufzutreiben. Das war extrem hilfreich! Am nächsten Tag hat er mich dann ins Klinikum begleitet und mich den leitenden Ärzten vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der erste offizielle Tag war sehr entspannt. Mir wurde kurz das ganze Krankenhaus mit den wichtigsten Abteilungen, Notaufnahme, etc. gezeigt. Dann ging es auf die neurologische Station, wo ich meine Famulatur absolvierte. Nach der Vorstellung ging auch gleich die Visite los. Da alles auf chinesisch ablief und ich kein Wort verstanden habe, hat sich einer der Studenten bereit erklärt, mir die wichtigsten Punkte zu übersetzen. Später zeigte sich, dass es ganz abhängig vom Dienst habenden Arzt war, ob die Visite ausführlich auch auf Englisch gehalten wurde oder schlicht auf chinesisch. Ich hatte vorab einen festen Rotationsplan bekommen. An diesen habe ich mich in den ersten Wochen strikt gehalten. Später habe ich aus Interesse auch andere Stationen besucht und z.B. bei einer Katarakt-OP zugesehen. Alle waren sehr nett und hilfsbereit. Wenn man Interesse gezeigt und Fragen gestellt hat, wurde die Thematik immer ausführlich besprochen oder gezeigt. Trotzdem war die Sprachbarriere ein großes Manko - weil man quasi nie eigenständig mit Patienten arbeiten und auch keine Akten lesen kann.
Früh ging es gewöhnlich um 7:45Uhr mit der Übergabe los zu der die gesamte Abteilung erscheint. Mittags habe ich meist zusammen mit den Studenten und Ärzten gegessen, die sich gut verständigen konnten. Das Essen in der Kantine ist sehr günstig! Nachmittags habe ich entweder im Selbststudium englisch-sprachige Bücher gelesen oder habe verschiedene Fälle durchgesprochen. An einem Tag hat mich eine Studentin mit ins Labor genommen, wo ich beim Präparieren und Anfärben von Muskelschnitten zusehen konnte. Dies dient der Diagnostik von Muskelatropie-Erkrankungen. Ich hatte den Eindruck, dass in China Klinikalltag und Forschung viel mehr verbunden sind als dies in Deutschland der Fall ist.
Interessant in Suzhou ist, dass es zwei Krankenhäuser gibt: das “alte” in dem sich zum Teil sieben Patienten ein Zimmer teilen und auch die hygienischen und technischen Bedingungen weit hinter dem deutschen Standard zurückbleiben. Andererseits gibt es aber auch das “neue” Krankenhaus. Das riesige Gebäude gleicht eher einer ultramodernen Shoppingmall und ist mit allem High-Tech, großen Rolltreppen und einer eigenen U-Bahn-Station ausgestattet. Die Routine ist zwar in beiden Kliniken weitestgehend die gleiche und auch das Personal pendelt hin und her, trotzdem entsteht ein ganz anderer Eindruck. Es war auf jeden Fall gut, beide Seiten des chinesischen Systems kennenzulernen.
Interessant ist auch, dass der Arztberuf in China viel weniger “prestigeträchtig” ist. Mir wurde sogar berichtet, dass Patienten manchmal handgreiflich werden, wenn der Heilprozess nicht nach ihren Vorstellungen abläuft.

Land und Leute

Meine Reisen führten in die großen Städte Beijing, Nanjing, Hangzhou und Shanghai sowie in den Nationalpark Huagnshan. Die Planung habe ich zum Teil direkt in China, teils schon von Deutschland aus gemacht. Die Städte waren touristisch alle ausgezeichnet erschlossen, sodass man sich keine Gedanken über Anbindung und Informationen vor Ort machen muss. Ich fand es auf jeden Fall gut, verschiedene Ecken des Landes kennenzulernen und ich habe im Hostel immer schnell Anschluss gefunden, obwohl ich allein unterwegs war.
Von Suzhou aus kann man viele kleine Ausflüge in die umliegenden Wasserstädte machen, die noch einen alten Stadtkern mit Kanälen besitzen. Gerade abends hat das mit vielen Lichtern wirklich Flair.
Ich wäre gern noch weiter herumgereist, aber da Anfang Oktober die “Golden Week” startet, zu der alles komplett überfüllt ist, habe ich mich doch dazu entschieden, lieber zu einem späteren Zeitpunkt nochmal zurückzukehren. Ich würde gern wieder nach China zurückkehren, um im Süden oder auch nach Tibet zu reisen. Das Land ist so facettenreich und spannend, dass man mehr als 6 Wochen braucht, um wirklich anzukommen.

Die Menschen Chinas sind mir stets freundlich und hilfsbereit gegenüber aufgetreten. Wenn man Probleme beim Navigieren hatte, kam es nicht selten vor, dass mich völlig Fremde ein Stück begleiteten, um sicherzugehen, dass ich am richtigen Ort ankomme.
Auffällig sind natürlich die Überwachungskameras in jeder kleinen Gasse. Ich als Tourist habe das aber nicht als bedrohlich sondern eher als Gewährleistung der Sicherheit angesehen.

Neben der fremden Kultur und den wunderschönen Landschaften und Bauwerken, ist auch die kulinarische Seite China erwähnenswert. Weil Essen in China so günstig ist und die Chinesen es gewohnt sind, außerhalb zu essen, gibt es nahezu überall Restaurants, Supermärkte oder kleine mobile Imbissbuden. Weiß man mal nicht, was man mit seinen Freunden machen soll, verabredet man sich einfach zum Essen, alles Weitere wird sich dort ergeben. Einige Speisen sind aber wirklich auch gewöhnungsbedürftig. In den klassischen Hot Pot kommen z.B. Blut-Gel-Würfel, Schweinemagen-Streifen und Rinderarterien. Lecker! :D
Während meines Aufenthaltes war gerade Mid autumn Fest bei dem sich chinesische Familien treffen und gemeinsam den Vollmond ansehen. Zu dieser Zeit gibt es für jeden Ort eigene “Mooncakes” die teils sehr speziell gefüllt sind. In Suzhou wurden diese Küchlein zum Beispiel mit Fleisch gefüllt. Im Allgemeinen ist es sehr schwer, sich in China vegetarisch zu ernähren.

Fazit

Insgesamt kann ich sagen, dass meine Erwartungen mehr als übertroffen wurden. Zwar habe ich fachlich wahrscheinlich weniger gelernt als bei einer Famulatur in Deutschland. Allerdings habe ich über die Klinik wirklich gute Kontakte geknüpft und hoffe, diese auch über den Austausch hinaus noch aufrechterhalten zu können! Der Austausch hat mich einmal mehr darin bestärkt, dass es eine tolle Erfahrung ist, sich international zu verknüpfen und ganz neue Erfahrungen zu wagen.

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