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Greece (HelMSIC)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Maria, Hagen

Motivation

Griechenland war meine Erstwahl, da ich Halbgriechin bin und die Famulatur als Gelegenheit nutzen wollte, das Land besser kennenzulernen.

Vorbereitung

Ich habe mich kaum vorbereitet, weil ich wusste , was auf mich zukommt. Für jemanden, der noch nie in Griechenland gewesen ist, wäre ein Taschenbuch keine schlechte Idee mit den wichtigsten Infos über Griechenland.

Visum

Kein Visum. Ein Pass oder Personalausweis reichen.

Gesundheit

Ich musste meine Hepatits A Impfung sowie und meine Meningokokken C Impfung auffrischen lassen. Eine Grippe Impfung habe ich nicht machen lassen. Kontrolliert wurde das vor Ort von keinem. Allerdings haben viele griechische Patienten Hepatitis ohne davon zu wissen, weshalb vor allem die Kontrolle der Hepatits-Impfungen wirklich wichtig ist.

Sicherheit

An Versicherungen habe ich eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die wird für Studenten bis zum PJ kostenlos vom Marburger Bund übernommen. Die Krankenversicherung habe ich beibehalten, wie in Deutschland auch, ohne extra Absicherungen abzuschließen.

Geld

Griechenland liegt in der Euro-Zone, also muss man sich als Deutscher keine Sorgen machen. Die Preise sind vergleichbar mit Deutschland. Eine Gyros Pita kostet in Patra 2,50 € schmeckt gut und man wird satt. Ich hatte eine griechische Bankkarte, allerdings kann man gegen Aufpreis mit der deutschen Bankkarte Geld vom ATM abheben, was die meisten ausländischen Studenten gemacht haben. Wie viel man ausgibt, hängt von den Trips und der Person ab, aber 500 € würde ich definitiv einplanen.

Sprache

Da ich Griechisch spreche, habe ich eigentlich nur mit den HELMSIC-Studenten Englisch gesprochen. Das reicht vollkommen für die Kommunikation untereinander. Die Patienten sprechen allerdings kaum Englisch. Ebenfalls ist der Studentenunterricht auf Griechisch und nur wenige Ärzte bemühen sich, den auf Englisch zu halten.

Verkehrsbindungen

Es gibt viele Flüge nach Griechenland, das ist kein Problem. Um nach Patra zu kommen, sollte man am besten einen Flug nach Athen buchen, da dieser wesentlich besser zu erreichen ist als der lokale Flughafen Patras. Von Athen aus kann man mit Bus (KTEL Achaias) oder der Bahn (Trainose ) nach Patra.
Innerhalb von Patra fährt ein Zug oder ein Bus zum Krankenhaus. Der Rest ist gut zu Fuß erreichbar

Kommunikation

Sowohl im Hotel und als auch im Krankenhaus gab es kostenlosen WLAN-Zugriff. Zum Telefonieren, SMS schreiben usw habe ich weiterhin meine normale Simkarte benutzt, die ich auch in Deutschland benutze.

Unterkunft

Wir wurden zu dritt in einem Zweierzimmer im "Adonis" Hotel nahe des Bahnhofs quartiert. Das Hotel liegt zentral, dementsprechend sind die Innenstadt, der Zug- und Busbahnhof gut zu Fuß erreichen und man hat eine sehr schöne Sicht aufs Meer inklusive Sonnenunter und -aufgang. Das Zimmer an sich war ausgestattet mit einer Klimaanglage, einem kleinen Kühlschrank und einem Bad.
Für drei Personen war es leider sehr klein, da aus einem Zweierzimmer ein Dreierzimmer gemacht wurde, um Zimmer zu sparen. Dementsprechend hatte man wirklich wenig Platz hatte für drei Koffer und drei Personen. Umquartierungen wurden vom Hotelmanager leider verweigert. Ein weiteres Problem bestand darin, dass man seine Wäsche nur auf dem Balkon zum Trocknen aufhängen konnte, was bei Wind nicht die beste Lösung war. Insgesamt hat man sich aber daran gewöhnen können und die Situation für einen Monat in Kauf genommen.

Literatur

Wenn ich ehrlich bin, habe ich für die Famulatur nichts gelesen, sondern es einfach auf mich zukommen lassen. Würde ich beim nächsten Mal genauso machen, da sich viele Fragen erst vor Ort ergeben. Wenn man noch nie in Griechenland gewesen ist, wäre es wie schon erwähnt sinnvoll, ein wenig über die Mentalität zu lesen, da sie sich von der deutschen stark unterscheidet, was zu Missverständnissen führen kann. Wenn man sich für die faule Variante entscheidet und nichts durchliest, kommt man aber auch zurecht.

Mitzunehmen

Einpacken sollte man das, was man auch in einen Strandurlaub mitnimmt also Badesachen, Sonnencreme ...Mückenspray und Fenistil können auch nützlich sein. Insgesamt war es in Patra den kompletten September über sehr warm, sodass lange Klamotten kaum gebraucht wurden. Ich hatte dennoch eine lange Hose und eine Jeans fürs Krankenhaus dabei, sowie eine Strickjacke und einen Pullover für die Abende. Einen Laptop habe ich nicht mitgenommen, hätte ich auch nicht gebraucht

Reise und Ankunft

Ich bin am Abend vor Praktikumsbeginn angekommen und wurde von meiner Kontaktperson zum Hotel begleitet. Nach der Zimmerzuteilung sind wir und die Innenstadt gegangen, um was zu essen und die wichtigsten Fragen zum Ablauf zu klären.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Gastroenterologie bei Professor Thomopoulos, der super nett ist und als einer der wenigen Ärzte Englisch angeboten hatte, wenn ich etwas was auf Griechisch nicht verstanden hatte. Angefangen haben wir um 8.30 Uhr mit einer Besprechung, danach bin ich mit den griechischen Studenten zum Blut abnehmen gegangen. Gegen 11 Uhr begann die Visite, bei der wir mitgehen durften. In der Zwischenzeit sollten wir in Teams oder alleine Anamnesen erheben, Patienten untersuchen, Labore besprechen und bei Koloskopien und Gastroskopien zugucken. Am Ende des Tages hatte der Professor die Untersuchungsbögen dann eingesammelt und bewertet. Aktive Teilnahme wurde von den Ärzten gerne gesehen.
Nach dem Essen um 13 Uhr durften die meisten Studenten zum Strand. Ich bin meist bis 15-16 Uhr geblieben, um am Studentenunterricht teilzunehmen. Der Studentenunterricht findet in einer kleinen Gruppe aus vier Studenten statt und die Themen für die jeweiligen Tage sind einem Plan zu entnehmen. Die Dozenten auf der Station sind sehr kompetent, sodass es sich lohnt, an manchen Tagen länger zu bleiben und am Unterricht teilzunehmen, es bleibt einem letzen Endes aber selbst überlassen, ob man bleibt oder nicht. Insgesamt sind die Ärzte dort sehr locker und wenn man sie informiert, dass man zu spät kommt, fehlt oder eher geht, sagt keiner was.
Im Vergleich zu Deutschland gibt es eine Hierarchie in den Krankenhäusern mit den Ärzten an der Spitze. Der Patient hat sich dem unterzuordnen, was der Arzt gesagt hat und zusätzlich ist der Umgang mit dem Patienten häufig sehr grob.
Desweiteren erfahren Patienten ihre Diagnosen häufig zuletzt, was der größte Unterschied zu Deutschland ist. Bevor ein Patient seine Diagnose erfährt, wird sie erst mit den engsten Angehörigen besprochen. Die Familie entscheidet dann, ob sie diese dem Patienten mitteilt oder nicht. In meiner Famulatur gab es zwei Patienten, die beide Pankreas-Ca hatten und während meines Aufenthaltes daran verstorben sind. Uns Studenten war es nicht erlaubt in deren Anwesenheit über deren Erkrankung zu sprechen.
Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist, dass viele Untersuchungen ausschließlich ohne Narkose ablaufen zB die Magenspiegelung oder Darmspiegelung.
Insgesamt ist das Arbeitsklima aber viel entspannter als in Deutschland. Der Professor hat uns öfter Kaffee und Essen ausgegeben und es wurden häufig Witze gemacht, wodurch das Arbeitsklima sehr angenehm war. Anders als behauptet arbeiten Ärzte in Griechenland sehr viel und machen häufig Überstunden. Auf meiner Station kam es öfter vor, dass Assistenzärzte nach dem 24h Dienst noch ihren 8h Dienst absolviert haben.

Land und Leute

Das coolste am gesamten Aufenthalt waren definitiv die Leute ! Es hat unfassbar viel Spaß gemacht, so viele neue Leute aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen und mit denen über Gott und die Welt zu reden.
Meistens sah unser Tag so aus, dass wir im Krankenhaus zusammen zu Mittag gegessen haben und die meisten anschließend direkt an den Strand gefahren sind. Wenn wir mal nicht zum Strand gefahren sind, sind wir meist in kleineren Gruppen in die Stadt gegangen und haben uns anschließend bei Cafe " Edelweiss" Eis gekauft. Die Abende haben wir was fast immer Tag als Gruppe verbracht. Die Gruppe bestand aus den Austauschstudenten sowie einigen griechischen Studenten, die während des gesamten Aufenthalts mit uns Aktivitäten mit uns unternommen haben und versucht haben, uns eine möglichst coolen Aufenthalt zu ermöglichen. Organisiert wurden u.a. eine National Food and Drink Party, ein griechischer Abend, Schwimmen um Mitternacht, ein Upon Arrival Training, ein Karaoke Abend und einiges mehr.
Bei der National Food and Drink Party war jeder Student verpflichtet, Getränke und Speisen aus seinem Land vorstellen , die wir im Nachhinein auch probiert haben ;)
An Abenden, an denen nichts Besonderes anstand, haben wir uns als Gruppe mit Getränken auf die "berühmten Treppen" gesetzt und bis in die Nacht geredet. Wenn wir mal feiern wollten, fiel die Wahl immer aufs "Naya" , dass zu unserem Stammclub wurde.
Was das Essen betrifft, haben wir uns hauptsächlich von Gyros und Souvlaki für 2,50 € ernährt. Souvlaki wurde zu unserem Ess-Favoriten des Monats. Wir haben jeden Tag Witze darüber gemacht haben, dass wir bis zu unserer Abreise kein Souvlaki mehr anrühren werden, aber sobald jemand Hunger hatte, hat man sich trotz großer Auswahl an Restaurants immer für das 2,50€ Souvlaki entschieden und alle waren glücklich. " Sinialo", eine griechische Taverna, wurde zu unserem zweiten Favoriten. Dort haben wir einen gemischten Fleischteller für die gesamte Gruppe bestellt und ihn geteilt.
An den Wochenenden waren Trips geplant, unter anderem nach Lefkada, Olympia, Kalavrita oder Nafpaktos. In Lefkada haben wir abseits des Sighstseeings zusammen gekocht und Spiele gespielt, was uns als Gruppe zusammengeschweißt hat und immer noch eine schöne Erinnerung ist.
Im Großen und Ganzen haben sich die griechischen Studenten mit unserem Programm viel Mühe gegeben , sodass wir wenig Langeweile hatten, aber gleichzieitig hatten wir auch viel Spielraum, um eigene Ideen mit einzubringen.
Auch Patra an sich ist eine attraktive Studentenstadt mit allem, was man als Student braucht: Meer, viele Bars und Sitzmöglichkeiten sowie die Nähe zu Touristenorten wie Lefkada oder Athen.

Fazit

Ich fand die Zeit in Griechenland super. Wenn man kein Griechisch spricht, ist es im Krankenhaus nicht einfach und man lernt dementsprechend nicht viel in der Famulatur. Auch an die Struktur im Krankenhaus muss man sich gewöhnen. Aber man sammelt viele neue Erfahrungen, lernt neue Leute kennen aus unterschiedlichen Kulturen, sieht viele schöne Orte und hat eine coole, abwechslungsreiche Zeit mit den Studenten aus all den anderen Ländern. Der Schlaf kommt dabei sehr kurz, aber dafür isst man genug Eis und Souvlaki, um das zu kompensieren ;) würde alles genauso machen!

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