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Sonstiges Projekt

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Seit einem Jahr ist Reisen ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Ich suche ständig nach neuen Geschichten, Orten und Menschen. Meine Sommerferien wollte ich auf keinen Fall nur in meiner Heimat verbringen. Ich wollte unbedingt einen Kontinent besuchen an dem ich noch nie war. Meine Entscheidung fiel auf Südamerika.

Vorbereitung

Über die bvmd habe ich im Internet erfahren. Die Idee, eine Reise mit einem Forschungsprojekt zu verbinden fand ich von Anfang an klasse. Anfang Mai habe ich mich um einen Restplatz für den Forschungsaustausch im August beworben. Die Koordinator*innen waren immer gut telefonisch oder per Email erreichbar, sodass die Vorbereitung problemlos verlief. Für die Bewerbung musste ich viele Dokumente hochladen. Es war ziemlich kompliziert alle Unterlagen zu besorgen, aber ich habe es geschafft und es hat zum Glück alles gut geklappt. Ich habe keine speziellen Kurse oder Vorbereitungsseminare besucht.

Visum

Für die Einreise und den Aufenthalt in Argentinien von bis zu 90 Tagen als Tourist braucht man kein Visum. Das war eine große Erleichterung für mich, da ich mich ziemlich spät beworben habe und mir nicht sicher war, ob ich genügend Zeit für die Beantragung des Visums gehabt hätte.

Gesundheit

Bevor ich ins Ausland konnte, musste ich meine Impfungen auffrischen. Ich habe mir ein internationales Impfbuch besorgt. Zusätzlich muss man für den Forschungsprojekt in Argentinien noch einen Tuberkulose-Test durchführen. Eine Auslandsreisekrankenversicherung war auch eine Voraussetzung für den Austausch.

Sicherheit

In Argentinien sollte man insbesondere in großen Städten, gerade Abends in der Gruppe unterwegs sein und das Taxi wählen. Auf das Gepäck und auf die Geldbörse musste ich viel aufpassen, da z.B. die Smartphones oft gestohlen werden. Man sollte Bargeld nur in geringen Mengen mit sich führen und Wertgegenstände nicht offen tragen. Insgesamt habe ich mich sicher in Argentinien gefühlt.

Geld

Die Währung Argentiniens ist der Peso Argentino. Während meines Aufenthalts schwankte der Kurs sehr stark. Ein Euro entspricht etwa 62 argentinischen Pesos. Ich habe Euro in Argentinische Pesos vor Ort getauscht. Es ist allerdings zu beachten, dass man das Geld meist nur in größeren Städten tauschen konnte. Die Preise in Argentinien sind im Vergleich zu Deutschland ziemlich niedrig. In der Cafeteria konnte man sehr günstig Mittag essen.

Sprache

In Argentinien wird fast ausschließlich Spanisch gesprochen. Das argentinische Spanisch unterscheidet sich stark vom europäischen Spanisch. Englisch wird hauptsächlich von Jugendlichen gesprochen.
Argentinier sind alle sehr herzlich und probierten ( auch wenn sie nur wenig Englisch
sprachen) mit mir zu kommunizieren. Vor meinem Ausflug konnte ich nur die wichtigsten spanischen Wörter. Ich habe eine App für Sprachen lernen installiert. Kurz vor der Abreise besorgte ich mir noch ein Wörterbuch.

Verkehrsbindungen

Da ich mich um einen Restplatz beworben habe und die Zusage recht knapp vor der Abreise kam, habe ich die Flüge von Deutschland nach Argentinien relativ spät gebucht. Aus diesem Grund war der Preis ziemlich hoch. Es gibt leider keinen direkten Flug von Berlin nach Tucumán. Zuerst bin ich nach Madrid geflogen, dann von Madrid nach Buenos Aires und schließlich von Buenos Aires nach Tucumán. Die ganze Reise dauerte etwa 20 Stunden.


Kommunikation

Schon vor Ort habe ich eine lokale SIM Karte gekauft, um andere Studierende zu erreichen. In Argentinien nutzten Jugendliche fast ausschließlich WhatsApp. Um 30 Tage WhatsApp nutzen zu können habe ich ca. 300 Pesos bezahlt. Mit meiner Familie und mit Freunden aus Deutschland habe ich auch über WhatsApp kommuniziert. Meine Gastfamilie hatte Internet im ganzen Haus.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde von der IFMSA organisiert. Ich wohnte bei einer sehr freundlichen Familie. Sofia und ihre Eltern hatten ein schönes, großes Haus mit Garten in Tucumán. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.

Literatur

Vor dem Austausch habe ich zahlreiche Internetseiten und Blogs besucht. Ich habe viel über Argentinien (vor allem über Kultur, Essen und Geschichte) gelesen. Darüber hinaus informierte ich mich über die Highlights, die Top Sehenswürdigkeiten in Argentinien die man unbedingt gesehen haben muss. Nachdem mir ein Projekt zugeteilt worden war, recherchierte ich im Internet zu meinem Thema.

Mitzunehmen

Beim Koffer packen muss man daran denken, dass in Argentinien im Vergleich zu Europa entgegengesetzte Jahreszeiten herrschen. Wenn in Europa Sommer ist, ist in Argentinien Winter. Mitte August war es also viel kälter als bei uns. Ich habe also hauptsächlich Winterklamotten gepackt. Es lohnt sich jedoch auch ein paar Sommerklamotten mitzunehmen, da das Wetter sich ziemlich schnell ändern kann. Außerdem sollte ich noch meinen weißen Laborkittel, Gummi- Handschuhe und Schutzbrille mitnehmen.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief glatt und ohne Probleme. Nach über 20 Stunden unterwegs war ich sehr müde aber natürlich auch sehr gespannt meine Gastfamilie kennenzulernen. Sofias Mutter hat mich am Flughafen abgeholt. Am nächsten Tag habe ich mich im Labor vorgestellt und meine Tutoren für den nächsten Monat kennengelernt. Alle haben sich über meine Ankunft gefreut und mich herzlich willkommen geheißen. Der Jetlag war zum Glück nach wenigen Tagen wieder weg.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Der erste Tag war sehr entspannt. Ich konnte ausschlafen und mich nach der Reise erholen. Am Vormittag ging ich mit meiner Kontaktperson zur Uni. Dort wurde mir das Gebäude gezeigt und anschließend erfuhr ich mehr über mein Projekt und meine Aufgaben für nächsten Monat.
Innerhalb der Woche war ich jeden Tag im Labor. Ich durfte meistens den Laboranten beim Arbeiten zusehen, durfte jedoch auch viel selber machen. Dienstags gingen wir immer ins Krankenhaus, wo wir die Effekte der Therapie mit Lactobacillus plantarum bei Patienten sehen konnten. Die meisten Patienten, die von uns untersucht wurden, hatten einen Typ-2-Diabetes und ein diabetisches Fußsyndrom. Wir haben geforscht, ob Lactobacillus plantarum die Wundheilung beschleunigt. Ab­schlie­ßend wurden Wundabstriche durchgeführt, die wir später im Labor untersucht haben.
Die Unterrichtszeiten waren sehr flexibel. An einigen Tagen musste ich früh aufstehen und verbrachte 6 Stunden im Labor, an anderen Tagen fing der Unterricht erst um 11 Uhr an.

Während meines Aufenthalts habe ich das medizinische System in Argentinien besser kennengelernt. Die öffentliche Krankenhäuser sind oft nicht ausreichend ausgestattet und viele Hygienemaßnahmen werden nicht beachtet. Desinfektionsmittel und Einmal-Handschuhe wurden nur selten benutzt. Ich habe keine Einzelzimmer für Patienten gesehen – oft lagen mehr als 6 Patienten in einem Zimmer. Ich habe gesehen, dass manche Patienten das Glas mit anderen Kranken teilten, was ich unhygienisch finde.

Während des Austausches konnte ich auch mehrere unterschiedliche Labore besichtigen. Sie unterscheiden sich stark voneinander. Zwei Labore waren umfangreich und sehr modern ausgestattet. Andere hatten eher ältere Geräte.

Es hat mich sehr interessiert, wie ein Medizinstudium in Argentinien aussieht. Ich habe vor Ort erfahren, dass das Medizinstudium dort mit dem deutschen vergleichbar ist und ebenfalls sechs Jahre dauert. Es gibt viel mehr Bewerber als Studienplätze. Es ist üblich, dass man sofort nach dem Abi kein Studienplatz bekommt und man die Examina wiederholen muss. Viele Jugendliche besuchen dann spezielle Prüfungsvorbereitungskurse. Die Examina prüfen vor allem Mathematik-, Biologie-, und Chemiekenntnisse. Anders als bei uns dauert das akademische Jahr von März bis Dezember. Humanmedizin kann man sowohl an den staatlichen, als auch privaten Universitäten studieren. Private Universitäten sind in Argentinien in einem viel besseren Zustand, als die staatlichen. Das Studium an einer privaten Hochschule können sich jedoch nur wenige leisten.

Land und Leute

Jedes Wochenende war ich zusammen mit sieben anderen Incomings unterwegs. Wir haben unter anderem Cafayate, Purmamarca, Humahuaca, Tilcara, Tafi del Valle, Salta, Jujuy und Ruinas de Quilmes besucht. Cerro de Siete Colores (siebenfarbige Berge) und Salinas Grandes haben mir am meisten gefallen. In Jujuy haben wir zwei Autos gemietet, um eine ganztägige Tour nach Salinas Grandes, Cerro de Siete Colores und Purmamarca zu machen. Das war eine gute Idee, denn die Busse fahren nur sehr selten nach Salinas. Auf dem Weg nach Salinas haben wir oft Zwischenstopps gemacht und die tolle Aussicht bewundert. In Purmamarca, Tilcara und Humahuaca gibt es viele bunte Straßenmärkte, wo man günstig regionale Produkte und Souvenirs kaufen kann. An den Wochenenden haben wir meistens in Hostels oder in Hosterías (in Gasthäusern) übernachtet. Die Zimmer haben wir nie im Voraus gebucht, sondern erst vor Ort. Manchmal mussten wir sehr lange suchen und fragen, da alle Zimmer bereits ausgebucht waren, oder es gab keinen Platz mehr für 8 Personen. Ich habe einen Tipp für euch - vor dem Bezahlen sollte man sich das Zimmer ansehen. Oft waren wir nach langen Suchen sehr müde und haben die Zimmer im Hotel sofort bezahlt. Nicht selten waren wir dann enttäuscht. Dennoch waren unsere Wochenendausflüge ein echtes, unvergessliches Abenteuer!
Schon am ersten Tag habe ich den Eindruck bekommen, dass die Argentinier immer nett und gastfreundlich zu seinen Mitmenschen sind. Sie haben sich immer bemüht zu verstehen, was ich sagen wollte, obwohl meine Spanischkenntnisse am Anfang schlecht waren. Meine Gastgeber waren sehr lieb und ich fühlte mich wie zuhause. Wir haben viel zusammen unternommen und gingen abends ins Restaurant. Die Nachmittage verbrachten wir oft zusammen in dem Stadtzentrum. In Tucumán gibt es tolle Cafes, Kinos, Brauereien und „Parillas“ ( die Grillrestaurants), wo sich abends sehr viele Bewohner treffen. Für Argentinier, wie für alle Südamerikaner, hat das Essen einen großen Wert. In Argentinien herrschen andere Essgewohnheiten als in Deutschland. Das große Hauptgericht wird erst am Abend (oft erst um 22 Uhr oder später) gegessen und zelebriert. Die typischen Gerichte variieren viel von einer Region zur anderen, aber es gibt einige die im ganzen Land sehr beliebt sind. Dazu gehören: argentinische Empanadas, Locro, Tamal, Dulce la Leche, Humitas, Bombitas, Sándwich de milanesa und leckere Churros. Das beliebteste Getränk in Argentinien ist Mate. Der Geschmack dieses Getränks ist bitter, deshalb wird Mate meist mit viel Zucker gesüßt. Argentinier trinken Mate morgens und zur so genannten La Merienda ( = Nachmittagspause). Sie findet irgendwann zwischen 16 und 20 Uhr statt. In der Merienda essen die Argentinier meistens etwas Süßes – z.B Medialunas (Croissants).

Fazit

Ich bin sehr positiv überrascht, dass alles super geklappt hat. Die Organisation lief unkompliziert über bvmd und ifmsa. Mein Flug war ruhig, angenehm und absolut unproblematisch, obwohl ich zweimal umsteigen musste.
In 30 Tagen kann man bereits eine Menge von diesem riesigen Land kennenlernen. Trotzdem möchte ich Argentinien auf jeden Fall wieder besuchen. Ich habe mich dort wirklich sehr wohl gefühlt. Es war eine schöne Zeit, die ich niemals vergessen werde!

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