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Serbia (IFMSA-Serbia)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Elena, Freiburg

Motivation

Ich wollte schon seit dem ersten Semester, nach einer Infoveranstaltung der bvmd unbedingt am SCOPE (Famulaturaustausch) teilnehmen. Nun hatte endlich alles gepasst, und welches Land es dann sein sollte war eher zweitrangig. Ich bin ein reisefreudiger Mensch und lebe nach dem Motto, dass jedes Land, in dem ich noch nicht war, eine Reise wert ist.
Ursprünglich hatte ich mich für einen Platz in Ghana beworben, und nach einer Absage für Ghana landete ich dann über die Restplatzbewerbung in Belgrad.

Vorbereitung

Ich habe mich ehrlich gesagt kaum vorbereitet, ich hatte lediglich einen Reiseführer im Gepäck und konnte auf Serbisch nach der Toilette fragen. Diese beiden Dinge haben sich allerdings als sehr nützlich erwiesen.
Wer Lust hat sich vorher ein paar Basics im Serbischen anzueignen dem empfehle ich diesen kostenlosen Online-Crashkurs hier:https://www.loecsen.com/de/lernen-serbisch
Aber keine Angst, ich habe das nur aus Interesse an der Sprache gemacht, man kommt mit Englisch überall super zurecht.

Visum

Zurzeit (09/19) ist es so, dass man als EU-Bürger kein Visum für Serbien braucht und sogar ein Personalausweis als Einreisedokument genügt und man gar keinen Reisepass braucht. Überprüft das aber am besten nochmal, einen Reisepass zu beantragen braucht ja ein wenig Vorlaufzeit.

Gesundheit

Auch hier habe ich keine besonderen Vorkehrungen getroffen. Wenn man im Krankenhaus arbeitet, sollte man natürlich die Standardimpfungen haben, aber das gilt ja genauso in Deutschland.
Das serbische Gesundheitssystem mag zwar nicht sein wie das deutsche, aber die Grundversorgung ist dort auch gewährleistet, und genauso gibt es dort Apotheken, wo man alles nötige bekommen kann.

Sicherheit

Ich habe mich in Serbien immer sehr sicher gefühlt. Belgrad ist eine lebendige Stadt die niemals schläft, und so sind die Straßen auch um drei Uhr nachts noch belebt und nicht unheimlich.
Das gefährlichste in der Stadt sind wahrscheinlich noch die verrückten serbischen Autofahrer, und das meine ich ernst! Verlasst euch nicht auf die grüne Fußgängerampel, und erst recht nicht auf die Zebrastreifen.

Geld

In Serbien gibt es den Dinar, und bei einem Wechselkurs von ca. 117:1 konnte man sich einen Monat wie ein Millionär fühlen, der sein Abendessen mit einem 1000er bezahlt.
Im Allgemeinen ist es in Serbien günstiger als in Deutschland. Für einen Kaffee in einem schicken Café bezahlt man umgerechnet höchsten 1,50€, und für ein gutes Abendessen mit Getränken und Salat weniger als 10€. Auch Busse und Eintritte sind günstiger.
Fast überall gibt es die Möglichkeit, mit Kreditkarte zu bezahlen. An Bargeld kommt ihr entweder, indem ihr Euros mitbringt und diese umtauscht - dafür gibt es überall Wechselstuben: in der Stadt und auch am Flughafen - oder indem ihr an einem ATM Geld abhebt, was ebenfalls an jeder Straßenecke möglich ist. Ihr braucht euch also nicht in Deutschland um Dinar zu kümmern.

Sprache

Die meisten jungen Serben sprechen exzellentes Englisch, und auch die meisten Ärzte, da es wenig medizinische Lehrbücher und Veröffentlichungen auf Serbisch gibt. Deshalb kam es in meiner Zeit dort wirklich kaum zu Verständigungsproblemen.
Ein paar Wörter und Sätze auf Serbisch machen aber trotzdem Sinn und vor allem auch viel Spaß.

Verkehrsbindungen

Natürlich kann man schnell und günstig nach Belgrad fliegen, aber ich möchte an dieser Stelle dann doch ganz kurz die Klimaaktivistin in mir sprechen lassen: Es ist auch möglich mit Bus und Bahn anzureisen! Ich habe auf dem Hinweg zum Beispiel Zwischenstopps in München und Zagreb gemacht und saß so nie länger als 8 Stunden am Stück im Bus bzw. Zug.

In Serbien selbst gibt es ein gut ausgebautes Fernbusnetz, das super zuverlässig und pünktlich ist, der Bus ist also Mittel der Wahl wenn ihr einen Kurztrip oder einen Tagesausflug plant.
In Belgrad selbst fahren auch Busse und Straßenbahnen, und Nachtbusse gibt es auch.

Kommunikation

Ich habe mir an meinem ersten Tag eine serbische SIM-Card gekauft, für die ich umgerechnet 3€ bezahlt hab. Dafür hatte ich dann 30 Tage mobiles Internet und auch noch Freiminuten und -SMS. Diese SIM-Karten gibt es überall in der Stadt zu kaufen, der Laden in dem ich meine gekauft habe hieß „vip“ aber es gibt da auch noch verschiedene andere Anbieter mit ähnlichen Angeboten.
Mit meiner neuen SIM-Karte hatte ich wirklich überall Empfang, sogar beim Wandern mitten im Nationalpark.

Unterkunft

Wir waren im September 8 Incomings in Belgrad, und wir haben alle zusammen in einem ganz normalen Hostel gewohnt, in dem auch noch andere Gäste wohnten. Wir hatten verschiedene Zimmer, ich war in einem Viererzimmer mit drei anderen Incomings untergebracht, sodass ich keine wechselnden Zimmerpartner hatte, das war natürlich schön.
Es war ein eher kleines Hostel das vom Besitzer und zwei Volunteers geführt wurde und die Atmosphäre war von Anfang an sehr familiär. Natürlich gab es wenig Platz, und manchmal musste man ein wenig warten bis man die Toilette benutzen konnte, aber dafür war es umso gemütlicher! Es gab einen Wohn- und Kochbereich mit Sofa wo wir oft zusammen saßen und so auch schnell alle als Gruppe zusammen wuchsen.

Literatur

Ich habe mir vorher einen Reiseführer zu Belgrad gekauft, das hat sich als praktisch erwiesen in den ersten Tagen, zur Orientierung und um organisatorische Dinge schnell nachschlagen zu können. Meiner war vom DuMont Verlag und mir hat er gut gefallen.

Mitzunehmen

Mir würde nicht spezifisches einfallen das man dringend benötigt. Vor allem weil es in Belgrad alles, was man in Deutschland kaufen kann, auch gibt, und wahrscheinlich sogar günstiger.
Für Krankenhaus sollte man ein Stethoskop, je nach Station auch Reflexhammer oder Leuchte und einen weißen Kittel mitbringen.
Ich war im September dort, und während es die ersten zwei Wochen unerträgliche 36 Grad hatte wurde es gegen Ende hin ziemlich kühl und regnerisch, es ist also ratsam auf alle Wetterlagen eingerichtet zu sein.
In den Sommermonaten sollten Badesachen nicht fehlen, es gibt in der Stadt einen See in dem man baden kann, der Ada lake.
Wer gerne wandert kann sich überlegen Wanderschuhe mitzunehmen, es gibt dort tolle Nationalparks.

Reise und Ankunft

Meine Anreise lief wie am Schnürchen, ich wurde von meine super netten CP am Busbahnhof abgeholt und direkt zur Unterkunft gebracht. Dort wurde ich von den Leitern des Hostels begrüßt und mir wurde das Zimmer und die Räumlichkeiten gezeigt.
Dann ging es mit meine CP in die Stadt, zum Mittagessen und anschließenden Stadtspaziergang. Im Laufe der nächsten Stunden und Tage trudelten die anderen Incomings ein und das Hostel wurde immer belebter.
Dank meiner wundervollen CP und der netten Hostelmitarbeiter habe ich mich ab dem Moment in dem ich aus dem Bus stieg in dieser Stadt wohl gefühlt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich wurde in der Notaufnahme platziert wie ich es mir auch gewünscht hatte. Am ersten Tag wurden wir unserer Mentorin, der Chefärztin der Notaufnahme vorgestellt, und einer jungen Asisstenzärztin, mit der wir die meisten Tage verbrachten. Im Laufe der nächsten Tage lernten wir dann auch den Rest der Station kennen, und wirklich alle Mitarbeiter der Station freuten sich über uns Austauschstudenten, boten uns Kaffee und jede Menge Schokolade an, brachten uns serbische Vokabeln bei und waren wirklich rundum nett.
Der Raum, in dem wir uns die meiste Zeit aufhielten, war eine Art Schockraum, er bot Platz für 2 bis 3 Patienten, meistens war aber höchstens einer dort. Der Raum war dazu gedacht, besonders schwer verletzte oder kritische Patienten zu stabilisieren und zu überwachen, bevor man sie zur Diagnostik, in den OP oder auf eine Station verlegte.
Da das Krankenhaus Belgrads größte Notaufnahme hatte, sah man so fast alles an Polytraumata was man sich vorstellen kann. Natürlich durften wir bei diesen kritischen Patienten zunächst nur zuschauen, die Ärztin sorgte aber dafür, dass wir immer gut sehen konnten, erklärte uns währenddessen und danach ausführlich alles, was wir zu dem jeweiligen Fall wissen wollten und so war es zu jeder Zeit sehr spannend und auch lehrreich. Nach einigen Tagen durfte ich dann auch etwas mehr selbst machen, zum Beispiel Blut abnehmen, Patienten untersuchen, Infusionen wechseln o.ä.
Zweimal wurde eine Reanimation durchgeführt die von Anfang an sehr aussichtslos war, und hier ließ man uns Studenten die Compressions durchführen. Da ich das vorher noch nie gemacht hatte war es für mich persönlich ziemlich aufregend und auch schockierend, aber ich bin sehr froh, dass ich die Chance erhalten habe, es einmal machen zu dürfen.

Da die Ärztin, die wir begleiteten, auch für den Transport ihrer Patienten zuständig war und uns dann immer ebenfalls mitnahm bekamen wir so noch viele andere Abschnitte des Krankenhauses zu sehen, z.B. das CT, die Intensivstation, den OP und den einen oder anderen ruckligen serbischen Aufzug.

Es gab allerdings auch immer wieder Phasen, in denen gerade kein Patient im Raum war, manchmal sogar mehrere Stunden lang. Diese Zeit wurde vom Personal als ausgiebige Raucherpause genutzt, und außer mir schien sich auch niemand an diesen langen Pausen zu stören. Nach ein paar Tagen hatte ich mich an das serbische Arbeitstempo gewöhnt. Ich habe mir für die Zeiten zwischen den Patienten dann etwas zum Lesen oder Lernen mitgenommen, mir CT Scans angeschaut oder die Zeit für einen Plausch mit den Krankenschwestern genutzt.

Alles in allem hat es mir auf meiner Station sehr gut gefallen, ich bin jeden Morgen gerne dorthin gegangen, habe jeden Tag etwas dazu gelernt und viele viele klinische Bilder gesehen die ich vorher nur aus dem Lehrbuch kannte.

Land und Leute

Ich weiß, dass das die Deutschen gerne zu sagen pflegen, wenn sie ihr Land verlassen, aber die Serben sind wirklich sehr gastfreundliche und warmherzige Menschen.
Das Local comitee der Belgrader Medizinstudenten war ein tolles Team das uns herzlich willkommen hieß, und das Social Programm ließ ebenfalls nichts missen.

Aber Belgrad und auch der Rest des Landes bieten auch eine Menge an Möglichkeiten, vier Wochen haben bei Weitem nicht gereicht um alles auszuprobieren.
In Belgrad selbst war meine Lieblingsbeschäftigung eigentlich das Kaffee trinken in einem der tausenden Belgrader Cafés. Denn das Kaffeetrinken ist in Serbien eine traditionelle Beschäftigung und sozusagen Volkssport, dem die Serben ausgiebig und mit Leidenschaft nachgehen! Jeden Tag konnte man ein neues Café entdecken, oft ganz versteckt in Hinterhöfen, und dafür umso schöner mit Lampions geschmückt.
Überhaupt ist, denke ich, die beste Art Belgrad zu entdecken, einfach loszulaufen, sich ein bisschen treiben zu lassen, in jedem Teil der Stadt gibt es etwas zu entdecken.

Wer Lust auf einen romantischen Abend verspürt, dem kann ich den Sonnenuntergang über dem Zusammenfluss von Donau und Sava empfehlen. Mitten in der Stadt thront in Belgrad eine mittelalterliche Festung, von der man den besten Blick auf diesen spektakulären Sonnenuntergang hat. Am besten genießt er sich mit Bier und Popcorn!

Und wem das Belgrad tagsüber noch nicht lebendig und laut genug ist der warte einfach auf die Dunkelheit, und er wird nicht enttäuscht werden. Egal ob unter der Woche oder am Wochenende, abends füllen sich Straßen mit Studenten und Musik. Die Serben wissen wie man das Leben genießt, und dementsprechend wird auch gefeiert. Das darf man sich nicht entgehen lassen!

Manchmal habe ich die freien Nachmittage auch genutzt um mir eines der vielen Museen anzusehen, oder an einer der Stadtführung teilzunehmen. Die Belgrade Free Walking Tours bieten Führungen zu verschiedenen Themen an. Besonders gut fand ich die Führung zum ehemaligen Jugoslawien.

An den Wochenenden habe ich gerne Belgrad hinter mir gelassen um auch den Rest des Landes kennen zu lernen. Für einen Tagesausflug eignet sich zum Beispiel das Golubac Fortress, ein wunderschönes mittelalterliches Schloss an der Donau das man besichtigen kann, oder die Kleinstadt Novi Sad.

Für ein verlängertes Wochenende besuchte ich mit einer anderen Studentin den Tara Nationalpark. Der ist etwas vier Stunden von Belgrad entfernt, aber da man dort so viel unternehmen kann sollte man aber schon mindestens zwei Nächte bleiben. Es gibt dort gut angelegte Wanderwege, mehrere Seen zum Baden, einen Fluss auf dem man Kanu fahren kann und angeblich auch noch frei lebende Braunbären.. Ich habe dort eins meiner schönsten Wochenenden verbracht und kann den Park nur wärmstens empfehlen.

Fazit

Ich habe in Belgrad eine sehr glückliche Zeit verbracht. Das lag sicherlich an der Stadt aber doch hauptsächlich an den Menschen, die ich kennen gelernt habe. Der Austausch ist eine wahnsinnige Möglichkeit, um neue Leute kennen zu lernen, die man sonst niemals getroffen hätte. Deshalb ist der Austausch an sich schon immer die Reise und den Aufwand wert, denn neue Leute, Ideen und Eindrücke tun jedem Menschen von Zeit zu Zeit gut.
Aber auch der Balkan als Reiseziel ist mir sehr ans Herz gewachsen, mir hat das Lebensgefühl dort gut gefallen und ich habe mir fest vorgenommen nochmal zurück zu kommen.
Ich kann Serbien wirklich weiter empfehlen, ich wünsche euch eine gute Zeit dort und hoffe, ihr könnt meine Begeisterung nachempfinden.

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