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Greece (HelMSIC)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Hannah, Bochum

Motivation

Eine Famulatur im Ausland wollte ich schon lange gerne machen. Eigentlich hatte ich mich für verschiedene arabische Länder beworben, an Griechenland bin ich dann über die Restplatzvergabe gekommen. Für mich war besonders interessant, ein anderes Gesundheitssystem, aber auch eine andere Art zu arbeiten und verschiedene medizinische Herangehensweisen kennenzulernen. Griechenland hatte den Pluspunkt von Sonne und Strand, die sich wunderbar mit der Famulatur kombinieren ließen.

Vorbereitung

Ich muss zugeben, dass ich mich nicht besonders vorbereitet habe. Weil ich eine Woche vorher angereist bin und wir auch an den Wochenenden Trips organisiert haben, habe ich mir einen Reiseführer besorgt. Das griechische Alphabet zu lernen, ist ganz nützlich und wenn man ein paar Worte Griechisch kann, freuen sich die Patient*innen.
Durch die ganze Bewerbungsphase wurde man gut durch die bvmd durchgeleitet. Kurz vor Abflug konnte ich alle meine Fragen dann noch meiner Kontaktperson in Patras stellen, die sich sehr bemüht hat, sie mir möglichst genau zu beantworten.

Visum

Für die europäische Union braucht man zum Glück kein Visum, was die Einreise sehr einfach macht.

Gesundheit

Für meine Bewerbung in Griechenland musste ich mich gegen Meningokokken impfen lassen. Ansonsten habe ich keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Mit Sonnencreme und einem Mückenschutzspray lassen sich wohl die meisten Gesundheitsgefahren abwenden. Ansonsten gibt’s Apotheken an jeder Ecke.

Sicherheit

Die Sicherheitslage in Griechenland ist gut, auch in Athen habe ich mich nicht anders verhalten als in anderen europäischen Großstädten (Bauchtasche vorne, keine Wertsachen im Hostel offen rumliegen lassen, nachts nicht allein in einsamen Straßen). Patras würde ich sogar als ziemlich sicher beschreiben, da konnte man problemlos abends allein nach Hause laufen.

Geld

In Griechenland zahlt man mit Euro, bar oder mit Karte. Geld abheben ist auch kein Problem. Die Lebenshaltungskosten sind etwas günstiger als in Deutschland. Besonders Obst und Gemüse sind nicht teuer, das beliebte Souvlaki Pita (da haben wir uns quasi von ernährt) kostet 2,50€. Auch in Museen und archäologischen Stätten gibt es häufig gesonderte Eintrittspreise für Studierende – wenn man aus der EU kommt, sind sie sogar meistens kostenlos (also unbedingt den lokalen Studienausweis mitbringen!). Insgesamt würde ich ca. 500€ kalkulieren, davon könnt ihr gut einige Wochenendtrips machen, abends ausgehen und am Ende auch noch Souvenirs kaufen.

Sprache

In Griechenland wird natürlich Griechisch gesprochen. Aber ich war erstaunt, wie fantastisch die Ärzt*innen und viele Studierende Englisch gesprochen haben. Ich glaube, ich hatte auch ein bisschen Glück, weil für mich viel während meiner Famulatur übersetzt wurde.
Weil aber viele Internetseiten, Straßenschilder, Busfahrpläne etc. nur in Griechisch verfügbar sind, halte ich es für sinnvoll, im Vorhinein das griechische Alphabet zu lernen – damit kann man sich ganz gut helfen.

Verkehrsbindungen

Wenn man in Patras eine Famulatur macht, sollte man sich in jedem Fall Zeit nehmen, zu reisen. Ich bin eine Woche früher nach Thessaloniki geflogen, habe ein paar Tage dort verbracht und bin dann mit dem Bus über Athen nach Patras gefahren. Während der Famulatur haben wir dann ein paar Wochenendausflüge in die Umgebung gemacht. Dabei kann ich vor allem Lefkada weiterempfehlen, die Insel ist traumhaft und die Anbindung akzeptabel. Bei allen anderen Zielen müsst ihr gucken, ob es Busverbindungen gibt (im September und von Patras aus sind das leider nicht besonders viele) oder ihr mietet euch ein Auto. Züge gibt es von Patras direkt aus keine und habe ich sonst auch nicht benutzt. Fangt in jedem Fall ein paar Tage vorher mit der Planung an, wenn ihr ein anderes Ziel als Athen anvisiert. Busfahren in Griechenland ist nämlich was für Profis. Jede Stadt/Region hat nämlich ihre eigene KTEL Busgesellschaft mit eigener Homepage, eigenen Ticketschaltern und eigenen Haltestellen (klingt verrückt, ist es auch). Online Tickets kann man bei einigen Gesellschaften für einige Verbindungen bekommen, ist aber eher ungewöhnlich. Am einfachsten ist es, zum Schalter zu gehen und sich ein Ticket zu kaufen. Wenn man einmal alle Infos zusammen bekommen hat (die Webseiten sind oft nicht auf Englisch verfügbar und die Verkäufer*innen an den Schaltern sprechen schlecht und sind meistens unfreundlich) und sein Ticket in der Hand hält, ist der Rest leicht. Die Busse sind pünktlich, komfortabel und zuverlässig. In Patras liegt die Hauptbushaltestelle von KTEL Achaias praktischerweise direkt gegenüber eurer Unterkunft.
Von der Innenstadt, wo eure Unterkunft (Hotel Adonis) liegt, bis zum Krankenhaus in Rio sind es ca. 10km. Am einfachsten und günstigsten ist es, mit der Bahn zu fahren. Der Bahnhof ist zu Fuß drei Minuten vom Hotel, der Zug braucht dann 15 Minuten bis zur Haltestelle „Kastelokampos“ und dort wartet ein Shuttlebus (der auch zur Bahngesellschaft TRAINOSE) auf euch, der direkt zur Klinik fährt. Das Monatsticket kostet 15€ und an der Haltestelle „Kastelokampos“ ist direkt ein Strand, an dem man perfekt nach dem Praktikum in der Sonne liegen kann. Leider fährt der Zug nur ein Mal in der Stunde. Ansonsten kann man auch für 0,80€ pro Strecke mit einem der Busse der Linien 601, 602, 604 etc. fahren. Die brauchen eine halbe Stunde bis zum Krankenhaus und fahren alle zehn Minuten, ein Monatsticket gibt es aber leider nicht. Die Fahrkarten kauft man an einem Kiosk, im Bus sind sie deutlich teurer. Aber fragt sonst einfach eure contact person, die bringt euch am ersten Tag sicherlich bis auf eure Station.

Kommunikation

In den EU Ländern sind die Roaming Gebühren ja abgeschafft worden, deswegen ist alles easy. Im Hotel und zum Teil auch im Krankenhaus gibt es außerdem WLAN. Für Kontakt mit den griechischen Studierenden empfehlen sich der Facebook Messenger oder viber, whatsapp ist eher unbekannt.

Unterkunft

Die Unterkunft in Patras könnte man als kleines Minus betrachten. Das Hotel Adonis liegt zwar super zentral, was für die Freizeitgestaltung perfekt ist, hat aber ansonsten ein paar Makel. Geplant waren zwei Personen pro Zimmer, letztendlich waren die meisten von uns wegen Überbelegung aber zu dritt in einem Zimmer. Da wurde dann in die ursprünglich Zwei-Bett-Zimmer einfach ein drittes Bett in die Mitte geschoben, sodass wir wie in einem riesigen Dreierbett geschlafen haben. Drumherum war dann nicht mehr viel Platz, sodass sich immer nur eine Person zur selben Zeit im Raum bewegen konnte. Das Bad war klein, die Dusche ein bisschen schimmelig, die Wände dünn. Unser Balkon war winzig aber mit einem tollen Ausblick aufs Meer. Alles in allem verkraftbar, aber eben auch nicht besonders schön. Ein kleiner Kühlschrank im Zimmer rettet einem das Frühstück, wer Platz im Gepäck hat, kann sich mit einem Wasserkocher schnell Freund*innen machen. Nach zwei Wochen haben wir dann den Lagerkoller bekommen und das ewige „morgen könnt ihr das Zimmer wechseln“ so satt, dass wir ordentlich Druck gemacht haben und dann wirklich in ein größeres Zimmer umziehen konnten. Also wer weiß, ob die Situation in den Folgejahrgängen genau so wird. Angeblich war das dieses Jahr bei uns eine Ausnahme. Aber selbst, wenn nicht, sollte euch das nicht abhalten!

Literatur

Ich empfehle einen Reiseführer, ein paar gute Romane, eine Wörterbuch-App und für die motivierten unter euch ein Taschenlehrbuch für die Leerlaufzeiten. Ansonsten gibt es im Ärzteblatt immer mal wieder einen Artikel zu der Situation in Griechenland (streikende Ärzt*innen, unterversorgte Flüchtlinge, viele Menschen ohne Krankenversicherung etc.), das fand ich ganz interessant, um vorher schon mal einen Eindruck zu bekommen. Ansonsten gibt es aktuell einige Dokumentationen über so genannte solidarische Kliniken in Griechenland, wo Menschen kostenlos versorgt werden (z.B. „Krisis“ von Wolfgang Reincke). Sich da ein bisschen über den Tellerrand zu informieren, kann ich allen nur ans Herz legen!

Mitzunehmen

Was nützlich ist: Utensilien, um sich morgens Frühstück zu machen (z.B. eine Schüssel und ein Löffel für Müsli, ein Messer mit Brettchen…), eine Butterbrotdose, Fenistil, ein paar Süßigkeiten als Dankeschön für eure contact person oder freundliche Menschen im Krankenhaus, Sauerkraut (es gibt eine national food and drinks party, Sauerkraut ist leicht zu transportieren und kommt mit etwas Zwiebeln und Speck sehr gut an), etwas Waschmittel und ggf. Farbfangtücher (der Waschsalon ist nicht weit und im Zimmer sind die Handwaschmöglichkeiten schlecht, wenn ihr das mitbringt, braucht ihr es nicht extra vor Ort kaufen), ein ausgedrucktes Famulaturzeugnis, ein paar lange Sachen für abends (da wird’s am Ende des Monats doch etwas kühler) und dann in jedem Fall noch alles, was ihr so für den Strand braucht!

Was ihr zu Hause lassen könnt: Kasack und passende Hose (sehr unnötig, auch auf den chirurgischen Stationen), eine ISIC = internationaler Studierendenausweis (wurde manchmal hier empfohlen, häufig wird die aber nicht akzeptiert), euren Reflexhammer und Leuchte und alles, was den Koffer ansonsten zu schwer macht.

Reise und Ankunft

HelmSic sieht eine Anreise am 1. September oder später vor, also kommt nicht zu früh an, sonst ist das Hotel noch nicht gebucht. Wer Zeit hat, dem kann ich nur die Reise mit Bus/Bahn und Fähre über Italien ans Herz legen, das habe ich auf der Rückfahrt gemacht und war eine wunderbare und aufregende Erfahrung. Wer direkt nach Patras kommen möchte, ohne vorher zu reisen, dem empfehle ich dringend die Ankunft am Flughafen in Athen, da der lokale Flughafen Araxos von Patras quasi unerreichbar ist. In Athen fahrt ihr mit dem Bus X93 zum Busbahnhof Kiffisos und nehmt da einen Bus der Gesellschaft KTEL Achaias nach Patras. Die Busse fahren halbstündlich und brauchen zwischen zweieinhalb und drei Stunden. Das Busticket Athen-Patras kostet ca. 15€. Etwas günstiger (12,80€) ist die Option Zug, da müsst ihr aber in Kiato von einem Zug in einen Bus umsteigen. Alle Informationen und einen Fahrplan findet ihr auch unter www.patrasinfo.com/en.
In Patras könnt ihr dann, wenn ihr möchtet, von eurer contact person abgeholt und zum Hotel gebracht werden. Da das aber keine 50m vom Busbahnhof sind, ist das nicht wirklich notwendig. Umso angenehmer ist es wiederum, wenn ihr am nächsten Tag zum Krankenhaus gebracht und eurem/eurer Tutor*in vorgestellt werdet. Das Angebot würde ich in jedem Fall annehmen bzw. danach fragen.
Die Abreise ist bis zum 30. September geplant. Um euer HelmSic Zertifikat zu bekommen, müsst ihr an mindestens 80% der Tagen anwesend gewesen sein oder eine gesonderte Vereinbarung mit eurem/eurer Tutor*in getroffen haben. Das Famulaturzeugnis wurde bei mir zeitgleich unterschrieben, sodass ich schon zwei Tage früher abreisen konnte. Da nehmen es die Griech*innen aber insgesamt auch nicht so streng mit.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Insgesamt waren wir ca. 15 SCOPE Incomings im September in Patras, davon sind nur zwei auf einer internistischen Station eingeteilt worden – ich war eine davon. In meiner card of acceptance stand „general internal medicine“, vor Ort bin ich aber in der internistischen Notaufnahme unter Leitung von Herrn Velisaris gelandet. Da die Notaufnahme aber nur montags, mittwochs und freitags offen ist (dienstags und donnerstags übernimmt eine andere Klinik), bin ich an den restlichen Tagen auf Station gegangen. Dadurch waren meine Krankenhaus Erfahrungen etwas anders als die der meisten anderen Austauschstudierenden. In der Inneren Medizin sieht der Tagesablauf der Studierenden in etwa so aus:
8:30 Uhr Beginn, dann Blutentnahmen, Anamneseerhebungen und sonstige Erledigungen für die Assistenzärzt*innen.
9:30 bis ca. 12:30 Visite mit einem Oberarzt (bei mir Herr Siagris, der war super!)
12:30 bis 13:30 oder 14:00 noch mal Untersuchungen etc.
Ab 13:30/14:00 Studierendenunterricht
Organisiert war die Allgemeine Innere in vier Teams mit je einem Oberarzt und drei Assistenzärzt*innen, von denen jede*r wiederum zwei Studierende (eine*r aus dem fünften und eine*r aus dem sechsten Jahr) betreut hat. Jedes Team hatte ca. zehn Patient*innen zu versorgen. Ich wurde einfach einer Assistenzärztin mit zugeteilt und eine Studentin wurde gebeten, für mich zu übersetzen. Das hat auch soweit ganz gut geklappt. Die Studierenden in meinem Team haben sich alle mit um mich gekümmert, sobald wir uns ein bisschen kennen gelernt hatten, und der Oberarzt hat mir in der Visite immer wieder Dinge persönlich übersetzt. Er hat mich auch oft nach vorne gerufen und mich als erste (und manchmal als einzige) irgendetwas tasten oder hören lassen. Manchmal hat er mich auch in der Runde etwas abgefragt, aber in einer freundlichen Art und Weise und mich hinterher meistens gelobt, selbst wenn ich nicht allzu viel wusste. Den Studierendenunterricht nachmittags habe ich nur einmal mitgemacht, weil das auf Griechisch für mich nicht so interessant war und für meine arme Studentin viel zu viel zu übersetzen war.
In der Notaufnahme läuft es natürlich anders ab. Dort gab es den Leiter, Herrn Velisaris, meistens noch zwei Oberärztinnen und drei bis vier Assistenzärztinnen im Dienst. Die Patient*innen sind erst zu uns gekommen, nachdem sie in einer Triage auf die verschiedenen Notaufnahmen verteilt wurden. Die internistische Notaufnahme hat acht Boxen und einen Überwachungsraum mit vier Stellplätzen. Je nachdem wie voll es ist, warten die Patient*innen auch auf dem Flur auf ihre Untersuchung oder die Weiterverlegung auf Station. Manchmal war ich alleine in der Notaufnahme, manchmal waren noch andere griechische Studierende da. So habe ich mir schnell abgeguckt, dass man als Student*in einfach den Ärztinnen hinterherlaufen muss. Wenn man gerade niemanden sieht, der/die neu in eine Box rein geht, kann man auch einfach gucken, was gerade in den anderen Boxen mit zugezogenen Vorhängen passiert und sich dazu stellen. Dann kann man einfach sein Stethoskop mit draufhalten und mituntersuchen oder bei irgendetwas zugucken. Das hat gerade für mich als eher zurückhaltende Person etwas Umstellung erfordert. Zu irgendetwas aufgefordert wird man nämlich nur selten, man könnte wahrscheinlich auch den ganzen Tag auf dem Flur stehen, ohne dass es irgendwen stören würde. Wenn man aber einfach mitläuft und überall rein geht, sind die Ärztinnen immer freundlich und erklären auf Nachfrage auch gerne etwas. Dann zeigen sie dir, wo man was hören oder tasten kann und geben dir kleine Aufträge, wie ein EKG zu schreiben oder arteriell Blut abzunehmen. Am Ende hatte ich die Ärzt*innen alle sehr gern. Das ganze Team war sehr kompetent, alle haben fantastische körperliche Untersuchungen gemacht und waren sehr fleißig. In der Zeit habe ich viel gesehen und gelernt, auch wenn ich mich erst etwas an die benötigte Eigeninitiative gewöhnen musste. An den Tagen, an denen ich in der Notaufnahme war, bin ich meistens etwas länger geblieben als an den Tagen auf Station. Ich habe in der Regel um neun angefangen, bin um eins Essen gegangen und danach noch mal wieder gekommen und bis kurz vor drei geblieben. Einmal bin ich auch zum Spät-/Nachtdienst gekommen, das kann ich in jedem Fall weiterempfehlen!
Insgesamt läuft es in der Uniklinik in Patras schon etwas anders als in Deutschland. Die Studierenden kommen in ihrem fünften Jahr das erste Mal in die Klinik, bleiben dann aber die kompletten zwei letzten Jahre dort. Sie rotieren über die verschiedenen Stationen und sind immer so in Gruppen eingeteilt, dass die jüngeren von den älteren etwas lernen können. Im September haben wir gleichzeitig mit den neuen Studierenden aus dem fünften Jahr angefangen. Ich hatte den Eindruck, dass sie ein sehr fundiertes theoretisches Wissen hatten (besser als ich) und nur bis dahin eben wenig praktische Dinge üben konnten. Die Arbeitsatmosphäre war locker und nett, es wurde viel geplaudert und gelacht, oft hat jemand Kekse oder Gebäck mitgebracht. Das hat mir gut gefallen. Aber auch der Umgang mit den Patient*innen war anders, irgendwie ambivalent. Zum einen war die Distanz viel geringer. Die Patient*innen sind einfach ins Arztzimmer rein spaziert, haben und wurden von den Ärztinnen auch einfach mal gedrückt und haben Plätzchen mitgebracht. Zum anderen war die Beziehung paternalistischer. Untersuchungen wurden ohne groß zu fragen durchgeführt, bei der Anamnese Redeschwälle schnell unterbrochen und die Studierenden durften ohne viel Mitspracherecht der Patient*innen alles mitangucken und machen. Auch die Angehörigen spielen eine viel größere Rolle und werden immer miteinbezogen. Außerdem gab es noch einige Unterschiede in den Untersuchungsmethoden, so wurde zum Beispiel ohne Sonokontrolle alles von Aszites bis Pleura einfach punktiert. Fast alle Patient*innen habe eine digitalrektale Untersuchung bekommen und Blasenkatheter wurden so oft gelegt wie normale Zugänge. Was man in der Notaufnahme noch stark gemerkt hat, ist das fehlende Hausarztsystem. So hatten wir die verschiedensten Fälle von Husten, Schnupfen, Heiserkeit über riesige Tumore, die zum ersten Mal diagnostiziert und in Deutschland viel früher aufgefallen wären, bis hin zu bewusstlosen Patient*innen, die tagelang in der Notaufnahme überwacht werden mussten. Das war für mich sehr eindrücklich.

Land und Leute

In Patras waren wir im September ca. 20 Incomings, von denen die meisten zum professional exchange und einige zum research exchange da waren. Das war eine tolle Möglichkeit, sich über verschiedene Gesundheitssysteme auszutauschen und auch sonst viele Sachen zusammen zu unternehmen. Mittags haben wir im Krankenhaus immer zusammen gegessen und hinterher sind die meisten zum Strand gefahren. Wenn wir nicht am Strand waren, konnte man in der Stadt super bummeln, Kaffeetrinken oder das legendäre Eis bei „Edelweiss“ oder „Caramel“ essen (1€, gigantisch große Kugel, super lecker). Abends haben wir häufig Pita Souvlaki gegessen (als Vegetarierin kommt man nicht weit) und uns hinterher mit einem Bier auf die Treppen beim zentralen Platz gesetzt. Im Laufe des Monats wurden auch die griechische Taverne „Sinialo“, wo man sich riesige Grillplatten teilen und überragenden halbtrockenen Rotwein trinken kann, und der Club „Naya“ (kostenloser Eintritt und verrückter Musikmix) immer beliebter. Insgesamt haben wir nicht allzu viel geschlafen, kann man sagen.
Auch die griechischen Studierenden von HelmSic waren bei unseren Freizeitaktivitäten häufig dabei und haben einige Abende für uns organisiert. So gab es zum Beispiel ein „upon arrival trainig“, die „national food and drinks party“, einen griechischen Abend, ein Lagerfeuer am Strand mit Mondscheinschwimmen und eine Karaoke Nacht.
An den Wochenenden haben wir einige Trips unternommen und waren in Lefkada, Athen, Olympia, Nafpaktos, Kalavrita und Kalogria. Vor allem ersteres kann ich sehr weiter empfehlen. Nehmt euch am besten vorher/hinterher noch ein bisschen Zeit zum Rumreisen, in Griechenland kann man wirklich schön Urlaub machen. Bis auf die Menschen, die im Bereich Tourismus gearbeitet haben, waren die meisten sehr herzlich. Das Essen war etwas fleischlastig aber gut und vor allem der Nachtisch/das Gebäck war fantastisch. Klassisch griechisch ist übrigens der Café frappé (Nestkaffee auf Eis), der wird ständig und überall von allen getrunken.
Als kulturelle Erfahrungen kann ich empfehlen, mal in eine griechische Messe zu gehen, das ist sehr eindrucksvoll und in Griechenland hat Religion noch einen hohen Stellenwert. In Patras selbst lohnt außerdem die Besichtigung von Agios Andreas, dem Wahrzeichen der Stadt, und dem Archäologischen Museum. Spart euch dafür lieber ein paar Museen in Athen, in Patras ist es nicht so überlaufen und wirklich toll aufbereitet. In Thessaloniki war ich außerdem in ein paar Museen für moderne Kunst, da konnte man einige Installationen von zeitgenössischen griechischen Künstler*innen sehen und besonders die Ausstellung im Museum für Fotografie war sehr lohnenswert.

Fazit

Ich hatte quasi keine Erwartungen und wurde positiv überrascht. Vor allem im Krankenhaus habe ich viel mehr gelernt und gesehen, als ich dachte. Die Notaufnahme lohnt sich also auf jeden Fall. Ansonsten hatte ich einen sehr schönen Monat und konnte perfekt Urlaub und Famulatur kombinieren.

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