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Korea (South) (KMSA)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Charlotte, Leipzig

Motivation

Schon während und nach meiner Schulzeit hat es mich ins Ausland gezogen. Ich habe jeden meiner bisherigen Auslandsaufenthalte immer als sehr bereichernd empfunden. Der Austausch der bvmd ist eine super Möglichkeit, diese Bereicherung in Form eines Famulaturaustauschs selbst zu erfahren solange man noch so großzügige Semesterferien genießen darf. Eine Möglichkeit, die einem viel tiefere und intensivere Einblicke in ein Land verschafft, als es ein Urlaub je könnte, die einen Verständnis vom Fremden und Wertschätzung vom Bekannten lehrt und die ich jedem (Medizinstudierenden) nur ans Herz legen möchte.
Ich wollte die Famulatur gerne in Ostasien absolvieren, da mich diese Länder persönlich sehr interessieren und die Lebenserwartungen von Korea und Japan die höchsten unserer Erde sind. Zudem fand ich es spannend, ein sehr modernes, innovatives Gesundheitssystem zu entdecken.

Vorbereitung

Da ich selbst LEO in Leipzig bin, fand ich die Bewerbung eigentlich sehr simpel. Das einzige, was man wohl früh bedenken sollte, ist der Englischsprachtest vom DAAD. Bei uns wird dieser zu bestimmten Terminen an der Uni angeboten und ist weder unglaublich schwierig noch teuer. Danach muss man sich nur noch um die Motivationsschreiben und die Formulare kümmern. Was man alles braucht, steht auf der Seite der bvmd und ansonsten kann man auch immer seiner Lokalvertretung Fragen stellen (Die wissen oft sehr gut Bescheid!). Auch wenn die ganze Logistik anfangs unübersichtlich und nervig erscheint: Bleibt dran, es lohnt sich! Ich denke, jeder selbst organisierte Austausch ins Ausland ist um einiges aufwendiger und einmal einen Platz zugeteilt, muss man sich nicht mehr um Unterkunft und Famulaturplatz kümmern, hat Ansprechpartner vor Ort, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen und auch finanziell wird man unterstützt: Wer früh dran ist, kann sogar einen Fahrtkostenzuschuss beantragen. Somit wurde auch ein Großteil meines Fluges nach Südkorea von der bvmd finanziert.
Der LEO der Yonsei University Wonju hat mich recht bald kontaktiert und mir Infos gegeben, was alles mitzubringen sei. Kleidung wurde mir nicht gestellt, es kamen also ein weißer Kittel, eine schwarze (!) Hose, weiße T-Shirts und schwarze, schicke Schuhe mit. (Ich hatte mir diese bei Ecco gekauft und es war ein ganz schönes Desaster formale, schwarze Schuhe zu finden, welche gleichzeitig noch einigermaßen bequem waren.) Student*innen haben einen sehr strikten Dresscode in Korea (ich bekam vor Abreise eine Dresscode-Guideline zugeschickt, inklusive Make-Up Guideline), ich hatte aber das Gefühl, dass wir 2 Austauschstudierende eine Sonderposition einnahmen und es bei uns nicht allzu eng gesehen wurde.

Visum

Um ein Visum muss man sich gottseidank nicht kümmern – als deutsche Staatsbürgerin konnte ich ganz bequem direkt am Flughafen ein 90-tägiges Einreisevisum beantragen. Wichtig ist, dass man hier eine Adresse und Handynummer angeben muss, am Besten ihr fragt eure Contact Person nach der Handynummer und der Adresse eurer Unterkunft bevor ihr abreist. Das wusste ich zum Glück durch ältere Erfahrungsberichte und somit gab es keine Wartezeiten.

Gesundheit

Impfungen sollte man vor Abreise nach der Empfehlung der STIKO auffrischen lassen. Ansonsten kann man einfach auf der Seite des Auswärtigen Amtes nachsehen: Als Reiseimpfungen werden Hepatitis A bei Langzeitaufenthalt oder besonderer Exposition auch Hepatitis B, Tollwut und Japanische Enzephalitis empfohlen. Da ich aber nicht in besonders ländlichen Regionen arbeitete, sondern in einem voll ausgestatteten Krankenhaus, riet mir mein Arzt von den genannten Impfungen ab.
Eine Reiseapotheke kam mit, ein kleines Erste-Hilfe-Set und Blasenpflaster. Letzteres war wirklich sehr hilfreich, aufgrund von neuen, nicht eingelaufenen Schuhen, jedoch gibt es auch alles in der Drogerie zu kaufen. Was die medizinische Versorgung angeht: Süd-Korea genießt einen sehr hohen Standard der medizinischen Versorgung. Mein Krankenhaus war vollkommen mit einem Unikrankenhaus in Deutschland zu vergleichen, Tape für meine Knie nach einer Wanderung konnte ich mir einfach ohne Probleme nehmen und ich fühlte mich demnach auch sehr wohl und sicher. Wer vor hat, nach seinem Aufenthalt noch nach Japan zu reisen, wird sich sehr über Moskitospray freuen.

Sicherheit

Südkorea ist ein unglaublich sicheres Land! Beschäftigt man sich mit der Geschichte Koreas und den jüngsten Vorfällen Anfang der 2000er, so kriegt man doch etwas Bedenken, jedoch hatte nie Angst, allein im Dunkeln irgendwo unterwegs zu sein und die Beziehung zu Nordkorea schien nicht merklich angespannt zu Zeiten meiner Einreise.

Geld

In Südkorea bezahlt man mit dem koreanischen Won. 1 Euro = ca. 1250 Won. Ich hatte mich vor meiner Abreise dafür entschieden, ein kostenloses Student*innen-Konto bei der Apobank zu eröffnen, da ich mit meiner vorherigen Giro Karte stets enorme Gebühren beim Abheben von Bargeld im Ausland bezahlen musste. Somit konnte ich einfach mit der Kreditkarte abheben und die 2-3 Euro Gebühren wurden mir zurückerstattet. In fast allen Läden kann man mit Kreditkarte bezahlen, teilweise bezahlten meine Freunde dort sogar mit ihrem Handy. Dennoch ist es gut, immer etwas Bargeld dabei zu haben, da man zum Beispiel die Einkäufe auf dem Markt oder das Aufladen der Transportation Card nur Bar bezahlen kann. Viele Koreaner gehen in Restaurants zum Essen – da ich keine Küche hatte und Instantnudeln keine Option für mich darstellten, war das auch oft meine Wahl – Kimbab (zwei Rollen koreanisches Sushi) bekommt man schon für 3500 Won (2,70 Euro), sonst kostet ein Gericht zwischen 6000-9000 Won (5-7 Euro). Kimchi und Wasser sind immer inklusive und auffüllbar! Da ich mich vegan ernähre, war es nicht immer so leicht, etwas zu finden und Obst ist in Korea und Japan unglaublich teuer! Ein aufgeschriebener Text meiner CP hat mir das Leben um einiges leichter gemacht und nach anfänglichen Schwierigkeiten habe auch ich meine Nischen gefunden. (Reis und Gemüse, Bibimbab ohne Ei, Kimbab mit Gemüse, Tofu Stew oder veganes Ramen)

Sprache

Zeit für einen Sprachkurs hatte ich im Vorhinein nicht, jedoch habe ich vor meiner Reise „Hangul“, die koreanische Schrift gelernt. Diese ist nicht mit Japanisch oder Chinesisch zu vergleichen, da das koreanische Alphabet aus nur 19 Konsonantenbuchstaben und 21 Vokalbuchstaben besteht. Somit fällt schonmal der Alltag etwas leichter und die Leute vor Ort sind sichtlich beeindruckt! (Hier meine Wahl: https://www.youtube.com/watch?v=s5aobqyEaMQ)
Das Englischlevel variiert enorm! Viele Studierende trauen sich nicht, Englisch zu sprechen, da muss man einfach loben und dranbleiben, denn teilweise studieren sie auf Englisch und Verständnis in Hören und Lesen ist sehr gut. Die Professor*Innen sprachen oft Englisch und gaben immer ihr Bestes, Fälle zu erklären. Außerhalb der Uni wird es schon schwieriger, da hilft eine Übersetzungs-App. In jedem Falle sind die Koreaner*Innen unglaublich hilfsbereit und bringen dich – wenn es sein muss – sogar bis zur Bushaltestelle.

Verkehrsbindungen

Das Verkehrsnetz ist sehr gut ausgebaut. Innerhalb der Stadt kann man sich in jedem CU eine Transportation Card kaufen (4000 Won), die man dann bar (!) in Automaten an der Metro oder in diversen Convenience Stores aufladen kann. Und vor Bus- oder Metrofahrten an die Schranke oder einen Entwerter hält. Reist man von Stadt zu Stadt, kann man diese Karte nicht benutzen. Ich fand es etwas umständlich, Busse und Züge (korail.kr) online zu buchen. Es ist einfacher, direkt am (Bus)Bahnhof ein Ticket zu kaufen und oftmals fahren die Busse oder Züge mehrmals täglich (von Wonju nach Seoul ca. 8000 Won 1,5 Stunden, teilweise im halbstündigen Takt). Sehr oft haben auch einfach die CPs für einen online gebucht. Busse und Züge fahren immer sehr pünktlich ab! Das Metrosystem in Seoul hat mich einfach umgehauen. Es hat richtig Spaß gemacht. Ich kann jedem empfehlen, sich die NAVER App runterzuladen. Die kann man problemlos nutzen, um Metroverbindungen rauszufinden. GoogleMaps funktioniert in Korea nicht.

Kommunikation

Jegliche Kommunikation in Südkorea geht über KakaoTalk. Sei es der Professor, der dir deinen Stundenplan schickt, oder ein Gruppenchat mit den CPs. Das Ganze ist vergleichbar mit Telegram oder WhatsApp. Manchmal hört man die Messagetöne auch im OP, ganz normal. Die Leute stehen total auf Emojis, es gibt in Seoul sogar KakaoFriends Shops, in denen man sich Kuscheltiere oder Waffeleisen dieser süßen Kakao Emojis zulegen kann.
Am Flughafen wurde mir gesagt, dass es in meinem Dorm kein Wifi gäbe. Dieser Tipp kam auf Nachfrage und auch recht spät, jedoch rechtzeitig, um sich eine SIM Karte mit unlimitiertem Datenvolumen für 30 Tage zu kaufen. Die gibt’s am Flughafen für 70.000 Won (55 Euro) und es lohnt sich echt, denn auf Naver oder KakaoTalk kann und möchte man nicht verzichten und somit entgeht man jeder Menge Stress. Nach Hause hatte ich nicht viel Kontakt, da es mir so leichter viel, mich komplett auf Korea einzulassen.

Unterkunft

Die Unterkunft... Ich wusste schon von meiner CP, dass ich im Dormitory der Medizinischen Fakultät unterkommen würde und dass diese keine Küche hätte. Das war für mich ein kleiner Schock, da ich mich vegan ernähre und sehr auf eine Küche gehofft hatte. Deshalb hatte ich mir Besteck, ein scharfes Messer, Campinggeschirr und ein Brettchen mitgenommen. Einen Kühlschrank gab es leider auch nicht, somit habe ich den Großteil meiner veganen Aufstriche zur Freude meiner CPs, Residents und Couchsurfer in Seoul verschenkt. Ich wohnte in einem Zweibettzimmer allein. Es gab eine Klimaanlage und einen Schreibtisch. Das WLAN funktionierte dann nach der 1. Woche auch und es gab eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner für jeweils 800 Won (80 Cent) auf jedem Flur, was sehr günstig war! Die Duschen waren leider „Publicshowers“ ohne Kabinen, aber das ist in Korea anscheinend so und nicht weiter schlimm. Gestarrt wird auf jeden Fall nicht – weder auf der Straße noch unter der Dusche. Die Flure waren nach Mädchen und Jungs getrennt und bis zum Krankenhaus waren es 2 Minuten zu Fuß. In Wonju gibt es 3 Dormitories, ich wohnte in dem Ältesten. Das neue wurde dieses Jahr gebaut und ist sehr modern, wer also die Chance hat dort zu wohnen, braucht sich absolut keine Sorgen machen. Und auch die anderen sind total in Ordnung.

Literatur

Ich hatte mir zum Geburtstag den Lonely Planet gewünscht. Dieser kam im Februar diesen Jahres raus und ist auf dem neusten Stand und sehr zu empfehlen! Zudem hatte ich mir ein kleines Heft mit „Medical English“ in der Bib ausgeliehen, das brauchte ich aber nicht wirklich, da man – fehlt der ein oder andere Fachausdruck – immer auf dem Handy nachschauen kann.

Mitzunehmen

Weniger ist mehr. Ich hatte nicht wirklich viele Sachen mit, ca. 8kg an Gastgeschenken kamen in den Koffer – ca 15 Tafeln vegane Schokolade, Vitamintabletten, Shampoos, Tee, Cremes, Pralinen für die Profs etc. (Ich hatte vorher gefragt, was ich meinen CPs denn mitbringen könnte und sie haben sich wirklich sehr gefreut!). Und ansonsten ist es immer gut Platz für koreanische Waren im Koffer für den Rückflug zu haben. (Cute Socks, Süßigkeiten, Tee, Masken etc.) Einen Adapter braucht man nicht, jedoch – wer eine Reise im Anschluss nach Japan plant – sollte unbedingt dran denken, dass Steckdosen hier anders aussehen! Den Dresscode hatte ich oben schon erwähnt. Ich sollte zudem Reflexhammer, Lampe und Stethoskop mitbringen – diese kamen jedoch leider nicht wirklich zum Einsatz. Wer Freund von Fotographie ist: Es gibt tollste Motive für eine gute Kamera! Da ich vorhatte, bei Couchsurfern zu übernachten, hatte ich zudem einen Schlafsack mit. Bettwäsche wurde mir gestellt, Handtücher hatte ich mit (Reisehandtücher).

Reise und Ankunft

Der LEO der Yonsei University in Wonju hatte anfangs Probleme, CPs zu finden (was ich im Nachhinein nicht verstehe, da sehr viele Leute sich auf diesen Posten BEWERBEN!). Er regelte also die ganze Kommunikation am Anfang, war sehr offen, freundlich und hilfsbereit. Den Flug buchte ich ca. 2 Monate vor Abreise. Ich kam am Flughafen in Incheon an. Hier ist wichtig an folgendes zu denken: Adresse und Handynummer von CP bereithalten, SIM Karte besorgen, Geld abheben, Busticket kaufen. Der LEO hatte mir vorher die Busverbindungen durchgegeben, Tickets konnte man problemslos am Flughafen kaufen, jedoch fährt der letzte Bus gegen 20.30 Uhr nach Wonju. Das sollte man checken bevor man den Flug bucht, denn sonst darf man eine Nacht am Flughafen verbringen (anderer Austauschstudent). Ich kam Samstagabend mit dem Bus in Wonju an und wurde dann mit dem Taxi von meiner CP abgeholt. Sie zeigte mir das Dorm. Am nächsten Tag hatte ich noch die Gelegenheit, mir den kleinen Medizinercampus der Yonsei University of Wonju und den Markt anzuschauen und Prof. Yeh zu treffen, welcher für die Koordination des Austauschs verantwortlich war. Er gab mir Infos zu Treffpunkt und Department und somit wurde ich am Sonntag um 8 Uhr von meiner CP zur Station gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich hatte mich dazu entschieden, meine Famulatur auf der Neurologie abzuleisten. Schon in Deutschland fragte mich der LEO, ob ich auch an anderen Departments Interesse hätte und welche diese wären. Der Koordinationsbeauftragte Prof. Yeh teilte mir am Tag vor meinem Famulaturbeginn mit, dass er es für sinnvoll hielt, im Emergency Department zu beginnen und den Fokus hier auf Neuro zu legen, da viele neurologische Notfälle über den ER eintreffen. Es war mir bewusst, dass es offiziell nicht vorgesehen ist, seinen Austausch in verschiedenen Abteilungen abzuleisten. Jedoch war es mit der Neurologie so abgesprochen, dass ich 2 Wochen im Emergency Room bleibe, 1 Woche auf der Pädiatrie und die letzte Woche auf der Neurologischen Station, immer mit dem Schwerpunkt Neurologie (Neurologische Notfälle, neurologische pädiatrische Patient*innen) und so willigte ich ein. Die ersten zwei Wochen war ich also in der Notfallaufnahme. An diesem Punkt möchte ich jedem Medizinstudierenden, der Interesse an Notfallmedizin hat und nach Südkorea gehen möchte empfehlen, ans Wonju Severance Christian Hospital zu gehen. Es ist das führende Krankenhaus in Korea, wenn es um Notfallmedizin geht und war das kooperierende Krankenhaus der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Das Department ist super ausgestattet, sehr modern und verfügt über ein Helikoptersystem, ein Traumacenter und ein Zentrum für Hyperbare Medizin. Ich wurde also an meinem ersten Tag um 7.45 Uhr von meiner CP abgeholt und in den Besprechungsraum gebracht. In den ersten Reihen saßen die Professoren in schicken, weißen Jackett (ausschließlich männlich), dahinter die Residents. Student*Innen gab es in dieser Abteilung keine. Ich musste mich zu Beginn vorne platzieren, mich vorstellen und ein paar Fragen beantworten (Why did you decide to come to Korea and why did you especially choose to come to Wonju etc.). Daraufhin applaudierten alle, das war schon echt seltsam. Dann wurden schwierige Fälle von den Assistenzärzten (auch hier wieder nur männlich) vorgestellt und die Professoren gaben Ihre Kommentare dazu ab, nachdem es dann zur Visite ging, in welcher eben diese Patient*Innen begutachtet wurden.
Die Strukturen in Korea sind sehr hierarchisch, man verbeugt sich vor Professor*Innen und generell vor älteren Personen, Studierende sollten Professor*Innen respektieren und nicht unbedingt direkt in die Augen schauen. First Year Residents müssen die ganzen Nachtdienste schieben, Chiefresidents haben es leichter, jedoch auch die Verantwortung über alles, was passiert. Von den Professoren wird man ab und zu zum Essen oder zum Kaffee eingeladen. Ich hatte das Gefühl, ihnen liegt das Wohl der Austauschstudent*Innen sehr am Herzen. Ihnen war wichtig, dass wir das Gesundheitssystem Koreas richtig verstehen.
Der Schedule in der Notfallmedizin war sehr durchgetaktet und professionell organisiert: 3x die Woche gab es um 7.30 Uhr eine halbstündige Paperpräsentation, dann die Fallbesprechung um 8 Uhr gefolgt von der Visite. Im Anschluss fühlte sich immer ein Professor für mich zuständig und gab eine kurze Einführung in ein Thema. So wurde mir an einem Tag die Hyperbare Medizin als Vortrag nahegebracht, gefolgt von einem Besuch im zugehörigen Zentrum. Zusammen mit den Patienten und der MTA durfte ich 2 Stunden mit in die Kammer. Am nächsten Tag ging es um die Helikoptersysteme und so gab es jeden Tag etwas Neues zu lernen. Die Professoren und Residents waren stets bemüht, alles auf Englisch zu erklären. Das war natürlich äußerst hilfreich, da sich mein Koreanisch auf Basics wie „Hallo“, „Entschuldigung“ und „Danke“ beschränkte. Das alles hat mich sehr beeindruckt, da ich mir nicht vorstellen kann, dass man in Deutschland einen Eins-zu-Eins-Unterricht von einem Prof. bekommt. Jeden Tag gab es mehrere Wiederbelebungen, Schlaganfälle aber auch sehr seltene Fälle, die ich bisher nur aus dem Buch kannte. Leider durfte ich selbst kaum etwas selbst machen, im Vordergrund stand das Zuschauen und der theoretische Input. Das war schon sehr schade, aber in Korea ist das wohl normal für Studierende.
In meiner 3. Woche ging es auf die Pädiatrische Station. Hier war ich einer Gruppe von Student*Innen zugeteilt, musste einmal eine kurze Präsentation vorbereiten und durfte sonst den Ärzten und Residents über die Schulter schauen. Auch hier gab es wieder sehr seltene Fälle wie z.B. Kawasaki Syndrome oder Glykogenspeicherkrankheiten. Ich durfte beim Kaiserschnitt zuschauen und Neugeborene Babys abhorchen und füttern.
Die letzte Woche ging es dann auf die Neurologie, die in Wonju eher klein bestückt ist. Den ersten Tag verbrachte ich mit einer Professorin, die sich um die Stroke Unit kümmerte und wir unterhielten uns über verschiedene Paper und mein Doktorarbeitsthema, von welchem Sie sehr angetan war. Die weiteren zwei Tage sah ich mir Operationen an (Carotisstenting und Wirbelsäulen OP) und dann ging es noch zu verschiedenen Funktionstests (EEG, EMG). Auch hier fiel der Patient*Innenkontakt wieder sehr gering aus.
Wer also gerne praktisch arbeiten möchte ist in Südkorea (oder zumindest in Wonju) fehl am Platz. Ich bin jedoch sehr glücklich mit meiner Wahl. Ich konnte Medizin auf dem neusten Stand erleben und Krankheiten sehen, die ich in Deutschland wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen hätte. Zudem war auch der theoretische Wissenszuwachs enorm – abhängig natürlich von den Sprachkenntnissen des Professors oder der Professorin. Die Arbeitszeiten sind wahnsinnig – ich war meistens 7-8 Stunden im Krankenhaus, jedoch dürfen manche Residents mit 130 Stunden (!) pro Woche rechnen. Überstunden sind unbezahlt und werden als Ehrensache angesehen. Insgesamt muss ich sagen: Solche Bemühungen um das Wohlergehen der Austauschstudierenden habe ich mir aber nie erhofft und es hat mich wirklich umgehauen.

Land und Leute

Südkorea ist ein wahnsinnig faszinierendes Land. Wenn man sich einmal die Geschichte Koreas zu Gemüte führt, scheint es unbegreiflich wie es in so kurzer Zeit eine solche Entwicklung durchmachen konnte. Südkorea ist süß und flauschig, es ist KPOP, Kimchi, Coffeeshops, Tempel und uralte Traditionen. Aber es ist auch Wettkampf: harte Arbeitszeiten und Schönheitsoperationen, niedrige Geburtenrate und hohe Altersarmut. Ich kann nur empfehlen, sich vor der Reise mit dem Land auseinanderzusetzen, um die Menschen und das Leben besser zu verstehen.
Ich war zusammen mit Boris aus Slowenien in Wonju. Ein Social Program als solches gibt es leider nur in den Sommermonaten, jedoch wurde uns ein großzügiges Budget von 400.000 Won für jeden Studierenden und die jeweiligen 2 CPs von der Universität zur Verfügung gestellt, welches wir für kulturelle Trips, das Mittagessen in der Cafeteria oder ein gemeinsamen Abendessen nutzen durften. So setzten wir uns am ersten Tag zusammen und planten unsere Wochenenden: Glücklicherweise fiel Chuseok, ein koranischer Feiertag vergleichbar mit Thanksgiving auf unseren Austauschzeitraum und bescherte uns ein verlängertes Wochenende. Leider fing auch die Uni im September wieder an, sodass unsere CPs nur beschränkt Zeit hatten, aber das war verständlich und kein Problem für uns. Das erste Wochenende verbrachte ich allein in Seoul bei einem Couchsurfer (kann ich sehr empfehlen!). Diese Stadt haute mich wirklich um, die Wolkenkratzer, das moderne, westliche Lebensgefühl, die Sauberkeit und Ästhetik. Hier schaute ich mir die typischen Sehenswürdigkeiten an, vom Namsan Tower (es reicht mit dem Bus oder zu Fuß den Berg zu erklimmen, fantastische Aussicht!) über Foodmarkets, Dongdaemun und das Hanok Village. Museen sind meistens frei für Studierende und sehr zu empfehlen. Über meine Couchsurfing Kontakte konnte ich Seoul ganz intensiv wahrnehmen. Am kommenden Chuseok-Wochenende fuhren wir nach Jeonju, Busan und Gyeongju und gingen im Nationalpark nahe Wonju mit unseren CPs wandern und das letzte gemeinsame Wochenende verbrachten wir in einem Buddhistischen Tempel, eine sehr lehrreiche, bereichernde Erfahrung.
Ansonsten gingen wir oft mit unseren CPs essen, in eine Bar oder zum Kakaoke! Es gab ein Wilkommens- und Abschiedessen, sowie Dance- und Acapellashows der Uni. Ich bin so dankbar, dass sich unsere CPs trotz des unglaublich stressigen Alltags und den Prüfungen so viel Zeit für uns genommen haben. Gastfreundschaft wird in Korea sehr groß geschrieben.
Vor meiner Abreise nach Japan (hier besuchte ich noch einen Freund), fuhr ich noch einmal nach Seoul, um Freunde zu besuchen und zur DMZ (Demilitarisierte Zone), der Grenzzone zu Nordkorea. Es gibt diverse Touren, die im Lonely Planet angeboten werden. Man sollte diese am Besten einige Wochen vorher buchen. Es besteht jedoch immer die Gefahr der Absage, da die Zone aufgrund von Militärübungen manchmal unzugänglich ist. Es war für mich sehr wichtig, diese Tour zu machen, da die Geschichte Koreas auch ein Grund für mich war, dieses Land auszuwählen. Jedoch muss ich sagen, dass ich diese Tour als sehr verstörend wahrnehmen musste und es erschreckend fand, wie Toursit*Innenmassen am Observationpoint in den Norden gaffen um zu schauen, ob sich „dort drüben etwas bewegt“. Ich fand es etwas verachtend der Nordkoreanischen Bevölkerung gegenüber und denke nicht, dass ich diese Tour nochmals machen würde.

Fazit

Korea hat ein Teil meines Herzens gewonnen! Ich hätte nie gedacht (selbst innerhalb der ersten Woche), dass mir ein Abschied so schwerfallen würde. Ich habe viele Menschen lieb gewonnen, die Kultur und selbst das Essen (die wenigen veganen Varianten) lieben gelernt. Korea ist ein Land, welches viele Menschen nicht auf dem Schirm haben. Ich vermisse jetzt schon die süßen Socken und Emojis, die Gastfreundschaft, Karaokeabende, Mochis, die Höflichkeit und noch so reiche Kultur. Und ich respektiere dieses Land: Ich habe Achtung vor den Student*Innen - die teilweise zu Freunden geworden sind – die einem solchen Druck standhalten müssen (In Korea bestehen nur die Besten 95% die Klausur, das fördert Stress, Druck und Wettkampf). Manchmal habe ich mich einfach mit in die Bib gesetzt, um diese Atmosphäre zu spüren und dem ein oder anderen ein Stück Schokolade zuzuschieben. Ich habe Achtung vor den Residents, die kaum Freizeit und Schlaf genießen. Ich bin dankbar für alles, was ich lernen und sehen durfte. Und ich kann jedem empfehlen: Nutzt die Chance, macht einen Austausch! Es ist eine große Bereicherung für das eigene Leben.
Wer Fragen hat, oder Lust hat ein paar Bilder zu sehen, kann mir gerne auf Instagram schreiben: mobsos

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