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France (ANEMF)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich habe mich für eine Famulatur in Frankreich entschieden, da ich einerseits meine ein wenig in Vergessenheit geratenen Französischkenntnisse wieder aufbessern wollte und mich andererseits das Gesundheitssystem in Frankreich interessiert hat, da sich die Art der Ausbildung von der in Deutschland unterscheidet.

Vorbereitung

Vor meinem Aufenthalt in Frankreich musste ich einige Dokumente für die französische Austauschorganisation IFMSA sammeln. Dazu gehörte ein Englisch Sprachzertifikat B2, obwohl ich dann während meines eigentlichen Austausches hauptsächlich Französisch gesprochen habe. Die Sprachprüfung konnte ich recht spontan an meiner Uni machen und habe 20 € dafür gezahlt. Außerdem sollte ich für vier verschiedene Fachbereiche Motivationsschreiben schreiben, in Englisch oder Französisch.

Visum

Als Deutsche musste ich für einen Aufenthalt in Frankreich kein Visum beantragen.

Gesundheit

Frankreich verlangt einen Tuberkulose Test. Ein Tuberkulin Hauttest beim Gesundheitsamt (20€) hat dafür gereicht, es war kein teurerer Interferon Test nötig. Ansonsten habe ich keine weiteren Vorkehrungen getroffen.

Sicherheit

Die Sicherheit in Frankreich ist mit der in Deutschland zu vergleichen, deshalb habe ich keine speziellen Vorkehrungen für meinen Aufenthalt getroffen. Clermont Ferrand ist außerdem ein eher kleines Städtchen (ca. 100.000 Einwohner), ich habe mich immer sehr sicher gefühlt.

Geld

In Frankreich wird mit Euro gezahlt. Die Barzahlung ist kein Problem, auch Kreditkarten werden in fast allen Supermärkten, Restaurants und Bars. Man kann mit der Kreditkarte oder mit der EC Karte an Automaten in Frankreich Geld abheben.

Sprache

In Frankreich habe ich mich fast ausschließlich auf Französisch verständigt. Ich habe bereits in der Schule Französisch gelernt, außerdem während einem Schüleraustausch in Genf und beim Reisen. Daher habe ich mich sprachlich nicht speziell vorbereitet. Am Anfang habe ich etwas Zeit gebraucht, um wieder in den Sprachfluss zukommen, nach ein paar Tagen hat es aber gut funktioniert. Ich halte es für schwierig, allein mit Englisch in Frankreich im Krankenhaus zu kommunizieren, da zwar viele Englisch in der Schule gelernt haben, allerdings nicht besonders viel Sprachpraxis haben, wodurch es ein bisschen schwer sein kann. Auch wenn Französischkenntnisse nicht explizit gefordert waren, haben sie mir trotzdem sehr geholfen, mich im Krankenhaus mit Ärzt*innen und Patient*innen zu verständigen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flixbus nach Clermont Ferrand gefahren, hauptsächlich aus Umweltgründen, da ich nicht fliegen wollte. Die Fahrt hat von Leipzig aus 45€ gekostet. Es gibt allerdings auch einen Flughafen in Lyon, von dem man dann recht schnell in Clermont Ferrand ist. Auch um in Frankreich herumzukommen empfiehlt sich der Flixbus, da er billiger ist als die Bahn und Mitfahrgelegenheiten.

Kommunikation

Ich habe in Frankreich meinen Handytarif aus Deutschland weiter genutzt, da er auch im EU Ausland gilt. Daher hatte ich mobile Daten auf meinem Handy und habe mit den anderen Studierenden über den Facebook Messenger kommuniziert, da dieser von vielen genutzt wurde.

Unterkunft

Ich bin in der Wohnung von einer Medizinstudentin untergekommen, die kurz vorher einen Austausch in Indien gemacht hatte, und deswegen im Gegenzug mich bei sich aufgenommen hat. Sie wohnt in einer 1-Zimmer Wohnung, weswegen wir uns ein Zimmer geteilt haben, ich habe auf der Schlafcouch geschlafen. Außerdem gab es eine Küche und ein Badezimmer. Ich habe mich sehr gut aufgenommen gefühlt und wir haben uns sehr gut verstanden. Mein Bett hatte sie mir bei meiner Ankunft schon bezogen.

Literatur

Da ich Frankreich schon aus einigen Urlauben kannte, habe ich mich nicht mehr speziell über das Land belesen. Während der Famulatur habe ich manchmal in den französischen Medizinbüchern gelesen, die bei uns in der Wohnung waren, um die Fachbegriffe im Alltag besser zu verstehen.

Mitzunehmen

Für das Praktikum habe ich einen Kittel und ein Stethoskop mitgenommen, beides habe ich allerdings nicht gebraucht, da im Krankenhaus Kasaks gestellt wurden und die Untersuchungen der Schwangeren Frauen meistens nicht mit dem Stethoskop durchgeführt werden. Ansonsten habe ich nicht spezielles mitgenommen.

Reise und Ankunft

Die Fahrt mit dem Flixbus war zwar lang (23 Stunden), hat aber gut funktioniert, in Paris hatte ich zwei Stunden Zeit, mir ein bisschen die Beine zu vertreten. Ich bin am Sonntag angekommen, am Montag ging schon das Praktikum los. In Clermont Ferrand wurde ich von einem Freund von Gabrielle, meiner eigentlichen Kontaktperson, abgeholt, da Gabrielle noch in Indien war und erst ein paar Tage später zurückkam. Die ersten Tage habe ich also in einer anderen WG gewohnt. Am Montag habe ich mich dann als erstes um 8:30 Uhr im Krankenhaus bei dem leitenden Professor der Geburtshilfestation vorgestellt und wurde von ihm auf die Station gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe auf der Station für Geburtshilfe gearbeitet. Am ersten Tag wurde ich von Professor Gallot im Arztzimmer kurz vorgestellt, und dann den Externen und Internen auf der Station übergeben. Die anderen Studenten, die gerade als Externe auf der Station arbeiteten, haben mir erklärt wo alles ist, was die Aufgaben der Medizinstudierenden sind und wie bestimmte Prozeduren ablaufen.
Der Tag begann immer um 8:15 Uhr im Arztzimmer. Dort wurden die Patienten der Nacht und des aktuellen Tages besprochen. Da die Internen Ärzt*innen recht schnell auf Französisch sprachen, habe ich erst in den letzten Wochen etwas verstehen können. Um etwa 9:00 Uhr ging es meistens los mit dem ersten Kaiserschnitt, bei dem immer ein Medizinstudierender assistieren konnte. Wenn man sich für Kaiserschnitte interessiert, ist es aber auch möglich, als Beobachter dabeizustehen, auch wenn man nicht mit am Tisch steht. Sonst besteht der Alltag aus schwangeren Frauen, bei denen ein Ultraschall oder vaginale Untersuchungen durchgeführt werden. Man selber hat meistens die Aufgabe, die Frauen in ein Zimmer zu bringen, einen Urintest durchzuführen und Vitalparameter zu messen, sowie die Kardiotokographie anzuschließen. Danach kann man dann oft auch bei den weiteren Untersuchungen als Beobachter dabei sein.
Wenn man sich gut mit den Hebammen stellt und sie fragt, ob man bei einer natürlichen Geburt dabei sein kann, ist auch das manchmal möglich. Oft sind jedoch zusätzlich noch Hebammenschüler*innen da, so dass man ein bisschen hartnäckig bleiben muss, um tatsächlich dabei sein zu dürfen.
Besonders spannend war ein Fall, als eine Frau erst eine Woche vor der Entbindung erfahren hat, dass sie überhaupt schwanger war. Sie hatte unregelmäßig ihre Periode bekommen und hat bis dahin keinen Verdacht geschöpft. Sie und der Vater waren dementsprechen sehr überrascht und auch etwas überfordert mit der unerwarteten Situation. Es war dann auch eine recht schwierige Geburt, am Ende ist aber alles gut gegangen.
Das Medizinstudium in Frankreich unterschiedet sich stark zu dem in Deutschland. Im ersten Jahr wird jeder angenommen, der sich bewirbt, am Ende wird dann ausgesiebt und es bleiben etwa 15% der Studierenden übrig, die angefangen haben. Dadurch gibt es eine hohe Konkurrenz unter den Studierenden, die sich auch in die höheren Jahrgänge zu übertragen scheint. Im sechsten Jahr gibt es dann Abschlussprüfungen und es wird eine nationale Rangliste geführt die darüber entscheidet, wo und in welchem Fachbereich man seine Assistenzarztausbildung absolvieren darf. In den Jahren dazwischen arbeiten die französischen Studierenden ungefähr die Hälfte der Studienzeit im Krankenhaus, immer im Wechsel mit 6-wöchigen Kursen in der Uni. Dadurch sind sie sehr gut in das Krankenhaussystem eingebunden und auch routiniert mit den anstehenden Arbeiten.

Land und Leute

An einem Wochenende bin ich mit anderen Austauschstudierenden in das nur zwei Stunden mit dem Bus entfernte Lyon gefahren, die drittgrößte Stadt in Frankreich, mit einer wunderschönen Altstadt und einer beeindruckenden Kathedrale mit einem Blick über die ganze Stadt. Clermont Ferrand liegt außerdem in einem Tal und ist eingerahmt von Vulkanketten. Leider ist unser geplanter Ausflug zu einem der umliegenden Vulkane buchstäblich ins Wasser gefallen, da es an dem Wochenende leider zu viel geregnet hat für draußen-Aktivitäten. Wer es mag, in der Natur zu wandern, wird dazu nicht weit entfernt von der Stadt viele Gelegenheiten haben. Spaziert man nur einige Minuten aus Clermont Ferrand heraus, wirkt die Gegend schon sehr ländlich, es gibt viele Höfe, Wisen, Pflanzen und Wanderwege.
Mit meiner Gastgeberin habe ich mich sehr gut verstanden, ein Wochenende sind wir zu ihren Eltern aufs Land in der Nähe von Paris gefahren und haben da Ausflüge gemacht und ich habe das Leben in einer französischen Familie kennengelernt. Franzosen wissen gutes Essen sehr zu schätzen, daher haben wir an dem Wochenende viel gekocht und gut gegessen.
An den Abenden war ich oft in Bars mit anderen Medizinstudierenden und habe ein Bier getrunken. Die mMedizinstudierenden in Frankreich unternehmen viel miteinander, feiern Partys und gehen aus, oft in großen Gruppen. Daher habe ich kaum Studenten aus anderen Fachrichtungen kennengelernt.
Die Austauschorganisation in Clermont Ferrand hat außerdem einige Abende organisiert. An einem haben wir Wein getrunken in einer französischen Weinbar, an einem anderen hat jeder Essen gekocht aus seinem Heimatland und mitgebracht. Wir haben dann alles in einer Wohnung von einer anderen Studierenden aufgebaut und zusammen gegessen und uns gegenseitig erklärt, was wir jeweils gekocht haben.
Insgesamt bin ich gut klar gekommen mit den Menschen in Frankreich, um wirklich miteinander ins Gespräch zu kommen empfiehlt es sich, Französisch zu sprechen, im Englischen fallen viele Gespräche dann doch eher kurz aus weil die Sprachkenntnisse nicht ausreichen. Selbst wenn man selbst im Französischen viele Fehler macht, sich aber verständigen kann, wird darüber hinweggesehen und die Gesprächspartner freuen sich, dass man ihre Landessprache gelernt hat.
Gerne hätte ich in meiner Zeit in Clermont Ferrand noch mehr Ausflüge in die Umgebung gemacht, leider war aber an meinen freien Tagen dafür das Wetter zu schlecht. Auch einige Dörfer in der Nähe, die sehr schön sein sollen, habe ich mir deshalb nicht angeschaut.

Fazit

Meine Erwartungen, ein neues Gesundheitssystem kennenzulernen und den Alltag in einem französischen Krankenhaus zu erleben wurden erfüllt, außerdem habe ich meine Französischkenntnisse wieder gut aufgebessert. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich in Frankreich arbeiten könnte, da der Konkurrenzdruck doch sehr spürbar ist und daher ein anderes Klima herrscht als in Deutschland. In das Land reisen würde ich auf jeden Fall wieder, mir sind die Menschen und auch das Essen wieder einmal sehr ans Herz gewachsen. Insgesamt war es ein Monat, in dem ich viel gelernt habe und eine gute Zeit hatte.

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