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Nepal (NMSS)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Luisa, Erlangen

Motivation

Vor Ende meines Studium wollte ich mal eine anderes Gesundheitssystem sehen, Auslandserfahrung machen (nicht als Urlaub, aber nicht so lange und so wichtig wie das PJ -> Famulatur). Ich habe mich immer schon für Nepal interessiert. Vorallem seit wir zu Erdbebenzeit SCOPE in Erlangen hatten und diese vom Land erzählt haben. Und eine „englisch-sprachiges“ Land war mir wichtig. In Nepal sprechen fast alle englisch. Medizin und viele andere Studienfächer werden auf Englisch gelehrt.

Vorbereitung

Ich habe eigentlich wenig Vorbereitung getroffen. Ich habe mich beim Auswärtigem Amt eingetragen, Auslandsversicherung vom ADAC abgeschlossen, Reiseführer Lonely Planet gekaufen und meine Impfungen gechecken.

Visum

Visum ist am Flughafen in Kathmandu zu bekommen. 45min dafür einplanen und etwa 100€ für 90 Tage

Gesundheit

Ich habe Typhus, Tetanus, Pertussis, Diphterie, Hep A und B noch von einer früheren Reise gehabt. Tollwut war zu der früheren Reise nicht in Deutschland verfügbar und habe es für Nepal nicht machen lassen. Auch Cholera Schluckimpfung und Meningokokken B hatte ich nicht, habe es aber auch zu keinem Zeitpunkt vermisst. Reiseapotheke bestand aus dem üblichen gegen Durchfall, Breitbandantibiotikum, Pflaster, Blasenpflaster, Desinfektion, Iodsalbe, Buscopan, Vomex, MCP wegen Reiseübelkeit, Ibu, Paracetamol, Vitamin C. Für den Trek haben wir vor Ort Acetazolamit gegen Höhenkrankheit besorgt

Sicherheit

In Nepal ist alles sicher, außer dem Straßenverkehr. Ich habe mich immer sicher gefühlt, 2xmal bin ich im Dunklen nach Hause gelaufen und hatte kein ungutes Gefühl. Allerdings wird man sehr oft angeschaut, als Tourist. Vorallem als blonde, hellhäutige Frau war das sehr häufig der Fall, das kann etwas unangenehm werden, aber es ist nie etwas passiert und man wird kaum angesprochen.

Geld

Ich hatte etwa 200 Dollar dabei, da Nepalische Rupien in Deutschland nicht verfügbar sind. Vorort konnte ich ohne Problem Geld in nationaler Währung mit debit Kreditkarte abheben. Abheben wird empfohlen gegenüber dem wechseln, weil man einen besseren Kurs bekommt (Abheben 1:125, Wechseln ~1:120). Abheben kostet jedes Mal 500 NRp, also 4€, meistens ist es Limitiert auf circa 30.000 pro abheben.

Sprache

Leider habe ich außer Danke, Guten Tag und mein Name ist nicht viel Nepali gelernt. Alle sprechen Englisch, von nur Brocken bis fließendes Englisch ist alles dabei. Im Krankenhaus haben die Ärzte bei der Visite extra Englisch gesprochen für mich, im OP war die Sprache Nepali und Englisch, wenn ich angesprochen wurde.

Verkehrsbindungen

Hinflug hatte ich mit Air India über Dehli und Rückflug mit Etihad über Abu Dhabi. Etwa 700€ und 6 Wochen vorher gebucht. Vor Ort benutzt man meistens den Bus. Zum Krankenhaus hatten wir morgens keine 10min mit dem Bus(8cent), ins Touristen Zentrum Thamel braucht er von unserm Stadtviertel schon mal 45min. Ist gerade ein Festival und in Nepal ist durch die verschiedenen Religionen ungefähr immer eins, dann fährt der Bus auch mal nicht. Aber Taxen sind über all zu bekommen und auch sehr günstig.

Kommunikation

Die Kommunikation mit der Lokalperson war schleppend, Antwortzeit 3-4 Wochen, da sich unsere Lokalperson aber im Examen/PJ befand ist es aber verständlich. Vor Ort hatten wir dann eine andere Ansprechpartnerin, die mit uns einmal social Programm gemacht hat.
Den Kontakt zu Zuhause konnte ich ohne Probleme halten, in der Gastfamilie hatten wir WLAN und in einem Raum im Krankenhaus. Für dazwischen und zum Telefonieren innerhalb Nepals habe ich eine nepali SIMKarte gekauft (1000NRp für 30Tage 6GB und Freiminuten), damit hat man fast überall 4G. Hundertmal besser als in D. Ich hatte eine Karte von Ncell, die war in Kathmandu wunderbar, in den Bergen funktioniert aber nur Namaste. Daher empfehle ich eine Namaste Karte.

Unterkunft

Die Unterkunft war perfekt. Sehr hoher Komfort, auch für deutsche Verhältnisse. Ich habe mir mit Christa aus Göttingen ein 10Quadratmeter Zimmer geteilt und wir hatten ein eigenes Bad. Dazu ein großes Wohnzimmer zum Kartenspielen war perfekt. Unsere Gastfamilie war sehr herzlich, offen und interessiert. Sashi ist der Vater, der selbst ein Teahouse an einem der Treks hatte, seine Frau und zwei Söhne 27 und 30. Alle total nett!
Das Essen war super, eine Mischung aus lokalem Essen und manchmal „europäischem“ mit Nudeln und Käsesauce oder Toast. Wir haben das lokale auf jeden Fall bevorzugt, aber alles war sehr lecker und wir hatten keine Problem mit der Verdauung..
Ein wahnsinnig positiver Aspekt meines Aufenthalts waren die Mädels in der Gastfamilie. Wir waren 3 Deutsche und eine Rumänin. In einer anderen Gastfamilie waren noch eine Schweizerin und ein Italiener untergebracht. Wir habe die Tourismus Punkte und die verschiedenen Festivals, die in unserem Zeitraum stattgefunden haben, zusammen besucht. Im Anschluss an das Praktikum haben wir den Langtang, Gosainkund, Helambu Trel zusammen gemacht (wir 3 Deutschen).

Literatur

Ein Fachbuch hatte ich nicht dabei und wäre auch nicht gebraucht worden. Ab und zu musste ich etwas googlen in der Klinik, vorallem um das deutsch/lateinische Synonym zu finden. Ansonsten Doccheck und Amboss zum nachschlagen.

Mitzunehmen

Kittel, 2 Sets Kasak, Hose, Op Schuhe, Namenschild, Kugelschreiber, Mückenspray, kleines Teller-/Kochset(im OP gibt es nur dürftig gespültes Besteck und Teller, deshalb hab ich bei dem Mittagsessenstagen im OP mein eigenes benutzt.), Sonnenbrille, Sonnencreme, Schokolade, Famulaturbescheinigungsvordruck, Notizbuch, Lesebuch
unnötig waren: mein Stethoskop, kleine aufblasbare Isomatte fürs Trekken gedacht
Fürs Trekken:
Einen dicken Schlafsack habe ich persönlich unbedingt gebraucht (2°/-4°/-20° gipfelsport), aber alle Hütten haben dünne und dicke Decken, sodass auch ein dünnerer gehen würde. Man muss nur bedenken, dass die Zimmer nicht beheizt sind, also der außen Temperatur entsprechen und Bettlaken/-kissen nicht gewaschen, gewechselt werden. Ging mit dem eigenen Schlafsack aber alles prima. (Man kann sich Equipment auch in Kathmandu kaufen oder leihen). Zum Trekken noch empfehlenswert: Wanderstöcke (vor Ort gekauft: 15€ zusammenklappbar), leichte Handschuhe, Stirnlampe, Wasserfilter, Sonnenbrille, Snääcks, Spiele, Landkarte! (maps.me klappt manchmal), Müllbeutel.
Müll ist ein echtes Problem in Nepal! Ob in der Stadt, im Fluss oder auch auf dem Trek über 4000m es liegt leider sehr viel Müll herum und es wir noch zu wenig dagegen getan. Wir haben viele Gespräche mit Einheimischen darüber geführt, woher das kommt und ob etwas dagegen gemacht wird. Man kann nur hoffen, dass es besser wird! Also am Besten auf beim Trekken seinen Müll sammeln.

Reise und Ankunft

Ich kam nachmittags ins Kathmandu an und wurde von 2 Studenten am Flughafen abgeholte, sie bestellten ein Taxi, fuhren mit mir zur Familie und stellten mich vor. (Sie haben sogar das Taxi bezahlt). Ich bin 2 Tage vor Praktikumsbeginn angekommen, ähnlich, wie die anderen Mädels und so konnten wir schon einen Tag in die Innenstadt am Samstag bevor das Praktikum begonnen hat. Am ersten Tag, dem Sonntag sollten wir um 9h am Krankenhaus sein und wurden nach etwas warten von einer Studentin zur Verwaltung gebracht. Dort bekamen wir alle Unterlagen, unter anderem der sehr wichtige Studentenausweis, mit dem ihr vieles wie Bus und Eintritte günstiger bekommt. Insgesamt dauerte das Registrieren 3 Stunden und es gab keine Probleme. Danach wurden wir auf unsere Station geführt, in meinem Fall gleich in den OP Trakt und ich wurde dem Chefarzt vorgestellt. Der wiederum brachte mich in den OP und stellte mich vor.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Praktikum geht hier 4 Wochen, also nur 28 Tage und beginnt an einem Sonntag. Nur der Samstag ist frei, also 1 Tag Wochenende. Ich habe meine Kontaktperson gleich darüber informiert, dass ich 30 Tage Praktikumsbescheinigung brauche, das war dann auch kein Problem. Vor Ort habe ich dann erfahren, dass man nur 80% seiner Zeit anwesend sein muss und so haben wir unsere „freien Tage“ am Ende genommen und konnten schon am 24.9 aufbrechen zum trek (gerechnet hatten wir mit dem 29.9).
Ich habe mich für die plastische Chirurgie entschieden und hatte damit ein sehr glückliches Los gezogen. Es ist ein rein männliches Team aus 1 Chefarzt, 2 Oberärzten, 2 höchsten Assistenzärzte, 4 Assistenzärzten und 2 Ärzte die sich in der general Chirurgischen Ausbildung befinden. Diese Ärzte splitten sich in 2 Teams, sodass jeden Tag ein anderes Team operiert. Zu den OP Tagen gibt es tägliche Ambulanzstunden und morgendlich Visite. Mittwoch und Freitag sind kurze Tag bis circa 12/13h an denen nur Visite statt findet, an anderen Tage habe ich das Krankenhaus zwischen 15-17h verlassen. Überraschender Weise durfte ich gleich am ersten Tag mit an den Tisch und von dort an meist 1x/ Tag den ich im OP war, mitoperieren. Vor allem bei SkinGraft wird jede Hand gebraucht und man kann mit ran. Ein normaler Op Tag waren ungefähr 3 große OPs (à 3h) und 2-4 kleinere OPs im gleichen Op-Saal (ein Patient auf dem Haupttisch in Narkose und ein Patient (selten durch Vorhang abgetrennt) in der Ecke des gleichen OPs mit lokaler oder keiner Anästhesie).
Es ist wie bei jedem Praktikum, man muss sich selbst einbringen und etwas draußzuziehen, aber dann wird man belohnt. Ab der zweiten Woche durfte ich selbst ständig Verbandswechsel machen und hatte so das Gefühl helfen zu können.
Ich bin ständig bei einer Unit geblieben, da ein junger Arzt der kurz vor der Facharztprüfung war (Jan 2020) sich meiner angenommen hat. Aber man kann auch jeden Tag OP oder immer Ambulanz machen, wie man möchte.
Das Englisch war halbwegs verständlich, trotzdem musste oft nachgefragt werden, da mir auch manche englisch medizinischen Fachbegriffen nicht so geläufig sind. Die Ärzte haben auch öfter Wissensfragen gestellt zB die Nervenabgänge vom N. interosseus anterior oder der Carotis interna. Es ist aber nicht schlimm, wenn man wie ich im 10.Semester nicht mehr alle Nervenabgänge draufhat oder die Frage gar nicht versteht.
Zu den Patienten: Hier gibt es sehr viele Verkehrsopfer, die zum Beispiel offenliegende Muskeln oder ganze offene Beine hatte, bei ihnen wird meist Debridement und SkinGraft gemacht (1 Op täglich). Auch diese Patienten mit offenen Wunden liegen auf der normalen Station unterm Ventilator mit 7 Anderen Patienten im Flur/Zimmer. Die Angehörigen sind mit dabei und schlafen auf dem Boden auf Isomatten und besorgen die Materialien für Verbandswechsel und OPs.
Die Fälle: Wir hatten ungefähr 5 Patienten mit Händen, die in die Bauchdecke eingenäht wurden, damit die Haut an der Hand anwächst und nach 3 Wochen die Handrekonstruiert werden kann. Dann hatten wir sehr viele Flaps, gestielt, PIA, freier Flap, war alles dabei. Ein Patient mit cutis verticis gyrata und Akromegalie, ein Mondscheinkind mit 4xfachem Hautkrebs und Chemo mit 10 Jahren, eine vernachlässigte Tochter mit Defekt in Haut und Knochen am Schädel, als Folge der Vernachlässigung mit Maden in der Wunde/ im Hirn. Also echt krasse Sachen an denen man auch zu knabbern hat, vorallem wenn es Kinder betrifft. Aber für solche Fälle bin ich nach Nepal gekommen, sowas sieht man in Deutschland nicht!
Beauty OPs sind seltener als in Deutschland, aber auch vorhanden (1x die Woche Liposektion. Ich durfte sogar mal den Sauger/Cutter selbstständig führen) (1x Nasenop in 3 Wochen).
Man sieht sehr viele schlimmer Verbrennungen, häufig an Kinder was in der Seele weh tut. Arbeitsschutz gibt es in Nepal nicht, deshalb hat man oft Patienten mit schlimmen Verbrennungen vom Arbeitsplatz, abgetrennten Fingern, abgetrennten Händen und Armen. Leider kommen die Patienten auch nicht direkt sondern oft erst nach Tagen oder Stunden wegen der Kosten, was die Behandlungen verkomplizieren.
Fazit
Auch wenn ich meistens später als die anderen Studenten aus dem Krankenhaus kam, war es Insgesamt eine wahnsinnig interessante Zeit, vielleicht hätte ich in Deutschland noch mehr machen dürfen, aber so spannende Fälle hätte es dort sicher nicht gegeben. Ich empfehle Plastische Chirurige also unbedingt jedem der sich für Chirurgie interessiert. Ist dort meiner Meinung nach die beste Wahl.
Und bringt euch ein! Es lohnt sich!

Land und Leute

Auf meiner ganzen Reise habe ich nur nette offene Menschen kennengelernt. Unser Gastvater war eine große Bereicherung und wir saßen abends nach dem gemeinsamen Essen noch lange zusammen und haben über das Leben in Nepal, seine Geschichte und Religionen in Nepal geredet.
Auf der Straße wurde man oft von Leuten angesprochen, die einem etwas verkaufen wollten. Nach einem deutlichen No haben sie aber abgelassen. Nach dem Weg kann man jeden fragen und alle sind generell sehr hilfsbereit. Auch auf dem Trek gab es vielen nette Menschen. Abends sitzt man im einzig beheizten Raum und kann sich mit sehr interessanten Reisenden vorallem aus Europa und Australien unterhalten oder auch mit den Wirten der Teahouses. Hier hatten wir das „Glück“ in 3 Unterkünften die einzigen Gäste zu sein, so dass man intensive Gespräche über das Leben in den Bergen für die Einheimischen führen konnte. Im Tourismussektor (Teahouses, Restaurants..) sprechen die Nepalesen akzeptabeles bis teilweise sehr gutes Englisch.

Der Trek war der Hammer! Ein Hauptgrund nach Nepal zu kommen. Wir hatten leider nicht viel Glück mit dem Wetter und daher auch Anfang Oktober auf 4000m Nebel und oft Regen. Das hat ziemlich genervt. Alternativ kann man etwas später losziehen wenn man die Zeit hat, dann ist das Wetter besser, aber man muss bedenken, dass dann Hochsaison ist, die Teahouses gut gebucht sind und die Unterkunft etwas teuerer wird. Wir haben die meiste Zeit nichts für das Zimmer bezahlt nur für Frühstück und Abendessen, was an dem Start der Saison lag und daran, dass wir keinen Guide oder Porter hatten. (Diese zahlen auf den Teahouses wenig bis gar nichts und so wird von den Touristen ein Betrag für die Übernachtung genommen, der sich absolut in Grenzen hält.~5-7€ pro Nacht). Das teuerste was wir gezahlt haben war 2,50€ pro Nacht für 3!! Leute. Essen beläuft sich pro Mahlzeit auf 2-6€ (je höher man kommt, desto teurer..). Essen war fast alles vegetarisch und vieles vegan, da Butter und Milch zu teuer und verderblich sind. Wir haben meist Dal Bhat gegessen, typisch indisch/nepalesisches „Menü“: Reis, Gemüsecurry, gebackener Chip, Dal Linsensuppe vegan. Und das Beste: Man kriegt Nachschlag, so viel man will. Was man nach einem Trekking Tag definitiv brauch!
Das Trekken ist nicht ohne. Für sportliche Personen super. Unsportliche sollten vielleicht kürzere Etappen planen. Wir haben es, wie im Lonely Planet vorgegeben gemacht und kamen damit gut zurecht. Es gibt anstrengende und weniger anstrengende Tage, aber man wird mit Traumplätzen und atemberaubender Natur belohnt. Innerhalb eines Tages hat man Dschungel mit 25° und schweißtreibende Luftfeuchtigkeit und alpine Berglandschaft mit 5-10°.
In Kathamndu ist zu empfehlen der Monkey Temple (Swayanbunath), ein Kochkurs von two sister 35 Dollar mega!!!, Bouddnath, Nagarkot Wochenendausflug Freitags losfahren und dort übernachten, Samstags morgens um 4h loslaufen und zum Sonnenaufgang am Aussichtspunkt zu sein, tollen Blick aufs Himalaya.

Fazit

Ich empfehle Nepal wärmstens weiter! Man sollte die Option des Trekkens im Anschluss unbedingt nutzten, denn im Praktikum wird es sich nicht viel unterscheiden zu anderen Ländern. Wer sich aber für Natur, Religion, Kultur, leckeres Essen, liebe Menschen und Wandern begeistert, ist in Nepal genau richtig. Ich würde einmal wiederkommen, um die Region um Pokhara zu erkunden, einen neuen Trekk zu machen und einen Abstecher ins Terain Gebiet zu machen.

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