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Sonstiges Projekt

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
Anonym

Motivation

Meine Motivation ins Ausland zu gehen gründet, wie die der meisten anderen vermutlich auch, auf Fernweh. Die lange vorlesungsfreie Zeit zwischen den Semestern wollte ich nutzen, um ein neues Land mit seiner Kultur und seinen Leuten kennenzulernen. Ich entschied mich für einen Forschungsaustausch nach Malta, da ich dies für eine gute Gelegenheit hielt, um mir für mein weiteres Studium Laborkenntnisse anzueignen und etwas Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten zu sammeln. Malta bot sich für einen Austausch ins europäische Ausland besonders an, da Englisch dort neben Maltesisch die anerkannte Landessprache ist.

Vorbereitung

Durch einen Arbeitskreis meiner Universität habe ich von der Möglichkeit erfahren, einen Austausch über die bvmd zu machen. Bei einem Infotreffen wurde man dann umfangreich über die verschiedenen Austauschformen und den Bewerbungsablauf informiert. Zudem besuchte ich ein sogenanntes „Pre-Departure Training“ in Tübingen. Dieses soll helfen den Austausch vor verschiedenen Hintergründen zu reflektieren und sich auf eventuelle Schwierigkeiten vorzubereiten. Die Teilnahme kann ich sehr empfehlen, der Tag hat nicht nur auf den Austausch vorbereitet, sondern auch wirklich Spaß gemacht. Bezüglich der Formalitäten muss man sich auf etwas Aufwand einstellen, bei Fragen sind die Studierenden der bvmd allerdings sehr hilfsbereit.

Visum

Als deutscher Austauschstudent habe ich in Malta kein Visum benötigt.

Gesundheit

Von Seiten der MMSA (maltesische bvmd) wird bei einem Research Exchange ebenso wie bei einem Professional Exchange eine „Health-Form“ verlangt. Diese ist mit einigen Gesundheitsnachweisen verbunden, weshalb man sich frühzeitig um einen Arzttermin kümmern sollte, um die Nachweise rechtzeitig vorzulegen. Ich selbst bin für die Untersuchung zum Betriebsarzt meiner Universität gegangen. Da die Universität für den klinischen Studienabschnitt die meisten Untersuchungen selbst durchführen würde, konnten mit Ausnahme des Tuberkulose-Tests alle Kosten übernommen werden. Ansonsten musste man keine besonderen Vorkehrungen, wie z.B. Reiseimpfungen, treffen. Für eine kleine Reiseapotheke ist man im Krankheitsfall aber bestimmt dankbar.

Sicherheit

Vor dem Austausch sollte man sich um eine Auslandskrankenversicherung sowie eine Haftpflichtversicherung kümmern. Diese Versicherungen werden auch von Seiten der MMSA vorgeschrieben. Hinsichtlich der Sicherheit im Land hat Malta auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht, negative Erfahrungen habe ich in diesem Bereich nicht machen müssen.

Geld

Als Währung wird in Malta der Euro genutzt, was das Wechseln von Geld überflüssig macht. In vielen Geschäften ist zudem Kartenzahlung möglich, da dies aber nicht ausnahmslos gilt, ist es nützlich immer etwas Bargeld mit sich zu führen. Einige Banken verlangen Gebühren für das Abheben von Geld im Ausland. Deshalb kann es sinnvoll sein, bereits vor Reiseantritt Geld abzuheben. Das Preisniveau auf der Insel ist grundsätzlich ähnlich wie in Deutschland.

Sprache

Wie eingangs bereits erwähnt sind Maltesisch und Englisch die offiziellen Amtssprachen in Malta. Die meisten und vor allem jüngere Personen sprechen daher fließend Englisch, weshalb man keine besondere Vorbereitung hinsichtlich der Sprache benötigt. Ein paar Worte zu kennen hat dennoch selten geschadet. Das Lieblingswort der Malteser lautet „mela“, es wird sehr häufig verwendet und die Bedeutung reicht von „natürlich“ über „also …“ bis zum sarkastischen „nein“.

Verkehrsbindungen

Auf Malta ist der Bus Verkehrsmittel der Wahl. Ein für zwei Stunden gültiges Ticket kostet zwei Euro und kann beim Busfahrer gelöst werden. Günstiger sind Wochenkarten, die an bestimmten Verkaufsstellen für 21 Euro erworben werden können. Mit dem Bus erreicht man eigentlich alle Ziele auf der kleinen Insel ohne Probleme, die Routen und Abfahrtszeiten lassen sich in der Tallinja-App einsehen. Allerdings folgen die Busse nicht immer dem Fahrplan und wenn ein Bus voll ist, fährt er an einem vorbei, auch wenn man dem Busfahrer wie auf Malta üblich ein Handzeichen gibt. Als Alternative empfiehlt es sich zusätzlich die Bolt-App herunterzuladen. Damit kann man ein Taxi bestellen, das nach Strecke bezahlt wird.

Kommunikation

Um regelmäßigen Kontakt nach Hause haben zu können, habe ich eine EU-weit gültige Telefonie- und Internetflat genutzt. Dies hat ohne Probleme funktioniert, allerdings fallen auch sonst in der EU keine zusätzlichen Kosten für die Mobilfunknutzung an. Zudem gab es in der Wohnung, in welcher ich untergekommen bin, Wifi zur freien Nutzung. Dies galt allerdings nicht für alle Wohnungen, in denen Austauschstudenten untergebracht waren.

Unterkunft

Untergekommen bin ich während meines Auslandsaufenthalts in einer Wohngemeinschaft mit anderen Austauschstudierenden. Die Wohnform gemeinsam mit Studierenden aus unterschiedlichen Ländern hat mir sehr gut gefallen und zum Austausch untereinander beigetragen. Organisiert wurde die Unterkunft von der MMSA und das große Plus war die unmittelbare Nähe zur Universität. Daneben hatte die Wohnung ein paar Makel. Zum Beispiel gab es kein warmes Wasser und bei einer der beiden Toiletten funktionierte die Spülung nicht, worüber man aber hinwegsehen konnte. Ärgerlich fand ich, dass wir für die letzten vier Tage in eine andere, ca. 20 Minuten entfernte, Wohnung umziehen mussten, was uns lediglich zwei Tage vorher mitgeteilt wurde.

Literatur

Vor meiner Reise habe ich mir einen Reiseführer von Michael Müller zugelegt. Dieser ist für 18 Euro erhältlich und hat seinen Zweck meiner Meinung nach erfüllt. Besonders gut gefallen hat mir, dass darin auch Vorschläge für Wanderrouten enthalten waren, die sogar als GPS-Routen zum Download verfügbar waren. Daneben habe ich die Seite visitmalta.com besucht, da man dort Informationen zu aktuellen Veranstaltungen wie beispielsweise dem Programm an Nationalfeiertagen erhalten konnte.

Mitzunehmen

Als nützlich hat sich vor allem ein Adapter erwiesen, da Malta das britische Steckdosensystem vom Typ G verwendet. Daneben sollte ich eigene Bettwäsche mitbringen, weil diese in der Unterkunft nicht zur Verfügung gestellt wurde. Wer möchte kann außerdem eine wiederverwendbare Trinkflasche mitnehmen. Das Leitungswasser in Malta ist kein Trinkwasser, allerdings ist es möglich mitgebrachte Flaschen an zahlreichen Wasserspendern in der Universität aufzufüllen.

Reise und Ankunft

Nach der Ankunft am Flughafen kann man entweder den Bus oder ein Taxi nehmen, um zur Unterkunft zu kommen. Dort angelangt wurde ich von zwei anderen Austauschstudenten empfangen, die bereits am Vortag angekommen sind. Der Forschungsaustausch begann für mich am darauffolgenden Tag. Vom maltesischen NORE-in wurden wir zum Labor begleitet und dort dem Professor vorgestellt. Am Abend gab es dann noch ein „Upon Arrival Training“ bei dem wir mit einigen hinweisen zum Land und der Kultur versorgt wurden.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Für den Forschungsaufenthalt in Malta standen zwei Themen zur Wahl. Eines mit virologischem und eines mit mikrobiologischem Schwerpunkt. Da es aber angeblich Probleme mit dem Forschungsinstitut gab, wurde ich gemeinsam mit meinem Zimmernachbarn aus Ungarn einem Projekt mit dem Thema „botanical studies“ zugewiesen. Dies geschah eine Woche vor geplantem Beginn des Austauschs und wurde uns kurzerhand per Mail mitgeteilt. Auf meine Nachfrage hin war es nicht möglich ein medizinisches Projekt oder nähere Informationen zum Thema zu erhalten. An unserem ersten Tag wurden wir dann dem Leiter der biologischen Abteilung der Universität vorgestellt, der uns wiederum zwei Bachelorstudentinnen vorstellte, in deren Verantwortung er uns für die nächsten vier Wochen gab. Von ihnen erfuhren wir dann, dass das genaue Thema unsere Arbeit „Biology of Elatine Gussonei“ lautete. Dies ist der Name einer Pflanze, die auf Malta, sowie bisher auf Gozo, Sizilien und Lampedusa gefunden wurde. Da weder ich noch mein Zimmernachbar Erfahrungen im Bereich der Botanik hatten, waren die Möglichkeiten unserer Mithilfe recht begrenzt. Allerdings haben uns die beiden Studentinnen, denen wir zugeteilt worden waren, sehr freundlich und wertschätzend aufgenommen. Nachdem wir von Ihnen eine Einweisung in die Thematik erhalten hatten, bestand unsere Aufgabe hauptsächlich darin, Paper zu lesen und hilfreiche Informationen herauszustellen. Unsere Tutoren befanden sich gerade in der Vorbereitung der Versuche zu ihrer Bachelorarbeit. Deshalb sammelten sie Informationen, um Vermutungen über Keimung und Wachstum der Pflanze anzustellen und danach die Versuche zu konzipieren. Die ersten zwei Wochen des Austauschs waren daher sehr theoretisch geprägt. Zum Vorteil hatte dies aber, dass man zum Arbeiten nicht immer ins Labor kommen musste, teilweise traf man sich daher zum gemeinsamen Lesen der Paper in einem Cafe. Als die Versuche dann schließlich näher rückten, durften wir im Labor mikroskopieren und bei dem Aufbau sowie der Durchführung der Versuche helfen. Die Zeit des Austauschs reichte jedoch nicht, um die Versuche bis zum Ende zu begleiten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es eine interessante Erfahrung war, Einblick in ein neues Studienfach zu erhalten und dass vor allem das angenehme Arbeitsklima die Zeit sehr schnell verstreichen ließ. Jedoch erfüllte der Austausch meine Erwartungen in fachlicher Hinsicht nicht, da ich für das Medizinstudium nicht den erhofften Mehrwert daraus ziehen konnte.

Land und Leute

Sowohl historisch als auch landschaftlich hat Malta einiges zu bieten. Auf der Hauptinsel findet man zahlreiche Strände, an denen sich das Baden lohnt, Grotten, die man mit dem Boot besichtigen kann oder Klippen, die sich für wunderbare Wanderungen anbieten. Daneben findet man einige der weltweit ältesten Tempel auf Malta. Unter diesen befindet sich auch das älteste freistehende Bauwerk der Welt, der Tempel von Ġgantija. Die megalithische Konstruktion ist etwa 5600 Jahre alt und auf Gozo, der größten Nebeninsel Maltas, zu finden. Dort ist das Leben etwas beschaulicher als auf Malta selbst, vor allem weil dort nicht ganz so viele Touristen zu finden sind und die meisten am Morgen mit der Fähre kommen und am Abend wieder gehen. Zwischen Gozo und Malta liegt eine weitere Insel namens Comino. Sie ist vor allem für ihre blaue Lagune bekannt, die mit türkisblauem Wasser zum Baden einlädt und nur früh morgens noch nicht hoffnungslos überfüllt ist. Außerdem gibt es zahlreiche Museen auf Malta sowie insgesamt 365 Kirchen, die von der römisch-katholischen Prägung des Landes zeugen. Besonders sehenswert ist unter anderem die St. John’s Co-Cathedral in Valletta. Sie ist durch einen starken Gegensatz geprägt, da sie außen sehr schlicht aber innen prunkvoll erscheint. Aber auch sonst ist Valletta zum Schlendern durch Gassen und Gärten immer einen Besuch wert. Die beschauliche und mit ihren Gebäuden zugleich beeindruckende Hauptstadt grenzt sich durch ihre Stadtmauern deutlich vom Rest des Landesinnern ab, während andere Städte größtenteils fließend ineinander übergehen. Dies ist unter anderem Folge der dichten Besiedlung Maltas. Dennoch sind die Leute auf der Mittelmeerinsel sehr gelassen. Hektik erlebt man dort nicht, typisch für die lokale Bevölkerung ist eher ein gemütliches Beisammensein in den Restaurants und Kneipen des Landes. Zudem halten die meisten kleinen Läden mittags eine etwa vierstündige Siesta. Nationalgericht der Malteser ist Hase, das beliebteste Streetfood sind Pastizzi. Dabei handelt es sich um Blätterteig der mit Ricotta, Erbsen oder Hähnchen gefüllt wird und an jeder Straßenecke in Pastizzerien zu kaufen ist. Kennzeichnend sind außerdem die vielen Feste, die zu Ehren der Schutzheiligen verschiedener Städte gehalten werden. Diese dauern jeweils eine Woche lang an und sind mit zahlreichen Feuerwerken tagsüber und in der Nacht verbunden. Ansonsten ist anzumerken das in Malta auf der linken Spur gefahren wird und dass Gesundheitsleistungen für die Malteser kostenfrei sind, das dortige Gesundheitssystem finanziert sich über Steuern.

Fazit

Während meines Auslandsaufenthalts habe ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen. Vor allem das Zusammenleben mit den anderen Austauschstudierenden empfinde ich rückblickend als sehr wertvoll und die gelassene, hilfsbereite Art der Malteser schätze ich sehr. Dies überwiegt für mich die organisatorischen Probleme wie den kurzfristigen Projektwechsel, allerdings hätte ich mir dennoch einen größeren Lernerfolg im medizinischen Bereich gewünscht. Einen Auslandsaufenthalt werde ich auf jeden Fall wieder wagen, das nächste Mal allerdings in ein anderes Land.

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