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Fundacion Omar (Lateinamerika)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Susanne, Regensburg

Motivation

Meine Begeisterung für Südamerika entdeckte ich auf einer Reise nach Kolumbien vor mehreren Jahren. Im WS 18/19 machte ich dann ein Auslandssemester in Madrid um mein Spanisch zu verbessern. Als ich dann erfuhr, dass es über die bvmd die Möglichkeit gibt einen Public Health Austausch zu machen war ich sofort interessiert, da ich es sehr spannend finde mit wenigen Mitteln zu arbeiten das Leben in ärmeren Gegenden kennenzulernen, wo es keine gute Versorgung gibt und mal auf mich gestellt sein wollte. Für die Fundacion Omar Mosquera in Ecuador entschied ich mich dann, weil mir v.a. das Konzept der Mischung aus Prävention und Consulta angesprochen hat. Außerdem interessierte ich mich dafür, das Leben der Indigenen Bevölkerung in den Anden kennenzulernen. Es gab noch Restplätze und so bewarb ich mich im Mai direkt für den kommenden September.

Vorbereitung

Groß vorbereitet habe ich mich nicht, da ich schon relativ viel Reiseerfahrung habe und die Zusage auch relativ spät kam. Ich habe lediglich über den Marburger Bund eine Krankenversicherung für Medizinstudenten abgeschlossen, die Auslandsfamulturen abdeckt, meinen Impfpass gecheckt und die Typhusimpfung auffrischen lassen. Alles weitere hatte ich schon.

Visum

Als deutscher Staatsangehöriger bekommt man das Visum für Ecuador direkt bei der Einreise für 90 Tage. Man muss nur darauf achten, dass der Reisepass noch 6 Monate gültig ist.

Gesundheit

Durch vorherige Reisen hatte ich bereits alle benötigten Impfungen und habe lediglich Typhus (die hält nur 3 Jahre) auffrischen lassen. In meiner Reiseapotheke dabei hatte ich Ibuprofen, Paracetamol, Ciprofloxacin, Lopedium, Reisetabletten gegen Übelkeit, Halspastillen (die sind dort wirklich teuer), abschwellendes Nasenspray, Malarone als Standbymedikation (wobei man das eigentlich nur braucht wenn man vorhat in den Amazonas zu fahren, in den Bergen gibt es eigentlich keine Mücken), Desinfektionsmittel, Pflaster, Elektrolytpulver ein Fieberthermometer und ein paar sterile Nadeln für alle Fälle. Wie bereits gesagt, habe ich eine Auslandskrankenversicherung bei der Allianz abgeschlossen, die über den Marburger Bund vermittelt war, da mein Aufenthalt in Südamerika länger als 40 Tage war. Für einen Aufenthalt von bis zu 40 Tagen reicht aber auch eine beliebig andere Auslands KV.

Sicherheit

Ich habe ich in Ecuador eigentlich zu jeglicher Zeit sicher gefühlt. Man muss natürlich in Städten wie Quito und Guayaquil v.a. nachts sehr aufpassen und sollte dann mit Taxi oder Uber fahren, außerdem sollte man bestimmte Viertel meiden aber tagsüber habe ich mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Und das, obwohl ich am Ende meines Aufenthalts eine Krisensituation den sogenannten `paro` miterlebt habe, bei dem es im ganzen Land 12 Tage lang zu Protesten wegen Verdopplung des Benzinpreises kam. In Riobamba habe ich mich sogar unter die Protestanten gemischt. Ich musste am Ende 230km mit dem Fahrrad zum Flughafen fahren weil es wegen Landesweiten Straßensperrungen keine andere Transportmöglichkeit gab und Autos die Reifen zerstochen wurden, aber zu mir waren die Ecuadorianer stets sehr freundlich haben mir geholfen, und entschuldigten dass ich ihr Land so erleben musste.

Geld

Ich hatte noch ein paar US- Dollar zuhause die habe ich mitgenommen (die Währung in Ecuador ist Dollar)), ansonsten hatte ich zwei Kreditkarten dabei eine Mastercard und eine Visa mit denen man auch immer an Geld kommt. Mit der Kreditkarte von MLP konnte ich z.B. bei der Banco del Austro in Ecuador immer kostenlos abheben. Ansonsten haben verschiedene Banken die unterschiedlichsten Gebühren, das muss man einfach austesten. Preislich ist Ecuador günstig. V.a. der öffentliche Transport und das Essen in Restaurants und an Straßenständen/Märkten ist sehr billig. Der Bus von Quito nach Riobamba (200km in 4h) kostet 4,50$ ein normales Mittagsmenu ca. 3$. Wenn es aber um Einkäufe im Supermarkt geht und man mal Kekse oder so etwas möchte muss man die gleichen Preise wie bei uns erwarten. Auch alkoholische Getränke wie Bier sind vergleichsweise teuer (ca. 2$ für 1l)

Sprache

In Ecuador wird Spanisch und die indigene Sprache Kichwa gesprochen. Um im Projekt zu arbeiten würde ich schon ein gutes B2 Niveau empfehlen, besser sogar C1 um gut zurecht zu kommen. Man muss ja alles verstehen können und dann auch auf Spanisch erklären und Therapievorschläge geben. In den Communidades gab es auch öfter Fälle, dass Patienten nur Kichwa gesprochen haben, dann gab es aber jemanden der für uns auf Spanisch übersetzt hat. Das Spanisch in Ecuador ist aber generell sehr gut verständlich die Leute sprechen langsam und deutlich. Ich hatte an der Uni in Deutschland Kurse bis B2 belegt und war dann im Erasmus in Spanien wo ich auch einen C1 Kurs gemacht habe. Da ich ein halbes Jahr in Spanien studiert habe kannte ich auch schon etwas `medizinisches´ Vokabular und hab mich deshalb nicht weiter vorbereitet.

Verkehrsbindungen

Das Verkehrsnetz in Ecuador ist sehr gut. Es fahren eigentlich überall Busse und das zu sehr günstigen Preisen. Die Langstreckenbusse haben außerdem meist eine sehr gute Qualität. Man geht einfach zum Terminal und kauft dort ein Ticket für den nächsten Bus, vorreservieren ist untypisch. Die Straßen auf den Hauptreiserouten sind, was mich überrascht hat, auch sehr gut. Riobamba liegt ziemlich mittig in Ecuador man kommt also überall recht leicht und schnell hin. Quito und Guayaquil erreicht man in ca. 4h. Cuenca in 5h. Latacunga in 2h. Baños in nur 1,5h.

Kommunikation

Ich habe mir direkt bei Ankunft eine Simkarte vom Anbieter Claro gekauft, da ist der Anbieter mit der breitesten Abdeckung aber auch etwas teurer als Movistar und CNT. Die Simkarte kostet erst 4$ für 7 Tage mit 1GB Internet und 100 Freiminuten/SMS, ein Plan kostet dann 10$ für 3GB Internet und unbegrenzt Freiminuten und SMS innerhalb Ecuador für 30 Tage. Man muss sich zwar mit einem ecuadorianischen Ausweis registrieren, das machen aber meistens die Shopbesitzer für einen. Im Haus von Omar gibt es auch Wlan, das Signal reicht aber nur bis zum ersten Fenster des Hauses in dem man als Freiwilliger wohnt, weswegen ich meistens meine mobilen Daten verwendet habe.

Unterkunft

Gewohnt haben wir auf demselben Grundstück wie die Familie von Omar, dem Chef der Fundación. Omar wohnt mit seiner Frau Susy und seinem Sohn Aaron in einem Haus, gegenüber wohnt eine Schwester und ein Bruder von Omars Frau mit Familie und wir haben nebenan gewohnt. Zu meiner Zeit waren ich und Charlotte, die andere Voluntärin der bvmd, die einzigen Freiwlilligen von Übersee und wir hatten das Haus also für uns zu zweit und hatten jeder ein eigenes Zimmer. Im Februar und März kommen aber soweit relativ viele Freiwillige aus Spanien, wie die Situation dann genau gehandhabt wird weiß ich nicht. Dann müsste man sich wahrscheinlich ein Zimmer teilen. Omar meinte zu uns auch dann wird die Gruppe geteilt, die einen bleiben in Riobamba und die anderen fahren in einen anderen Teil des Landes. Wir waren auch eine Woche in Puerto Lopez und dort haben wir zusammen mit den freiwilligen Zahnärzten aus Ecuador in einem Hotel gewohnt (Hostal Alcazaba, sehr nette Besitzer, empfehlenswert!)
Frühstück gab es bei Omar Zuhause, in Puerto Lopez im Hotel oder direkt in den Communidades, Mittagessen gab es meist in den Communidades und Abendessen dann wieder bei Omar bzw im Hotel. Ein ecuadorianisches Essen besteht zumeist aus einer Suppe als Vorspeise, die fand ich eigentlich immer sehr lecker, einem Saft und einem Hauptgericht bestehend aus Reis einer Art von Fleisch (an der Küste Fisch) und 2 Blättern Salat. Das war nicht besonders abwechslungsreich, aber für mich als Nicht-Vegetarierin ok. Für Charlotte als Vegetarierin war es etwas schwieriger, da man in Ecuador schon viel Fleisch isst und es für sie dann oft bei Reis blieb z.T. mit einem Stück Avocado. Die Ecuadorianer mischen auch sehr gerne verschiedene Typen von Kohlenhydraten auf einem Teller, es kann also schon mal vorkommen, dass man Nudeln, Reis und Kartoffeln auf ein und demselben Teller findet.
Für Kost, Logie und Transport zahlt man an Omar pauschal 300$ wenn zwei Voluntäre der bvmd gleichzeitig vorort sind und 500$ wenn man alleine ist. Ich finde die Summe schon angebracht, wenn man sieht was man dafür alles bekommt.

Literatur

Als Reiseführer hatte ich den Lonely Planet Ecuador dabei (davon ist aber sogar ein Exemplar im Haus von Omar vorhanden) und den Rother Wanderführer Ecuador dabei. Ich habe mir vorher Amboss aufs Handy geladen und eine Arzneimitttelapp, um Dosierungen von Medikamenten nachzuschauen, das war sehr hilfreich und würde ich jedem empfehlen.

Mitzunehmen

An Material hatte ich mein Stethoskop dabei, ein Fieberthermometer und ich habe mir sogar kurz vorher noch ein billiges Otoskop gekauft (was auch gut war, weil das von Omar nicht mehr funktioniert hat). Außerdem habe ich eine Packung Handschuhe dabei gehabt (die fehlen im Projekt eigentlich immer) und Handdesinfektionsmittel. Über Spenden freut sich Omar auch immer, ich hatte nur Zahnbürsten und Zahnpasta für den Bereich Odontologia dabei, weil ich davor in Kolumbien war und keine Medikamente über die Landesgrenze tragen wollte aber Charlotte hat einen Koffer mit Medikamentenspenden von unified for health mitgebracht. Das war super, da viele Medikamente die häufig gebraucht werden nicht mehr vorhanden waren (z.B. Diclofenac, Ibuprofen). Wir haben für die Arbeit im Projekt eigentlich immer die dort vorhandenen Klamotten angezogen, die Vorgänger dort gelassen haben. Meist eine Kasackhose und Oberteil sowie Jacke der Fundacion. Ansonsten bin ich nur mit meinem Reiserucksack hingeflogen. Man sollte schon ein paar warme Klamotten mitnehmen, in Riobamba wird es kalt, wenn die Sonne nicht scheint und es regnet auch regelmäßig, den Rest je nachdem wo man noch vorhat hinzufahren. Empfehlenswert ist es ausreichend Mückenspray Sonnencreme und Shampoo mitzunehmen, da Kosmetik in Ecuador sehr teuer ist. Über meine Wanderschuhe war ich auch sehr froh, da man in Ecuador echt toll trekken gehen kann. Bettwäsche muss man nicht mitnehmen, ein kleines Reisehandtuch würde ich schon einpacken, bei Omar bekommt man nicht immer Handtücher und in den Hostels manchmal auch nicht. Wichtig ist es auch ein paar Kopien vom Reisepass dabei zu haben, da man den dann nicht überall mit hin nehmen muss, mit Kopien kommt man innerhalb Ecuadors eigentlich gut durch. Außerdem das schon das ausgedruckte Formular, was man zur evtl. Anerkennung einer Famulatur bräuchte.

Reise und Ankunft

Ich bin mit Avianca geflogen. Auf dem Hinweg bin ich von München über Bogota nach Cali in Kolumbien geflogen, weil ich dort tanzen gehen wollte und bin dann nach 2-3 Wochen auf dem Landesweg nach Ecuador eingereist. Vorher sollte man sich über die Situation and er Grenze informieren. Einen Tag bevor ich drüber bin war sie nämlich gesperrt da es Proteste de Venezolaner wegen Änderung der Visabedingungen gab. An dem Tag als ich rüber bin gab es allerdings keinerlei Probleme. Ich war dann noch 3 Tage in Otavalo im Norden von Ecuador, wo ich unter anderem bei der Laguna Cuichocha auf dem Vulkan Fuya Fuya und auf dem Mercado de Animales am Samstagmorgen war, und habe mich danach mit Charlotte in Quito getroffen. Am Sonntag bevor das Projekt losging sind wir dann von dort zusammen mit dem Bus nach Riobamba gefahren wo wir dann von Omar und seinem Sohn Aaron (der eigentlich immer überall dabei ist) abgeholt wurden. Montag hatten wir dann überraschenderweise noch frei und konnten die Stadt etwas kennenlernen und uns orientieren, was in den Medikamentenkoffern vorhanden war. Dienstag ging es dann mit dem Projekt los.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Was ich in dem Zeitraum, in dem ich dort war etwas schade fand ist, dass wenig Fokus auf Prävention war. Die Leute die das normalerweise machen waren wohl zur Zeit nicht da, im Winter machen es wohl immer die Spanier. Für uns hatte Omar das nicht eingeplant. Und so war unsere Aufgabe eigentlich immer Sprechstunde zu machen. Zuerst wurden von den Medizinstudenten aus Ecuador (die waren erst im 3. Semester) Blutdruck, Größe, Gewicht und Temperatur gemessen und dann wurden die Patienten zu uns geschickt. Bei uns war es dann eigentlich wie eine Sprechstunde beim Allgemeinarzt, nur mit weniger Diagnostikmöglichkeiten. Wir hatten lediglich unser Stethoskop, Otoskop, Glucometer und U-Stix zur Verfügung und natürlich körperliche Untersuchung und Anamnese. Das ist natürlich oft nicht ausreichend und so musste man die Patienten darauf verweisen in ein Centro de Salud zu gehen um weitere Diagnostik zu machen, oder ihnen empfehlen zu welchem Spezialisten sie gehen sollen. Ob sie das dann natürlich machen ist die andere Frage. Die Medikamente, die man verschreiben wollte schrieb man dann auf einen Zettel, mit dem die Patienten zu unserer ``Apotheke`` gegangen sind, die meistens von einem der ecuadorianischen Medizinstudenten aus dem niedrigeren Semestern geleitet wurde. Alle vorhandenen Medikamente hat Omar in mehr oder weniger geordnet in verschiedenen Reisekoffern gelagert und werden dann in den Communidades auf einem Tisch aufgebaut.

In der Sierra (Gebirge) waren die häufigsten Beschwerden Arthrose und damit verbundene Schmerzen. Da kann man dann eben wenig machen außer Schmerzmittel verschreiben. Ab der zweiten Woche war eine ecuadorianische Ärztin dabei, die sich auf Neuraltherapie spezialisiert hatte, ab da habe ich dann ab und zu auch mal `gequaddelt` wie es bei uns heißt. Ob das so viel gebracht hat weiß ich nicht, aber es gibt einem ein gutes Gefühl irgendetwas zu tun und die Patienten waren auch immer sehr dankbar. Außerdem oft vertreten: Harnwegsinfekt, V.a. Parasiten, Kopfschmerzen, Schwindel, Gastritis. Jedem zweiten Patienten habe ich dazu geraten mehr Wasser zu trinken und die Ernährung umzustellen, die Menschen dort trinken wirklich wenig und wenn man das ecuadorianische Essen sieht weiß man auch woher die Gastritiden kommen. Wenn man kein Medikament verschrieben hat dann haben die Menschen meistens nach Vitaminen gefragt, mit leeren Händen wollte keiner nach Hause gehen. An der Küste häufiger vertreten waren Diabetes und hoher Blutdruck. Eine Frau kam z.B. mit einem so entgleisten Blutzucker dass das Glucometer es nicht mehr angezeigt hat >600 mg/dl, die habe ich dann direkt in die Klinik geschickt. Selten haben wir auch die bereits vorhandene Medikation umgestellt. Das ist natürlich eher nicht so toll, wenn man nur einmal da ist, und die Person dann nie wieder sieht. Ich habe dann immer versucht genau zu erklären und auch aufgeschrieben, warum ich umgestellt habe und gesagt sie sollen das mit dem Arzt besprechen, der sie normalerweise behandelt. Ich habe oft gutes Feedback bekommen, v.a. in der Hinsicht, dass ich viel versucht habe zu erklären woher die Beschwerden der Menschen kommen, viele sagten zu mir im Centro de Salud nehme man sich nicht so viel Zeit. Es wurde sich auch echt immer vielmals bedankt. Öfters kamen auch Eltern mit ihren behinderten (z.T. schon erwachsenen) Kindern, oft mit Epilepsie bzw anderer körperlicher geistiger Behinderung, die wollten dann ein generelles Check Up haben, was mit unseren diagnostischen Möglichkeiten und Kenntnissen natürlich schwierig war. Da blieb dann nicht viel übrig als zu sagen sie müssten da zum Neurologen gehen. Eine Unterschrift im Heft, dass sie von einem ´´Arzt´´ gesehen wurden wollten sie trotzdem haben. Das ist das nächste, man gewöhnt sich daran aber man muss darauf gefasst sein, dass man den Menschen dort als Arzt vorgestellt wird bzw. von den Menschen dort ein Arzt erwartet wird und nicht ein Medizinstudent. Das ist am Anfang natürlich eine Herausforderung, alle Entscheidungen selber zu treffen und es fühlt sich auch nach viel Verantwortung an, aber wie gesagt man gewöhnt sich dran und wirklich bahnbrechende Medikamente verschreibt man meistens sowieso nicht, bei Unklarheiten haben wir immer auf Amboss und in der Arzeimittelapp nachgeschaut (Dosis etc.). Ich fand es war eigentlich mal eine gute Erfahrung auf sich alleine gestellt zu sein. Wir waren immer vorsichtig und haben uns oft auch abgesprochen aber man traut sich nach und nach mehr zu und die Leute dort vertrauen einem auch mehr, man wird nicht wie bei uns in Deutschland gleich angezweifelt, wenn man nicht direkt weiter weiß, und erst was nachschauen muss, das gibt einem Sicherheit. Ich habe dadurch natürlich fachlich nicht so wahnsinnig viel gelernt, außer das was ich durch das nachschauen auf Amboss erfahren habe und ein bisschen Neuraltherapie aber es war auf jeden Fall eine Erfahrung und man lernt wie man mit Situationen umgehen kann, in denen man nicht sofort weiß worum es geht.

Eine Woche waren wir auch in einer Schule in einer Communidad in der Nähe von Riobamaba, dort ging es dann sogar etwas um Prävention. Charlotte und ich haben da ein paar sogenannte ´´Charlas`` in Sexualkunde für Mädchen gehalten, einer der männlichen Odontologen hat sich um die Sexualkunde für Jungs gekümmert. Dies lief bis auf die vereinzelten Sprachpatzer unsererseits ganz gut wo die Klasse uns dann nicht verstand oder sich über unsere Aussprache lustig gemacht hat. Letztendlich haben wir aber ganz gutes Feedback bekommen und alle meinten sie hätten etwas gelernt.

Land und Leute

Ecuador im Vergleich zu anderen Südamerikanischen Ländern ziemlich klein, aber sehr vielfältig. Es hat 4 verschiedene Zonen: die Sierra (das Gebirge), die Selva (den Regenwald), die Küste und die Galapagos Inseln. In der Sierra in der wir uns die meiste Zeit aufgehalten haben, sind die Leute etwas zurückhaltender, hier wohnt auch der Großteil der indigenen Bevölkerung, die oft auch noch ihre traditionelle Kleidung tragen. Man fällt als Ausländer schon auf aber man wird auf der Straße nicht oft direkt angesprochen und kann sich problemlos frei bewegen ohne sich zu fühlen als wäre man von einem anderen Planeten. Man bewegt sich in der Sierra eigentlich konstant auf einer Höhe von 2500-3000m, die Landschaft ist geprägt von Vulkanen wie Chimborazo, Cotopaxi, Altar, Ilinizas.. für Trekking begeisterte ein Paradies. An der Küste sind die Menschen etwas offener, hier wird man öfters angesprochen und es wird mehr getanzt und gefeiert. Es gibt wunderschöne Strände zum surfen und im August/September kann Wale beobachten.

Während meiner Zeit im Projekt waren Charlotte und ich die einzigen Voluntäre aus dem Ausland, wir waren auch mit der ecuadorianischen Ärztin, die manchmal dabei war, die einzigen die für Medicina General zuständig waren. Der Rest des Teams zu unserer Zeit waren Zahnmedizinstudenten bzw. absolventen aus Riobamba. In unserer zweiten Woche waren wir alle gemeinsam in Puerto Lopez und so hatten wir die Möglichkeit das ganze Team sehr gut kennenzulernen und haben uns gut mit ihnen angefreundet. Dort haben wir auch viel zusammen unternommen, wie nachmittags zum surfen fahren, Lagerfeuer machen und feiern gehen, von den Organisatoren dort wurde uns auch eine gemeinsame Whale Watching Tour spendiert, was sehr schön war. Charlotte und ich nutzten es dann noch aus, dass wir schon an der Küste waren und fuhren noch nach Montañita und machten eine Tagestour zur Isla de la Plata, wo wir unter anderem Delfine sahen! Ein sehr empfehlenswerter Strand in der Gegend ist auch der von Ayampe und Los Frailes bei Puerto Lopez. Dass wir das Team nun gut kannten war natürlich dann für die weiteren Wochen in Riobamba sehr schön, da wir Anschluss gefunden haben und auch nachmittags z.T. noch Sachen zusammen unternommen haben. Das einzige Problem waren z.T. deren Eltern. Die meisten wohnten noch Zuhause und so mussten sie noch die Regeln der Eltern befolgen die oft Verbote aussprachen.

An einem weiteren Wochenende fuhren Charlotte und ich nach Baños, was sehr nah an Riobamba ist. Baños ist bekannt als Tor zum Amazonas und man merkt schon, wie die Vegetation sich ändert. Sehr empfehlenswert dort ist die Ruta de los Cascadas mit dem Fahrrad zu fahren oder auch die 60km weiter bis nach Puyo im Amazonas. Außerdem kann man in Baños alle möglichen Extremsportarten ausprobieren oder in den heißen Quellen des Tungurahua baden.

Nachdem die 4 Wochen in der Fundación vorbei waren startete für uns das Projekt Akklimatisierung für den Chimborazo. Nachdem wir diesen nämlich die ganze Zeit von unten betrachtet hatten, hat es uns gepackt und Charlotte und ich wollten beide hoch. Hierfür machten wir die 2-tägige Wanderung zur Laguna Amarilla des Altar und übernachteten dort im Zelt auf 4000m (hier wurden wir auch von Zahnmedizinern begleitet). Dann fuhren wir nach Latacunga und von dort aus nach Isinlivi um in 2 Etappen über Chugchilan zur Laguna Quilotoa zu laufen. Ebenfalls sehr empfehlenswert. Und dann waren wir noch zwei Tage im Cotopaxi Nationalpark, liefen bis zum Gletscherbeginn auf 5100m übernachteten dort im Refugio auf 4800m und am nächsten Tag erklommen wir noch den Volcan Rumiñahui auf 4700m.
Als wir dann wieder aus dem Nationalpark rauskamen wurden wir von einem Generalstreik der Transportunternehmen in ganz Ecuador überrascht. Die Regierung hatte nämlich übernacht beschlossen die Benzinpreise zu verdoppeln. Es fuhr also entlang der Panamericana gar kein Auto mehr, da auch die meisten Straßen eben durch die Transportistas blockiert waren. Über eine Nebenstraße, eigentlich eher ein Feldweg, schafften wir es dann nach Latacunga zu trampen, wo wir dann aber übernachten mussten. Dass uns diese Situation jetzt noch für den Rest unserer Zeit in Ecuador das Leben schwer machen würde davon ahnten wir natürlich nichts und so beschlossen wir am nächsten Tag (Freitag) von Latacunga nach Riobamba zu trampen um unser Vorhaben auf den Chimborazo zu steigen umzusetzen, was auch ganz gut funktionierte. Am Abend hoben die Transportunternehmen den Streik auch wieder auf und so dachten wir es sei jetzt wieder alles normal. Nun ging aber der ``Paro`` der Indigenen los, der noch viel schlimmer und weitläufiger war. Am Samstag waren alle Ausfahrten aus Riobamba gesperrt, überall lagen Bäume auf der Straße und brannten Reifen man ist nirgendwo hingekommen. Am Sonntag haben wir es dann tatsächlich mit unseren Guides für den Chimborazo über einen Feldweg zum Nationalpark geschafft und konnten somit am Sonntagabend den Aufstieg wagen. Es war eine wahnsinnige Erfahrung nachts auf einem Gletscher bei einer 45 Grad Steigung auf über 6000m zu steigen, die sich wirklich gelohnt hat. (man geht um 22 Uhr los und um 6.30/7 Uhr wird umgedreht egal wie weit man gekommen ist, da dann die Lawinengefahr steigt). Als wir dann aber wieder runterkamen mussten wir bemerken, dass unser Feldweg jetzt auch gesperrt war und mussten dann die 30km nach Riobamba zurück laufen.
Auch in den nächsten Tagen hat sich die Situation nicht gebessert in Quito war die Situation mittlerweile einem Bürgerkrieg gleich und die Proteste und Straßensperren gingen weiter und so ist zuerst Charlotte und dann später auch ich auf ein Fahrrad gestiegen und mit Gepäck in 3 Tagen die 230km nach Quito geradelt um unseren Rückflug nach Deutschland zu erwischen (der Flughafen war das einzige im ganzen Land was funktioniert hat). Zum einen fand ich es schade, weil ich sehr gerne noch nach Cuenca gefahren wäre um Freunde zu besuchen und auch in den Amazonas, dies wegen dem Paro aber nicht möglich war. Anderseits war es auch eine einmalige Erfahrung mit dem Fahrrad auf einer autofreien Panamericana durch die Anden von Ecuador zu fahren und sich von Straßensperre zu Straßensperre zu bewegen. Entlang des Weges habe ich viele sehr nette Menschen getroffen. Ich als Ausländerin wurde auch immer ohne Probleme durchgelassen (vereinzelt wurde ich auf Waffen durchsucht) und man interessierte sich dafür was ich machte und wo ich herkam. Mich hat es sowieso total überrascht wie freundlich alle Menschen trotz des Ausnahmezustands waren viele entschuldigten sich auch dafür, dass ich ihr Land in so einem Zustand erleben muss. Am Tag meiner Ankunft in Quito wurde nach einem intensiven Dialog der Regierung mit den Vertretern der indigenen Bevölkerung der Paro nach 12 Tagen wieder aufgehoben und die Benzinpreise wieder gesenkt.

Fazit

Für mich war meine Zeit in Ecuador eine ganz besondere. Besonders gefallen hat mir, dass es eine sehr `Lokale` Erfahrung war, da wir fast nur mit Ecuadorianern zu tun hatten und so viel besser die Kultur und die Lebensweise von dort kennenlernen konnten, was normalerweise als normaler Rucksacktourist, der in Hostels übernachtet nicht so der Fall ist. Die Ecuadorianer sind ein wahnsinnig freundliches, aber nicht zu aufdringliches Volk und das Land ist wirklich wunderschön und hat auf kleinstem Raum vieles zu bieten. Ich werde auf jeden Fall irgendwann wieder zurück fahren um Freunde zu besuchen, nach Cuenca und in den Amazonas zu fahren und um die Galapagos Inseln kennenzulernen. Ich hatte natürlich auch Glück, dass Charlotte und ich uns so gut verstanden haben und ich somit die ganzen Erfahrungen mit jemandem teilen konnte. Ich kann jedem empfehlen einen Public Health Austausch in der Fundación Omar Mosquera zu machen. Omar und seine Frau Susy geben sich viel Mühe, dass es den Voluntären gut geht und es ist auch wenn man fachlich nicht so viel lernt eine tolle Erfahrung mal auf sich selber gestellt zu sein und dabei eine neue Kultur kennenzulernen! Ich könnte mir auch vorstellen später nochmal im Projekt mitzuarbeiten oder auch sonst eine Zeit lang in Ecuador zu arbeiten.

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