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France (ANEMF)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von VIctoria, Frankfurt

Motivation

In meinem letzten klinischem Semester vor dem PJ wollte ich unbedingt die tolle Möglichkeit über die bvmd nutzen, um ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. Dies bietet nicht nur eine sehr gute Möglichkeit seine Sprachkenntnisse zu verbessern, ein neues Gesundheitssystem kennenzulernen, sondern ermöglicht ebenfalls einen kulturellen Austausch mit einheimischen Studenten und Austauschstudenten.

Vorbereitung

Ich persönlich habe mich überhaupt nicht groß auf den Auslandsaufenthalt vorbereiten müssen, da ich zweisprachig aufgewachsen bin und schon eine gute französische Grundlage mitbringen konnte. Die französischen medizinischen Fachausdrücke waren mir allerdings nicht geläufig, dennoch habe ich dafür kein Buch verwendet, dass eignet man sich dort schnell an.

Visum

Ein Visum musste ich nicht beantragen, näheres zu dem Procedere weis ich leider nicht.

Gesundheit

Eine spezielle Reiseapotheke ist in Frankreich nicht notwendig, es gibt genau wie hier viele Apotheken und die Preise sind nahezu äquivalent. Eine Auslandskrankenversicherung habe ich über meine eigene Krankenkasse (Hansemerkur) günstig erhalten, aber es gibt auch gute Angebote über die apoBank oder die Deutsche Ärztefinanz. Ich würde jedem empfehlen eine vor dem Aufenthalt abzuschließen, denn es kann immer passieren, dass man unverhofft krank wird. Bestimmte Impfungen wurden nicht verlangt. Je nach Fachrichtung muss ein Röntgen-Thorax oder eine Tuberkulose-Test durchgeführt werden. Beides wurde von mir nicht erwartet. Den Tuberkulose-Test kann man ganz einfach beim Gesundheitsamt machen, die stellen einem auch eine englische Version zur Verfügung.

Sicherheit

Über die Deutsche Ärzte Finanz habe ich eine kostenlose Haftpflichtversicherung abgeschlossen, dass geht ganz unproblematisch online. Frankreich an sich ist sehr sicher. Marseille wiederum zählt zu einer der gefährlichsten Städte Frankreichs. Ich muss gestehen, dass ich anfangs gut auf meine Wertsachen Acht gab und immer geschaut habe, ob mich jemand verfolgt. Im Nachhinein muss ich jedoch gestehen, dass diese Sorge zwar nicht unbegründet war, man sich jedoch nicht paranoide Sorgen machen muss. Viele Großstädte sind gefährlicher, als Kleinstädte und es gilt überall achtsam zu sein. Es gibt bestimmte Viertel wie "les quartiers Nord", die man in Marseille meiden sollte.

Geld

In Frankreich zahlt man genau wie in Deutschland in Euro. Man kann genauso gut bar, wie per EC-Karte oder Kreditkarte bezahlen. In einigen Bars oder Clubs kann man allerdings nur mit Karte zahlen. Ich habe in Frankreich kein Geld abgehoben, sondern einen bestimmten Betrag in bar mitgenommen und den Rest immer per Karte bezahlt. Die Lebenshaltungskosten sind sehr ähnlich zu den unseren in Deutschland. Lebensmittel würde ich alle in Frankreich kaufen, allerdings würde ich Shampoo, Duschgel etc. in Deutschland kaufen, da diese ganzen Sachen in Frankreich teurer sind.

Sprache

Ich bin zweisprachig aufgewachsen und hatte keinerlei Probleme mit der Sprache im Gastland. Ich würde ein Sprachniveau von B1 empfehlen, da nicht viele Franzosen gutes Englisch sprechen und verstehen. Allerdings ist niemand einem böse, wenn man nicht sehr gutes Französisch spricht.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Zug angereist und hier gilt genau wie mit der DB, so früh wie möglich buchen. Mein Ticket für die Hin- und Rückfahrt, hat ca. 200€ gekostet, war allerdings ein Sparpreisangebot. Viele der anderen Studenten sind ebenfalls mit dem Zug oder dem Flugzeug angereist. Der Flughafen in Marseille befindet sich etwas außerhalb der Stadt, also hier früh genug nach der Anbindung zur Stadt schauen. Für den Monat empfehle ich eine Monatskarte zu besorgen, mit dieser kann man alle U-Bahne, Büsse und manche Fähren benutzen. Letztere kostet etwa 40€.

Kommunikation

Mein Handyvertrag zählt europaweit, sodass ich ganz normal nach Deutschland telefonieren konnte. Zuhause hatte ich W-lan. Die anderen Studenten, die von weiter weg kamen, haben sich vor Ort eine Sim-Karte besorgt.

Unterkunft

Ich hatte das große Glück in der Wohnung eines Medizinstudenten wohnen zu dürfen, der gerade im Urlaub war. Die Wohnung war nur 5-7 Minuten zu Fuß von der Klinik entfernt, Einkaufsmöglichkeiten waren in der Nähe und die U-Bahnhaltestelle nur 300m entfernt. Ich musste nichts mitbringen, alles war vorhanden und gut ausgestattet.

Literatur

Ich habe kein spezielles Buch verwendet, sondern vieles einfach gegoogelt und zum anderen die Medizinstudenten vor Ort nach Tipps gefragt. Die eine hat mir dann ein Skript mitgebracht, dass Sie im Kurs erhalten hatten.

Mitzunehmen

Für das Krankenhaus hatte ich Kittel und Stethoskop dabei, mehr braucht man eigentlich nicht. Die Ärzte hatten eigentlich normale Straßenkleider und -schuhe an, also braucht man nicht notwendigerweise Turnschuhe oder schicke Schuhe. Meine Oberärztin kam oft in Sandalen zur Visite. Ganz wichtig für Marseille sind natürlich Strandsachen und Sonnencreme.

Reise und Ankunft

Anreise war problemlos. Vor dem Appartement wartete ein Freund meines Gastgebers, um mir die Schlüssel zu überreichen. Ich bin Samstagabend angereist und Praktikumsbeginn war am Montag. Über die Facebookgruppe konnte ich am Sonntag schon mal vorab einige der anderen Studenten kennenlernen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag haben wir uns alle gemeinsam vor dem Krankenhaus verabredet. Unsere Leos haben uns dann auf Station begleitet. In Marseille waren wir nämlich über drei Krankenhäuser verteilt. Ich war im Krankenhaus "La Conception" als einzige, die anderen in "La Timone" und "L'hôpital Nord", welches etwas außerhalb liegt. Als ich mich am ersten Tag auf Station vorstellte, wusste leider niemand, dass ich kommen würde. Nach kurzer Vorstellungsrunde hat mich die Stationsärztin, dann in den OP geschickt. Da ich sowieso sehr gerne im OP bin, hat es mir nicht viel ausgemacht Stationsarbeit zu verpassen. Im OP habe ich mich allen kurz vorgestellt und alle waren sehr nett, jedoch etwas distanziert. Wichtig ist es sich als Medizinstudent im Klinischem Abschnitt als "Externe" vorzustellen, denn "Interne", bedeutet im französischem Assistenzarzt. Am ersten Tag kam ich mir etwas verloren vor, da ich keinen wirklichen Ansprechpartner hatte und alle meinten ich dürfte machen wonach mir ist. Ein großer Unterschied zu Deutschland ist, dass Medizinstudenten überhaupt kein Blutabnehmen müssen, dass erledigt alles die Pflege. Zudem bleiben Medizinstudenten in den letzten Jahren nur von ca. 8 bis 12 Uhr im Krankenhaus, weil sie manchmal nachmittags noch Kurse haben oder für den großen nationalen "concours" lernen müssen. Letzterer ist vergleichbar mit unserem 2. Staatsexamen, allerdings entscheidet die Note in Frankreich welche Facharztausbildung, in welcher Stadt man antreten darf. Am 2. Tag lief alles etwas glatter ab, ich kannte schon einige und hatte das Vertrauen der OP-Schwestern mich im OP und was Sterilität angeht auszukennen. Ich durfte mich bei wirklich fast jeder OP einwaschen und manchmal nähen. Von mir wurde nicht erwartet zur Visite zu kommen, diese fing meistens um 8 Uhr an, aber bestand darin, dass wir uns mindestens zu zehnt ins Zimmer gequetscht haben und dort nur wenige Minuten verblieben sind. Bei der Chefvisite verging nochmals weniger Zeit in jedem Zimmer, sodass wir schon auf dem Weg draußen waren, wenn ich es hinter allen Ärzten ins Zimmer geschafft hatte. Die Visiten habe ich mir in den letzten Wochen, dann gespart. Auf Station waren zwei Medizinstudenten aus Marseille, deren Aufgabe darin bestand, die neuen Patienten aufzunehmen. Ich habe oftmals angeboten diese Aufgaben zu übernehmen, damit sie auch mal die Möglichkeit haben in den Op zu gehen, aber beide waren eher ungern im OP und wollten pünktlich gehen. Sodass wir vereinbarten, dass ich immer in den OP gehen durfte. Die Ärzte waren mir immer sehr dankbar, dass ich zum assistieren kam und oft auch bis zum späten Nachmittag blieb. Mittags machten wir meist gemeinsam Mittagspause, dazu luden sie mich immer zum essen ein, da ich keinen Mitarbeiterausweis besaß. Ich habe mich mit der Zeit sehr sehr gut mit dem Team verstanden und es herrschte allgemein ein sehr positives Klima, da die Ärzte auch untereinander sehr gut befreundet sind. Ab und zu bin ich auch in die Sprechstunde und habe dort Patienten aufgenommen, um wenigstens etwas Patientenkontakt zu haben. Im Nachhinein habe ich es sehr genossen, wie frei ich meinen Alltag im Krankenhaus gestalten durfte. Ich denke, dass ich hier durch Eigeninitiative mehr lernen konnte als auf einigen Stationen in Deutschland, auf denen ich doch schon oft den halben Tag mit Blutabnehmen beschäftigt war. Allerdings bietet das System in Frankreich meiner Meinung ein schwerwiegendes Problem. Nur Studenten mit den besten Noten dürfen sich ihre Fachrichtung und Stadt aussuchen. Der beste Student, wird nicht zwangsläufig der beste Chirurg. Allgemein fördert dieses Wettbewerbssystem nicht gerade die praktischen Fähigkeiten der Medizinstudierenden in Frankreich. Da bin ich sehr dankbar, dass ich mir in Deutschland weitestgehend die Stadt und meine Fachrichtung aussuchen darf.

Land und Leute

Ich bin so froh so tolle Menschen in Marseille kennengelernt zu haben, wir hatten die beste Austauschgruppe, die ich mir hätte vorstellen können. Wir haben von unseren Leos eine kleinen Monatsplan erhalten. Da waren alle wichtigen touristischen Sehenswürdigkeiten bereits enthalten. Unbedingt gesehen haben muss man "Notre-dame de la Garde", das Wahrzeichen von Marseille. Das ist eine Kirche, die sich in 161m auf einer Anhöhe über der Stadt befindet. Auf der Spitze der Kirche ist eine goldene Statue von Maria mit Jesus auf dem Arm. Diese soll symbolisieren, dass sie über die Stadt wacht. Des weiteren haben wir den "Palais Longchamp", ein Kunstmuseum und gleichzeitig naturhistorisches Museum und die Kathedrale von Marseille besichtigt. Von letztere hat man eine schönen Ausblich auf das Meer und den alten Hafen, "Vieux port". Nicht zu vergessen sind natürlich die Strände an der Côte d'azur, diese sind alle mit dem Bus zu erreichen. Wer besonders schön sind die "Calanques". Zu diesen muss man ein Stück wandern, dafür hat man dann einen traumhaften Ausblick aufs Meer, türkises Wasser und es ist unter der Woche sehr ruhig und nicht so voll wie die Strände in der Nähe der Stadt. Des weiteren haben wir kleinere Ausflüge in der Gruppe geplant und haben Aix en Provence und Avignion besichtigt. Dies sind kleinere, aber sehr typisch französische Städte. Es bietet sich ebenfalls an St. Tropez, Cannes und Nizza zu besuchen. Hierfür würde ich jedoch ein Auto mieten, v.a. St.Tropez ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schwerer zu erreichen, aber ist natürlich möglich. Achtung am 14. Juli ist der französische Nationalfeiertag in Frankreich, an diesem Wochenende waren die Preise für Zugtickets oder die Autovermietung besonders teuer. Cassis ist eine traumhafte kleine Stadt am Meer, in der es viele kleinere Strände gibt. Ich empfehle hierfür von Marseille mit der Regio nach Cassis zu fahren und von dort mit dem Bus ins Stadtzentrum, von diesem sind die Strände nicht mehr weit. An einem Wochenende sind wir nach Valensole, dort kann man riesige prachtvolle Lavendelfelder erkunden. Außerdem gibt es sehr kleine, aber feine einheimische Restaurants. Von dort ist es nicht mehr weit zu den "Gorges du verdon", eine Schlucht in der französischen Provence. Dort fließt in ca. 700m Tiefe der türkisfarbene Fluss Verdon. Es gibt so unglaublich vieles in Südfrankreich zu erkunden und noch mehr Naturphänomene für die man leider in einem Monat nicht genug Zeit hat. Ich hätte gerne noch mehr von der Provence gesehen und definitiv alle Orte gerne ein zweites oder drittes Mal besucht, da ich so begeistert war.
Mit meinem Gastgeber kam ich sehr gut zurecht, am Ende hat er auch gemeinsam mit mir in der Wohnung gewohnt, weil er ein Praktikum in Marseille hatte. Dies ist eher ungewöhnlich, da die Gastgeber von allen anderen Studenten, selbst im Ausland waren für einen Austausch oder im Urlaub. Allerdings war mein finaler Gastgeber nicht mein ursprünglicher, dieser hatte mir nämlich wenige Wochen vorher abgesagt. Aber mit der Ersatzwohnung hatte ich wirklich nichts zu bemängeln und glücklicherweise, wird alles sehr gut von den Leos organisiert, sodass einem wirklich eine Unterkunft garantiert wird.
Marseille, mit seiner geographischen Lage zum Meer bietet natürlich eine Reihe kulinarischer Fischgerichte und Meeresfrüchte zu probieren. Allerdings würde ich die typisch touristischen Restaurants rund um den "Vieux port" meiden. Ich habe meistens die Ärzte im Krankenhaus nach Empfehlungen gefragt, diese kennen die besten Adressen. Ansonsten ist die französische Küche im Allgemeinen eine der Besten und ich denke nicht, dass es hier irgendwelche Schwierigkeiten gibt, wobei Froschschenkel nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

Fazit

Meine erste Wahl war ursprünglich Paris, aber dennoch bereue ich es nicht nach Marseille gegangen zu sein. Ich habe dort so gute Freunde kennengelernt und wirklich eine der besten Zeiten, meines gesamten Studiums erlebt. Mir hat es sehr gut gefallen, wie frei ich im Krankenhaus arbeiten durfte. Ich könnte mir daher vorstellen für eine befristete Zeit in Frankreich zu arbeiten, allerdings ist diese Entscheidung stark dem tollem Team geschuldet. Des weiteren bin ich jedoch der Meinung, dass wir in Deutschland eine etwas bessere Ausbildung erhalten und stressfreier durchs Studium kommen ohne uns Sorgen machen zu müssen, wo wir arbeiten und welchen Facharzt wir machen dürfen.
Ich würde jedes Mal wieder nach Marseille kommen und empfehle es jedem wärmstens.

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