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Atahualpa (Ecuador)

Intensivmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Obwohl ich erst in der Vorklinik bin, hat mich das Fernweh gepackt und ich wollte gerne etwas Praxis in einem anderen, außereuropäischen Land sammeln und dort neue Eindrücke über den medizinischen Alltag bekommen. Aber auch sonst interessiert mich Südamerika schon immer und die Möglichkeit das Praktikum mit einem Sprachkurs zu verbinden gefiel mir sehr. Ecuador kam für mich in Frage, weil es als eines der sichersten Länder Südamerikas gilt und durch die eher kleine Größe des Landes auch sehr gut zu bereisen ist.

Vorbereitung

Vorbereitet habe ich mich insofern, dass ich mich rechtzeitig um Impfungen und Organisatorisches gekümmert habe, aber ansonsten ist keine spezielle Vorbereitung nötig. Ich empfehle gute Spanischkenntnisse oder den Sprachkurs vor Ort in Quito als Vorbereitung, damit man mehr aus dem Aufenthalt ziehen kann. Im Krankenhaus beispielsweise wäre die Kommunikation und das Verständnis mit einem klinischen Spanischkurs vorab wesentlich einfacher gewesen. Allerdings ist es wirklich kein Muss.

Visum

Wie auch sonst schon beschrieben gibt es ein 90 tägiges, kostenloses Touristenvisum. Einfach am Schalter Tourismus sagen, wenn die Mitarbeiter fragen was man im Land macht. Dann geht es super schnell und einfach.

Gesundheit

Hier kann ich nur empfehlen rechtzeitig zur Reiseberatung oder zum Reisemediziner zur gehen, weil Impfungen wie Tollwut beispielsweise mehrere Impfungen sind. Tollwut war trotz ein paar Straßenhunden kein großes Thema, aber da eine Infektion nun mal fast immer tödlich wäre, ist es die Impfung dann doch wert. Mit der Reiseapotheke sollte man sich auf jeden Fall gut ausstatten. Meine Hausärztin hat mir im Nachhinein für alles Richtung Gastroenteritis Tamacomp und Vaprino empfohlen, da man mit Immodium und Kohletabletten nicht weit kommt, da die Keime so im Darm bleiben. Auch Elektrolyte mitzunehmen ist sehr sinnvoll!

Sicherheit

Ich kann mich hier eigentlich nur den alten Berichten anschließen, man kann das Risiko von Überfällen etc durch sein eigenes Verhalten schon sehr gut minimieren. Ich selbst hatte eine Bauchtasche für unter der Kleidung und so hatte man nie etwas was einem einfach weggerissen werden kann wie zum Beispiel der Rucksack und auch in überfüllten Bussen muss man sich nicht groß sorgen dass jmd einem in die Jackentasche greift. Dennoch hört man sehr viel von Handydiebstahl und Ähnlichem. Abends dann gerade als Europäer ein möglichst registriertes Taxi nehmen oder mit Uber fahren. Ich war aber auch schon in der Dunkelheit zu Fuß unterwegs (nicht alleine) und es ist nichts passiert, also man sollte auch nicht zu ängstlich sein. Zum Panecillo (die Madonnenstatur Quitos) sollte man nicht zu Fuß hoch, auch das haben wir gemacht aber waren auch wirklich die einzigen und die Armut des Viertels ist mir direkt aufgefallen. Sicherheit ist dort schon ein großes Thema und man bekommt viele Tipps und Warnungen, bekommt aber relativ schnell raus, was geht und was eben nicht. Generell einfach meiden offensichtlich Wertgegenstände (auch Ketten etc) zu tragen und nicht an einsamen Orten rumtreiben, dann passiert in der Regel auch nichts.

Geld

Ecuador hat als einziges Land Südamerikas den US-Dollar als Währung. Es gibt allerdings keine höhere Note als 20 Dollar. Lebenshaltungskosten kann ich mich ebenfalls nur den anderen Berichten anschließen, Sonnencreme möglichst aus Deutschland mitnehmen, da man sonst auch gut mal 20 Dollar dafür zahlt. Naja und zur Zahlung in der Sprachschule möchte ich noch anmerken, dass bei Überweisungen so weit ich es mitbekommen habe häufig Geld verloren geht, meist 60 Dollar, und die müssen dann nachgezahlt werden. Martha, die Sprachschulleitung hatte mir empfohlen das Geld zu überweisen und meinte es gäbe damit nie Probleme, was sich im Nachhinein als falsch rausgestellt hat und auch bei mir gingen dann wieder 60 Dollar (wohl für Steuern von Zwischenbanken) verloren. Ich frage mich warum sie einem vorher nicht Bescheid gibt über das Problem oder noch eine andere Zahlungsmethode anbietet.. Naja man dem entgehen möchte sollte man direkt zu Beginn bar zahlen :)

Sprache

Spanisch ist natürlich die erste Landessprache und daher sind Kenntnisse einfach sehr empfehlenswert, weil man viel mehr aus seinem Aufenthalt machen kann, wenn man sich von Anfang an gut verständigen kann. Spezielle Kurse sind aber definitiv nicht notwendig und man hat ja sogar die Möglichkeit seinen Kurs vor dem Praktikum zu absolvieren und das eigene Spanisch noch aufzufrischen/aufzubauen. Die Lehrer dort haben alle einen unterschiedlichen Stil zu unterrichten aber das ist eigentlich dann auch ganz abwechslungsreich. Den Travelling Classroom (in meinem Fall nach Puerto Lopez) kann ich empfehlen wenn man nicht viel Zeit hat in Ecuador, ansonsten ist es schon seehr teuer für eine 5-tägige Reise (700 Dollar).

Verkehrsbindungen

Das Bussystem ist super, günstig und von Quito kommt man überall hin. Eine Fahrt in der Stadt egal wohin kostet 25 Cent, wobei bei dem vielen Verkehr Gehen manchmal sogar schneller ist. Es gibt zwei große Busterminals von denen die Fernbusse abfahren und man fährt jeweils ca eine Stunde bis dorthin. Taxis tagsüber immer mit Taximeter benutzen und abends einen Festpreis ausmachen, da kann man sich auch gut nach den Uberpreisen richten, um einen Preiseindruck zu bekommen.

Kommunikation

Auch in Ecuador läuft heutzutage sehr viel über Whatsapp, daher ist eine Simkarte im Regelfall schin praktisch. Meine habe ich einfach unten im Computerladen gekauft. Er wird betrieben von Marthas (Leiterin der Sprachschule) Ehemann Vicente. Für einen Monat mit ungefähr 2GB und auch Freiminuten habe ich um die 5 Dollar gezahlt, meine Simkarte war von movistar (claro wäre der andere große Anbieter in Ecuador). Preislich tut sich da nicht viel. In der Sprachschule gibt es WLAN.

Unterkunft

Gewohnt habe ich zunächst im Appartement, da aber nach zwei Tagen ein weiterer deutscher Student auszog, wäre ich für meinen restlichen Aufenthalt alleine dort gewesen sodass ich mich entschieden habe zu Martha und Vicente zu ziehen und sie somit meine Gasteltern waren. Ich hatte ein eigenes Zimmer in ihrer Wohnung, jedoch haben sie in einer anderen Wohnung im Gebäude geschlafen. Die Mahlzeiten haben wir immer zusammen eingenommen und das war wirklich immer sehr lecker und auch sehr nett. Auch als Vegetarierin konnte ich gut bei den beiden essen

Literatur

Ich habe mir den englischen, aktuellsten Lonely Planet gekauft und fand ihn auch ganz gut, obwohl er schon sehr viele und teure Restauranttipps und Hoteltipps drin sind. Aber er war immer eine gute Anlaufstelle zur Orientierung. Man kann sich das Geld aber auch sparen und den Reiseführer in der Sprachschule oder das Internet nutzen. Auch Martha und Vicente geben einem immer gerne Unternehmungstipps! Ansonsten gibt es in der Sprachschule auch ein Buch, das „Kulturschock Ecuador“ oder so ähnlich heißt und bestimmt kulturell einiges erklärt. Ich kann noch das Buch „Reise durch einen einsamen Kontinent empfehlen“, es ist allerdings kein Reiseführer und generell über Südamerika.

Mitzunehmen

Wichtig mitzunehmen sind denke ich wie oben genannt:
-Sonnencreme
-eine gute Reiseapotheke
-warme und Regendichte Kleidung (für die Berge war teilweise auch Mütze und Schal dringend notwendig)
-einen Geldgürtel oder eine Bauch/Brusttasche für unter die Kleidung
-der Rest ergibt sich eigentlich von selbst

Reise und Ankunft

Meine Reise verlief super, ich bin mit Iberia hin und zurück und hatte einen Stop in Madrid. Mit ca 17h Reisezeit hatte ich auch eine ganz gute Verbindung, habe um die 780 Euro bezahlt aber auch recht kurzfristig. Wenn man noch früher bucht geht es sicherlich auch günstiger. Vicente hat mich abgeholt, das war ganz nett, man könnte sich aber auch für 25 Dollar ein Taxi nehmen. Im Krankenhaus wird man in der Regel von Marthe vorgestellt und hingebracht, da sie aber viel unterwegs ist, kann es auch sein dass es wie bei mir nicht der Fall ist.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe ebenfalls im Hospital Ingles im Zentrum von Quito gearbeitet und war dem sehr netten Dr, Llano „zugeteilt“, wie eigentlich alle deutschen Medizinstudenten. Nur einen Tag als er mal nicht da war, waren wir auf einer anderen Station teilweise. Generell war der Tagesablauf sehr patientenabhängig. An meinem ersten Tag stand eine Kraniotomie einer verunfallten Frau auf dem Plan, die schwere Hämatome erlitt. Auch bei der OP hätte ich bereits assistieren können. Direkt am ersten Tag fiel mir auf, dass man sich dort nie die Hände desinfiziert, man präferiert dort das Händewaschen..auch vor der OP fand also eine chirurgische Händewaschung statt. Ich empfehle daher, dass man sich am besten sein eigenes Desinfektionsmittel mitbringt. Sie dort zwar teilweise Desinfektionsgel, aber an Material mangelt es teilweise schon. Infektionen sind leider auch ein Riesenthema dort. An einem anderen Tag habe ich zwar etwas unter Stress aber dennoch erfolgreich einen Blasenkatheter legen sollen. An anderen Tagen war aber häufig auch wirklich garnichts los und es gab nur 2 Patienten. Einmal am Tag ist Visite für ca 20 Minuten, falls es etwas zu erklären gibt und die Ärzte Zeit haben, erklären sie einem auch gerne mal ausführlich etwas. Dr. Llano hat uns in der Regel gegen 9 nach Hause gefahren und unser Tag im KH begann immer um 16 Uhr. Das Hospital Ingles ist ein öffentliches KH und relativ gut ausgestattet, aber an einigen Materialien und teilweise Bluttransfusionen etc mangelt es dann doch, sodass es auch für die Ärzte sehr schwierig ist ihre Arbeit so umzusetzen wie sie es gerne würden. Das Gesundheitssystem ist doch schon recht anders als in Deutschland und es war immer wieder spannend Unterschiede in der Organisation, der Praxis aber auch im Gesundheitsbewusstsein der Menschen kennenzulernen.
Man hat vormittags die Möglichkeit ebenfalls ein Praktikum im Hospital Militar abzuleisten, ich habe mich allerdings dagegen und kann dazu nicht viel sagen. Auch wenn es im Hospital viel Leerlauf gibt, hat es mich nicht gestört und mit Eigeninitiative in ruhigen Phasen auch mal auf eine andere Station zu gehen oder sich den Pflegern oder Physiotherapeuten anzuschließen kann man auch in dem KH mehr sehen und vielleicht so auch zu mehr Praxis kommen, mir war es aber wie gesagt ganz recht, da ich ja sowieso erst in der Vorklinik bin. Man kann sich den Austausch aber gut als Famulatur anerkennen lassen. Zu ecuatorianischen Medizinstudenten hatte ich keinen Kontakt und kann deshalb nicht viel zur Ausbildung in Ecuador sagen, das war allerdings wohl im KH in Tena ganz anders.

Land und Leute

Wie gesagt habe ich meine zweite Woche als Sprachkurs an der Küste in Puerto Lopez verbracht und das war wirklich sehr schön und interessant. Wir sind über Nacht mit dem Bus 10 Std bis dorthin gefahren und hatten dann fünf volle Tage in dem kleinen Fischerdorf. Vormittags hatte ich immer Kurs und nachmittags haben wir Ausflüge unternommen. Dadurch konnte ich eine wunderschöne Wanderung zum Strand Los Frailes unternehmen, die Comunidad Agua Blanca besichtigen, den Fischermarkt in der Frühe besuchen oder auf die Isla de la Plata fahren (Galapagos für Arme genannt). Das hat sich wirklich sehr gelohnt, da von Juli bis September Walsaison ist und ich unzählige Wale sehen konnte und eine tolle Wanderung durch die einzigartige Natur der Insel machen. Ecuadorianer sind sehr freundlich und hilfsbereit, gerade wenn man mal nach dem Weg sucht. Unterwegs lernt man immer mal wieder Ecuadorianer kennen und mit mehr Zeit hätte ich den Kontakt gerne noch mehr ausgebaut. Anfangs hate ich das Gefühl sind sie oft etwas reserviert, aber dann doch sehr interessiert. Das Essen fand ich überall sehr lecker und gerade die traditionellen Speisen wie Locro de Papas (Kartoffelsuppe mit Avocado), Bolones, Humitas oder Empanadas sollte man probiert haben. Auch Getränke wie Morocho oder Canelazo waren echt lecker! In und um Quito sind die typischen Sehenswürdigkeiten wie Otavalo (auch die Wasserfälle), Mitad del Mundo oder der Pichincha einen Besuch wert. In Quito kann ich einen Besuch bei Republica del Cacao empfehlen, da gibt Donnerstags den zweiten Kakao gratis und das beste Schokoladeneis überhaupt. Der Park Itchimbia ist eine schöne Oase in der vollen und teilweise dreckigen Stadt, auch als Mädchen kann man dort gut allein joggen. Bei Jugos de la Sucre in der Altstadt kann man zwischen Einheimischen leckere,frische und exotische Säfte für nur einen Dollar trinken.
Momentan ist Ecuador ziemlich belastet von den vielen venezolanischen Flüchtlingen, die auch im Alltag der Menschen sehr präsent sind. In fast jedem Gespräch mit Ecuadorianern fällt irgendwann das Thema der Venezolaner, die aufgrund ihrer prekären Lage ins „reiche“ Ecuador fliehen. Generell herrscht in weiten Teilen der Bevölkerung eine große Unzufriedenheit mit dem Präsidenten Moreno und auch eine negative Haltung gegenüber den Venezolanern, die häufig Straßenverkäufer oder ähnliches sind. Kürzlich spitzte sich die Situation so weit zu, dass nach gewaltsamen Ausschreitungen infolge des Endes der Subventionierung der Spritpreise, der Ausnahmezustand ausgerufen wurde.

Fazit

Insgesamt hatte ich eine wunderbare und sehr spannende Zeit, vollgepackt mit neuen Eindrücken und tollen Begegnungen. Zwar brauchte ich schon Zeit um anzukommen, aber man kann gerade mit guten Spanischkenntnissen sehr viel aus seinem Aufenthalt machen und viel vom Land sehen. Ich musste leider gesundheitlich bedingt früher abreisen, aber hätte gerne noch mehr Zeit gehabt das Land zu erkunden, beispielsweise hatte ich schon einen Flug nach Galapagos gebucht, dort kann man übrigens auch Glück haben und günstige Flüge finden. Die Erfahrungen im Krankenhaus waren auch mit viel Leerlauf interessant für mich, weil ich einfach gerne nur mal einen fremden medizinischen Alltag in Ecuador kennenlernen wollte und der kann nun mal auch so aussehen. Ich bin dankbar für meine Zeit und alle Eindrücke die ich aus diesem doch sehr fernen Land sammeln konnte :)

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