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Japan (IFMSA Japan)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Michael, Essen

Motivation

Ich wollte sehr gerne nach Japan. Die Kultur und die fortschritliche Gesellschaft haben mich schon immer interessiert. Außerdem wollte ich meinen Forschungsaustausch in einem medizinisch sehr gut entwickelten und fortschritlichen Land machen.

Vorbereitung

Ich habe mich zur Vorbereitung an einem Pre -Departure Training teil genommen, welches mir ehrlich gesagt nicht sehr viel für den Austausch gebracht hat.
Ich habe mich über die japanische Kultur und gesellschaftliche Regeln vor allem über das Internet informiert, was sehr gut funktioniert hat. Somit konnte ich viele "Fettnäpfchen" umgehen und mich sehr wohl fühlen.

Visum

Man benötigt als deutscher Bürger kein Visum für Japan für maximal 90 Tage.

Gesundheit

Ich habe mich gegen Japanische Enzephalitis impfen lassen,weil ich im Vorhinein vorhatte, viel Freizeit in der abwechslungsreichen japanischen Natur zu verbringen. Bei den vielen Mückenstichen war das auch sehr beruhigend gemacht zu haben. Für den Forschungsaustausch musste ich letztlich keine Impf/Tbc Nachweise vor Ort vorzeigen.
Ich benötigte eine Auslandskrankenversicherung

Sicherheit

Japan ist extrem sicher. Allerdings kann ich jedem nur empfehlen sich ausgiebig mit der Wetterlage zu beschäftigen. Ich hatte während meines Aufenthalts einen sehr schweren/tödlichen Taifun miterlebt, der das öffentliche Leben lahmgelegt hat. Man sollte immer vorbereitet und informiert sein.
Außerdem sollte man sich über Erdbeben informieren.
Für beides gibt es nützliche Warnapps, die ich sehr empfehlen kann.

Geld

Japan ist sehr teuer. Man sollte ausreichend Geld haben. Man kann nur mit Yen bezahlen. Meistens kann man mit Kreditkarte bezahlen. Für den öffentlichen Nahverkehr benutzt man fast ausschließlich Prepaid Karten.

Sprache

In Japan wird fast ausschließlich Japanisch gesprochen. Die Englischkenntnise der allgemeinen Bevölkerung sind sehr schlecht/kaum vorhanden. Natürlich ist das in großen Städten etwas leichter. Allerdings muss man überraschend wenig kommunizieren. Es empfiehlt sich sicherlich zumindest ein paar Wörter auf Japanisch zu kennen (Bitte/Danke/Verzeihung/Hallo/Nach der Ubahn fragen).

Verkehrsbindungen

Der Verkehr in Japan ist exzellent. Die Züge und Busse kommen auf die Sekunde genau und sind seltenst verspätet. Man kann sich auch auf die Verkehrs Apps verlassen. Die Preise sind oft vergleichbar mit den deutschen Verkehrstickets.

Kommunikation

Es empfiehlt sich eine Internet-SImkarte zu besitzen. Somit kann man viele nützliche Apps (Verkehr/Katastrophrnwarnung/Wetter/Übersetzer) jederzeit benutzen.
Leider verstehen viele (auch junge!) Japaner kein Wort Englisch.

Unterkunft

Ich war in 2 Gastfamilien untergebracht. Beide haben leider in einer Kleinstadt etwas 1h Zugfahrt von der Unistadt gelebt. Allerdings habe ich dort eine enorme Gastfreundschaft erfahren. Die Hausausstattung ist vergleichbar mit Deutschland. Ich wurde sehr gut verpflegt.

Literatur

Ich habe sehr viele (vor allem Englischsprachige) Internetseiten gelesen zur Informationsbeschaffung. In dem Labor waren die meisten Sachen auf Englisch geschrieben. Auch die Paper, die wichtig für die Projekte waren, waren auf Englisch.

Mitzunehmen

Ein Reiseadapter für Japan ist wichtig. Ich habe mir außerdem Simkarten in Deutschland gekauft, welche ich nur sehr empfehlen kann. Man sollte passende Kleidung mitnehmen. Trotz z.T. sehr heißen und tropischen Wetters, sind Japaner sehr schick gekleidet und sie wissen es auch sehr zu schätzen, wenn man sich auch entsprechend seriös anzieht.

Reise und Ankunft

Ich bin mit einem Direktflug nach Japan geflogen (ca 10-12h). Ich wurde am Flughafen netterweise empfangen und zum Haus gebracht. Ich hatte 5 Tage Zeit zw. Ankunft und Praktikum. Man sollte einen Jetlag mit einberechnen.
Zum Labor wurde ich am ersten Tag von meiner CP begleitet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe ingesamt in zwei verschiedenen Laboratorien der Chiba University gearbeitet (jeweils 15 Tage).
Der erste Tag war sehr freundlich und bestand vor allem aus einer Vorstellungsrunde und einem Rundgang im Labor um einen groben Eindruck zu gewinnen. Mit den Themen habe ich mich vorher schon etwas beschäftigt. Meine eigene Tätigkeiten waren sehr beschränkt. Ich drufte oft nur zugucken,was ich aber auch verstehen konnte. Man war trotzdem sehr bemüht mir viele Tätigkeiten in einem Labor beizubringen (PCR, Mikroskopie, Gelelektrophorese, Cytometrie etc.). Wenn man Interesse zeigt, freut das den Tutor sehr. Es ist ihnen wichtig, dass man etwas lernt. Ich wurde meistens von einem PHD Studenten betreut, sodass es eine lockere und kollegiale Atmosphäre gab. Allerdings gab es auch im Labor z.T. große Kommunikationsprobleme, weil Japaner kaum Englisch sprechen. Der Professor/Laborleiter hatte die besten Englischkenntnise, allerdings war er natürlich nicht die ganze Zeit im Labor.
Die Technik und die Räumlichkeiten waren in meinen Laboratorien eher alt aber trotzdem noch funktionstüchtig
Im Allgemeinen ist die Arbeitsmoral der Japaner sehr hoch. Arbeit wird in Japan nicht als Last wahrgenommen, sondern als etwas sehr Positives, worauf man sehr stolz ist. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich habe auch keine Beschwerden von den Japanern wahrgenommen. Es ist auch sehr wichtig andere für ihre Tätigkeiten zu loben und es wert zu schätzen, wenn man für seine eigene Arbeit gelobt wird. Insgemsamt habe ich mich mit den Mitarbeitern in beiden Laboratorien sehr gut verstanden.
Ein paar negative Aspekte: Ich hätte lieber nicht mit Labortieren zusammen gearbeitet. Ich habe dies auch so kommuniziert , was allerdings leider an einem Tag offensichtlich vergessen wurde.
Außerdem hatte ich manchmal den Eindruck , eher ein Ballast für das Labor zu sein, weil man sich immer um mich kümmern musste und somit immer einen Mitarbeiter fpr mich abstellen musste. Umso wichtiger war es für mich, mich immer für die Betreuung zu bedanken.
Japaner können einem leider nicht "Nein" sagen und sind sehr nervös, wenn sie einem etwas nicht perfekt beantworten können. Daher habe ich nach einer gewissen Zeit sehr gut überlegt , was und ob ich überhaupt etwas frage, um mein Gegenüber nicht in eine "unangenehme SItuation" zu bringen.
Ich nehme insgesamt mehr positive als negative Eindrücke aus der Arbeit mit. Man kann nicht nur wissenschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Dinge im Labor lernen, wenn man sich auf die Menschen einlässt.

Land und Leute

Ich habe nahe Chiba gelebt, was wiederum nur 40 Km von Tokyo entfernt ist. Somit bin ich sehr oft nach Tokyo gefahren, weil die Stadt sehr viel für jederman zu bieten hat.
An den Wochenenden war ich immer weg.
Man kann in andere Städte fahren (z.B. Kyoto) oder sehr viel in der Natur erleben ( Berge / Meer /Dschungel), natürlich abhängig von dem Wetter. Die Verkehrslage ist sehr gut, sofern diese nicht von Taifunen oder Erdbeben eingeschränkt sind, weswegen man immer informiert sein sollte, Die Menschen sind sehr nett. Japaner sind sehr zuverlässig und versuchen es einem immer recht zu machen. ich habe noch nirgendwo so eine große und herzliche Gastfreundschaft wie in Japan erlebt. Die Menschen freuen sich auch umso mehr, wenn man dies zu schätzde weiß und sich tausend mal bei ihnen bedankt und sie so bestätigt. Meine Gastfamilien waren sehr freundlich und herzlich, Ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt. Sie haben mir bei allen Angelegenheiten geholfen. Mir wurde auch bei der Oragisation meiner privaten und etwas ungewöhnlichen Wochenendreisen geholfen. Das Essen dort ist natürlich sehr anders als jenes in Europa. Für mich als Vegetarier war dies nochmal zusätzlich schwierig, weil Japaner Vegetarismus de facto nicht kennen und verstehen. Es wird quasi überall Fleisch und Fisch hinzugefügt. Wenn man dies allerdings offen und freundlich kommuniziert und den Leuten dankt, berücksichtigen diese auch die Essenswünsche. Mit der Zeit gewöhnt man sich auch an die Esskultur und manche Speisen sind dort auch ohne Fleisch und Fisch echt lecker! Allerdings darf es für einen keine Katastrophe sein, wenn man ausversehen doch etwas mitisst, was man eigentlich gar nicht haben wollte. Für mich war es zu beginn auch sehr schwierig mit Stäbchen zu essen. Glücklicherweise kann man die Stäbchen-Ess-Technik sehr gut mit trockenen Sojabohnen trainiernen, so wie es auch die japanischen Kleinkinder machen.
Ich hatte tatsächlich keine negativen Erfahrungen mit Japanern. Alle sind wirklich sehr freundlich und entgegenkommend. Allerdings sind Japaner auch sehr steif und unflexibel, wenn sie ein Problem haben, was dann zu einer "unangenehmen SItuation" führen kann, welche man vermeiden möchte (Japaner können und wollen nicht "Nein" sagen). Daher ist es man manchmal etwas schwierig, wenn man ständig überlegen muss, ob man nun wirklich etwas fragt, oder lieber schweigt. Alles in Allem bin ich aber sehr begeistert von den Bewohnern und vor allem von der schönen und abwechslungsreichen Natur gewesen.

Fazit

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Austausch gewesen. Es hätte ruhig mehr Laborarbeit geben können. Allerdings verstehe ich, dass es schwierig ist mich täglich über Stunden zu betreuen. Die Leute waren sehr bemüht.

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