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Portugal (PorMSIC)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Schon zu Beginn des Studiums stand für mich fest, dass ich gerne viele Famulaturen im Ausland machen möchte, um verschiedene Gesundheitssysteme und verschiedene Kulturen kennenzulernen. Der Austausch in Portugal war dafür optimal geeignet, da ich Menschen aus verschiedensten Ländern kennenlernen konnte.

Vorbereitung

Die Vorbereitung auf meinen Aufenthalt gestaltete sich sehr simpel. Es waren noch ein paar Dokumente (wie Impfnachweis) einzureichen, aber diese waren einfach zu bekommen. Nachdem ich erfahren habe, dass ich einen Platz in Lissabon bekommen habe, musste ich nur noch meinen Flug buchen. Etwas Anderes gab es nicht mehr zu tun, da zum Beispiel die Unterkunft schon für uns organisiert wurde.

Visum

Es war für mich kein Visum notwendig (und ich habe von niemandem mitbekommen, dass es Schwierigkeiten gab).

Gesundheit

Ich musste vor meinem Aufenthalt eine Impfbescheinigung vorweisen, aber alle notwendigen Impfungen (sind nur die "Standardimpfungen") hatte ich bereits, sodass dies keinen Mehraufwand darstellte.

Sicherheit

Portugal gilt als eines der sichersten Länder der Welt, und genau diesen Eindruck hatte ich auch. Man kann bedenkenlos auch nachts durch die Stadt laufen, außerdem ist Uber/Bolt dort sehr günstig, falls man mal abends nicht mehr laufen will.

Geld

In Portugal kann man fast überall mit Kreditkarte bezahlen.
Die Preise sind durchschnittlich geringer als in Deutschland, vor allem für Lebensmittel und für öffentliche Verkehrsmittel. Zudem haben wir das Mittagessen im Krankenhaus gratis bekommen, sodass die Lebenshaltungskosten insgesamt gering waren.

Sprache

Da ich kein Portugiesisch kann, war ich sehr glücklich zu sehen, dass wirklich ein Großteil der Portugiesen (sehr gut) Englisch sprechen kann. Bei eigentlich allen OPs, bei denen ich war, haben mir die Ärzte alles auf Englisch erklärt, sodass ich auch während der Famulatur gut zurecht kam.

Verkehrsbindungen

Die U-Bahnen und Züge sind sehr günstig, aber nicht sehr zuverlässig. Man ist dies aber dort schon gewöhnt, sodass niemand einem böse ist, wenn man mal paar Stunden zu spät kommt. Die U-Bahnen fahren bis 1 Uhr, danach gibt es noch Busse.

Kommunikation

Die Contact Persons (CPs) haben uns SIM Karten verteilt (umsonst), vor allem für die Leute, die nicht aus Europa kamen, war das sehr praktisch. Ich habe weiterhin meine aus Deutschland verwendet, da Internet und Anrufe nichts zusätzlich kosten.

Unterkunft

Die CPs haben sich um unsere Unterkunft gekümmert. Wir wurden in "residences" untergebracht, also in Studentenwohnheimen. In jedem Wohnheim waren 5-10 Austauschstudenten untergebracht, sodass man immer jemanden in der Nähe hatte, den man kannte. Die Zimmer hat man sich zu zweit geteilt, sie waren ziemlich klein, aber für einen Monat absolut ok. Bettwäsche musste nicht mitgebracht werden, die gab es jede Woche frisch, und wir konnten die Küche benutzen. Alle Unterkünfte waren maximal 20 Minuten vom Krankenhaus entfernt.

Literatur

Ich habe mich auf den Aufenthalt nicht weiter vorbereitet. Ich glaube aber auch nicht, dass das notwendig ist. Die CPs haben für uns viele Ausflüge geplant. Zudem gab es am ersten Tag eine Einführung mit Informationen über das Land und die Geschichte.

Mitzunehmen

Für das Krankenhaus sollte man einen Kittel mitbringen.
Im Sommer sind Dinge für den Strand wirklich sehr wichtig, da man da mindestens ein Mal pro Woche ist.
Ansonsten hab ich keine speziellen Empfehlungen, wenn man etwas vergisst, kann man dort alles problemlos finden.

Reise und Ankunft

Ich bin nach Lissabon geflogen und wurde am Flughafen von CPs abgeholt, die uns zur Unterkunft gebracht haben.
Am nächsten Tag begann dann die Famulatur (also am 2. Juli) mit einer Einführung zu Portugal und dem Programm, und danach wurde ich von einem CPs zu der Station gebracht und vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Neurochirurgie gemacht.
Der erste Tag verlief für alle etwas chaotisch: In der Zeit gab es einen ziemlich großen Streik der Krankenschwestern und Ärzte, sodass viel Stationen kaum besetzt waren und OPs ausfielen. Im Sekretariat musste ich 2 Stunden (zum Glück zusammen mit einem CP der sich um alles gekümmert hat) warten, bis ich dann mitgeteilt bekommen hab, dass es an dem Tag eh keinen Sinn macht zu bleiben, sodass ich den Tag frei bekommen hab. Mein Tutor (also zuständige Arzt) hat sich aber viel Zeit genommen, schon mal zu erklären, wie der Tagesablauf ist, und was ich in den nächsten Wochen zu erwarten habe:
Der Tag begann immer um 8.30 Uhr mit einer Morgenbesprechung, die manchmal bis zu 2 Stunden dauern konnte. Da diese auf Portugiesisch war, hab ich nicht sehr viel lernen könnten, hatte aber für 2 Wochen das große Glück, dass noch eine Studentin aus Deutschland da war, die Portugiesisch konnte, und mir alles übersetzt und erklärt hat.
Danach ging es entweder zur Visite, in den OP, oder für manche Ärzte in die Ambulanz.
Bei der Visite war ich nur paar Mal am Anfang, da diese aber auch auf Portugiesisch war, nicht mehr ab der 2. Woche. In der Ambulanz war ich nie, weil man Tutor mir davon (aus sprachlichen Gründen) abgeraten hat.
Stattdessen war ich jeden Tag im OP, meist bis 12 oder 14 Uhr. Dort hat sich jeder Arzt wirklich viel Mühe gegeben, alles auf Englisch zu erklären, also die Diagnose des Patienten und den OP-Ablauf, und hat manchmal auch die OP pausiert und einen etwas näher an den OP-Tisch kommen lassen, um besser sehen zu können. Dabei ist anzumerken, dass wir meist 3-8 Studenten im OP waren, sodass die Sicht nicht immer optimal war, und sich auch die Schwestern teilweise über uns beschwert haben, einfach, weil wir zu viele waren. Mein Tutor hat mir auch in der ersten Woche angeboten, assistieren zu können, was aber leider nie geklappt hat, weil es nicht nur zu viele Studenten waren, sondern auch zu viele Ärzte (der 2. OP Raum für Neurochirurgie konnte nicht benutzt werden, weil es in der Zeit nicht genug Anästhesisten gab).
Man sollte sich bei einer Famulatur in Portugal darauf einstellen, dass alles etwas langsamer ist als man es gewöhnt ist. Wenn es also in der OP heißt, der Patient muss kurz ins MRT, dann kann man sich darauf einstellen, dass es bis zu einer Stunde dauern kann, bis das MRT besprochen wird.
Auch ist zu erwähnen, dass man in der Neurochirurgie ohne Sprachkenntnisse nichts wirklich machen kann. Meine komplette Famulatur bestand nur aus Zuschauen und Zuhören.
Dafür waren die OPs alle sehr spannend und die Fälle teilweise sehr außergewöhnlich, sodass ich die Famulatur insgesamt nicht bereue.

Land und Leute

Das Besondere an meiner Famulatur in Lissabon waren wirklich die tollen CPs, die sich unglaublich viel Mühe gegeben haben, dass wir eine gute Zeit haben und möglichst viel unternehmen. Dafür gab es einen festen Plan, der aus Aktivitäten jeden Tag bestand. Die Montage waren meist ohne festes Programm, aber man hat dennoch meist etwas zusammen unternommen.
Das Programm beinhaltete: Ein Welcome Meeting, bei dem der Ablauf des Austausches, aber auch die Geschichte und Kultur Portugals erklärt wurde; eine Stadtführung mit den bekanntesten Aussichtspunkten; ein Welcome Dinner (mit typisch portugiesischem Essen und Sangria); eine Fahrradtour zu einem Strand in der Nähe von Cascais; ein Tagesausflug nach Obidos; einen Surfkurs; einen Besuch eines Aquariums; Pub Crawl; Ajuda (ein Schloss in der Nähe von Lissabon); die Lx Factory; Monsanto; Fado Dinner, Coimbra und Gulbenkian. In der Nähe von Lissabon bietet es sich auch an, Sintra zu besuchen (mit mehreren Schlössern und Gärten, wofür man am Besten früh aufstehen, einen ganzen Tag einplanen, und vorher schon entscheiden, was man anschauen will, sollte).
Zudem konnte man sich für einen Wochenendausflug nach Porto anmelden, und hat dort auch eine Stadtführung, Bootstour und Weinprobe gemacht.
An einem der Wochenenden haben auch einige von uns einen Ausflug nach Lagos zusammen organisiert, das war also kein fester Bestandteil des Social Programms, machen aber wohl viele Gruppen, die einen Monat in Lissabon sind, da man mit dem Bus nur paar Stunden fährt.
Man hat also sehr viel außerhalb des Krankenhauses unternommen, und die CPs waren immer bereit und motiviert, uns noch mehr Tipps zu geben, wenn wir etwas außerhalb des Programms machen wollten.
Zudem hatte eines der Studentenwohnheime eine Dachterasse mit Blick auf Lissabon, auf der wir uns alle mehrere Abende getroffen haben.
Laut Aussagen von Portugiesen, mit denen wir gesprochen haben, ist die politische und wirtschaftliche Situation im Moment ziemlich stabil.
Es hab absolut keine Schwierigkeiten, mit allen Portugiesen zurechtzukommen, da alles sehr offen waren und steht bemüht waren, dass es uns gut geht und wir einen tollen Zeit haben. Wir hatten also immer jemanden da, der im Zweifelsfall helfen wollte und konnte.
Das Einzige, das mich und so einige andere gestört hat, war, dass man teilweise sehr lange auf die Gruppe warten musste und sich vieles zeitlich verschoben hat. Das lässt sich aber natürlich bei der Gruppengröße nicht vermeiden, aber man gewöhnt sich auch ziemlich schnell dran, sodass es einem irgendwann normal vorkommt.
Was mir auch sehr an dem Austausch gefallen hat, war, dass man Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt hat, und sich mit denen über verschiedenste Dinge reden konnte, sodass man nicht nur etwas über die portugiesische Kultur/Politik/Sichtweise, sondern auch sehr viele andere gelernt hat.

Fazit

Meine Erwartungen wurden insgesamt absolut erfüllt.
Auch wenn die sprachliche Barriere dazu geführt hat, dass ich nicht sehr viel im Krankenhaus machen konnte, habe ich sehr viel gelernt, und hatte einen perfekten Monat in Lissabon.

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