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Paraguay (IFMSA-Paraguay)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Es war mein erster Aufenthalt in Südamerika, und somit ein komplett neuer Ort in Bezug auf Medizin, aber auch Menschen und Kultur für mich. Da ich kein Spanisch spreche, kam für mich bloß Paraguay und Brasilien in Frage (diese Länder erlauben IFMSA Austäusche mit lediglich Englisch-Kenntnissen). Ohne Frage ist natürlich ein Austausch MIT Spanisch Kenntnissen wesentlich leichter.

Vorbereitung

Es ist auf jeden Fall hilfreich, sich über das Land zu informieren, hierbei hat mir das Pre-Departure Training, die Website der CIA, Südamerika Erfahrungen von Freunden und der Kontakt mit dem LEO geholfen. Kurse habe ich keine besucht, kann jedoch bloß empfehlen eine knappen oder längeren Spanisch Kurs vor einem Auslandsaufenthalt in Südamerika zu belegen. Eine Gelbfieberimpfung ist Pflicht für Paraguay, jedoch hat diese in Asuncion und direkter Umgebung keine wirkliche Relevanz. Euer/Eure Host-Krankenhaus/Uni kontrolliert diese, für die Einreise hat sie keine Rolle gespielt.

Visum

Für Paraguay benötigt man als deutscher Staatsbürger kein Visum.

Gesundheit

Reiseapotheke, Impfprophylaxe (Gelbfieber), Auslandskrankenversicherung. Damit war alles abgedeckt und während des Aufenthalts sind so keine Probleme aufgetreten. Für Besuche der Gebiete mit höherer Mückenbelastung sollte man Insektenspray mitnehmen und benutzen, weil die Stiche nerven und in manchen Regionen Denguefieber durch tagaktive Mosquitos übertragen wird.

Sicherheit

Die Präsenz von Drogenkartellen und Überfällen im Land ist unweigerlich vorhanden. Tipps aus dem Upon-Arrival-Training: Nachts sollte man nicht alleine durch die Straßen wandern oder Busse nehmen, ebenso sollte man sein Handy und Geldbörse nicht auf offener Straße präsentieren. Mir persönlich ist nichts passiert, aber unweit der Wohnung eines anderen Incomings kam es zu einem durch brasilianische Narcos durchgeführte Befreiung eines in Polizeigewahrsam befindlichen weiteren Narcos und diese Geschichte hätte auch aus einem Film stammen können. Ich würde mich also an die Tipps der LEOs halten.

Geld

Offizielles Zahlungsmittel sind Guarani, jedoch werden meist auch Argentinische Pesos, Brasilianische Real und US-Amerikanische Dollar akzeptiert. Bargeld benötigt man auf jeden Fall, entweder man hebt es via Kreditkarte an einem der vielen Geldautomaten ab oder wechselt in der Wechselstube. Ich habe vor Ort meine Kreditkarte benutzt und selten Schwierigkeiten gehabt. An sich ist alles wesentlich billiger verglichen mit Deutschland, Importwaren kosten jedoch einiges.

Sprache

An sich ist Spanisch die am weitesten verbreitete Sprache, einige Patienten kommen jedoch aus kleineren Dörfern und sprechen ausschließlich Guarani, hierbei sollte man sich Hilfe holen, aber auch in Paraguay beherrscht nicht jeder diese zweite offizielle Sprache. Englisch ist wenig verbreitet, auch unter den Studenten spricht es nicht jeder. Ab und an findet man Leute, die ganz gut deutsch sprechen.

Verkehrsbindungen

Mit Bus und fußläufig ist alles zu erreichen. Busse kosten zwischen 30 und 50 cent, je nachdem ob sie klimatisiert sind oder nicht. Es gibt jedoch keinen Busfahrplan (die App Moovit hilft hier aus) und meist keine Haltestellen, die Busfahrer sind aber nett und halten, wenn man ihnen zuwinkt. Sie sind sicher. Für alle anderen Wege ist Uber eine günstige und sichere Option (halbe Stunde Fahrt kostet ca. 7€).

Kommunikation

Ich habe mir eine SIM-Karte von Claro geholt und mir für 30 Tage 4GB mobiles Internet gutschreiben lassen für knapp 7€. Es gibt noch weitere Anbieter, dieser wurde mir jedoch empfohlen, die SIM-Karte und den dazugehörigen Vertrag gab es in einer der vielen Filialen. Man konnte auch günstige Roaming Pakete für die umliegenden Länder dazubuchen. In der Wohnung meines Hosts gab es WLan.

Unterkunft

Ich habe in der Wohnung eines Studenten ein Zimmer bezogen. Organisiert wurde mir die Unterkunft über IFMSA-Paraguay. Alles war super ausgestattet und mir fehlte es an nichts. Der Host war mehr als gastfreundlich. Bettwäsche war bereits vorhanden.

Literatur

Ich habe die Website der CIA und des Auswärtigen Amtes für grobe Infos des Landes benutzt. Anderweitig habe ich mich nicht informiert. Für Spanisch-sprachige gibt es aber sicherlich noch mehr zu lesen.

Mitzunehmen

Man braucht eigentlich nicht vieles nach Paraguay mitzunehmen, ich hatte Klamotten, ein paar elektronische Sachen, ein paar Sachen fürs Krankenhaus, Reisepass, Versicherungsscheine, Impfpass dabei und was man sonst benötigt, kauft man halt vor Ort.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos, da ich nach meiner Ankunft noch gereist bin, wurde ich jedoch nicht empfangen. Nach der endgültiger Ankunft habe ich meine Kontaktperson (welche im Laufe des Austauschs gewechselt wurde) am ersten Tag der Famulatur im Krankenhaus getroffen. Leider wurde ich durch sie nicht meinem Tutor vorgestellt, was später für Verwirrung gesorgt hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein Arbeitsplatz war die Abteilung Allgemeine Chirurgie im Hospital de Clinicas in San Lorenzo, einer an Asuncion anliegenden Stadt. Am ersten Tag hat man mich zum Aufenthaltsraum gebracht und mir einige Leute vorgestellt, daraufhin ging es dann in den Operationsbereich. Diesen Ablauf gab es für die restlichen Tage auch. Dort gesellte man sich dann zu den diversen Operationen dazu, oder, wenn man mit dem oder der Operateurin zuvor gesprochen hat, assistierte bei der gewählten OP. Letzteres funktionierte für mich natürlich nur, wenn Deutsch oder Englisch gesprochen wurde, was die Auswahl wesentlich eingeschränkt hat, da wie vorher angesprochen Englisch wenig verbreitet ist. Dadurch habe ich den Großteil der Operationen nur oberflächlich und durch Assistenzärzte oder Studenten kennengelernt. Ich hätte hier gerne mehr gemacht. Leider kam es während meinen letzten beiden Wochen an der Universität und dem Krankenhaus zu einem Streik, der bis zu meiner Abreise anhielt, was meine Auswahl an zur Verfügung stehenden Operationen auf Notfälle und kritische Krebspatienten reduziert hat und damit leider auch die Anzahl der Operateure, mit welchen ich mich verständigen konnte. Nichtsdestotrotz war dieser Einsatz interessant, es war deutlich zu sehen, dass Patienten immer erst spät in ein Krankenhaus gehen, da Behandlungen teuer sind und nicht alle Menschen eine Versicherung haben. Zudem kommt noch das in Bezug auf die medizinische Versorgung und Versicherungen 5 oder 6 verschiedene Systeme im Land herrschen und nicht wirklich ineinandergreifen. In den meisten Fällen der öffentlichen Krankenhäuser kaufen die Patienten die für die Operation benötigten Materialien selbst und so kommt es oft dazu, dass durch fehlendes Geld nicht alles nötige vorhanden ist. Das scheint mir sehr schade, da die theoretische medizinische Ausbildung der Ärzte gut ist und es dadurch bloß an medizinischem Werkzeug fehlt. Vieles ist gar nicht vorhanden und selbst wenn es Geräte gibt, sind es zu wenige für die Menge an Patienten. Leider habe auch viele Angestellte im Krankenhaus eine sehr laxe Einstellung gegenüber ihren Jobs und so kommt es öfters vor, dass (auch Ärzte) nicht zur Arbeit erscheinen und so nötige Aufgaben wie die Instandhaltung der Geräte verschoben oder nicht durchgeführt werden. Durch die Studenten, die ich kennengelernt habe, erfuhr ich, dass das Studium selbst dem deutschen Modell zeitlich und inhaltlich sehr nahesteht. Unterschiede sind hier jedoch enorm, da es überwiegend private Universitäten sind, welche Ausbilden und so kommt es zu vielen Unterschieden zwischen den Universitäten. Der private Aspekt, lässt an den privaten Unis auch eher wohlhabende Paraguayer und Ausländer wie Brasilianer studieren.

Land und Leute

Natürlich gab es auch ein Leben außerhalb des Krankenhauses und da die letzten 2 Wochen des Austausch in Bezug auf das Krankenhaus eher knapp ausfielen, hat das Social program einen Bonus bekommen! Wir haben Bars und Restaurants besucht, sind auf diverse von Studenten organisierte Parties gegangen, uns wurde ein riesiger Markt für die Stadtbewohner gezeigt, ich wurde auf das IFMSA-Paraguay Treffen in Encarnacion mitgenommen, wir haben gemeinsam paraguayisches und deutsches essen gekocht, es gab ein tolles Upon-Arrival Training und für jeden Incoming ein Abschiedsessen/Feier. Abgesehen davon hat mich mein Host auf jede Feier und sonstige Treffen mitgenommen, die irgendwie in Frage kamen, wobei ich eine Vielzahl an Leuten und Kultur kennengelernt habe. Encarnacion ist auf jeden Fall einen Trip Wert, da es dort einen schönen Strand gibt, wenngleich er auch durch einen Fluss gebildet wird. In der Nähe gibt es außerdem die Ruinen der Jesuiten, aus der Zeit, in der sie auf Mission in Südamerika waren. Ein weiteres spannendes Ziel ist die Stadt Foz do Iguacu in Brasilien an der östlichen grenze Paraguays. Dort gibt es eins der 7 Weltnaturwunder, die Iguazu Wasserfälle und den dazugehörigen Naturpark zu besichtigen. Außerdem befindet sich dort auch der Itaipu Staudamm, welcher bis vor nicht allzu langer Zeit der größte der Welt und noch immer der am meisten Strom produzierende ist. Es ist wirklich spannend, wie dieses Bauwerk in das Leben und die Natur dort und auch weiter entfernt eingegriffen hat (ein großer Teil Encarancions musste umgesiedelt werden, da der Wasserspiegel sich um viele Meter erhöht hat). Auch in Asuncion gibt es einiges zu sehen: Dort ist auch ein durch den Fluss Paraguay gebildeter Strand vorhanden, einige Museen, eine Altstadt und ein paar schöne Gebäude sind zu besichtigen. Das außergewöhnlichste sind jedoch die Lebensweise der Menschen vor Ort, wie zum Beispiel in dem Labyrinth-ähnlichen Markt Mercado 4, wo die Einheimischen für jede Form von Ware einkaufen gehen und wenig touristisch durch die schiere Größe und Unübersichtlichkeit der Stände außerhalb und innerhalb von Gebäuden überein ganzes Viertel der Stadt. Das Essen und Restaurants in Paraguay sind günstig und man findet eine große Auswahl an Steakhäusern überall im Land. Ein hoher Rindfleischkonsum ist hier auf jeden Fall nicht selten für Leute, die es sich leisten können. Leider bin ich nicht dazu gekommen, weitere Städte zu besuchen die zum Beispiel in Chaco liegen, dem weniger bevölkerten Teil im Nordwesten Paraguays. Auch sollen die Eisenbahnen und deren ehemalige Strecke interessant zu sehen sein, da sie eine der ältesten in Betrieb gebliebenen Dampfloks der Welt war.

Fazit

Alles in Allem hat mir der Austausch sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich bereits auf meine nächste Auslandsfamulatur. Die Freunde die ich vor Ort gewonnen habe, werden sicherlich auch noch lange solche bleiben.

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