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Iceland (IMSA)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Lisa, Berlin

Motivation

Um ein Land auf eine andere Weise als nur auf touristischem Wege kennenzulernen, entschied ich mich für eine Famulatur im Ausland. Besonders Skandinavien reizte mich als Reiseziel, da ich im letzten Jahr bereits zwei Wochen durch Schweden reiste und von dem Land und den Menschen begeistert war.

Vorbereitung

Als eine der besten Vorbereitungen auf den Stationsalltag empfand ich die Aufbesserung meiner medizinischen Englischkenntnisse. Ich besuchte einen Wochenendkurs zur Patientenkommunikation und erlernte Vokabular zur Anamneseerhebung, welches mir auf Station weiterhalf.

Visum

Ich benötigte für die Dauer meines Aufenthaltes kein Visum. Allgemein benötigen deutsche Staatsangehörige für die touristische Einreise nach Island für einen Aufenthalt von bis zu 3 Monaten kein Visum. Es wird ein gültiger Personalausweis oder Reisepass gefordert.

Gesundheit

Vom Gastland werden neben einer vollständigen Immunisierung gegen Diphterie, Tetanus, Pertussis, Polio, Mumps, Masern, Röteln und Hepatitis B auch ein negativer Tuberkulose-Status mittels Mendel-Mantoux-Tuberkulin-Hauttest oder Röntgen-Thorax verlangt.
Außerdem werden zwei negative MRSA-Abstriche, einer zum Zeitpunkt der Bewerbung und einer kurz vor Reiseantritt, zwingend vorausgesetzt. Der Betriebsarzt konnte mir diese nicht verschaffen, weshalb ich beide auf eigene Kosten in einem Labor durchführen ließ.

Sicherheit

Island ist ein sehr sicheres Reiseland, weshalb ich keine weiteren Vorkehrungen traf. Während meines Aufenthalts fühlte ich mich stets sicher und hatte keinerlei Bedenken hinsichtlich der Sicherheitslage. Ausgehen war zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich.

Geld

Die Isländische Krone (ISK) ist die Währung Islands mit einem aktuellen Wechselkurs von ca. 1 EUR = 140 ISK. Es kann nahezu alles mit Kreditkarte gezahlt werden, Bargeld wird nicht zwingend benötigt, aber akzeptiert.
Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland deutlich höher, vor allem Restaurant- und Barbesuche sind sehr kostspielig. Ich empfehle die Happy Hour in den Bars zu nutzen :)

Sprache

Isländisch ist die Amtssprache, sie wird von allen Isländern fließend gesprochen. Außerdem werden Dänisch und Englisch von vielen Isländern beherrscht, Englisch wird allerdings oft nur von der jüngeren Generation (unter 50 Jahren) gesprochen. Für mich war Englisch die Basis jeglicher Kommunikation in Island, weshalb es sehr gut beherrscht werden sollte.

Verkehrsbindungen

Neben dem Flugzeug gäbe es alternativ auch eine zweitägige Fährverbindung von Dänemark nach Island als Anreisemöglichkeit. Ich nutzte die Flugverbindung von Berlin über Köln nach Keflavik. Keflavik Airport ist der einzige Flughafen im Land, welcher den gesamten internationalen Flugverkehr abwickelt. Von dort aus verkehren regelmäßig Busse nach Reykjavik (ca. 45 Minuten Fahrzeit).
Allgemein sind Busse die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel. Wir bekamen von der Austauschorganisation für den gesamten Austauschzeitraum eine Monatskarte für den Raum Reykjavik gestellt. Weitere Entfernungen können mit den Fernbussen zurückgelegt werden. Für Ausflüge nutzten wir als Gruppe allerdings immer einen Mietwagen. Die Preise sind abhängig vom Anbieter und dem jeweiligen Modell, im Vergleich zu Deutschland aber gehoben.

Kommunikation

Seit dem Wegfall der Roaming-Gebühren innerhalb der EU fallen keine weiteren Kosten für das Telefonieren oder Surfen in Island an. Außerdem ist an allen Klinikstandorten der Internetzugang „eduroam“ verfügbar.

Unterkunft

Wir, die Austauschstudenten, wurden in einem Haus auf dem Klinikgelände untergebracht. Normalerweise nutzen es Ärzte für einen temporären Aufenthalt am Standort, doch im Sommer steht es allein den Austauschstudenten zur Verfügung. Die Innenstadt war mit dem Bus etwa 20 Minuten entfernt.
Das Haus verfügte über eine voll ausgestattete Küche, eine Waschmaschine, ein Wohnzimmer und einen Wintergarten. Bäder waren auf beiden Etagen vorhanden und die Zimmer waren für eine, zwei oder drei Personen ausgelegt. Bettwäsche wurde gestellt.
Alles in allem etwas rustikal, aber mit allem ausgestattet, was für den Alltag benötigt wird.

Literatur

Als Flug-Lektüre packte ich einen schmalen Reiseführer ein, der mir einen ersten Eindruck über das Land vermittelte. Vor Ort verließ ich mich aber vollkommen auf die Empfehlungen der lokalen Studenten und Ärzte, die die perfekten Berater für das jeweils nächste Ausflugsziel waren.
Als medizinisches Nachschlagewerk nutzte ich neben der Lektüre auf Station vor allem den englischsprachigen Amboss.

Mitzunehmen

Es empfiehlt sich, wasser- und winddichte Kleidung einzupacken, um bei sehr regnerischen und windigen Tagen dem Wetter trotzen zu können. Außerdem sind Wanderschuhe bei Ausflügen außerhalb Reykjaviks vorteilhaft, da es auch steinige und steile Wege zu erklimmen gilt. Badesachen sind unbedingt einzupacken für ein Bad in den heißen Quellen Islands.

Reise und Ankunft

Praktikumsbeginn war am Montag. Es bestand jedoch die Möglichkeit, bereits am vorherigen Wochenende anzureisen, um entspannter in die Woche zu starten. Ich nutzte diese Option und kam am Freitagnachmittag in Reykjavik am Busbahnhof an. Dort empfing mich meine Kontaktperson und fuhr mich mit samt meinem Gepäck zur Unterkunft. Sie zeigte mir alle Räume und die nächstgelegenen Einkaufsmöglichkeiten.
Am Wochenende reisten fast alle anderen Austauschstudenten an, weshalb wir die Zeit nutzten, die Umgebung fußläufig zu erkunden und uns kennen zu lernen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

An unserem ersten Tag empfing uns eine kleine Gruppe lokaler Studenten im Krankenhaus. Nach der Registrierung im Computersystem wurde uns die jeweils zugeteilte Station bekannt gegeben, die leider nicht immer mit der im Vorfeld zugesagten Station übereinstimmte. Anschließend führte uns jeweils ein Student auf Station und stellte uns kurz der Stationsleitung vor. Ich kam mit zwei weiteren Austauschstudentinnen auf die Kardiologie.
Die Kardiologen teilten sich in drei Teams für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen, der Herzinsuffizienz und dem akutem Koronarsyndrom auf. Wir drei Austauschstudentinnen teilten uns auf die Teams auf und wechselten diese auch während unserer Famulatur.
Der Kliniktag startete für uns um 8:00 Uhr mit der Morgenkonferenz der Kardiologen. Diese wurde allerdings ausschließlich auf Isländisch abgehalten, was es für uns schwierig machte zu folgen. Anschließend informierte sich das Ärzteteam über die aktuellen Patientenfälle. Das Ärzteteam umfasste in der Regel einen Oberarzt, einen Assistenzarzt und einen Medizinstudenten, der als Junior Doc in den Semesterferien auf Station arbeitete. Die Visite erfolgte immer zusammen mit dem Pfleger, welcher für den Patienten zuständig war. Außerdem besprachen sich die Ärzte und der jeweilige Pfleger vorab, weshalb sich die Visite über mehrere Etappen zog und meist den gesamten Vormittag in Anspruch nahm.
Oft sprachen die Ärzte während der Visite nur auf Isländisch, da viele ältere Patienten kein Englisch beherrschten. Die Ärzte übersetzen aber anschließend den Inhalt des Gesprächs für mich und wiesen mich ggfs. auf Vitien zur Auskultation hin. Bei englischsprachigen Patienten führte ich selbst eine Anamnese und körperliche Untersuchung durch. Besonders in Erinnerung blieb mir ein älterer Seefahrer, der sich die größte Mühe gab, mir seine Lebens- und Krankengeschichte mit einfachsten englischen Worten zu erzählen.
Nach der Mittagspause ging ich meist auf die Interventionelle Kardiologie und konnte im Saal oder am Monitor das Vorgehen der Ärzte bei Eingriffen am Patienten verfolgen. Es wurden vor allem Ballondilatationen und Stentimplantationen in Koronargefäße durchgeführt, aber auch Herz-schrittmacher-Implantationen, Katheterablationen und Perikardpunktionen. Außerdem erfolgte an bestimmten Tagen der Woche die Kardioversion von Herzrhytmusstörungen, welche ich auch unter Supervision durchführen durfte. Die Konversion in einen Sinusrhytmus selbst herbeizuführen gab mir ein sehr gutes, schon fast euphorisierendes Gefühl :)
Das isländische Gesundheitssystem ist im Vergleich zum Deutschen komplett digitalisiert. So können Ärzte auf Station auch die Befunde ihrer niedergelassenen Kollegen lesen und zudem einsehen, welche Medikamente verordnet wurden und ob der Patient diese auch in der Apotheke abholte.

Land und Leute

In unserer Freizeit unternahmen wir oft etwas in der Gruppe, aber auch von den Locals wurde ein gemeinsames buntes Programm organisiert. In der ersten Woche veranstalteten wir ein Barbecue mit all unseren Kontaktpersonen zusammen und lernten uns beim Kubb-Spiel kennen. Die Scavenger Hunt führte uns durch die komplette Innenstadt Reykjaviks und anschließend in die Bars der Stadt. Außerdem unternahmen wir an einem Nachmittag zusammen mit den Locals eine Wanderung auf den größten Berg nahe Reykjavik „Esja“.
Die Wochenenden boten sich für Ausflüge in andere Gebiete Islands an. Das erste Wochenende organisierten wir innerhalb der Gruppe Mietwägen und Schlafplätze und fuhren in die Westfjorde. Es bot sich eine unglaubliche Landschaft bei herrlichem Sonnenschein! Wir besichtigten unter anderem „Dynjandi“, einen der spektakulärsten Wasserfälle Islands und „Látrabjarg“, einen der größten Vogelfelsen der Welt. Natürlich nahmen wir auch ein Bad in den Hot Pots, die über die ganze Insel verteilt sind. Die heißen Quellen sind wesentlicher Bestandteil der isländischen Badekultur. So gab es in Reykjavik auch viele Schwimmbäder, in denen wir uns auch des Öfteren nach der Arbeit trafen.
Das zweite Wochenende verbrachten wir zusammen mit den Locals im Snæfellsjökull-Nationalpark. Ein Student übernahm die Reiseleitung und führte uns zu einem Vulkan, verschiedenen Küstenorten, Wasserfällen und zu einer Gruppe Robben. Abends aßen wir zusammen traditionell Lamm, welches die Locals für uns zubereiteten, und feierten eine Party.
Allgemein gab es viel frischen Fisch zum Essen, besonders lecker war die Fischsuppe in einem ausgehüllten Brotlaib. Kein Wunder also, dass Island im weltweiten Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch führt. Wer wollte, konnte auch Hai oder Puffin probieren. Zum internationalen Dinner gab es von isländischer Seite Trockenfisch mit Butter zum Bestreichen, Lakritz in allen Varianten und fermentierten Hai. Letzterer wohl aber eher als Mutprobe, da der intensive Geruch sogar die meisten Locals abschreckte.
Am dritten Wochenende unternahmen wir mit den Locals eine Tagestour entlang des Golden Circle, einer vor allen bei Touristen beliebten Reiseroute in Südwest- und Süd-Island. Wir sahen den Thingvellir-Nationalpark, den aktiven Geysir "Strokkur" sowie den Wasserfall "Gullfoss" und ließen den Tag gemeinsam in einer heißen Quelle ausklingen.
Allgemein fühlte ich mich stehts willkommen im Land und genoss es, in die isländische Natur und (Bade-)Kultur eintauchen zu können. Nochmals ein riesiges Dankeschön an die Studentengruppe vor Ort für die tolle Organisation!

Fazit

Meine Erwartungen wurden übertroffen. Neben der Tätigkeit im Krankenhaus blieb genug Zeit am Wochenende gemeinsame Ausflüge zu unternehmen, um das Land zu erkunden. Die unglaubliche Vielfalt der Naturschauspiele Islands ist atemberaubend und unvergesslich. Leider reichte die Zeit nicht aus alle Gebiete Islands zu entdecken, weshalb ich definitiv eine weiter Reise erwäge.
Die Famulatur bat mir die ideale Möglichkeit mein medizinisches Englisch zu trainieren und zu verbessern. Ich bin sehr dankbar für das Angebot dieses Auslandaufenthaltes!

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