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Ghana (FGMSA)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Leonie, Würzburg

Motivation

Ich wollte unbedingt im Ausland eine Famulatur machen, da ich ein anderes Gesundheitssystem kennen lernen wollte und natürlich ein anderes Land und eine andere Kultur. Ganz besonders hat mich an einer Famulatur im Ausland interessiert ein anderes Land auch einmal aus einem anderen Blickwinkel kennen lernen zu können nicht nur aus dem Blickwinkel eines Touristen. Deswegen war es mir bei meiner Länderauswahl für mich auch wichtig Länder zu wählen, die sich in diesen Dingen auch von Deutschland sehr unterscheiden. Meine Erstwahl war Ghana, meine Zweitwahl Nepal und meiner Drittwahl Indonesien.

Vorbereitung

Schließlich wurde es dann auch Ghana, worüber ich mich sehr gefreut habe. Auch meine Zusage ging super schnell, was mich sehr überrascht hat, da ich in vielen Erfahrungsberichten gelesen hatte, dass manche teilweise erst 4 Wochen vor dem Aufenthalt die "Card of Acceptance" bekommen haben. Ich hingegen habe mich im November beworben und bereits im Dezember meine Zusage bekommen. Das war super, so hatte ich viel Zeit für die Vorbereitung und konnte auch rechtzeitig meine Flüge buchen.
Spezielle Kurse oder Vorbereitungsseminare habe ich nicht besucht, was man meiner Meinung nach auch nicht braucht.
Ich habe im Sommersemester jedoch einen "medical english" Kurs an der Uni besucht, der mir während meines Aufenthaltes die Verständigung im Krankenhaus deutlich einfacher gemacht hat. Einen "medical english" Kurs würde ich jedem empfehlen, denn auch wenn man gut Englisch spricht, medizinisches Englisch ist noch einmal etwas ganz anderes. Sonst habe ich mich beim auswärtigen Amt über Ghana informiert und ein paar Dokus über Ghana gesehen. Die Mediatheken von 3sat, Ard, Zdf oder arte geben ein paar gute Dokumentationen her. Außerdem habe ich mir auch zwei Reiseführer relativ schnell besorgt, den Bradt Travel Guide (dieses Jahr soll sogar eine neue Version kommen) und da mein Bradt Travel Guide nicht mehr sehr aktuell war, einen Ghana Reiseführer auch noch auf Deutsch, vom Peter Mayer Verlag. Ich finde beide super, der deutsche ist noch ein bisschen ausführlicher, aber darum um einiges teurer.

Visum

Das Visum war so eine Geschichte, ich fand es nicht ganz so einfach und bis man alle Das Visum war so eine Geschichte, ich fand es nicht ganz so einfach und bis man alle Unterlagen zusammen hat, die man braucht, vergeht einige Zeit. Deswegen sollte man sich unbedingt früh darum kümmern! Hier haben mir auch wieder die Erfahrungsberichte geholfen. Benutzt unbedingt die Seite von travelcap.de, dort gibt es nicht nur eine Schritt für Schritt Anleitung, sondern auch Bilder bei denen jeder Schritt wirklich genau erklärt wird. Außerdem könnt ihr euch dort eine Checkliste ausdrucken, wo nochmal alle Dokumente genau beschrieben sind, die ihr braucht, bevor ihr das Visum online beantragt.
Wir brauchen kein Arbeitsvisum als Famulanten, deswegen beantragt ihr ganz normal ein Touristenvisum, was bei mir 110 € gekostet hat. Außerdem hab ich meine Kontaktperson nach einem Passbild gefragt und nach seinen Kontaktdaten und diese unter dem Punkt "Kontaktperson in Ghana" beim online Antrag angegeben. Als Unterkunft habe ich die Adresse des Studentenhostels genommen, die auf der Card of Acceptance stand. Der größte Knackpunkt ist, dass man sein Pass nach Berlin schicken muss. Ich hatte am meisten Angst davor, dass mein Pass verloren geht und ich dann weder Visum noch Pass habe. Ich würde euch deswegen empfehlen nicht sparsam bei der Post zu sein. Ich habe mein fertiges Visumpaket per "ExpressEasy" Inland verschickt. Ich glaube mein Umschlag war dadurch sogar bis 250€ versichert. Am besten fragt ihr in eurer Post nach, die haben die besten Tips. Um wirklich sicher zu gehen, habe ich auch den Invitation letter beim Visumantrag mit hochgeladen.
Ich hatte Glück, denn es hat echt alles super geklappt und das Visum war im Pass und nach 10 Tagen wieder da. Plant am besten aber 2 Wochen Puffer ein, falls etwas schief geht und ruft am besten auch in der Botschaft an, falls der Pass nach 10 Tagen nicht wieder da ist. Ich habe nämlich auf meinem Flug eine Deutsche getroffen, bei der es nicht so gut gelaufen ist, wie bei mir. Deswegen falls ihr die Möglichkeit habt den Pass persönlich in Berlin abzugeben und abzuholen macht das lieber!

Gesundheit

Also die klassischen Reiseimpfungen gehören dazu, wenn man nach Ghana geht und ich würde definitiv alle empfehlen, auch wenn es echt nicht billig ist. Ich hatte das Glück das ich einige Impfungen schon hatte, weil ich ein Paar Jahre zu vor in Peru war. An Impfungen sollte man unbedingt zeitig denken, denn zum Beispiel die Tollwut Impfung nimmt einige Zeit in Anspruch. Ich würde mich auch bei eurer Krankenkasse informieren, denn seit nicht all zur langen Zeit beteiligen sich einige Krankenkassen an Impfungen und Malaria Prophylaxe und nicht nur die privaten Krankenkassen. Meine Krankenkasse die DAK hat ganze 90% übernommen. Also meiner Meinung nach, solltet ihr neben den Impfungen die von der STIKO empfohlen sind, auch schauen ob diese Impfungen aktuell sind oder ob ihr sie habt:
1. Gelbfieber (um die Impfung kommt ihr nicht herum, denn ihr müsst Sie um das Visum zu beantragen nachweisen)
2. Tollwut
3. Hepatitis A & B
4. Typhus
5. Meningokokken ACWY
6. Cholera Schluckimpfung, wird nicht von allen Tropeninstituten empfohlen, da es keinen 100% Schutz gibt, aber da es eine gewisse Kreuzimmunität mit EHEC gibt (dem Erreger der Reisediarrhoe) würde ich sie auch empfehlen.
Außerdem habe ich auch eine Malariaprophylaxe während des gesamten Zeitraums eingenommen. Ich habe mich für Malarone entschieden, da es deutlich die beste Verträglichkeit aufweist. Ihr müsst aber darauf achten, dass ihr sie unbedingt immer mit dem Essen einnehmt, ich habe einige getroffen die laut ihrer Meinung die Malarone Tabletten nicht so gut vertragen haben wie ich.
Irgendwelche besondere Untersuchungen braucht ihr nicht für Ghana, aber wie gesagt die Gelbfieber Impfung müsste ihr beim Visumantrag einreichen und eine Auslandskrankenversicherung müsst ihr schon bei der Bewerbung angeben.

Sicherheit

Das war einer der Gründe warum ich Ghana ausgewählt habe, da Ghana zu den sichereren Ländern in Afrika zählt. Ghana hat eine recht stabile Demokratie und Wirtschaft im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern, was man auch an den Wechselkursen erkannt hat. Trotzdem waren nicht viele auch in meiner Familie begeistert, als ich Ihnen eröffnet habe, dass ich nach Ghana gehe. Einige meinten: "Als Frau, alleine unterwegs und dann auch noch blond und super blass, das ist doch gar nicht so ohne?" Klar habe ich mir auch ein Paar Gedanken gemacht, aber von meiner Reise nach Peru hatte ich auch so einige Erfahrung damit, wie man sich verhält, wenn man auffällt und anders aussieht. Ich bin der Meinung mit der richtigen Vorbereitung und dem richtigen Verhalten im Land, kann man auch mit Ghana nichts falsch machen. Während meines Aufenthaltes in Ghana habe ich mich in keiner Situation unsicher oder bedroht gefühlt und habe auch keine einzige schlechte Erfahrung im Bezug auf meine Sicherheit, in den 7 Wochen in denen ich auch manchmal alleine unterwegs war, gemacht.

Vorab habe ich mich natürlich auf der Seite des auswärtigen Amtes informiert, ob auch keine Reisewahrung vorliegt. Was ich super praktisch finde, man kann auch eine auswärtige Amt App herunterladen, in der mann das Land angeben kann in dem man gerade ist oder das man bedenkt zu bereisen und falls sich in der Sicherheitssituation etwas ändert, bekommt man eine Meldung aufs Handy geschickt, die man sofort aufrufen kann.
Weiterhin habe ich mich in die Auslandsreise Liste "ELEFANT" vom Auswärtigen Amt 10 Tage vor meiner Abreise eingetragen, dort gibt man Zielort und Kontaktdaten im Land und von Familienangehörigen ein um im Krisensituationen erfasst zu sein. Für Ghana ist das vielleicht ein bisschen übertrieben, da es ein sehr sicheres Land ist, aber es hat meine Eltern beruhigt, dass ich so gut informiert und vorbereitet war. Außerdem gilt diese Liste für jegliche Krisensituationen im Land auch bei Naturkatastrophen.
Vor Ort bin ich am Anfang meistens nie alleine unterwegs gewesen auch tagsüber nicht, nach einiger Zeit habe ich die Stadt und das Land besser kennen gelernt und bin häufig tagsüber auch alleine zum Supermarkt gelaufen oder mit einem Uber zum Einkaufszentrum oder zu einem Restaurant gefahren. Das war absolut kein Problem und alleine als Frau problemlos möglich. Klar man wird ständig angesprochen und gerufen und es ist gewöhnungsbedürftig, dass man gerade auf großen Märkten auch angefasst wird. Irgendwann entwickelt man aber Scheuklappen und wenn man selbstbewusst durch die Straßen läuft, wird man deutlich weniger behelligt, als wenn man verunsichert aussieht.
Die meisten wollen nichts böses sondern einfach nur ein Pläuschchen halten, weil du einfach besonders bist und anders aussiehst. Wenn du freundlich bist sind auch alle freundlich zu dir.

Nachts würde ich jedoch nicht empfehlen alleine auf die Straße zu gehen und wenn man unterwegs ist mit mehreren immer ein Uber zu nehmen, dass ist in der Stadt das vertrauenswürdigste und sicherste Verkehrsmittel, da man das Nummernschild, den Namen des Fahrers und die Farbe des Autos auf sein Handy geschickt bekommt. Damit ist es nachts auch kein Problem alleine zurück zu fahren, wenn man zum Beispiel früher aus dem Restaurant will, als die anderen.

Wenn ihr nicht wisst ob es sicher genug ist mit der "dicken Kamera" auf den Markt zu gehen oder alleine zum Supermarkt zu laufen, fragt die Locals vor Ort. Jeder hilft dir gerne weiter, ob ihr an der Rezeption des Hostels fragt oder eure Kontaktperson. Ihr könnt auch immer nach den "Dos and Don'ts" fragen. Prinzipiell gelten die selben Verhaltensregelen wie in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Südamerika, auch. Wenn man nicht beklaut werden will in Ghana, würde ich jetzt nicht unbedingt den teuersten Schmuck tragen, vielleicht die Uhr einfach daheim lassen, wenn man auf den Markt geht, auch die dicke Spiegelreflex oder die teuersten Klamotten würde ich daheim lassen. Fotografieren kann man auch super mit dem Handy (und in Ghana hat wirklich jeder ein Handy) oder mit einer kleinen Digitalkamera. Weiße gelten in Ghana als reich, allein das wir uns den Flug nach Ghana leisten können, macht uns zu Reichen in Ghana. Deswegen einfach am besten alle Wertgegenstände wie Geld, eng am Körper tragen und Schmuck oder teure Dinge daheim lassen, somit vermeidet man, dass man beklaut wird.

Geld

Das Zahlungsmittel in Ghana ist der Cedi. Der Wechselkurs zu meiner Zeit war ungefähr 6 Cedi sind ein Euro. Geld habe ich mir im Land geholt und ist in den etwas größeren Städten überhaupt kein Problem, dort gibt es genug Banken oder Fortex Büros. Fortex Büros sind die Tauschstellen in denen ihr die Euros die ihr dabei habt in Cedis umtauscht. Beide Möglichkeiten funktionieren super, ich habe zwar mehr mit der Kreditkarte in Banken abgehoben, aber auch ab und zu Fortex Büros benutzt. Ich hatte eine VISA Karte und eine MASTERCARD dabei, da es hieß das es manchmal mit der MASTERCARD schwieriger ist. Ich hatte jedoch kein Problem einen Automaten für meine MASTERCARD zu finden und somit meine VISA Karte gar nicht gebraucht.
Am Flughafen in Accra könnt ihr problemlos Geld eintauschen oder abheben, deswegen müsst ihr euch die Währung vorher nicht holen. Der Wechselkurs am Flughafen war auch super und der beste den ich in Ghana hatte nämlich 5,9 Cedi für einen Euro.
Hebt immer genug Geld ab, denn in den meisten Hostels könnt ihr auch nur Cash zahlen, außerdem achtet darauf beim herumreisen, dass ihr in den kleineren Dörfern häufig kein Geld abheben könnt, also plant in den größeren Städten immer genug Geld für die nächsten Tage ein, denn zum Beispiel im Mole Nationalpark oder in Busua kommt ihr nicht so einfach an Geld.
Reisen in Ghana ist für uns billig, gerade Uber oder Lebensmittel (wenn man nicht gerade in den Supermarkt geht) kann man nicht mit den europäischen Preisen vergleichen. Hingegen sind die Preise in den Nationalparks und die Unterkünfte teilweise an die Touristen Preise angepasst und nicht ganz so billig, dafür ist der Standart in einigen Hostels sehr hoch und man bekommt auch viel für sein Geld. Außerdem gehen Transportkosten auch ganz schön ins Geld, denn auch die meisten Taxifahrer, wenn es keine Uber gibt legen immer einen hören Preis fest, wenn sie dich sehen, also gilt auch wie auf den Märkten auch bei den Taxis verhandeln, sonst wird man ständig beschissen und die Ghanaher machen das gerne. Alles im allen kommt man trotzdem, wenn man es mit einer Reise in Europa vergleicht super günstig heraus.

Sprache

Englisch ist in Ghana Amtssprache und viele sprechen es sogar recht gut. In jeder Touristengegend und in den großen Städten und auch alle Taxifahrer können meistens gutes Englisch, zwar teilweise mit einem starken Accent aber trotzdem noch verständlich genug. Jedes Kind was in Ghana zur Schule geht lernt Englisch, trotzdem ist es auf dem Land hingegen etwas schwieriger sich zu verständigen, da dort nicht alle zur Schule gehen können. Wir hatten jedoch kein einziges Mal ein Problem. Die Studenten studieren auf Englisch und auch am Klinikum wird unter den Ärzten auf Englisch gesprochen. Deswegen würde ich auf jedenfall einen "medical english" Kurs empfehlen, der hat mir sehr geholfen. Trotzdem sprechen viele Patienten in Ghana kein Englisch, sondern in Kumasi, zum Beispiel nur Twi. Aber das war meistens kein Problem, da die Studenten oder Ärzte für mich übersetzt haben, wenn ich gefragt habe.
Sonst gibt es in Ghana verschiedene Sprache und in unterschiedlichen Regionen wird eine andere Stammessprache gesprochen, neben Twi gibt es noch Ewe, was in der Volta Region gesprochen wird und noch viele weitere Sprachen. Deswegen benutzen viele Ghanaher Englisch auch zur Kommunikation unter einander.

Verkehrsbindungen

In Ghana gibt es einige Verkehrsmittel um von einem Ort zum Anderen zu kommen. Man kann Fliegen, Bus fahren, Taxi oder Uber fahren oder das Trotro oder tucktuck nehmen. Auch im Komfort und in den Preisen gibt es deutliche Unterschiede.
Geflogen bin ich in Ghana nie, meiner Meinung nach braucht man das auch nicht, denn man kommt auch mit Bussen super durchs Land. Jedoch wenn man es ganz eilig hat und eine weite Strecke wie "Tamale → Accra" in kurzer Zeit zurück legen möchte, kann sich Fliegen schon lohnen. Es ist, was die Sicherheit betrifft, auch eigentlich ziemlich unbedenklich und was die Straßen Ghanas angeht, bestimmt auch mit die sicherste Reiseoption.
Den Bus haben wir viel genommen. Es gibt zwischen den großen Städten Reisebusse sogar mit Klimaanlage die an die europäischen Reisebusse heran kommen. Die großen Busunternehmen sind VIP, VVIP, STC und MMT. Am schicksten sind definitiv die VVIP/VIP Busse, aber auch am teuersten. Nur die MMT Busse haben keine Klimaanlage, sonst sind die Busse ziemlich heruntergekühlt und es lohnt sich definitiv ein Pulli!
In Ghana tickt eine andere Uhr und was die Verkehrsmittel angeht außer vielleicht das Flugzeug oder der STC BUS gibt es keine Abfahrtzeiten, sondern der Bus fährt ab wenn er voll ist, dass heißt wenn man Pech hat, kann man sogar bis zu 3 Stunden an der Haltestelle warten bis der Bus endlich los fährt. Das heißt für Strecken immer mehr Zeit einplanen und immer genau schauen, wie voll ein Verkehrsmittel bereits ist, bevor man einsteigt und die Fahrkarte bezahlt.
Auch um Taxis kommt man häufig nicht herum, denn öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn in den Städten gibt es nicht. Trotzdem würde ich immer nur auf ein Taxi zurück greifen, wenn es in der Stadt keine Uber gibt, das ist in den kleinen Städten der Fall, denn Taxi fahren kann ziemlich anstrengend sein. Erst einmal muss man jedes Mal um den Preis mit dem Fahrer diskutieren, denn jeder Taxifahrer in Ghana setzt erst einen super hohen Preis an und du musst verhandeln. Außerdem können die Taxifahrer auch ziemlich nervig sein, wenn du überhaupt kein Taxi brauchst, denn sobald du in die Nähe einer Haltestelle kommst, sind sie die ersten die sich auf dich und auf dein Gepäck stürzen, also immer Vorsicht wenn du aus einem Bus aussteigst!
Shared Taxis sind häufig eine günstigere Option, deswegen fragt immer erst nach Shared Taxis an den Haltestellen, da müsst ihr zwar noch auf mehr Mitfahrer warten, aber ihr könnt euch den Taxipreis dann teilen.
Das erste was ich in Ghana heruntergehen habe ist die Uber App oder die Bolt App, über die kannst du dir in den großen Städten ein Uber oder Bolt bestellen. Es ist meiner Meinung nach der sicherste und vergleichsweise billigere Weg sich in einer Stadt fort zu bewegen. Du bekommst immer auf dein Handy das Nummernschild, die Farbe des Autos, den Namen des Fahrers, ein Bild des Fahrers und du kannst mit ihm telefonieren oder schreiben. Uber haben bei uns in Kumasi die Locals auch benutzt und es ist im Dunkeln äußerst hilfreich ein vertrauenswürdiges Taxi zu finden. Außer in den großen Städten oder im Ort selbst, würde ich vermeiden nachts zu reisen. Denn die Straßen in Ghana die häufig sehr schlecht sind, werden nachts noch gefährlicher und trotz der Dunkelheit fahren die meisten Fahrer immer noch wie Idioten.
Trotros sind neben tucktucks defintiv die billigste Art zu reisen, dafür aber die unsicherste und unbequemste. In Trotros ist Beinfreiheit ein Fremdwort und wenn man sehr viel Pech hat sind die Sitze durchgesessen oder es ist so eng, dass man seinen Rucksack auf dem Schoß hat oder mit dem Sitznachbar kuschelt. Trotzdem muss man ab und zu auf Trotros zurück greifen und es sind wirklich die einizigen Verkehrsmittel die überall hinfahren. Manchmal ist es nicht ganz einfach das richtige Trotro zu finden, aber wenn du deinen Zielort nennst, können dir meistens auch die Uberfahrer helfen, die dich zur Haltestelle bringen. Trotros sind kleine Minivans, ohne jeglichen Komfort oder Knautschzone und Sicherheitsgurt sucht man vergeblich. Trotzdem gehören Trotros einfach zu Ghana, denn das ist das Verkehrsmittel, was jeder benutzt und es ist jedes mal ein Abenteur in eins zu steigen. Die Trotrofahrer sagen einem meistens den richtigen Preis, trotzdem schadet ab und zu es mal nicht zu handeln. Meiner Meinung nach war man nicht in Ghana, wenn man nicht einmal Trotro gefahren ist, Trotros sind auch das Verkehrsmittel das sich am schnellsten füllt.

Tucktuck bin ich nur einmal gefahren. Tucktuck sind die kleinen Dreiräder mit Verdeck, die man auch in anderen Ländern sieht. Sie sind nur für kurze Strecken in der Stadt geeignet und definitiv kein sicheres oder bequemes Verkehrsmittel.

In den letzten Jahren haben sich gerade die Straßen in den Norden von Ghana deutlich verbessert, trotzdem weicht man auch gerade in den Städten, vielen Schlaglöchern oder unbefestigten Stücken aus. Wir hatten echt Glück denn bei uns hat alles geklappt, wir haben aber um von einem Ort zum anderen zu kommen meisten einen ganzen Tag eingeplant. Die schlimmste und holprigste Strecke ist von Accra nach Hohoe und dauert auch definitiv am längsten, da sie teilweise unbefestigt ist.

Kommunikation

Ich habe mir direkt am Flughafen eine Sim Karte geholt, damit ich sofort nach meiner Ankunft meiner Familie bescheid sagen konnte, dass ich angekommen bin und mit meiner Kontaktperson kommunizieren konnte. Sonst gibt es auch W-lan am Flughafen in Accra.

Meine Kontaktperson meinte ich sollte mir eine Sim Karte von MTN holen, da MTN das beste Netz hat. Leider hatten sie nur noch Simkarten von Vodafone da, deswegen hatte ich gar keine Auswahl. Prinzipiell würde ich eine Sim Karte von MTN oder Vodafone empfehlen. MTN hat wirklich das beste Netz und man hat auch in den kleinen Dörfern besser Internet und eigentlich meistens Netz, Vodafone hingegen hat nicht überall gutes Internet und in manchen Ecken hat man auch kein Netz, dafür ist Vodafone günstiger als MTN. Ich habe 70 Cedis insgesamt gezahlt für 250 Freiminuten zum telefonieren im Inland und 5,5 GB für einen Monat. Insgesamt waren mir die 5,5 GB zu viel, da es Eduroam am Komfo Anokye Teaching Hospital in Kumasi gab und ich die GB eigentlich gar nicht verbraucht habe. Das Eduroam war echt super und ich habe es auch genutzt um mit meiner Familie ab und zu über Whatsapp zu telefonieren. Trotzdem habe ich auch mein Datenvolumen genutzt um Hostels zu buchen und wenn das Internet mal ausgefallen war, was ab und zu vor kam. Wenn man kein Eduroam hatte war es etwas schwieriger da das W-lan vor Ort nicht ganz so gut war und nur an bestimmten Orten funktioniert hat, deswegen würde ich jedem empfehlen sich eine Sim Karte zu holen. Ich habe mein Datenvolumen im Vodafoneladen für meine 3wöchige Reise nach meiner Famulatur noch einmal um 4 GB aufgeladen, sonst ist es auch echt einfach sich Kratzkarten auf der Straße zu holen um sein Datenvolumen für Vodafone und MTN aufzuladen. Wir hatten sogar die Möglichkeit Internet direkt auf dem Krankenhausgelände zu kaufen.

Unterkunft

Also mit der Unterkunft war es etwas chaotisch am Anfang und nicht nur ich, sondern auch andere Austauschstudenten sind häufig umgezogen. Prinzipiell sind alle Austauschstudenten in Kumasi auf dem Krankenhausgelände in den Studentenwohnheimen untergebracht. Das ist echt super, da man Tür an Tür mit den Locals wohnt und dadurch viele neue Kontakte knüpft. Da im August super viele Austauschstudenten da waren, gab es nicht genug exchange rooms die auf die Austauschstudenten abgestimmt waren und dadurch haben sich die Zimmer auch deutlich in der Qualität unterschieden. Ich habe mich echt von Zimmer bis Zimmer gesteigert, wobei ich jedoch von Anfang an Glück hatte, denn eigentlich hatte ich fast immer fließend Wasser. Andere Austauschstudenten hatten nicht so viel Glück, denn im Getfund Hostel auf dem 3.Stock gibt es nur sehr selten, bis gar kein fließend Wasser in den Bädern, da die Pumpen nicht stark genug sind. Mein erstes Zimmer in der ersten Woche war im Getfund Hostel im ersten Stock. Zwei Zimmer haben sich im Flur eine Dusche und eine Toilette gemeinsam geteilt. Wir hatten Glück, dass wir meistens fließend Wasser in der Dusche und in der Toilette hatten. Wenn es mal kein fließend Wasser gab hieß es Eimer schleppen. Vor jedem Hostel gibt es eigentlich große Wassertanks, wo man Wasser holen kann. Dann bleibt einem nichts übrig mit dem Eimer zu duschen und zu spülen., aber man gewöhnt sich daran und es gehört einfach dazu die anderen Studenten machen dann auch nichts anderes. Wenn mal die Pumpen ausgefallen sind, gab es eigentlich im Erdgeschoss in jedem Wohnheim Gemeinschaftsduschen und Bäder die man noch nutzen kann. Mein erstes Zimmer war ganz spartanisch mehr als 2 Schränke, ein Stuhl und 2 Stockbetten war nicht drin. Ich habe mein erstes Zimmer mit einer spanischen Austauschstudentin geteilt. Mülleimer gibt es immer auf den Gängen in den Wohnheimen. In meinem ersten Zimmer hatten wir leider auch ziemlich große Kackerlaken und ich habe in der erste Woche auch eine lebende Kackerlake mit einem Besen gejagt und erschlagen.

In mein zweites Zimmer musste ich ziehen, da mein Zimmer gebraucht wurde, da die 4th year Studenten auf dem Campus angefangen haben. Mein zweites Zimmer war eher provisorisch für ein paar Nächte, bis ich in einen exchange room im Laing Hostel ziehen konnte. Aus diesem Grund habe ich auch nur auf einer Matratze auf dem Boden geschlafen. Da das Zimmer im 3. Stock vom Getfund Hostel war und wir zur dieser Zeit kein fließendes Wasser hatten, durften wir im Zimmer von anderen Austauschstudenten duschen. Obwohl wir kein fließendes Wasser hatten, war das Zimmer eine Verbesserung, denn es war Kackerlaken frei und es gab einen kleinen Kühlschrank, sonst war es so aufgebaut wie mein altes Zimmer. Ich habe mein zweites Zimmer mit zwei Austauschstudentinnen aus Deutschland geteilt.

Schlussendlich durfte ich für die letzten Wochen dann zum Glück in einen Exchange Room ins Laing Hostel umziehen, da schon eine Paar Austauschstudenten dann abgereist waren. Das Laing Hostel ist neuer und die Zimmer waren ganz anders geschnitten. Wir hatten unser eigenes Bad und eine kleine Küche und eine Kochplatte. Außerdem war es auch Kackelaken frei und wir hatten auch einen kleinen Kühlschrank. Hier hatte ich eigentlich immer fließend Wasser und Strom. Ab und zu ist aber auch einmal die komplette Wasserversorgung und der Strom ausgefallen, aber nicht für lange. Mein letztes Zimmer habe ich mit einer Ghanaischen Studentin und einer Austauschstudentin aus Österreich geteilt.

In allen Zimmern wurde prinzipiell die Bettwäsche gestellt also Kopfkissen, Kissenbezug und Bettlaken, nur Bettdecke muss man selber mitbringen, wenn man sich mit etwas zudecken möchte. Es ist aber meisten super heiß nachts, deswegen braucht man theoretisch keine Bettdecke. Alle Zimmer waren außerdem mit Deckenventilator ausgestattet, was die Nächte etwas erträglicher gemacht hat. Die Zimmer wurden von dem Exchange Officer vor Ort organisiert, sie hat uns auch mitgeteilt wann wir umziehen mussten.

Literatur

Wie ich oben schon geschrieben habe, habe ich mich beim auswärtigen Amt über Ghana informiert und ein paar Dokus über Ghana gesehen. Die Mediatheken von 3sat, Ard, Zdf oder arte geben ein paar gute Dokumentationen her. Außerdem habe ich mir auch zwei Reiseführer relativ schnell besorgt, den Bradt Travel Guide (dieses Jahr soll sogar eine neue Version kommen) und da mein Bradt Travel Guide nicht mehr sehr aktuell war, einen Ghana Reiseführer auch noch auf Deutsch, vom Peter Mayer Verlag. Ich finde beide super. Der deutsche Reiseführer ist noch ein bisschen ausführlicher, aber darum um einiges teurer. Außerdem habe ich mir ein Pocket English Buch besorgt was ich in der Kitteltasche immer dabei hatte. Sonst habe ich keine medizinische Literatur oder Englische Literatur dabei gehabt und auch nicht vermisst. Besondere Literatur zur Vorbereitung habe ich auch nicht daheim gelesen.

Mitzunehmen

Ich habe mir vor meiner Auslandsfamulatur eine Liste gemacht, von Dingen die man gut gebrauchen kann:
• Schnelltrockendes Handtuch klein und groß (war super praktisch auch zum Reisen)
• Kopflampe, Taschenlampe
• Taschenmesser
• Moskitonetz + Aufhängematerial, Kleber für Wände, Schnur, Klebeband
• Wäscheleine mit Wäscheklammern (ist eher wichtig falls ihr noch herumreist, weil vor Ort gibt es Wäscheleinen zum Wäsche aufhängen)
• Schlösser
• E-Reader (war super praktisch, da ich auch viel vor Ort gelesen habe)
• Reisetagebuch (Reisetagebuch führe ich eigentlich immer auf meinen Reisen)
• Schreibzeug Block, Stifte
• Powerbank fürs Handy (war super wichtig, da ab und zu auch mal der Strom asugefallen ist)
• Kamera + Aufladegerät + Speicherkarte
• Mehrfachstecker, dass man an einer Steckdose mehrere Geräte aufladen kann.
• Steckdosenadapter
• Sack für den Backpack, würde ich jedem empfehlen der mit einem Rucksack unterwegs ist, da er dann auf den Flügen nicht kaputt geht und man ihn auch im Troto in den Sack packen kann.
• Geldgürtel zum Tragen am Körper
• Oropax! Super wichtig, da die Studentenwohnheime echt hellhörig sind. Ich habe kein einzige Nacht ohne Oropax geschlafen.
• ggf. Einkaufsbeutel um den Verbrauch von Plastiktüten auf dem Markt zu reduzieren
• Nähzeug (damit man falls etwas kaputt geht mal etwas retten kann
• Für die Famulatur:
o 500ml Desinfektionsmittel + Flasche für Kitteltasche habe ich defintiv auf dem Klinikgelände gebraucht
o 2x Kasack und Hose (für den OP)
o 2x Kittel (für die Station) meistens haben wir auf der Station unter dem Kittel unsere eigenen Sachen getragen.
o Stethoskop
o Crocks für den OP, wenn ihr keine daheim habt, kann man für 20 Cedis welche auf dem Klinikgelände kaufen, das ist deutlich günstiger als in Deutschland!
• Impfausweis: Vergisst euren Impfausweis unbedingt nicht! Ihr müsst ihn im Orginalen bei der Einreise vorzeigen!
• Reiseapotheke:
• Erste Hilfe Set (Habe ich auf jeder großen Reise dabei)
o Verbandsmaterial
o Desinfektionsmittel Oktanisept
o Sterile Kompressen
o Mullbinden, Mullkompressen
o Pflaster
o Blasen Pflaster
o Pflaster Klebeband
o Einmalhandschuhe
o Pinzette
• Reiseapotheke (Habe ich zum Glück kein einziges Mal gebraucht, aber ich habe mir auch vor jedem Essen die Hände desinfiziert und habe mich bei Straßenessen immer an die Regel: "Cook it peel it or leave it" gehalten. Deswegen habe ich weder meine Antibiotika gebraucht, noch die Diarrhoemittel)
o Antibiotika (Hatte ich echt unglaublich viele dabei, da mein Vater Arzt ist und mir echt fast jedes Breitbandantibiotikum mitgegeben hat. Braucht man aber nicht unbedingt, denn zumindestens in dem Krankenhaus In Kumasi gab es auch jedes Antibiotikum erhältlich. Man muss sich es halt überlegen, wenn man danach noch reisen möchte.)
o Diarrhoe Mittel: Ich bin zum Glück kein einziges Mal krank geworden, aber ich hatte Vaprino und Tannacomp dabei.
o Gegen Übelkeit hatte ich Vomex dabei.
o Malaria Prophylaxe (Malarone)
o Elektrolytpulver
o Nobite (für 7 Wochen haben 5 Flaschen gereicht und ich war sehr großzügig)

Reise und Ankunft

Die Anreise lief relativ problemlos, ich bin am Samstag nach Accra geflogen, dort habe ich eine Nacht im Hostel geschlafen und bin dann am Sonntag mit dem VIP Bus nach Kumasi gefahren. An der Bushaltestelle wurde ich dann, zwar nicht von meiner Kontaktperson, aber von anderen Locals abgeholt und zum Wohnheim auf dem Klinikumsgelände gebracht. Dort haben Sie mich meiner ersten Mitbewohnerin vorgestellt, die mich am gleichen Tag auf dem Klinikumgelände herum geführt hat.
Mein Praktikum sollte dann eigentlich am Montag beginnen, hat aber schlussendlich erst am Donnerstag begonnen. Ich war laut den anderen noch eine der Glücklichen, andere Austauschstudenten haben eine ganze Woche darauf gewartet, dass das Praktikum beginnt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Allgemeinchirugie gemacht. Durfte mir am Anfang meiner Famulatur aber aussuchen in welchen Fachdisziplinen und ob ich rotieren möchte. Schlussendlich habe ich mich für 2 Wochen in der Allgemeinchirugie und 2 Wochen auf der Plastischen Chirugie entschieden.
Das Krankenhaus in Kumasi ist ein sehr großes Uniklinikum, welches auch alle Fachbereiche anbietet und die Ärzte sind dort Studenten und Austauschstudenten gewöhnt.
Woran ich mich am Anfang ziemlich gewöhnen musste, ist das viele Warten, denn die Ärzte haben mir am Anfang immer erzählt, dass ich um 8:00 irgendwo sein muss, aber außer an den Tagen der Morning Meetings waren sie meistens erst gegen 10:00/11:00 da. Das heißt ich saß am Anfang immer viel herum, da ich meistens pünktlich war. Nach ein paar Wochen habe ich mich dann daran gewöhnt und bin meistens dann auch erst gegen 10:00 ins Krankenhaus gekommen, obwohl die Ärzte mir weiter erzählt haben ich soll um 8:00 da sein. Die Visite jedoch hat während meiner ganzen Zeit kein einziges Mal vor 10:00 begonnen, das war teilweise ziemlich frustierend. Außerdem war es auch am Anfang etwas frustrierend, dass ich meinen House Officer selten erreicht habe und deswegen ab und zu nicht wusste wo ich hin musste. Außerdem hatte ich am Anfang auch keine Einführung bekommen, wo alles ist und an welchem Tag wo mein Team ist. All das musste ich mir im Laufe meiner Famulatur erfragen. Am Anfang war es auch etwas schade, da die Ärzte mir nicht viel erklärt haben, da zur der Zeit die Ghanaischen Medizinstudenten nicht am Krankenhaus waren. Mein Senior resident hat mich in meinem Team manchmal auch einfach ignoriert. Mein Consultant meines Teams war deutlich netter, da er aber viele Meetings hatte war er kaum da, wenn er da war hat er mir aber viel erklärt. In den ersten Wochen, wo die Ghanaischen Studenten noch nicht da waren, musste ich sehr viel Eigeninitiative zeigen, damit mir etwas gezeigt oder erklärt wurde. Dies ist mir ehrlich gesagt am Anfang in der fremden Umgebung und mit der fremden Sprache nicht leicht gefallen.
Besonders den Visiten kann man teilweise nicht folgen, nicht nur die Studenten, sondern auch die Ärzte haben eine Eigenart, dass sie unglaublich leise den Patienten auf Englisch vorstellen und man desshalb, wenn man nicht direkt neben der Person steht die spricht, manchmal gar nichts versteht. Außerdem nuscheln manche Ghanaher im Englischen ziemlich und haben auch einen Akzent, mit dem ich am Anfang so meine Schwierigkeiten hatte. Sonst ist es echt super, denn an Ghanaischen Krankenhäusern wird fast nur Englisch gesprochen. Ab und zu läuft die Kommunikation mit den Patienten jedoch auf Twi, da nicht jeder Patient Englisch spricht.
Was mich auch sehr überrascht hat und ich nicht erwartet hätte auf einer Chirurgischen Station, sind die OP Tage. Die Fachgebiete in Ghana sind in Teams eingeteilt bestehend aus mindestens einem Consultant, resident und house officer und jedes Team hat nur einen OP Tag in der Woche!! Das heißt ich stand außer wenn ich aus eigenem Interesse in den OP gegangen bin, mit meinem Team nur 4 mal im OP. Prinzipiell darf man in den Praktikas nicht viel machen, klar kommt es auch auf das Team drauf an wie viel man lernt, aber abschließend kann ich sagen, dass ich zumindestens fachlich keinen Wissenszuwachs hatte nach meiner Famulatur. Ich hatte zum Glück etwas mehr Glück als manch andere Austauschstudenten, denn während der 2. Woche meiner Famulatur, sind die Studenten ans Klinikum zurück gekehrt und ich konnte jetzt Studentengruppen folgen. Aus diesem Grund wurde dann auch deutlich mehr erklärt auf Station und ich hatte das Glück, dass ich einmal sogar im OP assistieren durfte, bei einem super netten Arzt. Außerdem konnte ich dann Telefonnummern von Studenten erfragen und wusste so eigentlich fast jeden Tag wo ich hin musste und habe dann auch etwas weniger gewartet.

Ich bin mir nicht sicher ob ich noch einmal eine Rotation wählen würde, denn gerade als ich bei meinem ersten Team im OP assistieren durfte und mir mehr erklärt wurde, bin ich in die Plastische Chirugie gewechselt und dort ging alles eigentlich wieder von vorne los. Im meinem zweiten Team war zum Glück mein House Officer besser erreichbar und ich bin von Anfang an einer Studentengruppe gefolgt. Dieses Mal leider einer Studentengruppe aus dem 4 Jahr, die ständig nur Patientengeschichten erhoben haben, was nicht ganz so interessant für mich war auf Dauer.

Alles im Allem habe ich mein fachliches Wissen zwar nicht verbessert und das viele Warten hat mich manchmal ziemlich frustriert, trotzdem würde ich sagen das ich viele wertvolle Erfahrungen gesammelt habe. Erst einmal ist natürlich das Gesundheitssystem ein ganz anderes, auch die Versorgung und die Materialien die zur Verfügung stehen sind ganz andere. Außerdem bekommt man ganz andere Krankheitsbilder zu sehen und viele Schicksale, deshalb sammelt man am Anfang erst einmal unglaublich viele Eindrücke die man verarbeiten muss. Ich habe noch mehr zu schätzen gelernt, dass ich später in Deutschland praktizieren werde. Aber mehr will ich jetzt nicht vor Weg nehmen, denn ihr sollt euch ein eigenes Bild von den Verhältnissen vor Ort machen.

Land und Leute

Ghana war meine erste Reise nach Afrika und unglaublich bereichernd. Insgesamt war ich 7 Wochen in Ghana, erst 4 Wochen in Kumasi während der Famulatur und dann hatte ich noch 3 Wochen zum herumreisen. Das war perfekt gewählt und geplant, denn jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass ich fast alles von Ghana gesehen habe. Ich hatte Glück, dass ich noch 3 Wochen zum herumreisen eingeplant hatte, da wir leider an den Wochenenden nicht so viele Ausflüge gemacht haben, wie die anderen Austauschstudenten.
Ich würde jedem empfehlen der nach Kumasi geht einen ganzen Monat seine Famulatur zu machen und nicht so wie ich in der Mitte von August anzufangen und in der Mitte vom September fertig zu sein, denn die meisten Austauschstudenten kommen entweder den ganzen August und den ganzen September. Dadurch hatte ich das Pech, dass ein Paar Wochen nach meiner Ankunft die meisten Austauschstudenten schon gefahren sind. Daraus ergab sich dann, dass ich an den meisten Wochenenden keine Ausflüge gemacht habe und nur in Kumasi war. Das lag daran, dass ich zwischenzeitlich die einzige Austauschstudentin war und die Locals mitten in ihren Prüfungen standen und keine Zeit für große Ausflüge hatten. Außerdem gab es nicht genug Austauschstudenten, dass es sich wie im Juli oder August gelohnt hätte große Ausflüge an den Wochenenden zu organisieren. Normalerweise ist das Freizeitprogramm in Kumasi unglaublich umfangreich und man sieht an den Wochenenden super viele Touristenspots. Die locals organisieren eigentlich immer einen Ausflug an den See Bosumtwi, nach Cape Coast, in die Volta Region und in den Mole Nationalpark und geben sich echt Mühe damit. In Kumasi waren dieses Jahr im Juli ungefähr 15 Austauschstudenten mit der IFMSA und im August um die 18 Austauschstudenten. Bereuen tue ich es aber trotzdem nicht, dass ich an den meisten Wochenenden in Kumasi war, da ich dafür super viele Dinge mit meiner Kontaktperson gemacht habe und die Locals näher kennen lernen durfte, obwohl sie Examen geschrieben haben. Außerdem habe ich all die Ecken von Ghana in den 3 Wochen nach meiner Famulatur mit meinem Bruder bereist, die ich noch nicht gesehen hatte.
Wer noch nie in Afrika war, wird wie ich einen kleinen Kulturschock am Anfang erleiden. Von dem habe ich mich aber schnell erholt und das Land und die Leute kennen und lieben gelernt. Ghana ist bunt laut und total chaotisch und als Weiße fällt man in Ghana einfach auf, wie ein bunter Vogel im Zoo. Man wird von allen Seiten angesprochen und jeder will etwas von dir, ab und zu rennen einem schreiende Kinder hinterher und ich habe auch nicht wenige Heiratsanträge bekommen oder es wurde nach meiner Telefonnummer gefragt. Es gibt ein Prinzip, wenn du freundlich bist, ist jeder auch freundlich zu dir!
Ghana ist noch ein echter Geheimtipp, denn es sind deutlich weniger Touristen unterwegs. Die meisten die in Ghana reisen, sind entweder Volunteer oder Studenten die ein Praktikum machen und da diese Gruppen meistens unter der Woche arbeiten und am Wochenende Ausflüge machen, waren die Hostels die mein Bruder und ich gebucht hatten, teilweise leer unter der Woche. In Kumasi trifft man auch nicht viele Weiße auf der Straße an.
Ich würde allen empfehlen nicht direkt nach der Famulatur wieder zu fahren, sondern noch ein Paar Wochen herum zu reisen um Ghana aus mehreren Blickwinkeln zu sehen. Unsere Reise ging von Kumasi erst in den Mole Nationalpark von dort aus dann nach Cape Coast. Dann haben wir uns den Kakum Nationalpark noch angeschaut und sind auch nach Busua/Butre gefahren. Von dort aus ging es dann über Accra in die Volta Region zu den Wli falls und dann wieder zurück nach Accra und nach Hause. Das ist in 3 Wochen super machbar und alles definitiv sehenswert, jeder Stop hatte andere Charme und deckte die schönsten Ecken Ghanas ab.

Das Essen in Ghana war für mich am Anfang ziemlich gewöhnungsbedürftig, da es morgens, mittags und abends Kohlenhydrate gibt und viel Reis und viel frittiertes gegessen wird. Da ich auch frisches Gemüse und Salat gemieden habe, hat mir neben dem Obst schon etwas frisches nach einiger Zeit gefehlt. Ananas, Bananen und alle anderen Früchte sind in Ghana super lecker und schmecken, ganz anders als in Deutschland, da alles vor Ort angebaut wird! Sonst ist die Ghanaische Küche sehr scharf und ich dachte ich wäre schärfer eigentlich gewöhnt! Man muss echt aufpassen, wenn man keine Schärfe gewohnt ist, sollte man auf jedenfall immer ohne Schärfe bestellen, denn dann ist das Essen trotzdem immer noch ein bisschen scharf. Essen die meiner Meinung nach echt lecker sind und die ihr unbedingt probieren müsst sind: Red Red, Jollof, Palava Sauce und Waakye.

Fazit

Alles im allem würde ich immer wieder nach Ghana fahren, denn Land und Leute sind super nett und ich habe einige neue Freundschaften geschlossen. Ich bin immer noch mit meiner Kontaktperson in Kontakt und freue mich wenn er nächstes Jahr im September nach Deutschland kommt!! Die 7 Wochen waren unglaublich bereichernd und ich werde Ghana definitiv vermissen. All die Erfahrungen die negativen und die positiven die ich gesammelt haben, waren es defintiv Wert diese Reise nach Ghana zu machen.

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