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Portugal (PorMSIC)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Stephanie, Berlin

Motivation

Eine Famulatur im Ausland zu absolvieren, war für mich schon seit den ersten Semestern des Studiums ein Ziel. In meiner Schulzeit hatte ich an einigen Sprachaufenthalten oder Schüleraustausch Programmen teilgenommen. Dies hat mich schon damals begeistert, weshalb ich die Verknüpfung aus Famulatur und Auslandserfahrung super fand. Viele waren vielleicht schon einmal in Portugal im Urlaub. Da ich bisher noch nie in Portugal war, wollte ich dieses Land unbedingt einmal kennen lernen.

Vorbereitung

Als Vorbereitung für meine Zeit in Portugal habe ich einen Anfänger Sprachkurs, der in Berlin von der Volkshochschule angeboten wurde, besucht. Dieser reicht natürlich nicht aus, um beispielsweise eine Patientengespräch auf Portugiesisch zu führen. Aber ich fand es ganz nett, ein paar wenige Worte in der Landessprache zu beherrschen. Natürlich ist ein solcher Sprachkurs kein Muss. Die Tutoren/Ärzte erklären alles auf Englisch. Ansonsten habe ich zur Vorbereitung ein Pre-Departure Training besucht, wo auch noch einmal hilfreiche Tipps im Vorfeld gegeben wurden.

Visum

Für Portugal braucht man als Deutscher/Deutsche kein Visum.

Gesundheit

Für Portugal benötigt man eigentlich keine besonderen gesundheitlichen Vorkehrungen. Ich hatte wie auch bei einer Urlaubsreise eine kleine Reiseapotheke mit den Medikamenten dabei, die bei mir immer gut helfen. Ansonsten kann man in Portugal aber auch in jeder Apotheke vergleichbare Medikamente bekommen.
Ich würde mich ein paar Wochen vor der Reise mich noch einmal bei der Krankenkasse bezüglich des Auslandskrankenschutzes vergewissern.

Sicherheit

Die Sicherheit in Portugal ist wirklich sehr gut. Hier muss man sich selbst wenn man einmal abends spät nach Hause kommt keine Sorgen machen. Ich habe mich während meiner gesamten Zeit immer sicher gefühlt und war auch in keiner Situation, in der ich mich irgendwie unwohl gefühlt hätte. Gerade Coimbra, als eine etwas kleinere Studentenstadt, ist hier wirklich sicher.

Geld

Für Portugal als Euroland, muss man sich bezüglich der Währung natürlich nicht besonders vorbereiten. Ich hatte eine deutsche Visa Karte und eine V-Pay Kreditkarte dabei. Diese wurden in der Regel von den meisten Restaurant und Läden auch akzeptiert. Es gab ein paar wenige Situationen, bei denen internationale Karten nicht akzeptiert wurden. Deshalb würde ich empfehlen, für diesen Fall auch immer etwas Bargeld dabei zu haben. Ansonsten sind die Lebenshaltungskosten in Portugal etwas niedriger als bei uns. Besonders aufgefallen ist mir dies beim Essen. In Coimbra kostete der Espresso 65-70 Cent. In den Einheimischen Lokalen konnte man tollen Fisch, Wasser und ein Glas Wein für insgesamt 8 Euro bekommen. In den Touristengegenden von Lissabon oder Porto sind die Preise da natürlich deutlich höher. Ich würde empfehlen, sich vor der Reise kurz bei seiner Bank zu erkundigen, mit welchen ausländischen Geldinstituten die eigene Bank zusammenarbeitet, damit man Gebühren beim Geldabheben verhindern oder gering gehalten kann.

Sprache

In Portugal wird ausschließlich portugiesisch gesprochen. Ich hatte einen Anfängerkurs für Portugiesisch vor meinem Auslandsaufenthalt gemacht, habe ich aber eigentlich immer auf Englisch verständigt. Die Ärzte im Krankenhaus sprechen unterschiedlich gut Englisch, aber es gibt immer jemanden, der gut Englisch spricht und weiterhelfen kann. Die Patienten in Portugal beherrschen in der Regel fast gar keine Englischkenntnisse, weshalb beispielsweise die Anamnese immer von den dortigen Ärzten erhoben wurde. Dies konnte ich mir auf der Kardiologie jedoch zu Nutzen machen, indem ich fast mein gesamtes Praktikum auf der interventionellen Kardiologie verbracht hatte. Gerade im Herzkatheter oder bei Schrittmacherimplantationen, konnten mir die Ärzte viel auf Englisch erklären und ich konnte auch viel auf Englisch fragen, ohne dass die Patienten, die bei solchen Eingriffen nur eine lokale Anästhesie erhalten, mitbekommen haben, dass man beispielsweise hier noch unerfahren ist.

Verkehrsbindungen

Mit dem Flugzeug kommt man in der Regel in Porto oder Lissabon an. Wenn man direkt weiter nach Coimbra möchte, gibt es einen direkten Shuttle, den ich sehr empfehlen kann. In Lissabon oder Porto ist der öffentliche Nahverkehr mit dem in unseren großen Städten vergleichbar. Coimbra ist etwas kleiner; hier kann man auch viele Strecken einfach laufen. Ich habe dort den Bus nur einmal benutzt. Eine Einzelfahrt mit dem Bus in Coimbra kostet 1,60 €. In Lissabon kostet beispielsweise die 24 Stunden Karte, mit der man alle Verkehrsmittel und Linien benutzen kann, ca. 10 €. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind aus meiner Erfahrung fast immer pünktlich und sicher. Spannend ist nur, dass die Haltestellen oft nicht angesagt werden und auch an den Busstops oft schwer zu erkennen sind. In Coimbra sollte man an der Bushaltestelle dem Bus auch immer winken, damit er an der Haltestelle auch hält. In Coimbra und Lissabon habe ich auch viel Uber benutzt. Das ist dort sehr günstig.

Kommunikation

Portugal ist ja in vielen Handyverträgen beim Inlandstarif mit enthalten. Ich konnte deshalb meine mobilen Daten jederzeit nutzen, ohne Roaming Gebühren zu bezahlen. Hier kann man sich ja bei seinem Handyanbieter auf jeden Fall vorher kurz informieren. Sollte man jedoch seinen normalen Handyvertrag nicht ohne große Kosten in Portugal nutzen können, gibt es in Coimbra an auffällig vielen Orten Wifi. Im Krankenhaus und in der Uni kann man natürlich eduroam verwenden, aber alle Cafés und sogar die Busse sind mit Wifi ausgestattet. Es gibt auch über die Stadt verteilt, einzelne Wifi Points.

Unterkunft

Die Unterkunft wird in Portugal von den Studenten dort organisiert. Hier muss man sich also um nichts kümmern. In meiner Vorabinformation stand, dass es sich hierbei um Zweierzimmer mit einer Person des gleichen Geschlechts handeln würde. Dies hat leider nicht gestimmt. Es handelte sich um ein Hostel, in dem ist ausschließlich 6-er oder 8-er Zimmer gab. Außerdem war es laut und dreckig. Ich habe mir deshalb für meine Zeit dort ein AirBnB gebucht. Dadurch sind natürlich unerwartete Kosten entstanden. Im Hostel gibt es zwei Küchen, die auch mit Kühlschränken ausgestattet sind. Dort ist es aber so dreckig, dass ich hier nicht kochen/Lebensmittel in den Kühlschrank stellen würde.

Literatur

Vorab habe ich mir einen Reiseführer für Lissabon geholt. Ansonsten findet man aber auch viele Informationen im Internet. Fremdsprachige medizinische Literatur habe ich mir nicht besorgt. Dies wäre aber meiner Meinung nach auch nicht nötig gewesen.

Mitzunehmen

Gerade wenn man in den Sommermonaten in Portugal ist, sind Bikini, Sonnencreme, Sonnenbrille und vor allem Sonnencreme natürlich essentiell. Ich hatte mir Sportsachen mitgenommen, da ich in Deutschland gerne einmal joggen gehe. Dies hat sich dann als überflüssig herausgestellt, weil sowohl Lissabon als auch Coimbra wirklich sehr hügelig sind und man hier nicht unbedingt gut laufen gehen kann. Ansonsten würde ich ganz normal wie für einen Urlaub packen. Kittel, Stethoskop und Logbuch natürlich nicht vergessen

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief absolut problemlos. Ich hatte eine Kontaktperson, die sich dann per WhatsApp bei mir gemeldet hat und mir den Standort des Hostels gesendet hat. Mein erster Praktikumstag verlief etwas chaotisch. Eigentlich war mit meiner Kontaktperson vereinbart, dass wir uns am Eingang des Krankenhauses treffen und er mich dann auf die Station begleitet und mich dort vorstellt. Leider ist meine Kontaktperson dann nicht erschienen und ich musste mich durchfragen. Auf der Station wusste dann auch erst einmal keiner von mir. Diese anfänglichen Probleme haben sich dann aber dann in den darauffolgenden Tagen gelöst, sodass der Rest des Praktikums wirklich super war.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Famulatur in Coimbra hat wirklich Spaß gemacht. Nach ein paar Tagen hatte ich einen festen Tutor, der mit mir eine Art Rotationsplan geschrieben hat, damit ich alle Bereiche der Kardiologie einmal sehen kann. Dadurch war ich zunächst für eine Woche im Herzkatheterlabor. Hier ist mir vor allem der wirklich freundliche und gelassene Umgang der Ärzte miteinander aufgefallen. Ich wurde direkt ins Team mit eingebunden und durfte auch kleinere Tätigkeiten beim Herzkatheter übernehmen. Es wurde immer viel erklärt, auch wenn manche Ärzte nicht gut Englisch konnten. Mir sind außerdem sehr positiv die flachen Hierarchien dort aufgefallen. Die Schwestern und Pfleger wurden mir beispielsweise als Ihre Kollegen vorgestellt. Ich würde mir wünschen, dass wir in unseren deutschen Universitätskliniken auch eine so kollegiale und gelassene Stimmung herrschen würde. Außerdem habe ich viel Zeit im Herzecho verbracht. Hier durfte ich in der Regel selbst schallen, nachdem der Arzt die Untersuchung durchgeführt hat. Spannend war hier auch, dass man Krankheitsbilder gesehen hat, die in Deutschland eher selten vorkommen. Ich durfte hier beispielsweise eine brasilianische Patientin mit Verdacht auf Chagas-Krankheit untersuchen. Außerdem hat das Universitätskrankenhaus Coimbra ein sehr bekanntes Herztransplantationszentrum (UTICA), welches man auch gesehen haben sollte. Außerdem war ich auf der kardiologischen Intensivstation, bei der es auch immer wieder spanende Fälle gab. Ich würde jedoch empfehlen, ein kleines Desinfektionsmittel für die eigene Kitteltasche mitzunehmen. Es gibt im Krankenhaus natürlich Desinfektionsmittelspender. Jedoch habe ich die Hygiene dort als deutlich schlechter als in Deutschland empfunden. Beispielsweise wurden die eigenen Hände oder die Haut des Patienten für eine Blutentnahme nicht desinfiziert.
Ein toller Moment meines Praktikums war auch, dass der Chefarzt mich zur Semestereröffnungszeremonie mit eingeladen hat. Die Universität von Coimbra zählt ja zu eine der ältesten und hier gibt es zu Beginn des Semesters eine sehr traditionell gehaltene Zeremonie, bei der die Professoren in schwarzen Gewändern einziehen und natürlich Reden gehalten werden. Es war toll, dies miterleben zu können.
Die medizinische Ausbildung habe ich, soweit ich dies mitbekommen habe, als sehr vergleichbar zu unserem deutschen System gefunden. In der Bibliothek gab es auch genau die Bücher, die wir verwenden (Sobotta, Prometheus, etc.) auf Portugiesisch. Auf den Stationen hat man auch wie bei uns immer wieder Untersuchungskurs Gruppen gesehen.

Land und Leute

Außerhalb meiner Zeit im Krankenhaus habe ich einige Ausflüge gemacht. Natürlich muss man die großen Städte Lissabon und Porto gesehen haben. In Lissabon fan ich vor allem das Viertel Alfama toll. Hier fährt die kleine Straßenbahn durch, die man oft auf Fotos sieht. Außerdem ist vor allem abends das Barviertel Barrio-Alto sehr zu empfehlen. Hier ist ab 22:30 bis spät in die Nacht viel Leben auf der Straße. Außerdem kann man mal in eine Fado-Bar gehen, wo die traditionelle Musik aus Portugal gespielt wird. In Porto darf die Portweinprobe natürlich nicht fehlen. In Coimbra selbst sollte man auf jeden Fall die Einheimischen Lokale ausprobieren. Hier kann man wirklich sehr guten Fisch essen und der Wein ist hervorragend. Von Coimbra aus bieten sich auch Ausflüge an die Figuera da Foz und nach Aveiro an. An der Figuera da Foz gibt es einen großen Strand. Jedoch muss man aufpassen, dass man hier nicht von den Temperaturen des Mittelmeeres ausgehen kann. Der Atlantik ist ziemlich kalt und es gibt teils hohe Wellen. Für Surfer ist es aber ein Paradies dort. Leider bin ich nicht mehr dazugekommen, einmal ganz in den Süden Portugals zu fahren, an die Algarve. Hier muss es aber auch sehr schön sein, vor allem zum Baden, da hier das Wasser wärmer ist und es tolle Strände geben soll.
Allgemein habe ich von der portugiesischen Bevölkerung einen sehr positiven Eindruck. Alle sich sehr entspannt und immer freundlich und hilfsbereit. Auch wenn viele nicht viel Englisch sprechen, versuchen immer alle weiter zu helfen. Der Tag in Portugal startet auch etwas später als in Deutschland, da viele aufgrund der lauen Abende noch bis spät draußen sitzen und miteinander reden. Dies ist mir letztendlich sogar im Krankenhaus aufgefallen. Vor 9 Uhr wurde dort nie begonnen.
Wirtschaftlich ist Portugal meiner Meinung nach sehr auf dem aufsteigenden Ast. Es wird viel gebaut und es fällt auf, wie häufig Tafel aufgestellt sind, dass es sich hierbei um ein EU Projekt handele. In Coimbra gibt es abseits der touristischen Altstadt durchaus Viertel, die etwas hieruntergekommen aussehen. Jedoch habe ich das Gefühl gehabt, dass diese nun Stück für Stück erneuert werden. Politisch war ich ein einer spannenden Zeit in Portugal, da am letzten Tag meines Aufenthaltes Wahlen stattfanden. Hier hat man dadurch natürlich auch einiges an politischer Diskussion mitbekommen.
Alles in allem habe ich einen ganz tollen Eindruck von Portugal und den Leuten dort. Ich möchte auf jeden Fall später einmal wieder zum Urlaub nach Portugal fahren.

Fazit

Zusammenfassend war meine Zeit in Portugal eine wirklich tolle Erfahrung. Ich kann eine Famulatur in Coimbra auf der Kardiologie wirklich nur weiterempfehlen. Ich möchte zwar später auf jeden Fall in Deutschland arbeiten. Jedoch kann man sich ein Stück von der portugiesischen Herzlichkeit und Gelassenheit mit nach Hause nehmen. Für einen Urlaub werde ich ganz bestimmt einmal wieder nach Portugal kommen.

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