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Taiwan (FMS Taiwan)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Nachdem ich bereits vor dem Physikum einen Score Forschungsaustausch in Spanien gemacht hatte, wollte ich nun auch noch in meinen letzten Semesterferien die Chance eines Famulaturaustausches nutzen. Mir war klar, ich möchte ganz weit weg und ein Land kennenlernen, in das ist so nicht bald reisen würde. So habe ich mich für Japan, Südkorea und Taiwan beworben. Über die positive Rückmeldung aus Taiwan habe ich mich besonders gefreut, da es ein kleines Land ist und ich in 4 Wochen dort viel bereisen kann. Ebenfalls bin ich noch nie mit der chinesischen/taiwanesischen Kultur in Kontakt gekommen und war sehr gespannt auf neue Eindrücke.

Vorbereitung

Da die Zusage kurz nach Weihnachten kam und gefordert wurde, dass innerhalb von 2 Wochen auf der ifmsa Plattform diverse Unteralgen hochgeladen sind, war die Vorfreude zu Beginn von Stress überlagert. Aus dem Skiurlaub musst ich die Dokumente wie Auslandskrankenversicherung, Transcrips of records, HepB AK und C1 Englischzertifikat sowie einen Termin für einen Röntgen Thorax organisieren. Zum Glück hat alles irgendwie geklappt und auf den geforderten Tuberkulose Test konnte ich verzichten, da ich als Säugling geimpft wurde und so meinen Impfausweis hochladen konnte. Außer den geforderten Formalitäten habe ich mich wenig vorbereitet, jedoch fast alle Erfahrungsberichte gelesen.

Visum

Bei einem Aufenthalt von unter 90 Tagen wird von deutschen Bürgern kein Visum erfordert. Am Flughafen kann man die immigration form ausfüllen, hierfür wird die Adresse benötigt, die ihr vorher von euren CP erfahren solltet und am Schalter wurde dann noch eine Bestätigung des Rückflugtickets gefordert. Das ging alles sehr einfach!

Gesundheit

Wie bereits im Kapitel Vorbereitung beschrieben, war bereits zu Beginn 9 Monate vor meinem Aufenthalt ein Röntgen Thorax zum Tuberkuloseausschluss gefordert. Vor Beginn meines Aufenthaltes wollte das Krankenhaus noch ein aktuelles, maximal 90 Tage zurückliegendes Röntgenbild haben. Ich habe es aufgrund der Kosten und Strahlenbelastung nicht eigesehen nun noch ein Bild anfertigen zu lassen, so habe ich einen befreundeten Arzt nach einer erneuten Befundmitteilung mit Ausschluss einer Tuberkulose gefragt und habe den Befund mit denselben Bildern erneut eingereicht, was kein Problem darstellte. Auf den nicht ganz billigen Tuberkulosetest konnte ich dank meiner Impfung (die alle vor 1998 geborenen haben müssten?) verzichten. Spezielle Impfungen sind für Taiwan nicht gefordert, ich bin aber durch viele vorherige Reisen schon ziemlich durchgeimpft gewesen. Ich würde mich immer aktuell auf der Seite des auswärtigen Amtes informieren. In meiner Reiseapotheke waren Pflaster, Ibuprofen, ACC, Immodium, Kohletabletten gegen Lebensmittelvergiftungen und Probiotika. Zum Glück habe ich nichts davon benötigt.

Sicherheit

In anderen Berichten hatte ich bereits gelesen, dass Taiwan ein sehr sicheres Land ist. Dieses kann ich nur bestätigen, ich hatte überhaupt keine gefährliche Situation, konnte auch nachts bedenkenlos alleine rumlaufen. Auf Nachfrage berichteten meine taiwanesischen Freunde, dass ihnen noch nie etwas geklaut worden sei und selbst auf den vollen Nachtmärkten hatte ich einen sicheren Eindruck. Als mein Vater auf der anschließenden Reise sein Handy im Bus hat liegen lassen, konnten wir es selbstverständlich bei der Lost&Found Station der Busfirma abholen.

Geld

Direkt am Flughafen habe ich mit am ATM 5,000 NTD mit meiner ApoBankkarte (kostenlos Geldabheben weltweit) abgehoben, was 145 Euro war. 1NTW entsprach im September 2019 ungefähr 2,90 Euro. Insgesamt habe ich dann noch einmal 10,000 NTD abgehoben, das geht ganz einfach in jedem 7-11 oder Family Mart, dir wirklich an jeder Ecke sind. Die Zugtickets und Hostels für die Wochenendetrips habe ich meist mit Kreditkarte bezahlt sowie gelegentlich auch Restaurants. Insgesamt wird meist bar bezahlt und viele Restaurants akzeptieren keine Kreditkarte. Das Essen auf der Straße ist deutlich billiger als in Deutschland, für 3 Euro kann man gut Essen. In Restaurants ist es teilweile aber deutlich teurer, für einen Hotpot kann man auch mal 20 Euro bezahlen.

Sprache

In Taiwan wird größtenteils Chinesisch gesprochen. Vor meiner Reise konnte ich kein Wort und habe leider auch nur Hallo (Nihao), Danke (chiechie) und zählen bis 5 (da im Kreissaal bei jeder Wehe gezählt wurde) gelernt. Für mich klang einfach alles zu ähnlich und ich bin kein Sprachentalent. Insgesamt können viele Taiwanesen sehr schlecht Englisch, was manchmal sehr, sehr kompliziert war und viele Beschriftungen sind auch nur auf Chinesisch. Wenn sie im Englischen dort stehen, dann häufig auf viele verschiedene Weisen. Im Krankenhaus wurden die meiste schriftliche Dokumentation wie Diagnosen und Folien der morning meetings auf Englisch geschrieben, gesprochen wurde aber trotzdem nur Chinesisch. Die Ärzte haben mir aber viel übersetzt und waren in medizinischen Fachausrücken sehr fit, wodurch ich diese ganz gut gelernt habe.

Verkehrsbindungen

Insgesamt ist der öffentliche Transport super! In Taipei gibt es die MRT Metro, mit der man relativ günstig und einfach mit der Easycard als Bezahlmittel fahren kann. Diese kommt ca. alle 2 Minuten und fährt bis ungefähr Mitternacht. Die Busse sind noch billiger und eine gute Option. In Taipei bin ich total viel Fahrrad mit den ubikes gefahren. Diese kann man an Stationen mit seiner Easycard ausleihen und an einer anderen Station abgeben. Das ist definitiv auch die billigste Option für kürzere Strecken. Für die ubike Aktivierung in der App braucht ihr Hilfe, da alles nur in Chinesisch ist.

Kommunikation

Direkt am Flughafen hat mit meine CP geholfen eine Simkarte mit unlimited data für 30 Tage zu kaufen. Diese hat 920 NTD gekostet oder war sehr hilfreich, besonders um auf googlemaps irgendwelche Verbindungen rauszusuchen. Whatsapp ist in Taiwan nicht populär, konnte es aber auf meinem Handy mit der neuen Simkarte für Kontakt mit Deutschland benutzten. Mit meinen taiwanesischen Freunden habe ich meistens über Facbook Messenger kommuniziert.

Unterkunft

Ich war im Dorm direkt neben dem Krankenhaus untergebracht, was natürlich sehr praktisch war. Es war ein 10er Zimmer mit 8 wechselnden malaysischen Mitbewohnerinnen, was schlimmer klingt als es war. Besonders gegen Ende kamen total nette Mädels mit denen ich viel unternommen habe und weiter in Kontakt bin. Im Dorm gab es einen großen Dusch-/Toilettenraum, der nicht sehr sauber war. Kakerlaken waren manchmal auch anwesend. Auf dem Flur gab es Sofas zum Telefonieren und einen Wasserspender (wie überall in Taiwan, also Trinkflasche nicht vergessen). Eine Küche gab es leider nicht. Waschen konnte man für 20NTD auf der Etage.

Literatur

Im Flugzeug habe ich meinen National Geografic Reiseführer über Taiwan gelesen, was mich ein bisschen in die spannende Geschichte des Landes und die Kultur eingeführt hat. Außerdem hatte ich so eine grobe Orientierung, was es so zu sehen gibt. Insgesamt kann ich den Reiseführer aber nicht so empfehlen, das meiste habe ich dann doch gegoogelt.

Mitzunehmen

Da ich vorher 3 Wochen durch Vietnam gereist bin, war mein Platz im Gepäck sehr begrenzt. Ich hatte Kittel und Stethoskop sowie lange „formal“ (also keine Jeans) Kleidung für das Krankenhaus dabei. Als Gastgeschenke hatte ich ein paar Haribo Tüten dabei. Bettwäsche brauchte ich nicht, ein Hoddie war für die starke A/C im Dorm ganz praktisch. Wichtig für Taiwan ist ein Regenschirm, immer wieder kamen kurze Schauer, während eines Taifuns auch heftiger Regen. Ansonsten ist es ja ziemlich warm, kurze Sachen sind angemessen. Denkt daran einen Adapter mitzunehmen, ich hatte es natürlich vergessen und musste mir am ersten Tag einen kaufen. Im Dorm war eine Schlafmaske und Ohropax ganz praktisch.

Reise und Ankunft

Bereits vor meiner Ankunft war ich im Kontakt mit meiner CP, die mir mitgeteilt hatte, dass sie mich nicht am Flughafen abholen könnte und ich in der ersten Nacht vor Praktikumsbeginn auch noch nichts ins Dorm könne. Dann konnte sie mich plötzlich aber doch abholen und ich konnte auch schon vorher ins Dorm und war froh, dass ich noch kein Hotel gebucht hatte. Ich kam Sonntagabend um 10 Uhr an und nach dem Geldabheben, Easycard (wie Oystercard in London) und Simkarte kaufen sind wir ca. 40 Minuten zum Dorm gefahren. Am nächsten Morgen ging es dann schon um 7 los und ich habe mich erneut mit meiner CP getroffen, die mich zur Anästhesiologie gebracht hat. Dort habe ich meine Supervisorin getroffen, mit der ich bereits vorher gemailt hatte und sie hat mir alles gezeigt und mich dem Team vorstellt. Meine Ankunft war also sehr entspannt und problemlos.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war am Taipei General Hospital im Norden von Taipei untergebracht und musste bereits im Vorhinein 2 verschiedene depatments auswählen, um dort jeweils 2 Wochen zu famulieren. Ich wählte Anästhesie und Gynäkologie, da ich zwischen diesen beiden Fächern für meine spätere Facharztwahl schwanke und habe die Wahl glücklicherweise auch bekommen. Ca. 3 Wochen vor Beginn hat sich meine Supervisorin aus der Anästhesie auch bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich OP-Schuhe mitbringen könnte.
Die Zeit in der Anästhesie hat mir wirklich gut gefallen. Ich wurde herzlichst aufgenommen von gesamten Team, mir wurde viel erklärt und auch wirklich viel geschenkt. Die Tage begannen um 7 Uhr mit der Frühbesprechung, in der immer ein junger Assistenzarzt einen case report oder ein paper vorgestellt hat. Danach bin ich meist meiner Supervisorin gefolgt, da bis 8.30 Uhr alle Einleitungen fertig sein sollten. In Taiwan ist ein Anästhesist für mehrere OP Säle zuständig und die Schwestern sind diejenigen, die während der OP beim Patienten sind und ihn überwachen und auch bis zu einem gewissen Grad eigenständig intervenieren. So hatten die Anästhesisten zwischendurch immer viel Zeit und konnte mit mir meine Wochenendtrips planen. Insgesamt durfte ich allerdings nur beobachten und überhaupt keine praktische Tätigkeit machen. Aber mir wurde wirklich viel erklärt, wodurch ich auch viel gelernt habe. In Taiwan legen die Anästhesisten auch Ports, wo ich manchmal dabei war. Ebenfalls war ich 2 Mal in der Out-patient clinic in der Schmerzsprechstunde. Das war total interessant und mir wurde extrem viel erklärt. Besonders spannend fand ich, dass dort viele OPs, wie z.B. eine Mastektomie nur mit Nervenblocks durchgeführt wurde. In der 2. Woche war ein Feiertag, sodass meine Zeit insgesamt sehr kurz war. Nach dem Mittagessen gemeinsam mit den Ärzten konnte ich immer so gegen 12 Uhr gehen. Da viele Pjler (dort PGY genannt) in der Anästhesie waren, habe ich dort auch nette Studenten kennengelernt, mit denen ich mich dann abends zum Essen regelmäßig getroffen habe.
Die nächsten beiden Wochen waren in der Gynäkologie. Der schlechte Ruf eilte der Klinik schon voraus. An meinem 1. Tag stellt ich mich dem chief resident (also 1. Assistenzarzt) vor, der mir kurz die Stationen sowie den OP und Kreißsaal zeigte. Danach meinte er, ich sei frei und könnte selber entscheiden, wie viel ich lernen wollte. Ich wurde aber keinem anderen Arzt vorgestellt und war nun auf mich allein gestellt. Jeden Tag nach der Frühbesprechung um 7.20 Uhr habe ich versucht irgendeinem Assistenzarzt zu folgen, häufig durfte ich dann aber nicht mit auf die Visite, in den Kreißsaal oder in verschiedene OPs. Es war echt schade, dass mir wirklich gar nichts erklärt wurde und so habe ich insgesamt 2 spontane Geburten, 2 Kaiserschnitte und verschiedene gynäkologische Operationen gesehen. Geburten laufen etwas anders ab, da die Patientin in der letzten Phase in den OP geschoben wird und dann das Kind fast steril gebärt. Das Kind kommt dann auch erstmal nicht zur Mutter, sonders bleibt erstmal bei der Hebamme. Insgesamt bin ich dann meistens so um 11.30 Uhr gegangen und war wirklich froh, als die Zeit vorbei war.

Land und Leute

Da ich aus dem Krankenhaus immer relativ früh raus war, konnte ich nachmittags immer gut Taipei erkunden. Zeitgleich war noch ein anderer Incoming aus Russland im selben Krankenhaus und so haben wir viel gemeinsam unternommen. Nachmittags waren wir in downtown, wandern auf den Bergen, in Museen, in den hot springs oder einfach in der Natur. Abends wurden wir fast immer von irgendwelchen Taiwanesen zum Essen eingeladen oder sind auf den Nachtmarkt gegangen. Die Taiwanesen sind zu Beginn extrem schüchtern, grüßen nicht, wenn man sich nicht kennt und es ist gar nicht so leicht ins Gespräch zu kommen. Diese Art war am Anfang gar nicht so einfach für mich, da ich sehr kommunikativ bin. Wenn man sich dann aber kennt, waren alle extrem gastfreundlich und wollten sehr viel Kontakt. Da Wohnraum super teuer ist und die Menschen sehr eng wohnen, war ich leider nie zuhause bei jemandem eingeladen, sondern haben wir uns immer irgendwo außerhalb getroffen. Die Nachtmärkte gibt es in jedem Stadtteil, in Shipai, unserem Ort, war er sehr überschaubar, hatte aber sehr gutes Essen. In Shillin ist der größte Nachtmarkt Taipeis, er war auch nicht weit weg, aber eben deutlich touristischer. Typische Gerichte sind Hotpot, Dumplings, Beef Noddle Soup und Stinky Tofu. Außerdem lieben Taiwanesen Bubble Tea, der wurde dort sogar erfunden. An jeder Ecke gibt es Milk Tea Shops, die ihn verkaufen.
An den Wochenenden wollte ich immer Ausflüge machen und so war ich das erst Wochenende im Norden unterwegs. Samstag waren wir an den Shifen Waterfalls, in Juifen sowie an der Küste. Am Sonntag hat der Supervisor des Russen uns den Yangmingsan Nationalpark gezeigt. Danach sind wir zum Strand und abends nach Keelung auf den Nachtmarkt gefahren. Am 2. Wochenende war ein Feiertag, sodass wir Freitagmorgen bereits nach Tainan, der alten Hauptstadt mit dem high speed train gefahren sind und abends in Kaoshiung, der 2. Größten Stadt, die Nacht verbracht haben. Am nächsten Morgen sind wir weiter mit dem Expressbus ganz in den Süden nach Kenting gefahren. Sonntags ging es dann nach dem Wandern im Nationalpark mit dem Bus und high speed train ab Kaoshiung nach Taipei zurück. Am 3. Wochenende hat uns der Supervisor des Russen die Ostküste gezeigt. Leider hat es total geregnet, wir hatten aber trotzdem eine super Zeit. Die Taroko-Schlucht fand ich nicht sonderlich beeindruckend, ist aber ein must-see in Taiwan. Am 4. Wochenende habe ich noch einen Trip zum sun-moon lake gemacht. Durch die Wochenendtrips habe ich das Land gut kennen gelernt und besonders durch die taiwanesische Begleitung unglaublich tolle Erfahrungen gesammelt. Gerne wäre ich noch mehr wandern gegangen, die Zeit war aber einfach zu knapp.
Der high speed train benötigt von Taipei bis Kaoshiung nur ca. 3 Stunden, kostet allerdings ungefähr 40 Euro. Für die Hostels habe ich immer so ungefähr 20 Euro pro Nacht bezahlt (Kaoshiung: backpacker inn, Kentin: my home). Insgesamt habe ich in meinem Stadtteil in Taipei fast nie Ausländer gesehen und auchauf mein Reisen nicht zu viele Touristen getroffen, was sehr angenehm ist und nichts überlaufen war.

Fazit

Meine Zeit in Taiwan ist wie im Flug vergangen! Ich habe interessante Begegnungen gehabt, neue Freunde kennengelernt, bin in eine spannende Geschichte eingetaucht, aktuelle politische Diskussionen über eine mögliche Annexion durch China geführt, wunderschöne Natur gesehen und spannende medizinsche Fälle gesehen. Taiwan ist zum Teil so ähnlich, aber dann doch so verschieden. Ich kann es jedem nur empfehlen, dort eine Famulatur zu machen!

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