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Netherlands (IFMSA-The Netherlands)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Elisabeth, Regensburg

Motivation

Durch eine Auslandsfamulatur wollte ich die kulturellen und medizinischen Unterschiede zwischen Deutschland und meinem Austauschland kennenlernen. Nach einer anderen Famulatur in dem Dritte-Welt-Land Nepal, wollte ich nun die gänzlich gegensätzliche Seite erleben und bewarb mich deshalb für die Niederlande, die durch moderne Medizin und technisch fortgeschrittene Krankenhäuser überzeugen. Ich wollte so die Unterschiede der verschiedenen Medizinsysteme vergleichen und außerdem meine eigenen Fertigkeiten verbessern.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf meine Famulatur habe ich einerseits andere Berichte zu diesem Land gelesen und hatte außerdem engen Kontakt zu den LEOs aus Nijmegen. Diese beantworteten mir organisatorische Fragen und erklärten mir genau, was mich am ersten Tag erwarten wird. Obwohl jeder in den Niederlanden perfekt Englisch spricht, würde ich empfehlen, einen Basiskurs Niederländisch zu absolvieren. Die Vokabeln, insbesondere im medizinischen Bereich, waren dem Deutschen und Englischen zwar ähnlich, jedoch ist die Aussprache vollständig anders, so dass minimale Sprachkenntnisse sicher hilfreich sind.

Visum

Da die Niederlande und Deutschland beide innerhalb der EU liegen musste ich kein Visum beantragen.

Gesundheit

Ich habe keine speziellen Vorkehrungen für meine Gesundheit getroffen. Sämtliche Medikamente konnte ich auch in den Niederlanden besorgen, wobei es diese dort oft auch in Supermärkten zu kaufen gab. Für die Famulatur musste ich allerdings in einem maximal zwei Wochen alten Test nachweisen, dass ich MRSA negativ bin, sowie einen Tuberkulose Test, der maximal ein halbes Jahr alt ist, mitbringen. Ebenfalls musste ich bestätigen, dass ich gegen Hepatitis B und MMR geimpft bin.

Sicherheit

Die Niederlande gelten als eines der sichersten Länder weltweit. Diese Erfahrung habe ich ebenfalls gemacht, so dass ich mich zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt habe und keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen treffen musste.

Geld

Die Lebenshaltungskosten in den Niederlanden waren vergleichbar mit Deutschland. Da man in den Niederlanden ebenfalls in Euro zahlt und an eigentlich allen Banken gegen einen Auslandsaufpreis zwischen 3 und 5€ Geld abheben kann, war dies nie problematisch. Allerdings ist Bargeld in den Niederlanden fast nicht in Gebrauch, da man fast alles mit Kreditkarte bezahlt (auch Beträge wie 1€ für einen Kaffee). Deshalb empfehle ich, in jedem Fall eine funktionierende Kreditkarte mitzubringen.

Sprache

Wie bereits erwähnt spricht jeder Niederländer neben Niederländisch perfekt Englisch und freut sich, Gespräche auch auf Englisch mit dir zu führen. Außerdem sprechen viele Niederländer mindestens ein paar Grundbausteine Deutsch, da viele dies in der Schule haben. Daher kommt man auch ohne Niederländisch gut durch das Praktikum. Allerdings freuen sich die Niederländer sehr, wenn man selbst ein wenig Niederländisch spricht und es erleichtert im Krankenhausalltag insbesondere den Umgang mit den Patienten. Wenn Zeit besteht würde ich deshalb einen Niederländisch Kurs besuchen, um die Grundgrammatikregeln und einfache Phrasen bereits zu können, wenn man in den Niederlanden anfängt.

Verkehrsbindungen

In den Niederlanden ist das Bus und Bahnnetzwerk sehr gut ausgebaut. In meinen vier Wochen dort habe ich nur einen einzigen Zugausfall miterlebt, sonst kam es im Bereich des Bahnnetzwerks nie auch nur zu Verspätungen. Zu Beginn meiner Famulatur erhielt ich eine Personal Railway Card des Betreibers NS, da man, um zu den Zügen zu gelangen, durch eine Schranke gehen muss. Das Zugfahren ist relativ teuer mit Preisen von ca 20€ für zwei Stunden Fahrt, allerdings braucht man von Nijmegen aus fast nie länger als diese Zeit um in die meisten großen Städte der Niederlande zu kommen. Angereist bin ich aus Deutschland ebenfalls mit dem Zug, was vollkommen unproblematisch war.

Kommunikation

Die Wohnung, in der ich gewohnt habe, verfügte über gratis WLAN. Da die Niederlande in der EU liegen, konnte ich außerdem ganz normal meinen Handyvertrag nutzen und telefonieren. Somit war es kein Problem, den Kontakt nach Hause aufrecht zu erhalten.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde durch die LEOs aus Nijmegen organisiert. Da im September Studienbeginn in den Niederlanden ist, konnten diese keine Wohnung in Nijmegen selbst finden, so dass ich 20 min mit dem Zug außerhalb gewohnt habe. Dadurch hat sich meine An- und Abreise zur Klinik von 10 min mit dem Fahrrad auf 40 min von Tür zu Tür verlängert, was manchmal den Kontakt zu Studenten, die in Nijmegen wohnten, erschwert hat. In Ravenstein hatte ich ein Zimmer inklusive Küchenzeile und Bad für mich, welches vollständig ausgestattet war, so dass ich nichts weiter mitbringen musste. Dies war für mich sehr praktisch!

Literatur

Ich habe mir den Lonely Planet Niederlande gekauft, in dem nicht nur Kulturelles zu den Niederlanden stand, sondern auch viel über mögliche Wochenendausflüge. Für meine Famulatur in der Anästhesie habe ich außerdem das englische Kapitel Anästhesie in Amboss gelesen.

Mitzunehmen

Ich habe hauptsächlich Kleidung für verschiedene Wetterlagen mitgenommen, wie mir von den LEOs empfohlen wurde, da das Wetter in den Niederlanden sehr wechselhaft ist. Da ich außerdem keine Waschmaschine in meiner Unterkunft hatte, lohnt es sich definitiv genug Kleidung mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Ich bin mit dem Zug einen Tag vor Praktikumsbeginn aus Deutschland angereist. Meine Contact Person hat mich in Ravenstein am Bahnhof abgeholt und mich zu meiner Unterkunft gebracht, wo sie mir außerdem ein Rad bereitgestellt hat, damit ich am nächsten Tag zum Zug fahren konnte. Daraufhin waren wir noch kurz Einkaufen, um für mich einige Basics zum Essen zu besorgen. Am nächsten Morgen habe ich mich mit einem Medizinstudenten getroffen, der mich in die Anästhesie zu meinem Einführungstreffen begleitet hat und die Formalitäten mit mir erledigt hat.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Famulatur habe ich in der Anästhesie der Universitätsklinik Nijmegen, Radboudumc, absolviert. Am ersten Tag bekam ich zunächst bei der Medewerkersplein mein Namensschild sowie Zugangsdaten zum Computersystem des Krankenhauses und Kittel für Arbeit außerhalb des OPs. Daraufhin wurde ich der Abteilung vorgestellt und genauer in das Computersystem und den Arbeitsablauf der Anästhesie eingeführt. Die nächsten vier Wochen verbrachte ich in den OPs der verschiedenen Fachabteilungen, wobei ich immer einem anderen Anästhesisten zugeteilt war. Der typische Tagesablauf begann mit einer Morgenbesprechung um viertel vor acht, in der Fälle des letzten Nacht besprochen wurden. Diese wurde auf niederländisch abgehalten, so dass ich teilweise nicht alles verstand. Daraufhin ging ich in den OP des Tages. Je nach OP wurden zwischen einem und sechs Eingriffen pro Tag zwischen acht und 16 Uhr geplant. Im OP wurde zunächst immer eine Vorstellungsrunde abgehalten, in der jeder, der an diesem Tag in dem OP eingeteilt war, seinen Namen und seine Funktion gesagt hat. Ein großer Unterschied hier war, dass jeder sich mit Vornamen angesprochen hat und auch die Hierarchie deutlich geringer war als in Deutschland. Daraufhin holten wir den ersten Patienten und begannen mit der OP Vorbereitung. Zu Beginn habe ich hier viele der Tätigkeiten beobachtet, durfte aber von Anfang an bei der Patientenversorgung mithelfen. Dazu gehörte das Einstellen der Beatmungsmaschine sowie die Verkabelung der Patienten mit EKG Elektroden, Blutdruckmanschette und Sauerstoffsensor. Der Anästhesist verabreichte dann die Medikamente, während ich die Präoxygenierung übernahm. Von Anfang an durfte ich den ersten Intubationsversuch übernehmen, wobei ich sowohl Intubieren als auch Präoxygenieren in dieser Famulatur sehr gut beigebracht bekam und lernte. Da dies meine Hauptgründe waren, eine Famulatur in der Anästhesie durchzuführen, bin ich sehr zufrieden, dass ich dies so oft machen durfte. Mit der Zeit begann ich auch, die Medikamente für den nächsten Patienten vorzubereiten und die Ausleitung zu übernehmen. Somit konnte ich die Routinearbeit eines Anästhesisten selbst kennenlernen und übernehmen. Den Patienten wird bereits in der Aufnahme ein venöser Zugang gelegt, so dass ich diese Aufgabe nicht häufig machen musste. Umso mehr freute es mich, wenn ich arterielle Zugänge legen durfte, da ich dies vor dieser Famulatur noch nie gemacht hatte. Ein Unterschied zu Deutschland war die Ausbildung der Anästhesieschwestern. Diese ist sehr praktisch gelegt, wobei alle hier intubieren können und auch das Legen eines Zugang normalerweise von den Schwestern übernommen wird. Ich hatte das Gefühl, dass die Ausbildung auf einem sehr hohen und praxisorientierten Stand läuft und habe oft von den Schwestern gute Tipps erhalten. Zum Ende des Tages gab es um viertel vor fünf eine weitere Besprechung, in der spannende oder schwierige Fälle, die im Laufe des Tages passiert sind, zu besprechen. Gleichzeitig mit mir war ein niederländischer Medizinstudent auf der Anästhesie eingeteilt. Das Studium in den Niederlanden gliedert sich in einen Bachelor und Masterstudiengang, die jeweils drei Jahre umfassen. Insgesamt waren alle Mitarbeiter der Anästhesie mir gegenüber sehr freundlich und brachen mir viel bei, sowohl praktisch, als auch während der OP theoretisch beispielsweise über die Funktionsweise des Beatmungsgeräts, Unterschiede verschiedener Analgetika... so dass ich mit viel neuem Wissen aus dieser Famulatur gehe.

Land und Leute

Da die Niederlande ein vergleichsweise kleines Land sind, ist auch alles leicht zu erreichen. Nijmegen liegt relativ mittig, so dass eigentlich alle Orte innerhalb von 3 h mit dem Zug zu erreichen sind. Da ich unter der Woche meistens bis halb sechs in der Klinik war und durch die Zuganbindung an bestimmte Zeiten gebunden war, ging ich ein paar Mal mit Leuten, die ich kennengelernt habe, Essen und habe die restlichen Aktivitäten auf das Wochenende verlegt. Nijmegen selbst ist eine historische Stadt, die ich am ersten Wochenende besichtigte. Das Stadtzentrum hat viele nette Häuser, Cafes und Geschäfte. Am Fluss gibt es einen Bereich, in dem einige Stände Getränke und Essen ab dem späten Nachmittag verkaufen und man sich auf improvisierte Sitzgelegenheiten niederlassen kann um den Sonnenuntergang zu genießen – sehr empfehlenswert. Außerdem besichtigte ich Rotterdam mit seiner modernen Architektur, wobei mir diese Stadt von allen in den Niederlanden am besten gefallen hat. Durch seine Lage am Wasser und die vielen Grünzonen mit netten Cafes und verrückter Architektur fühlt man sich hier sofort wohl. Empfehlenswert ist eine Fahrt auf den Euromast, da man hier die ganze Stadt überblicken kann sowie ein Spaziergang entlang des Flusses Richtung Brücke. Auch die Cube Houses und die Markthalle sind sehenswert. Von hier ist es außerdem nur ca. eine Stunde nach Schreveningen, ein Vorort von den Haag, der einen kilometerlangen Sandstrand hat. Hier kann man Windsurfen, Wellenreiten oder einfach nur das Meer genießen. Natürlich darf auch ein Besuch in Amsterdam nicht fehlen, wobei ein Wochenende nicht genug Zeit ist um alle Sehenswürdigkeiten, die die Stadt zu bieten hat, zu besichtigen. Meine Highlights waren hier eine Grachtenrundfahrt, das Anne Frank Haus, die Museen und der A’DAM Tower, der einen Blick über die ganze Stadt bietet. Utrecht ist architektonisch vergleichbar mit Amsterdam, nur dass die Touristenmassen noch nicht bis hier vorgedrungen sind, so dass man gemütlich zwischen den Gassen die Architektur besichtigen kann. Leider habe ich es nicht geschafft, die Kinderdijk Windmühlen bei Rotterdam zu besichtigen, die Unesco Weltkulturerbe sind, sowie das voorLinden Museum in der Nähe von Schreveningen, das außergewöhnliche internationale Kunstausstellungen zeigt. Egal was man mag, die Niederlande haben mit Sicherheit etwas für jeden. Auch kulinarisch kommt jeder auf seine Kosten. Es gibt eine große Auswahl an internationalen Gerichten, die aus den Kolonien der Niederlande mitgebracht wurden, außerdem sollte man auf jeden Fall Poffertjes essen, kleine Pfannkuchen mit Puderzucker und Pommes, die es an jeder Straßenecke zu kaufen gibt.

Fazit

Wie immer wenn man in einem neuen Land lebt, hat man Vorstellungen und Erwartungen an den Aufenthalt. In den Niederlanden wurden meine Erwartungen fast vollständig erfüllt, die Menschen sind nett und hilfsbereit und ein weiterer Besuch in Rotterdam ist definitiv geplant um die Stadt weiter kennenzulernen. Auch die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus überzeugen, insbesondere die vier Tage Woche in Nijmegen hat mich überzeugt.

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