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Portugal (ANEM Portugal)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Saam, Köln

Motivation

Ich habe mich für einen Austausch in Portugal entschieden, da ich bereits vorher dort war und mich die Kultur vor Ort sehr interessiert hat. Mit dem Austausch habe ich mir erhofft einen besseren Einblick in das Land und die Menschen zu bekommen, da meine Besuche vorher nur von kurzer Dauer waren.

Vorbereitung

Ein kleiner Sprachkurs (etwa A2) wäre zu empfehlen. In den großen Städten sprechen die meisten Leute zwar auch Englisch, wenn man sich allerdings auf die Kultur einlassen will, habe ich gemerkt, dass die Einheimischen sich sehr freuen, wenn man zeigt, dass man sich etwas Mühe gibt um sie zu verstehen.
Wenn man bereits in Europa durch einige Länder gereist ist, denke ich allerdings, dass man sonst keine großen Vorbereitungen treffen muss.

Visum

Ich habe kein Visum benötigt, da ich einen deutschen Pass besitze.

Gesundheit

Ich habe immer meine eigene kleine Reiseapotheke dabei. Dazu gehören ein paar Ibus, Pflaster, ein kleines Desinfektionsspray, u.ä.
Zum Glück habe ich nichts davon gebraucht, bis auf meine Oropax, da in Lissabon die Müllabfuhr immer mitten in der Nacht kam und ich durch den Lärm anfangs immer aufgewacht bin.
Draußen den Standardimpfungen, die auch in Deutschland empfohlen werden, habe ich keine weiteren gesundheitlichen Vorkehrungen getroffen.

Sicherheit

Ich hatte mal gehört, dass Portugal irgendwann zum drittsichersten Land der Welt gezählt wurde.
Als 28-jähriger Student, der in seiner Freizeit z.T. Selbstverteidigung lernt, habe ich mich entsprechend sicher gefühlt, obwohl ich natürlich trotzdem kleine, dunkle Gassen vermieden habe, was ich allerdings auch in Deutschland tun würde. In Lissabon laufen, gerade in den Touri-Zentren, viele Straßendealer rum, die einem jede Droge verkaufen wollen, die man sich wünschen kann. An denen am besten einfach vorbei gehen ohne sie groß zu beachten, wobei ich dabei auch nie große Angst hatte, da sie auch nur ihren Stoff loswerden wollen und nicht nach Schlägern aussahen.
Von den Studentinnen, mit denen ich unterwegs war, habe ich allerdings auch teilweise gehört, dass sie ab einer bestimmten Zeit ungern alleine unterwegs waren.

Geld

In Portugal wird in Euro gezahlt und je nachdem was man kaufen möchte sind die Preise teilweise viel günstiger, gerade was Lebensmittel angeht. Für ein gutes Essen im Restaurant zahlt man allerdings nicht viel weniger als in Deutschland.
Sehr zu empfehlen ist eine Kreditkarte, mit der man im Ausland kostenfrei überall Bares abheben kann (z.B. DKB, APO-Bank). Das kontaktlose Bezahlen mit der Kreditkarte ist dort außerdem ebenfalls viel weiter verbreitet als in Deutschland.

Sprache

Die Hauptsprache ist natürlich Portugiesisch, es heißt also nicht gracias oder cerveca. Die Portugiesen finden es nicht besonders nett, wenn Leute, die fließend Spanisch sprechen, spanische Wörter benutzen, in der Hoffnung, dass es sich auf portugiesisch ähnlich anhört. Auch wenn diese beiden Sprachen große Ähnlichkeiten haben, gibt es auch viele Unterschiede und gerade das Portugiesisch, dass man in Portugal spricht klingt anfangs sehr abgefahren.
Ich habe mit der Zeit gelernt die Sprache zu mögen und möchte sie Lernen. Mit den meisten Programmen lernt man hier allerdings eher das brasilianische Portugiesisch, was sich deutlich unterscheidet. Auch wenn die Portugiesen die Brasilianer problemlos verstehen, macht man sich gerne dort über die Brasilianer u.a. aufgrund der Sprache lustig.

Verkehrsbindungen

Die Infrastruktur ist gut aufgebaut. In den großen Städten gibt es viele Busse und tlw. Metros und die Züge fahren ebenfalls schnell und vergleichsweise günstig zwischen den Städten hin und her.
Ich habe in Lissabon ein Monatsticket für ca. 45€ gehabt, mit dem ich auch bis zu den umliegenden Stränden kam.

Kommunikation

Das digitale Netz ist gut ausgebaut in Portugal, die meisten Läden/Lokale bieten kostenloses WiFi an und auch das Telefonieren war nirgendwo ein Problem. Da es mittlerweile auch keine Roaminggebühren in Europa mehr gibt, habe ich oft, ohne zusätzliche Kosten, nach Hause telefonieren/chatten können. Da kommt es auf Euren individuellen Handytarif an.

Unterkunft

Meine Unterkunft wurde von den dortigen Studenten organisiert. Ich habe mit zwei weiteren Studenten, die ebenfalls einen Forschungsaustausch gemacht haben, in einem Zimmer, in einem Hostel gewohnt. Das Hostel selbst und auch die Zimmersituation war gewöhnungsbedürftig, da man aber auch viel draussen war und der Monat schnell vorbei ging, war es auszuhalten. Für einen längeren Zeitraum, hätte ich allerdings mir persönlich gerne etwas mit mehr Privatsphäre geholt.

Literatur

Literarisch habe ich mich leider gar nicht belehrt, was ich auf die Sprachbarriere zurückführe.
Falls man allerdings der Sprache mächtig ist, gibt es viele große, alte Bibliotheken, die auch durch ihre Baukunst hervorstechen.

Mitzunehmen

Ich habe es bereut Sonnencreme, Shampoos und andere Hygieneprodukte mitzubringen, da diese vor Ort genauso viel, wenn nicht sogar günstiger waren. Das Einzige wovon ich zu wenig hatte waren T-Shirts/Hemden zum wechseln, da es jeden Tag sehr heiß war. So musste ich in einem Monat ca. 3-4 Wäsche waschen, was jedes mal ca. 5-6€ gekostet hat.

Reise und Ankunft

Die Anreise war sehr angenehm. Ich wurde von einer Studentin im Vorhinein kontaktiert, die mich vom Flughafen mit dem Auto abgeholt hat und bis zu meinem Hostel gefahren hat.
Ich bin ca. vier Tage vor Beginn angekommen, was ich als sehr angenehm fand, da man sich an die Stadt gewöhnen konnte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Da ich mich auf einen Forschungsaustausch beworben habe, hatte ich leider keinen Einblick auf das Gesundheitssystem oder die Umstände in den Krankenhäusern. Die Forschungsarbeit habe ich in einem gemischten Forschungsinstitut, dem CEDOC, absolviert. Das CEDOC hat mehrere Arbeitsgruppen, die u.a. In den Bereichen Biologie, Onkologie, Cardiovaskuläre Krankheiten forschen.
Eigentlich habe ich über die IFMSA die Zusage bekommen, in einer Arbeitsgruppe zu forschen, die sich mit Makula Degeneration auseinander setzt. Als ich in Lissabon angekommen bin, wurde mir allerdings gesagt, dass dieses Fach nicht mehr zur Verfügung steht und mir wurden einige andere Forschungsgruppen genannt, u.a. eines, dass im Gebiet der diabetischen Retinopathie forscht. Da ich mich sowieso für Gebiete der Ophtalmologie interessiere, habe ich letzteres gewählt. Auch dieses Fach ging dann aber leider an eine andere Studenten, so dass ich zugelost wurde in eine Arbeitsgruppe im Bereich der Soziologie.
Die Gruppe, in der ich eingesetzt war, hatte die Internetplattform „Patient Innovation“ gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, Menschen mit chronischen Krankheiten eine Plattform zu bieten, ihre eigenen Ideen, die ihnen im Alltag mit ihren Krankheiten helfen, zu teilen. Jeder Mensch mit einer Einschränkung konnte seine Idee auf der Internetseite hochladen und teilen. Die Idee wurde zunächst von einem Team mit medizinischem Hintergrund auf Korrektheit überprüft, damit keine Ideen geteilt werden, die evtl. schädliche Auswirkungen auf andere haben könnten. Sobald dies gewährleistet war, wurde die Idee veröffentlicht und konnte über die Suchfunktion auf der Internetseite von Patient Innovation gefunden werden.
Im CEDOC haben hauptsächlich die Informatiker und Techniker von Patient Innovation gearbeitet und so wurde es meine Aufgabe die veröffentlichten Ideen zu durchsuchen und diese mit medizinischen Stichwörtern zu versehen, um die Suchfunktion der Internetseite zu verbessern. Jede Idee, bzw. Lösung wird mit Stichwörtern in sechs verschiedenen Kategorien eingeteilt. So kann z.B. ein Hilfsmittel, für Menschen mit Amputationen gefunden werden, wenn man nach der Krankheit, dem Hilfsmittel oder z.B. den Symptomen sucht.
Es handelte sich also um eine Arbeit am Computer, die ich selbst flexibel einteilen konnte. Das Team war ausgesprochen freundlich und lud immer ein zusammen Mittag essen zu gehen und jeder wirkte sehr interessiert an meiner Herkunft und meiner Arbeit. Von ihnen habe ich auch viele Tips bekommen, um etwa gut Essen zu gehen oder welche Strände man unbedingt mal sehen sollte.

Land und Leute

Wie bereits erwähnt, habe ich eine sehr positive Erfahrung gemacht im Umgang mit den Einheimischen. Auf der Arbeit habe ich viele Tips für meine Freizeit erhalten und auch die Studentinnen, die meinen Austausch organisiert haben, haben sich bemüht uns die Stadt zu zeigen, obwohl ihr Semester ebenfalls im September losgeht und sie gerade zu Beginn wenig Zeit hatten.
In den ersten Tagen habe ich die Stadt alleine und meist zu Fuß erkundet. Es gibt genug Plätze mit Cafés, in die man sich setzen kann und einen schönen Ausblick genießen kann, während man für wenig Geld einen Kaffee und allerlei Gebäck/Süßes genießen kann, wofür Portugal u.a. bekannt ist.
Sobald das Praktikum los ging, habe ich die anderen Austauschstudenten kennen gelernt und wir haben zunächst angefangen die Touristenattraktionen abzuklappern. Lissabon ist eine wunderschöne Stadt mit viel Geschichte, mit der sich die meisten Menschen auch auskennen.
Mein Eindruck war, dass der Tourismus für die meisten Menschen allerdings Fluch und Segen zugleich ist. Das Land nimmt sehr viel Geld durch den Tourismus ein, wenn man jedoch mit den Einheimischen darüber spricht, sagen sie auch, dass sie teilweise (besonders im Sommer), von den Massen genervt sind.
Nach der ersten Woche fing ich an zu Erasmus Events zu gehen. Dort lernt man natürlich ebenfalls jede Menge andere Leute aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt kennen, da Lissabon als sehr beliebtes Erasmus-Ziel gewählt wird. Mit Hilfe der Facebook-Gruppe hat man jeden Tag genug Leute finden können um etwas zu unternehmen oder man konnte z.B. fragen, ob sich gewisse Trips lohnen.
Ich hatte das Glück, dass ich im vorigen Semester eine portugiesische Austauschstudentin betreut habe, die mich dann viel rumführen konnte und an den Wochenenden auch mal mit ins Innere des Landes an sehenswürdige Orte bringen konnte, an die man ohne Auto nur schwer hin kommt.
Was mich etwas bedrückt hat war, dass fast jeder junge Student sehr davon angetan war nach dem Studium auszureisen. Gerade Medizinstudenten, haben es dort wohl sehr schwer nach dem Studium ihrem Wunschjob nachzugehen, da es das dortige System nicht so einfach zulässt. Viele erhoffen sich eine bessere Zukunft im Ausland, die meisten mit denen ich geredet haben auch in Deutschland, wollen jedoch trotzdem nur sehr ungern ihre Heimat verlassen.
Insgesamt wirken die meisten Portugiesen, die ich kennen gelernt habe, sehr Heimatverbunden und freuen sich jedem, der Interesse an ihrer Kultur zeigt, ihnen diese näher zu bringen.

Fazit

Insgesamt habe ich dort viele neue, hauptsächlich, positive Eindrücke bekommen und meine Erwartungen wurden alle erfüllt.
Portugal kann ich jedem empfehlen, der in ein mediterranes Land reisen will und eine einzigartige Kultur erleben will, die es sonst in keiner anderen Art und Weise in Europa gibt.

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