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Oman (SQU-MSG)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte gerne eine Famulatur in einem arabischen Land machen, um die Gesundheitsversorgung und den Umgang mit arabischen Patienten kennen zu lernen.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich Amboss zum entsprechenden Fachbereich nochmal gelesen und bisschen über die Kultur im Oman. Ansonsten habe ich mich nicht speziell vorbereitet, außer dass ich mir einen Führer zu Oman gekauft habe.

Visum

Das Visum kann man nur noch online beantragen (https://www.rop.gov.om/english/index.html). Man braucht ein Tourist Visum für 30 Tage. Dazu lädt man eine Kopie des Reisepasses und ein Passbild hoch. Das Visum kostet 20 OMR und ist innerhalb von einem Tag bestätigt worden. Man kann das Visum frühestens einen Monat zuvor beantragen. Außerdem kann es verlängert werden um weitere 30 Tage.

Gesundheit

Es gibt keine speziellen Impfungen, die man haben müsste. Ansonsten habe ich eine Reisekrankenversicherung über den MarburgerBund abgeschlossen, diese ist für Studenten kostenlos. Ich habe mir eine kleine Reiseapotheke mitgenommen, du bekommst aber auch alles hier. Zudem kann man im Krankheitsfall die student clinic besuchen nur 10 min vom Hauptgebäude entfernt, hier bekommt man auch Medikamente.

Sicherheit

Oman ist ein äußerst sicheres Land, im Weltweiten Vergleich liegt das Land weit vorne. Man kann sich zu jeder Tages Zeit frei bewegen. Es ist auch kein Problem per Anhalter zu einem Ort zu fahren. Politisch ist das Land ebenfalls sehr stabil, es gibt keine Proteste oder Streiks.

Geld

Man kann überall am ATM- Geldautomaten mit Kreditkarte Geld abheben, was je nach Kartentyp die billigste Variante ist. Es gibt auch genug Wechselstuben, wobei man hier auf den Tages Kurs achten sollte. Die Preise in Restaurants, für Taxis und Benzin sind eher niedriger als in Deutschland. Wohingegen Kleidung teurer ist. Auf den Märkten muss man außerdem über den Preis oft verhandeln, da es keine Preisschilder gibt.

Sprache

Die Amtssprache ist Arabisch. Im Krankenhaus wird aber hauptsächlich Englisch gesprochen. Allein die Kommunikation mit Patienten gestaltet sich schwierig, da die meisten kein Englisch können. Aber es wird immer alles übersetzt. Im Alltag findet man immer jemanden, der Englisch kann.

Verkehrsbindungen

Ich wurde vom Flughafen von meiner Kontaktperson abgeholt. Auch sonst ist man auf Autos angewiesen. Wobei auch Hitch Hiking eine sichere und gute Option ist. Niemand läuft hier zu Fuß, dazu ist es Im Sommer einfach zu heiß. Es gibt auch Busse die sehr günstig sind und mittlerweile durch die ganze Stadt verbinden. Das System wird immer weiter ausgebaut. Und man kann natürlich auch ein Taxi nehmen, wobei man hier vor Abfahrt über den Preis verhandeln muss. Bzw. gibt es verschiedene Apps, die den Preis im Vorhinein festlegen und damit einen sehr fairen Preis bieten.

Kommunikation

Ich habe mir noch am Flughafen eine Omantel SIM Karte gekauft und war damit sehr zufrieden. An jedem Supermarkt bekommt man Codes zum Aufladen der SIM Karte. Aber auch in der Unterkunft gab es sehr gut funktionierendes WLAN. Im Krankenhaus kann man nach einem Passwort für das WLAN fragen. Schwierig wird es mit What´s App anrufen, dazu muss man sich VPN runter laden. Ansonsten kann man kostenlos die App google duo herunter laden, diese ist allerdings nur mit Smartphones kompatibel.

Unterkunft

Ich war in einem Studentenwohnheim untergebracht, 1,6 km vom Krankenhaus entfernt. Ich hatte ein großes Zimmer mit Bett, Schreibtisch, Schrank und kleinem Kühlschrank. In meinem Apartment gab es eine Küche, ein Bad und eine Waschmaschine, die ich mit meiner Mitbewohnerin geteilt habe. Es gab auch zwei Gemeinschaftsräume. In der Nähe befindet sich ein kleiner Supermarkt, ein ATM und mehrere kleine Restaurants.

Literatur

Ich hab mir Amboss, die englische Version runtergeladen. Es gibt allerdings auch eine gute Bibliothek vor Ort. Für Oman habe ich mir einen Reiseführer (Reise Know How) besorgt und die Google Maps Karte heruntergeladen. Hier erhält man einen guten Überblick über Land und Leute.

Mitzunehmen

Dünne lange Hose/ Rock, Schal, T-Shirts, die die Schultern bedecken, Sonnenbrille, Sonnencreme (ist hier sehr teuer), Badeschuhe, warme Sachen für die Berge, es kann extrem kalt werden, einen Schlafsack (ebenfalls für die Berge zum Campen), Adapter.

Reise und Ankunft

Ich bin von München aus mit Oman Air direkt nach Maskat geflogen. Die Einreise ging sehr schnell und unkompliziert. Am Flughafen wurde ich abgeholt und nach 20 min Autofahrt waren wir an der Unterkunft. Hier bekam ich den Zimmerschlüssel und Unterschrieb eine Bestätigung für die Wohnung, man musste eine Kaution für die Wohnung hinterlegen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Zu beachten ist, dass die Woche am Sonntag beginnt und Donnerstag endet. Freitag und Samstag sind frei. Auch kann es passieren, wie an meinem ersten Tag, dass plötzlich ein Feiertag ist. Diese hängen hier mit dem Mond zusammen.
Ich habe meine Famulatur in der Allgemein Chirurgie absolviert. Dabei war ich dem Trauma Team zugeteilt. Dieses hat neben Gastrointestinalen Operationen ebenfalls alle Notfälle abgedeckt.
Der Ablauf auf Station war sehr geregelt. Der Tag begann um 8 und endete gegen 4 Uhr. Die Station wurde von einem Facharzt geleitet, mehrere Assistenzärzte waren da und einige Interns. Das Internship wird nach dem Studium absolviert. Man wird bereits bezahlt, ist aber noch nicht in der Weiterbildung zum Facharzt. Das Medizin Studium an sich dauert hier sieben Jahre.
Am Sonntag und Montag konnte ich mit in die Outpatient Klinik. Hier wurden Patienten zur Kontrolle einbestellt oder neue Patienten stellten sich vor. Zumeist übernahm ein Facharzt den Dienst, aber auch den Interns war es möglich ein Sprechzimmer zu benutzen.
Am Dienstag und Donnerstag war OP Tag. Hier hatte man die Möglichkeit vor allem bei kleineren Eingriffen sich ein zu waschen, ansonsten war man immer willkommen zu zu sehen und Fragen zu stellen. Die Ärzte erklärten während der OP auch immer sehr ausführlich, was gerade gemacht wird, welche Risiken zu beachten sind und welche Alternativen es gäbe. Ich hatte auch die Möglichkeit die verschiedenen Techniken für Knoten und Nähen mit den Interns zu üben.
An jedem Tag gab es um 8 Uhr eine Morgenbesprechung, hier wurden die Neu Aufnahmen ausführlich besprochen und diskutiert was im weiteren Verlauf gemacht werden soll. Während der Besprechung wurden die Interns abgefragt zu dem jeweiligen Patienten. Montags gab es immer einen Case Report, mit anschließender Diskussion. Danach ging es zur Visite. Im Anschluss konnte ich bei der Evaluation und Aufnahme von Patienten helfen oder Patienten körperlich untersuchen. Nachmittags um 4 fand die Übergabe Visite statt. Danach konnte man nach Hause gehen.
Bei Notfällen konnte ich mit in den Schockraum und zusehen bzw. mithelfen anhand des Notfall Algorithmus den Patienten zu beurteilen. Hier war es etwas umständlich, dass die CT Spirale am anderen Ende der Klinik war und man so Zeit verlor. Ansonsten wurde der Algorithmus schnell abgewickelt.
Das Klinikum ist sehr auf Lehre ausgerichtet. So werden schon die Studenten auf den Stationen einbezogen indem Sie Patienten begleiten und vorstellen. Auch gibt es fast jeden Tag ein Bedside Teaching und Vorträge. Besonders spannend fand ich die Jeopadies. Dies war ein Wettbewerb für Assistenzärzte und Interns. Sie mussten in Teams Fragen in verschiedenen Kategorien beantworten.

Land und Leute

Die Leute sind sehr offen und hilfsbereit. Man wurde im Krankenhaus sofort willkommen geheißen und im Team herzlich aufgenommen. Die Ärzte waren sehr freundlichen und entspannt im Umgang mit Studenten. Man wurde dazu angeregt Fragen zu stellen und sich einzubringen. Auch außerhalb wurde man mal zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Die Intern kümmerten sich super lieb um einen und bestellten oft für die Station Mittagessen.
Die Kontakt Studenten kümmerten sich rührend um jedes Problem und hatten immer ein offenes Ohr für uns. Auch organisierten sie für uns Studenten ein spannendes und aufregendes Sozial Programm. Wir waren an einem Wochenende am Green Mountain campen und haben dort unter freiem Himmel geschlafen. In der Früh wachten wir zwischen Eseln und Schafen auf. Auf dem Rückweg haben wir noch in Nizwa den Souq und das Fort besucht. Am darauf folgenden Wochenende sind wir Richtung Sur gefahren. Auf dem Weg machten wir halt bei einer Sinkhole und nutzten diese für ein erfrischendes Bad. Weiter ging es zum Wadi Shab. Hier muss man etwas wandern um bis zu den Wasser Pools zu gelangen Aber es ist die Anstrengung absolut wert. Ein weiteres kühles Bad erwartet einen. Abends haben wir am Strand Schildkröten beobachtet. Übernachtet wurde wieder unter freiem Himmel am Strand. Auf dem Rückweg sind wir am Wadi Beni Khalid vorbei gefahren und haben auch hier gebadet. Wir waren auch in der Oper für ein Konzert und in der großen Moschee. Hier muss man als Frau Kopftuch tragen und lange Kleidung. Ebenfalls als Mann sollte man sich respektvoll anziehen.
Die Studenten waren immer sehr gastfreundlich und luden uns oft nach Hause zum Essen ein. Überhaupt stellt Essen einen wichtigen Teil der Kultur dar. Man trifft sich abends zum Barbecue am Strand neben dem Highway oder sonst wo. Praktisch überall kann man ein Barbecue oder Picknick veranstalten. Dass schöne in dem Land ist nämlich, man kann überall Campen.
Das Land biete sehr viel Abwechslung. Man hat viele tausend Kilometer Küste und kann sich hier seinen Lieblings Strand suchen. Dann gibt es Wadis (Flüsse) in denen man je nach Jahreszeit schwimmen kann. Und es gibt Berge, die einen an den Grand Canyon erinnern.
An das Wetter im September muss man sich gewöhnen. Es hat noch jeden Tag 36-40 Grad Celsius und kühlt nachts kaum ab. Außerdem wird es abends oft sehr schwül. Dennoch kann man am Abend gut draußen Zeit verbringen. Wenn man regen im Oman erlebt, sollte man sich glücklich schätzten, da es gerade in Maskat durchschnittlich nur dreimal im Jahr regnet. Dann ist allerdings alles in kürzester Zeit überschwemmt.

Fazit

Die Famulatur im Oman war eine absolut lohnenswerte Erfahrung. Ich habe sehr viel über Land und Leute gelernt. Und kann nun die Kultur und die Traditionen besser verstehen. Ich kann nur jedem empfehlen in Maskat eine Famulatur zu machen, man wird herzlich aufgenommen und kann sehr viel lernen und erleben.

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