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Colombia (ASCEMCOL)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Nicola, Essen

Motivation

Meine Motivation eine Famulatur im Ausland zu machen rührte daher, dass das Reisen eine meiner größten Leidenschaften ist. Da man während des Medizinstudiums natürlich wenig Freizeit und Chancen hat zu verreisen, bietet so ein Famulaturaustausch die beste Möglichkeit das Reisen mit einer fürs Studium relevanten Tätigkeit zu verbinden. Zudem denke ich, dass es sehr wichtig ist auch mal kennenzulernen, wie Medizin im Ausland praktiziert und gelehrt wird.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf meinen Austausch habe ich eigentlich hauptsächlich mit anderen Outgoings gesprochen mir deren Erfahrungen angehört oder im Internet Berichte gelesen. Schwierigkeiten hatte ich eigentlich gar keine, weshalb ich wenig darüber berichten kann.
An meiner Uni werden regelmäßig Infoabende angeboten, die einem alle wichtigen Infos vermitteln.

Visum

Für meinen Aufenthalt in Kolumbien war kein Visum notwendig, da man bei Einreise ein Touristen Visum automatisch bekommt, welches für 3 Monate gültig ist.

Gesundheit

Ich habe mich frühzeitig in der Reise-Impfsprechstunde an meinem Uniklinikum vorgestellt und somit in Erfahrung gebracht welche Impfungen nötig sind. Ich musste für meine Reise noch die Hepatitis Impfungen auffrischen und eine Tollwut sowie Gelbfieber Impfung machen. Für meine Famulatur musste ich einen ausreichenden Hep. B Impfschutz vorweisen. Zudem habe ich mir die Malaria Prophylaxe besorgt, allerdings zum Glück nicht benutzen müssen.

Sicherheit

Ich habe mich im Vorhinein über Sicherheitsrisiken im Land ausführlich informiert, da Kolumbien bekanntermaßen nicht das sicherste Land ist. Trotzdem habe ich von vielen Seiten gehört, dass sich die Lage schon sehr verbessert hat und man in vielen Teilen des Landes gut reisen kann. Das hat sich auch als wahr herausgestellt und ich hab mich in dem Land sehr wohl gefühlt und so gut wie keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Geld

Der kolumbianische Peso ist die Währung des Landes und auch die einzige die akzeptiert wird. Man kann allerdings fast überall gut mit Karte bezahlen. Sowohl meine Debit- als auch Kreditkarte wurde überall akzeptiert und ich konnte ohne Probleme Geld abheben. Die Preise sind deutlich niedriger als in Deutschland außer in einigen Großstädten des Landes, wo es ab und zu ähnlich teuer ist.

Sprache

In Kolumbien wird hauptsächlich Spanisch gesprochen, zur größten Not kommt man auch mit Englisch klar, aber es empfiehlt sich ganz klar ein wenig Spanisch zu sprechen. Für die Famulatur empfehle ich sogar ein gutes Sprachniveau zu haben, da es sonst eigentlich unmöglich ist wirklich mit den Patienten Kontakt zu haben.
Da ich schon mal ein halbes Jahr in Argentinien gelebt habe, konnte ich die Sprache schon fließend sprechen und brauchte so keine weitere Vorbereitung.

Verkehrsbindungen

Ich bin von Frankfurt nach Bogota mit einem Direktflug geflogen. Hin und zurück liegt der Preis bei 1000-1500 Euro je nachdem wie früh man bucht. Im Land selbst kann man sich hervorragend mit Reisebussen fortbewegen. Diese sind komfortabel und recht günstig.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort eine kolumbianische Simkarte besorgt um günstig auch außerhalb vom WLAN kommunizieren zu können. Grundsätzlich hat aber fast jedes noch so kleine Café WLAN.
Um Kontakt nach Hause zu halten habe ich die Whatsapp Videochat Funktion genutzt.

Unterkunft

Ich habe in einer WG mit einheimischen Studenten gewohnt, welche mir durch die Austausch Organisation gestellt wurde. Ich war sehr zufrieden mit der Wohnung und meinen Mitbewohnern. Für meine Verpflegung habe ich selbst gesorgt.

Literatur

Ich habe mich auf der Seite des Auswertigenamtes über das Land informiert und mir einen Reiseführer gekauft (Lonely Planet)
Für medizinische Infos habe ich eigentlich einfach im Internet gestöbert und immer auf Landessprache gelesen, zudem habe ich von meinem zuständigen Arzt vor Ort Literatur bekommen.

Mitzunehmen

Ich habe relativ wenig Kleidung mitgenommen, da man auch mit den Basics auskommt und zudem noch Platz hat sich was schönes vor Ort zu kaufen. Ich habe eine ziemlich große Reiseapotheke dabei gehabt, was ich für sinnvoll halte. Dann natürlich Laptop, Handy, Ladekabel Bücher (Roman und Reiseführer), wichtige Dokumente und/oder Kopien davon (Impfpass, Pass, Versichertenkarte, Bescheinigung über die Famulatur etc.)

Reise und Ankunft

Ich bin schon 3 Wochen vor Beginn meiner Famulatur angekommen, da ich noch Zeit zum reisen haben wollte. Als ich dann in der Stadt meiner Famulatur angekommen bin, wurde ich von meiner Kontaktperson empfangen und in meine Unterkunft gebracht. Am nächsten Tag ging dann die Famulatur los und ich wurde von meinem Host in die Klinik gebracht und dort dem zuständigen Arzt vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Inneren Medizin gemacht. Dort habe ich während der gesamten Zeit einen Internisten begleitet. Am ersten Tag habe ich erst einmal die Klinik und alle Mitarbeiter auf Station kennengelernt und die Visite mit gemacht. Auch in der restlichen Zeit war ich immer bei der Visite dabei und im Anschluss noch bei anderen Untersuchungen und Patientengesprächen. Ich durfte sehr wenig selbst durchführen und habe oft nur zugucken dürfen. Nach einer gewissen Zeit habe ich dann Untersuchungen und Anamnese selbst machen dürfen. Ich habe immer sehr viel Infos zu den Patienten und Behandlungen bekommen, da mir der Arzt immer viel erklärt hat. Außerdem war ich oft bei Vorträgen oder Fallbesprechungen dabei und hatte nachmittags immer ein Seminar zu verschiedenen relevanten Krankheiten. Ich habe mich sehr gut mit allen im Krankenhaus verstanden. Es gab keine großen Probleme mit der Sprachbarriere, da ich schon sehr gut spanisch gesprochen habe, was ich aber auch für wirklich notwendig halte. Denn viele Patienten sind sehr schwer zu verstehen besonders wenn sie alt und sehr krank sind. Ich hatte eine gute Zeit und habe viel theoretisches gelernt und viel gesehen, allerdings hätte ich gerne mehr praktische Tätigkeiten ausgeübt. Dies ist aber für Studenten im Krankenhaus Alltag vor Ort nicht wirklich vorgesehen, was ich dadurch gesehen hab, dass auch einheimische Studenten und sogar eine PJlerin, nicht mehr als ich machen durften. Um viele praktische Erfahrungen zu sammeln ist das Land oder zumindest die Klinik in Bucaramanga, in der ich war also nicht die beste Wahl.
Das Studium in Kolumbien ist sehr ähnlich aufgebaut wie in Deutschland, jedoch gibt es so etwas wie Famulaturen in den Ferien nicht, sondern alle praktischen Erfahrungen werden im Rahmen von Kursen während des Semesters absolviert. Auch die Klinik, in der ich gearbeitet habe war sehr gut ausgestattet und ähnlich wie in Deutschland. Allerdings habe ich gehört, dass dies auf dem Land und in Dörfern nicht so sei und sich viele Leute im Land über die gesundheitliche Versorgung beschweren, was hauptsächlich daran liegt, dass diese sehr teuer ist. Nicht alle Leute sind versichert, da dies sehr teuer ist.
Was mir wirklich positiv aufgefallen ist, ist die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegepersonal. Schwestern und Pfleger haben deutlich mehr Kompetenzen als bei uns in Deutschland und übernehmen daher viel mehr Aufgaben, das den Ärzten natürlich viel Arbeit abnimmt und der Pflege einen höheren Stellenwert gibt. Somit war eine sehr gute Stimmung auf der Station, was ich in Deutschland so noch selten gesehen habe.

Land und Leute

Ich bin außerhalb meiner Arbeitszeit sehr viel gereist, was ich jedem empfehlen würde, da Kolumbien ein atemberaubendes Land ist. Ich habe sehr viel in der Natur unternommen, Wanderungen, Bootstouren, Surfen, Canyoning und noch viel mehr. Aber auch in den Städten habe ich viel unternommen, da es auch kulturell sehr viel Spannendes zu sehen gibt. Wichtige Reiseziele sind: Salento, Medellin, Tayrona, Palomino, San Gil, Cali und Choco.
Die Kultur und die Menschen haben mich total beeindruckt. Man merkt einfach sehr, dass Musik und Tanz einen sehr großen Stellenwert in der kolumbianischen Kultur einnimmt und die Leute einfach unglaublich lebensfroh und herzlich sind. Aber auch die Religion ist ganz besonders wichtig. Fast die gesamte Bevölkerung ist katholisch und besonders die älteren, aber auch viele junge Leute, nehmen ihren Glauben sehr ernst. Die Sicherheit im Land ist natürlich nach wie vor ein Thema, aber schon lange nicht mehr so wie man es oft denkt. Tagsüber kann man auch als ausländische Frau ganz normal unterwegs sein, jedoch sollte man im dunkeln besser mit einem Taxi unterwegs sein. Zudem muss man damit rechnen sehr häufig angesprochen zu werden, da man einfach anders aussieht und das viele Leute sehr spannend finden, grade in weniger touristischen Gegenden. Auch sollte man nicht zu offensichtlich mit einem teuren Smartphone in der Hand herumlaufen, da Diebstahl sehr häufig vorkommt und man es daher nicht provozieren sollte.
Das Essen im Land ist sehr Fleisch lastig, sodass es ein Vegetarien echt schwierig haben kann in Restaurants etwas zu finden. Zudem ist es oft sehr fettig. Trotzdem kann man sich auch gesund und frisch ernähren, da es auch viel leckeres Obst und Gemüse zukaufen gibt für sehr wenig Geld.
Ich habe während meiner gesamten Zeit eigentlich keine wirklich schlechte Erfahrung gehabt. Es gibt natürlich immer mal Dinge, die nicht ganz glatt laufen oder einen stören, aber grundsätzlich waren die Menschen alle so nett und hilfsbereit, dass ich nie wirkliche Probleme hatte. Wenn man mit der sehr offenen Art der Leute allerdings nicht so gut umgehen kann, besonders als Frau, muss man sich daran vielleicht zunächst erst einmal gewöhnen. Außerdem sollte man nicht zu blauäugig unterwegs sein und immer ein wachsames Auge haben, da wie oben schon beschrieben, Diebstähle ein großes Thema sind. Solange man aber einige Regeln beachtet und sich immer über die Region in der man unterwegs ist informiert, sollte man relativ sicher eine gute Zeit ohne große Probleme haben.
Kolumbien ist auf jeden Fall sehr viel mehr, als nur das Land von Pablo Escobar und den Drogenkriegen. Dies liegt schon eine ganze Weile zurück und hat aktuell absolut keinen Einfluss mehr auf den Alltag der Leute. Trotzdem denken viele Leute bei uns immer nur daran wenn sie Kolumbien hören, was ich sehr schade finde!

Fazit

Meine Erwartungen an das Land wurden auf jeden Fall erfüllt bzw übertroffen. Ich würde sofort nochmal dorthin reisen. Für immer dort zu leben oder zu arbeiten könnte ich mir trotzdem nicht vorstellen. Da man als Deutscher doch sehr privilegiert von der Struktur, Ordnung und Sicherheit im Land, sind dies Dinge dich ich in Kolumbien vermissen würde.
Ich empfehle, jedoch jedem einmal so einen Auslandsaufenthalt zu machen, da es einen persönlich sehr weiter bringt!

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