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Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Astrid, Lübeck

Motivation

Ich wollte gerne vor dem Abschluss meines Studiums ein anderes Gesundheitssystem zu entdecken und die Chance nutzen noch einmal eine andere Sprache und Kultur kennenzulernen. Außerdem war mein persönliches Ziel herauszufinden, ob mir die Arbeit in medizinischen Hilfs und Entwicklungsprojekte gefällt, da ich mir vorstellen könnte auch später in meinem Berufsleben in solchen mitzuarbeiten.

Vorbereitung

Ich hatte vor dem Auslandsaufenthalt viel in der Uni und mit der Doktorarbeit zu tun. Dementsprechend blieb nicht sehr viel Zeit für die Vorbereitung. Allerdings habe ich mich rechtzeitig mit dem Tropeninstitut in Hamburg in Kontakt gesetzt und mich impfen und beraten lassen. Außerdem habe ich mir den Reiseführer Lonely Planet über Indien besorgt und ein bisschen quer gelesen, sowie einige Blog Beiträge im Internet. Dies geschah aber eher aus persönlichem Interesse als aus Planungszwecken. Der Acceptance Letter, den man vom bvmd erhält ist sehr hilfreich und enthält eigentlich alle wichtigen Informationen über das Projekt und das Leben in Kalkutta. Wenn ihr die Tipps dort beherzigt, werdet ihr keine Probleme haben.

Visum

Das Visum für Indien kann man ganz einfach im Internet beantragen. Ihr solltet bloß aufpassen, dass ihr auf der offiziellen Website des indischen Botschaft landet. Das Procedere ist auch im Acceptance Letter beschrieben. Sooo lange dauert die Beantragung auch gar nicht, kocht euch einfach einen Kaffee und klickt euch durch. Zwischendurch müsst ihr Fragen zum Beruf eures Vaters beantworten und euch ein Erkennungsmerkmal überlegen, falls ihr irgendwo aufgefunden werdet, also eigentlich ganz amüsant. Vorher benötigt ihr ein quadratische Passfoto, die ihr erforderlichen Maße findet ihr auf der Beantragungswebsite. Ihr könnt das Foto einfach zuhause mit eurer Handykamera machen und es am Computer bearbeiten oder in einen Passfotoshop gehen. Beantragt einfach ein elektronisches Touristenvisum, dann muss man auch nicht zur Botschaft fahren. Überlegt euch nur eine gute Geschichte, wen ihr besucht und was ihr in Indien vorhabt, denn bei der Einreise wird ziemlich detailliert nachgefragt.

Gesundheit

Vor der Abreise habe ich mir eine vorgefertigte Reiseapotheke im Internet bestellt. Nehmt auf jeden Fall genügend Magnesium und Elektrolyte mit, ihr werdet froh sein, dass ihr Sie habt! Ansonsten können Mittel für Magen&Darm Beschwerden und für Erkältungen und Fieber nicht schaden. Macht euch aber keine Sorgen, man kann auch fast alles vor Ort kaufen und im Notfall hilft Dr. Sujiit gerne aus. Es ist auf jeden Fall sehr sinnvoll eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, einige von uns haben sie vor Ort gebraucht. Geht also sicher, dass ihr für den Notfall abgesicherte seid. Viele von uns hatten Pharyngitis durch die Luftverschmutzung und die Klimaanlagen. Ansonsten kriegt fast jeder mal Magen Darm Probleme, aber solange ihr auf die alten Volunteers hört und mit dem Essen einigermaßen vorsichtig seid wird alles gut werden. Im Notfall gibt es ja noch das Bad im Guesthouse. Ich persönlich hätte ab und zu mal Ausschlag vom verschmutzten Wasser, dem Schweiß und Mückenspray aber das hat sich nach meiner Ruekkehr nach Deutschland sofort wieder gegeben. Nehmt vielleicht etwas Fenistil und Creme mit.

Sicherheit

Vor der Abreise bin ich sicher gegangen, dass meine Haftpflicht und Krankenversicherung auch in Indien gültig sind. Ansonsten habe ich mir eine Bauchtasche besorgt, in der ich die wichtigsten Unterlagen, Geld und Handy immer bei mir getragen habe. Es ist jedoch auch einigermaßen sicher Dinge im Guesthouse zu lassen, also kann man zum Beispiel auch seinen Laptop ohne Probleme mitnehmen. In einigen Zimmern gibt es Schränke, die man mit einem Vorhängeschloss verschließen kann. Ich habe mir im Vorhinein etwas Gedanken gemacht, wie es wohl ist als blonde Frau durch die Straßen zu laufen. Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass ich mich in Kalkutta immer sicher gefühlt habe. Natürlich wird man häufig angestarrt oder die Inder möchten Selfies machen aber alle sind sehr freundlich und zuvorkommend und bei Fragen versuchen wirklich alle zu helfen. Insbesondere rund um das Guesthouse und in der Indoor Klinik fühlt man sich schnell richtig zu Hause. Und auch die Tuk Tuk Fahrer auf dem Weg zur Arbeit kennen einen schon.


Geld

In Indien zahlt man mit Rupien. Andere Währungen werden nicht akzeptiert, allerdings ist es am Flughafen und im Zentrum von Kalkutta sehr leicht Geld zu einem einigermaßen vernünftigen Wechselkurs umzutauschen. Manchmal geht das sogar in der Indoor Klinik. Rupien dürfen nicht nach Indien eingeführt werden, weshalb ich etwas Bargeld mitgenommen habe und das Geld für die ersten Tage und die 160 Euro Projektgebühr am Flughafen in Kalkutta gewechselt habe. Danach habe ich meine Kreditkarte (Visa Vision) benutzt und in der Nähe des Guesthouse oder der Indoor Klinik Geld abgehoben. Ab und zu funktionieren einige Karten nicht, deshalb ist es sinnvoll eine Alternative zu haben. Die Lebenskosten und Preise für Kleidung und Lebensmittel sind wirklich niedrig. Allerdings darf man auch nicht unterschätzen, dass sich auch viele kleine Beträge relativ schnell aufsummieren, insbesondere wenn man noch verreisen will. Ich habe insgesamt zwischen 400 und 500 Euro ausgegeben, aber ich bin auch an zwei Wochenenden in Varanasi und Darjeeling unterwegs gewesen und habe viele Souvenirs für Freunde und Familie besorgt.

Sprache

In Kalkutta wird hauptsächlich Bengali gesprochen. In der ersten Woche bekommt ihr jeden Abend etwas Unterricht und fast überall in den Kliniken hängen Poster mit den wichtigsten Wörtern und Sätzen im Umgang mit den Patienten. Allerdings ist es wirklich schwer das alles zu behalten, weil sich die Sprache wirklich von allem unterscheidet was wir kennen. Trotzdem macht es Spaß immerhin die absoluten Basics zu lernen, da sich das Personal und die Patienten unglaublich freuen, wenn man sie auf Bengali anspricht. Ansonsten kann man aber auch immer mit Händen und Füßen kommunizieren und ein freundliches Lächeln kann auch nie schaden. Mit der Zeit werdet ihr auch herausfinden wie das indische Kopfnicken funktioniert, das ist nämlich eine kleine Wissenschaft für sich. Die Angestellten in der Indoor Klinik sprechen größtenteils Englisch, einige besser, einige weniger gut aber man kommt immer klar. Und unter den Volunteers wird Englisch gesprochen, außer es sind mal wieder zu viele Italiener dort, dann bekommt man einen kostenlosen Italienisch Sprachkurs.

Verkehrsbindungen

Es ist relativ einfach im Gastland zu reisen, vorausgesetzt ihr seid genug Volunteers, um ein Wochenende freinehmen zu dürfen. Es gibt um die Ecke von der Tegharia Outdoor Klinik ein Reisezentrum, das gute Tickets verkauft. Ansonsten könnt ihr euer Glück auch auf der Park Street versuchen, in der Nähe vom Sunshine Shop. Es ist absolut kein Problem mit dem Nachtzug zu fahren. Man kann zu günstigen Preisen die Klasse 3AC buchen. Wenn ihr eins der mittleren oder oberen Betten erwischt bekommt ihr besseren Schlaf als im Guesthouse. Ihr solltet nur an warme Kleidung denken, denn die Klimaanlage kann tödlich sein.
Innerhalb von Kalkutta nutzt ihr die Metro. Am Anfang des Monats könnt ihr eine Metrocard mit ca. 400 Rupien aufladen und dann den ganzen Monat überall hin fahren. Das ist praktisch für den Arbeitsweg aber auch um am Wochenende ins Stadtzentrum zu fahren. Außerdem gibt es überall Tuk Tuks. Sobald ihr herausgefunden habt wo die Haltestellen sind ist dies fast die billigste Art und Weise von einem Ort zum anderen zu kommen. Solltet ihr abends die Metro einmal nicht erwischen oder müsst ihr zum Bahnhof oder Flughafen haben wir immer die Uber App genutzt, um ein sicheres Taxi zu bestellen. Das funktioniert hervorragend und kostet gar nicht so viel, wenn man sich die Fahrt teilt.

Kommunikation

Gleich am ersten Tag haben mir die alten Volunteers auf dem Weg zur Indoor Klinik den Sim Card Shop gezeigt. Ein sehr netter Typ verkauft dort fraglich legal Simkarten und Tarife für einen Monat. Ich habe ca. 400 Rupien gezahlt und hatte den ganzen Monat genügend Internet und konnte kostenlos innerhalb von Indien telefonieren. Es ist also ganz einfach über Whats App Kontakt mit den anderen Volunteers und Freunden und Familie zu halten. In der Indoor Klinik gibt es auch WLAN, allerdings funktioniert das nicht immer ganz zuverlässig.

Unterkunft

Alle Volunteers des IIMC wohnen gemeinsam im Guesthouse, das in einem Mittelklasse Viertel ca. eine Stunde entfernt von der Indoor Klinik steht. Wenn man sich vom Flughafen abholen lässt, wird man vom Fahrer direkt dorthin gebracht. Am Anfang erleidet man einen leichten Schock wenn man die Betten und das Badezimmer sieht aber spätestens nach ein paar Tagen fühlt ihr euch dort echt wohl und werdet dankbar für Kleinigkeiten sein. Es gibt eine große Küche mit Herd, Kühlschrank, Toaster und Wasserkocher und direkt um die Ecke ist ein kleiner Laden an dem man alles Notwendige besorgen kann. Im Guesthouse gibt es abgepacktes Mineralwasser und Toilettenpapier, sodass ihr euch einfach in eine Liste eintragen könnt und am Ende eures Aufenthaltes dafür bezahlt. Wir haben uns in der Gruppe darauf geeinigt einmal in der Woche alle gemeinsam zu putzen und ihr müsst vorsichtig mit euren Lebensmitteln sein, sonst kommen Ratten aber wenn man ein paar einfache Hygieneregeln einhält wird alles gut. Die Dachterrasse wird bald euer Lieblingsort werden, an dem man Schokoladentorte von Amore Mio isst, ein Bierchen trinkt oder einfach zusammensitzt. Ich habe ein Kissen, mein Moskitonetz und meinen Hüttenschlafsack mitgenommen. Am ersten Tag habe ich mir dann ein indisches Bettlaken im IIMC Shop besorgt. Allerdings wäre dies nicht unbedingt notwendig gewesen, insbesondere Moskitonetze sind vor Ort schon vorhanden.

Literatur

Vorher habe ich nur den Acceptance Letter und den Lonely Planet India gelesen. Außerdem kann man vielleicht mal auf der IIMC Website vorbeischauen. Ansonsten kann man Bücher ganz einfach auf der Park Street oder der College Street besorgen. Viele von uns haben Shantaram, City of Joy oder One Indian Girl gelesen. Spezielle medizinische Literatur habe ich mir nicht besorgt. Wenn ihr das möchtet solltet ihr euch ein gutes Dermatologie Buch anschaffen, denn die meisten Patienten leiden unter Pilzinfektionen oder anderen Hautkrankheiten.

Mitzunehmen

Ich habe circa fünf einfache T Shirts und zwei weite Stoffhosen mitgenommen. Den Rest kann man sich ganz einfach und günstig vor Ort besorgen. Ansonsten sind die meisten von uns in Sandalen oder Flip Flops herumgelaufen und hatten ein paar Turnschuhe für Reisen mit. Ansonsten braucht ihr eure Reiseapotheke, die wichtigsten Hygieneartikel, euer Stethoskop, eine Packung Handschuhe und viel Händedesinfektionsmittel. Auch Moskitospray und Moskitonetz solltet ihr auf keinen Fall vergessen, sonst werdet ihr es mit Sicherheit bereuen. Es ist sinnvoll ein Kissen und eine dünne Decke mitzubringen wenn ihr dann besser schlafen könnt. Solltet ihr Obst und Gemüse essen wollen, nehmt am besten auch Desinfektionsmittel für Lebensmittel mit. Eine Powerbank und ein Adapter für die Steckdose können auch nicht schaden. Ab und zu kommt es zu Stromausfällen. Alles andere findet ihr vor Ort oder könnt es ganz einfach besorgen. Außerdem gibt es ja auch immer die anderen Volunteers, die man um Hilfe bitten kann.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief bei mir total problemlos. Ich bin mit Emirates von Hamburg über Dubai nach Kalkutta geflogen. Ich weiß von anderen, dass sie auch günstigere Flüge gefunden haben, die allerdings einen weiteren Zwischenstopp in Delhi machen. Nach der Ankunft benötigt man etwas Zeit für das Wechseln des Geldes und die Einreise. Wenn ihr wie im Acceptance Letter angegeben Bescheid gesagt habt, wann ihr ankommt wird draußen ein Fahrer des IIMC auf euch warten und euch zum Guesthouse bringen. Ich habe dort nur kurz meinen Rucksack abgeladen und bin direkt ins Projekt gestartet, aber keiner wird euch einen Vorwurf machen wenn ihr eine kleine Pause braucht. Dann lauft ihr erstmal den anderen Volunteers vom letzten Monat hinterher und lasst euch alles zeigen. Ihr werdet eine kleine Führung durch die Indoor Klinik erhalten und mit der Zeit alle wichtigen Leute kennenlernen. Macht euch keine Gedanken, man findet alles Wichtige sehr schnell heraus, auch wenn am Anfang alles wie ein einziges großes Chaos wirkt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Es ist gar nicht so einfach das Projekt kurz zusammenzufassen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Facetten und es ist möglich sich seinen eigenen Schwerpunkt zu suchen. Im Projekt gibt es die Indoor Klinik und vier Outdoor Kliniken. In der Indoor Klinik gibt es ca. 20 Betten und es werden besonders schwer betroffene Patientinnen und ihre Kinder behandelt. Die meisten von ihnen leiden unter infektiösen Hautkrankheiten. Morgens um 11 Uhr findet dort das „Dressing“ statt, also die Reinigung der Haut und die Versorgung mit unterschiedlichen Salben. Am Nachmittag wird dann nach Erhebung von Blutdruck, Puls, Temperatur und Atemfrequenz eine kurze Visite durchgeführt. Wenn ihr Zeit habt nehmt daran teil, viele der Ärzte erklären wirklich gut und ihr könnt Fragen zu den Krankheiten stellen. Ansonsten steht es euch jederzeit frei die Patientinnen zu besuchen, Zeit mit ihnen zu verbringen oder kleine Präventionsprojekte mit ihnen zu starten. Die Outdoor Kliniken sind ambulante Kliniken in unterschiedlichen Regionen rund um Kalkutta. Dort wird eine ambulante Basisversorgung durchgeführt. Es gibt Zahnärzte, Hautärzte, Gynäkologen, Allgemeinmediziner, ein Röntgengerät, eine Einheit für unterernährte Säuglinge und Kinder, sowie eine Apotheke. Grundsätzlich sind die Volunteers dort ebenfalls für das Dressing, die Blutdruckmessung und die Injektion von Tetanusimpfungen, Schmerzmitteln und Vitaminen zuständig. Wenn ihr genügend Leute seid könnt ihr euch auch aufteilen und mit den Ärzten mitlaufen. Zusätzlich zu den Kliniken gibt es noch das „Women’s Peace Council“, das „Network Program“ und das „Microcredit Program“. Am Anfang des Monats erhaltet ihr eine Übersicht über deren Veranstaltungen während des Monats. Das „Women’s Peace Council“ besucht Dörfer rund um Kalkutta. Dort haben sich Frauengruppen gegründet, die gemeinsam die Zeitung lesen, Probleme aus dem Dorf besprechen und versuchen diese gemeinsam in der großen Gruppe zu lösen. Zwei Frauen aus jeder Gruppe werden außerdem zu sogenannten „Health Workern“ ausgebildet und erlernen Blutdruckmessung und medizinisches Basiswissen. Sie kooperieren mit den Kliniken und schicken Kranke aus ihrem Dorf dorthin. Das Network Progam kümmert sich hauptsächlich um Präventionsaktionen. Häufig fährt man mit ihnen in Camps, wo pädiatrische oder geriatrische Assessments durchgeführt werden und im Anschluss von den Volunteers Vorträge über Basishygiene, Händewaschen und Zähneputzen gehalten werden. Natürlich werden im Anschluss auch Zahnbürsten und Seifen verteilt. Das Microcredit Programm ist ein System, das es Frauen aus den Dörfern rund um Kalkutta ermöglicht ein eigenes kleines Unternehmen aufzubauen und ihr eigenes Geld zu verdienen. Ihr solltet unbedingt mit Alim, dem Leiter dieses Projektes mitfahren, er wird euch alles im Detail erklären und ihr bekommt eine tolle Tour auf seinem Motorrad gratis dazu.
Rund um die Indoor Klinik gibt es außerdem das „Daycare Centre“, ein kleiner Kindergarten – die Kinder dort freuen sich immer über euren Besuch. Ihr könnt mit ihnen malen oder ihnen neue Spiele beibringen. Außerdem lohnt es sich immer die Kinder im „Handicap Centre“ zu besuchen. Dort wohnen Waisen und Kinder mit überwiegend körperlichen Behinderungen. Sie malen und tanzen mit euch, zeigen euch ihre Schulprojekte, wollen hunderte von Selfies machen oder einfach mit euch reden. Und Sohan freut sich immer über eine Möglichkeit aus seinem Rollstuhl herauszukommen und eine Runde mit euch zu laufen.
In einer Woche fahrt ihr von Mittwoch bis Samstag in einer kleineren Gruppe nach Dakhi. Das ist ein ca. drei Autostunden von der Indoor Klinik entfernte Dorf an der Grenze zu den Sundarbans. Auch dort helft ihr in der Outdoor Klinik und besucht viele Schulen. Abgesehen davon ist es dort aber wie ein kleiner Urlaub und sehr erholsam nach dem vollen und lauten Kalkutta. Ihr kocht indisches Essen, beobachtet die Sterne von der Dachterrasse und fahrt mit dem Boot zu einer kleinen Insel. Ich bin sicher, ihr werdet dort eine super Zeit haben.
Zusätzlich zu diesen geplanten Aktivitäten werdet ihr immer ermutigt eure eigenen Projekte zu starten oder Projekte vorheriger Volunteergruppen fortzuführen. Beispielsweise gibt es ein Projekt, das selbstgenähte Binden an Mädchen in den Schulen verteilt. Ein anderes Projekt bringt Kindern das Zähneputzen bei. Nutzt am Anfang des Monats gerne den Google Drive, dort sind alle Projekte und Materialien zusammengefasst, sodass ihr nicht ganz von vorne beginnen müsst.
Erwartet nicht, dass ihr wahnsinnig viel neues medizinisches Wissen mitnehmt. Viel mehr lernt ihr eine andere Kultur, eine neue Sprache und viele wahnsinnig nette Leute kennen, die sich wirklich über alles freuen was ihr tut. Auch wenn sich der offizielle Plan ständig ändert und zwischendurch alles chaotisch zu sein scheint, wenn ihr motiviert seid und euch eure eigenen Projekte sucht werdet ihr die ganze Zeit beschäftigt sein.

Land und Leute

Die Sonntage im Projekt sind immer frei. Daher bietet es sich dort an Kalkutta zu erkunden. Wir sind meist in der Gruppe losgezogen. Die typischen Ziele sind der Flower Market (dort müsst ihr wirklich früh am Morgen sein, sonst lohnt es sich nicht!), die Howrah Bridge, die vielen Moscheen und Tempel, das Victoria Memorial und die St. Pauls Cathedral, die College Street mit ihren Second Hand Buchläden, der Kalighat Tempel und die Park Street. Obwohl Kalkutta nicht ausgesprochen touristisch ist, gibt es doch viel zu entdecken.
An meinem freien Wochenende bin ich mit einer Gruppe von vier Leuten nach Darjeeling gereist. Dort haben wir einen Guide gemietet, der uns vor Ort immer begleitet hat (sehr zu empfehlen!). Natürlich haben wir die Teeplantagen und das tibetische Zentrum besucht, haben Schals gekauft und sind einen Tag wandern gegangen (inklusive einer Übernachtung auf einer Hütte in Nepal). An einem der freien Sonntage bin ich außerdem mit dem Nachtzug nach Varanasi gefahren. Die Stadt ist sogar noch schmutziger, voller und lauter als Kalkutta aber hat ihren ganz eigenen Charme und die abendliche Zeremonie am Ganges ist wirklich einen Besuch wert. Andere mögliche Reiseziele sind die Sundarbans und wenn man eine lange Reise nicht scheut ist es auch möglich nach Delhi zu fliegen. Schaut einfach mal in die "Bibel" im Guesthouse. Dort verewigen sich alle alten Volunteers mit ihren Tipps.
Die indische Bevölkerung ist mir immer sehr freundlich und hilfsbereit begegnet. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt und war am Ende sogar teilweise alleine in der Stadt unterwegs. Natürlich wird man angestarrt und auf Selfies angesprochen, aber dazu findet man schnell eine Einstellung. Dennoch ist man anfangs teilweise geschockt von den sehr schlichten Lebensumständen der Menschen, den Slums und den Bettlern, dem fehlenden Abwassersystem, den hungernden Kindern und dem Alkoholproblem unter den Männern. Dazu kommen am Anfang die Hitze und die Hohe Luftfeuchtigkeit sowie der ständig vorhandene Schlafmangel. Also es wird kein Spaziergang aber alle Volunteers sind am Ende traurig die Stadt und die vielen neuen Freundschaften hinter sich zu lassen. Mit der Zeit wird man wesentlich dankbarer für die kleinen Dinge und entdeckt Schönheit in Sachen, die man vorher nicht wahrgenommen hat. Und auch an das indische Essen gewöhnt man sich schnell. Falls ihr mal europäisches Essen braucht, geht zu Hakuna Matata in die Park Street, zu Mio Amore oder bestellt euch eine Pizza von Domino’s ins Guesthouse.

Fazit

Der Lieblingssatz von Dr. Sujiit ist: „Don’t have expectations, don’t complain and don’t ask questions.“ Ich finde das ist eine ziemlich gute Lebenseinstellung für den Monat in Indien. Habt nicht zu viele Vorstellungen und Erwartungen, denn es wird ohnehin anders kommen, was nicht bedeutet, dass es schlecht wird. Planungen und Termine könnt ihr in Indien vergessen, aber irgendwie funktioniert trotzdem alles. Ich habe nun ein indisches Patenkind im Projekt und möchte auf jeden Fall zurückkehren, um sie zu besuchen. Ich habe wahnsinnig viel aus diesem Monat mitnehmen können und kann mir durchaus vorstellen später in diesem oder einem ähnlichen Projekt zu arbeiten.

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